Die Alpha-7-Familie von Sony hat sich vom Paria zum Star gemausert. Da ist es nur verständlich, dass die unabhängigen Objektivhersteller an diesem Erfolg teilhaben möchten. So auch Tamron mit seinem 28-75mm F/2.8 Di III RXD, das jetzt in den Handel kommt. Das Zoom füllt eine Lücke, die durchaus noch im inzwischen ansehnlichen Objektivangebot von Sony klafft – es ist nämlich leicht und kompakt. Kann das Tamron 28-75mm F/2.8 Di III RXD auch optisch überzeugen? Ich hab’s ausprobiert.
Sony hat zwar mit dem 24-70 /F2.8 GM bereits ein lichtstarkes Standardzoom im Programm, doch das Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD möchte durchaus eine Alternative sein. Klar, ihm fehlen untenrum ein paar Millimeter Brennweite – oder technisch ausgedrückt: Das G-Master-Objektiv von Sony erfasst einen Bildwinkel von 84 Grad, beim neuen Tamron ist er mit 75 Grad etwas enger. Vor allem aber ist das Tamron deutlich günstiger: Seinem Straßenpreis von rund 835 Euro stehen einem Angebot von ca. 2025 Euro beim Sony G-Master gegenüber.

Das Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD (rechts) ist deutlich leichter und kompakter als das FE 24-70 /F2.8 GM von Sony (links). In der Mitte das FE 24-70mm ZA OSS. Bild: camerasize.com.
Vor allem der Preisunterschied zwischen den beiden 2.8er-Zooms hat mich neugierig auf das neue Tamron gemacht. Hinzu kommt, dass es mit einem Gewicht von 550 Gramm deutlich leichter ist als das Sony-Zoom ist (-336 Gramm). Also habe ich es ein paar Tage an eine Alpha 7 III angesetzt, aber auch an einer Alpha 7R II kam es zum Einsatz. Übrigens: Direkt verglichen habe ich die das Sony- und das Tamron-Zoom nicht, ich habe mich ganz auf das neue Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD konzentriert.
Konstruktion und Handling
Äußerlich präsentiert sich das neue Tamron schlicht. Der Tubus ist zwar unverkennbar aus Kunststoff, aber durchaus aus einem hochwertigen, der einen robusten Eindruck auf mich gemacht hat. Der Bajonettring ist aus Metall, eine Gummilippe dichtet den Anschluss zur Kamera sicher ab.

Dank seiner kompakten Bauweise und der hohen Lichtstärke ist das Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD ein ideales Reportage-Zoom für die Alpha-7-Familie von Sony.
Auf einen Bildstabilisator verzichtet das Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD. Mich hat das nicht weiter gestört, die Alpha 7 III ist ja mit einem stabilisierten Bildsensor ausgestattet. Vermisst habe ich allerdings einen AF-/MF-Umschalter am Objektiv. So zuverlässig der Autofokus der Alpha 7 III auch ist – er stellt eben bevorzugt auf den Vordergrund scharf. Und dann sind schon einmal die Grashalme vorne im Fokus und nicht wie beabsichtigt die Landschaft in der Ferne.
Das Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD ist recht schlank (Filterdurchmesser: 67 mm), aber auch recht lang. Befürchtungen, dass es sich an der Kamera als kopflastig erweist, haben sich nicht bestätigt. Die Alpha 7 III und die Alpha 7R II habe ich mit dem Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD als gut ausbalancierte Kombination empfunden, die hervorragend in der Hand liegt.
Autofokus und Zoom
Tamron verspricht beim 28-75 F/2.8 Di III RXD einen flüsterleisen Autofokus, und das ist nicht zu viel versprochen. Das Objektiv verschiebt seine Fokusgruppe wirklich nahezu lautlos, was in Verbindung mit dem vollelektronischen Verschluss der Alpha 7 III auch in sehr ruhiger Umgebung unauffälliges Fotografieren ermöglicht. Schnell ist der Autofokus übrigens auch, das Objektiv ist durchaus Action-tauglich.
Der manuelle Fokusring überträgt wie heute vielfach üblich lediglich Steuerbefehle an die Stellmotoren. Dadurch wirkt das Scharfstellen von Hand etwas schwammig, wirklich gestört hat mich das aber nicht. Gut gefallen hat mir, dass sich am langen Ende ein Abbildungsmaßstab von respektablen 1:4 erzielen lässt.
Ungewohnt war für mich die Anordnung von Zoom- und Fokusring. Gezoomt wird mit dem Ring vorne, der hintere dient zum Scharfstellen – bei den allermeisten Sony-Objektiven ist es umgekehrt. Beim Zoomen gibt das Objektiv nicht so schöne Schabgeräusche von sich – Zoomfahrten beim Filmen sollten man mit dem Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD besser unterlassen.
Abbildungsleistung
An der Kamera hat mir das Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD schon einmal gut gefallen. Doch wie sieht es mit der Abbildungsqualität aus?
Zunächst wollte ich wissen, ob das Standardzoom ein adäquater Partner für die Alpha 7R II mit ihrem 42-Megapixel-Sensor ist. Sorgen haben ich da nicht: Porträtaufnahmen von meinem Kater Scotty am langen Zoom-Ende hat es problemlos gemeistert. Bei Blende F2.8 geraten die Kontraste zwar etwas weicher, feinste Motivdetails werden jedoch keineswegs unterschlagen.

Das Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD liefert dem 42-Megapixel-Sensor der Alpha 7R II genügend Informationen für scharfe und detailreiche Fotos. Hier ein 100%-Ausschnitt, die Aufnahme entstand mit Blende F8 und ISO 2500. Klick ins Bild öffnet 1:1-Ansicht.
Aufgefallen ist mir jedoch, dass das Objektiv bei 75 Millimeter und Offenblende etwas stark vignettiert. Ein ernsthaftes Problem ist das glücklicherweise nicht. Denn bei Aufzeichnung im JPEG-Format kann die Randabdunklung bereits von der Kamera korrigiert werden, bei RAW-Aufnahmen erledigt das das entsprechende Korrekturprofil Lightroom (ab Version 7.4).
Ich würde das Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD zudem als uneingeschränkt Gegenlicht-tauglich bezeichnen. Zwar ist es nicht ganz frei von Flares, wenn etwa die Sonne im Bild steht. Aber die Störungen bleiben schön zurückhaltend, für manche mögen sie gar eine Aufnahme mit Charakter versehen.

Ja, Flares sind bei direktem Blick in die Lichtquelle und kleiner Blende (hier F18) sichtbar, bleiben aber zurückhaltend.
Auch in Sachen Verzeichnung gibt sich das neue Tamron-Zoom kaum eine Blöße. In den JPEG-Dateien sind praktisch keine Verzeichnungen sichtbar, in den RAW-Dateien werden sie von Lightroom quasi auf Knopfdruck korrigiert. Wobei die unkorrigierten RAWs nur an den beiden äußersten Enden des Zooms moderate Verzerrungen zeigen. Das hilft, die Randschärfe nach der Korrektur hoch zu halten. Farbsäume an Kontrastkanten habe ich übrigens auch nicht gefunden, CAs werden ebenfalls digital wegkorrigiert.

Das Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD ist ordentlich korrigiert, den Rest erledigt Lightroom beziehungsweise die integrierte Korrektur der Kamera.
Mit einer maximalen Blende von F/2.8 bei 75 Millimeter Brennweite eignet sich Tamrons Standardzoom durchaus schon als Porträtobjektiv mit beträchtlichem Freistellungspotential. Da fragt sich natürlich: wie sieht’s denn mit dem Bokeh aus?
Ausgerechnet in diesem Punkt schwächelt das bis dahin wirklich gute Objektive. Am langen Ende werden Spitzlichter im Unscharfen mit einem harten Rand versehen, was das Bokeh harsch und unruhig wirken lässt. Da hilft es auch wenig, dass das Bokeh am kurzen Ende ruhiger wirkt – bei Weitwinkelfotos ist ein unscharfer Hintergrund einfach seltener.
Bilder: Bokeh bei 75mm F/2.8
Mein Fazit
Mit dem 28-75 F/2.8 Di III RXD bringt Tamron ein lichtstarkes Standardzoom, dass mir unterm Strich gut gefallen hat. Es ist leicht und handlich, punktet mit seinem flotten und leisen Fokusantrieb und liefert durch die Bank ansprechende Ergebnisse. Nur das Bokeh am langen Zoomende konnte mich nicht überzeugen – schade. Außerdem hätte ich mir einen AF-/MF-Umschalter gewünscht. Doch angesichts des kleinen Preises sind das vernachlässigbare Schwächen, mit denen man beim Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD gut leben kann.
PRO
- Leicht und kompakt
- Flüsterleiser, schneller Autofokus
- Insgesamt gute Abbildungsleistung
- Hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis
CONTRA
- Kein AF-/MF-Umschalter
- Bokeh am langen Ende harsch
- Zoom mit deutlichen Schabgeräuschen
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Technische Daten: Tamron 28-75 F/2.8 Di III RXD
Modell | A036 |
Brennweite | 28–75mm |
Max. Blendenöffnung | F/2.8 |
Bildwinkel (diagonal) | 75°23'–32°11' (Kleinbild-Sensor) // 52°58'–21°05' (APS-C-Sensor) |
Optischer Aufbau | 15 Elemente in 12 Gruppen |
Kürzeste Einstellentfernung | 0,19 m (Weitwinkel) / 0,39 m (Tele) |
Max. Abbildungsmaßstab | 1:2.9 (Weitwinkel) / 1:4 (Tele) |
Filtergröße | Ø67mm |
Max. Durchmesser | Ø73mm |
Baulänge* | 117,8 mm |
Gewicht | 550 g |
Anzahl Blendenlamellen | 9 (kreisrunde Blendenöffnung) |
Kleinste Blendenöffnung | F/22 |
Zubehör (im Lieferumfang enthalten) | Objektivdeckel, Gegenlichtblende |
Verfügbare Anschlüsse | Sony E-Mount |
Wieder mal ein klasse Bericht aus der Praxis.
Was ich mich frage: wäre das Objektiv auch eine sinnvolle Wahl für eine a6500 ?
Wahrscheinlich muss man erst die gleichen Objektive an APSC und KB benutzt haben, damit man versteht, dass Objektive an APSC für die gleiche Auflösung optisch doppelt so hoch wie am KB-Sensor auflösen müssen. Anders gesagt: Ein 24 MP auflösendes KB-Objektiv bringt an APSC nur 12 MP Auflösung.
Um was Vergleichbares für APS-C zu wählen, müsste man allerdings zum A-Bajonett und Adapter greifen. Z.B. Sigma 2,8/17-50 EX plus LA-EA3.
Evt. auch ein Canon-Objektiv und Sigma MC-11.
Da Objektive analog arbeiten ist es völlig unsinnig ein Auflösungsvermögen in Pixel anzugeben, noch dazu berechnet auf die Sensorgröße. Hier werden ja auch ganz andere Linsenbereich verwendet. Rückschlüsse von KB auf APS-C kann man dadurch nicht ziehen.
Hallo Herr Vieten,
vielen Dank für den Test. Können Sie Vergleiche zum Zeiss 24-70 / 4 ziehen? Das kam ja nicht gut weg. Mich würde mal interessieren, ob das Tamron besser ist?
Dazu kann ich leider nichts sagen.
829 Euro sind kein "kleiner Preis"…
Doch, sind es! Testen Sie die Optik mal. Was Besseres gibt es derzeitig nicht. Das G-Master wirkt zwar wertiger, ist aber entgegen den immer wiederkehrenden Behauptungen nicht besser in der Abbildungsleistung. Hier ist Tamron ein ganz großer optischer Wurf gelungen.
Zusätzlich wiegt das Tamron nur die Hälfte und kostet auch soviel. Wirklich tolle Optik!