El Lissitzky, Neuer. Aus der Mappe: Sieg über die Sonne, 1923Die 1920er Jahre im Spe­zi­el­len, das kann man im Nach­hin­ein leicht wissen, waren auf­bre­chend und stil­prä­gend für ein ganzes Jahr­hun­dert. Dieser prä­gen­den For­men­spra­che, und den Künst­lern des Kon­struk­ti­vis­mus, der Neuen Sach­lich­keit und des Neuen Sehens, kann man jetzt in Essen nach­spü­ren, in der Aus­stel­lung „Unsere Zeit hat ein neues Form­ge­fühl“:

Pres­se­mit­tei­lung des Muse­ums Folk­wang:

Unsere Zeit hat ein neues Form­ge­fühl“

Foto­gra­fie, Grafik und Plakat der zwan­zi­ger Jahre
Drei neue Aus­stel­lun­gen der Samm­lung Foto­gra­fie, Grafik und Deut­sches Plakat Museum
vom 28. April 2012 bis 5. August 2012

Neue tech­ni­sche Mög­lich­kei­ten und neue ästhe­ti­sche Theo­rien führ­ten in den 1920er Jahren inter­na­tio­nal zu einem ganzen Spek­trum neuer Stil­rich­tun­gen. Foto­gra­fie, Film und illus­trierte Zeit­schrif­ten fas­zi­nier­ten die Avant­gar­dis­ten und inspi­rier­ten sie zu Expe­ri­men­ten und Erkun­dun­gen. Die Künst­ler der Neuen Sach­lich­keit grenz­ten sich bewusst vom Expres­sio­nis­mus ab, sie woll­ten die opti­sche Erschei­nung der Dinge wie­der­ge­ben. In diesem Jahr­zehnt erreichte auch der Kon­struk­ti­vis­mus seine volle Blüte. Unter dem gemein­sa­men Titel „Unsere Zeit hat ein neues Form­ge­fühl“, widmen sich die Foto­gra­fi­sche Samm­lung, die Gra­fi­sche Samm­lung und das Deut­sche Plakat Museum in drei Aus­stel­lun­gen dieser inno­va­ti­ven und pro­duk­ti­ven Kunst­epo­che.
 

Foto Annelise Kretschmer, Arbeiterdichter Karl Höller, vor 1931

Anne­lise Kret­schmer, Arbei­ter­dich­ter Karl Höller, vor 1931
Brom­sil­ber­ge­la­tine
© Chris­tiane von Königs­löw, Dort­mund
 
 
Foto Aenne Biermann, Drei Eier, 1928

Aenne Bier­mann, Drei Eier, 1928
Brom­sil­ber­ge­la­tine
© Museum Folk­wang, Essen 2012
 
 
Foto Evžen Markalous, Fotocollage, 1928

Evžen Marka­lous, Foto­col­lage, 1928
Brom­sil­ber­ge­la­tine, Buch- und Tief­druck, Kle­be­mon­tage
© Museum Folk­wang, Essen

 
Mit rund 150 Bil­dern und Zeit­schrif­ten macht die Foto­gra­fi­sche Samm­lung das „Neue Sehen“ in der Foto­gra­fie anschau­lich. Die spe­zi­fi­schen Dar­stel­lungs­wei­sen dieser Zeit, wie die der extre­men Per­spek­tive, der Mon­tage und der Foto­gramme sind in Werken inter­na­tio­nal renom­mier­ter Foto­gra­fen wie László Moholy-Nagy, Man Ray, Albert Renger-Patz­sch, Edward Weston oder Walter Peter­hans zu finden. In einem eige­nen Bereich wird dem Schaf­fen der Foto­gra­fin­nen beson­dere Auf­merk­sam­keit gewid­met, die in dieser Dekade neue Tätig­keits­be­rei­che erober­ten. Arbei­ten von Aenne Bier­mann, Flo­rence Henri, Ger­maine Krull oder Anne­lise Kret­schmer zeugen von der künst­le­ri­schen Pro­duk­ti­vi­tät dieser Jahre.
 

Alexander Kanoldt, Subiaco, 1924

Alex­an­der Kanoldt, Subi­aco, 1924
Litho­gra­fie
© Museum Folk­wang, 2012
 
 
El Lissitzky, Neuer. Aus der Mappe: Sieg über die Sonne, 1923

El Lis­sitzky, Neuer. Aus der Mappe: Sieg über die Sonne, 1923
Farbli­tho­gra­fie
© Museum Folk­wang, 2012
 
 
Ernst Ludwig Kirchner, Selbstbildnis (Melancholie der Berge), 1929

Ernst Ludwig Kirch­ner, Selbst­bild­nis (Melan­cho­lie der Berge), 1929
Holz­schnitt
© Museum Folk­wang, 2012

 
Die Gra­fi­sche Samm­lung prä­sen­tiert etwa acht­zig Expo­nate, dar­un­ter Werke von Max Burch­artz, Otto Dix, Ernst Ludwig Kirch­ner und Alex­an­der Kanoldt. The­ma­ti­sche Schwer­punkte sind neben Por­trät- und Land­schafts­dar­stel­lun­gen vor allem kon­struk­ti­vis­ti­sche Arbei­ten. Einen Höhe­punkt der Aus­stel­lung bildet die Folge Sieg über die Sonne mit zehn Farbli­tho­gra­fien El Lis­sitz­kys aus dem Jahr 1923, die vor eini­gen Jahren für das Museum Folk­wang zurück­er­wor­ben werden konnte, nach­dem sie 1937 als „ent­ar­tet“ beschlag­nahmt und ver­kauft worden war.
 

Jupp Metropol Kabarett Käthe u. Nicki, um 1920

Jupp Metro­pol Kaba­rett Käthe u. Nicki, um 1920
Deutsch­land (Deut­sches Reich), Berlin Dinse & Eckart, Berlin
Farbli­tho­gra­fie
© Deut­sches Plakat Museum im Museum Folk­wang, 2012

 
Das Deut­sche Plakat Museum zeigt in drei Berei­chen rund sieb­zig Arbei­ten, die die Ent­wick­lun­gen des Pla­kats in den 1920er Jahren wider­spie­geln. Der Expres­sio­nis­mus brach kurz­fris­tig in die Pla­kat­ge­stal­tung ein, so in das neue Genre des poli­ti­schen Pla­kats des Films und des Tanzes.

Dane­ben blieb eine deko­ra­tive Linie erhal­ten, die sich zwi­schen Jugend­stil und Art déco bewegte, wie Arbei­ten von Walter Schnacken­berg zeigen. Eine dritte große Ent­wick­lungs­li­nie ist die von Bau­haus-Ideen beein­flusste Neue Typo­gra­phie wie sie in Arbei­ten von Jan Tschi­chold zum Aus­druck kommt.
 

B. Namir (Boris Steinmann), Emil und die Detektive, 1931

B. Namir (Boris Stein­mann), Emil und die Detek­tive, 1931
Deutsch­land (Deut­sches Reich) August Scherl, Berlin Offset
© Deut­sches Plakat Museum im Museum Folk­wang, 2012

 
Aus­stel­lung:
Unsere Zeit hat ein neues Form­ge­fühl“
Foto­gra­fie, Grafik und Plakat der zwan­zi­ger Jahre
Drei neue Aus­stel­lun­gen der Samm­lung Foto­gra­fie, Grafik und Deut­sches Plakat Museum
28. April 2012 bis 5. August 2012

Folkwang Museum
Muse­ums­platz 1
45128 Essen

Öff­nungs­zei­ten: Di – So 10 – 18 Uhr, Fr 10 – 22:30 Uhr, mon­tags geschlos­sen

Kata­log:
Edi­tion / Folk­wang Steidl
Schu­ber 28 Euro
Ein­zel­ka­ta­loge je 10 Euro – nur im Museum
 

(thoMas)