Nach fünf Jahren Entwicklungszeit hat die englische Softwareschmiede Serif heute ihr Bildbearbeitungsprogramm „Affinity Photo“ veröffentlicht. Die Software bietet eine umfangreiche Ausstattung – nicht nur für Digitalfotografen – und überzeugt durch ihr hohes Arbeitstempo. Affinity Photo ist speziell für den Mac und OS X optimiert, für andere Plattformen wird das Programm gar nicht erst angeboten. Die neue Bildbearbeitung kann Photoshop-Dateien schreiben und lesen und will dem Platzhirsch von Adobe auch mit einem sehr günstigen Preis Paroli bieten.

Screen: Affinity Photo - Filtervorschau

Eine der Spezialität von Affinity Photo: Die Vorschau von Filtern wird direkt am Bild angezeigt.
 

Beim ersten Kennenlernen scheint Affinity Photo viel mit Photoshop gemein zu haben: Die dunkelgraue Oberfläche zum Beispiel oder die Anordnung der Bedienfelder in Paletten, die sich frei verschieben lassen. In einem wichtigen Punkt unterscheidet sich Affinity Photo jedoch vom Platzhirsch Photoshop: Während Adobe seine Software nur noch im Abonnement anbietet, steht Affinity Photo seit heute ganz herkömmlich zum Verkauf im Mac-App-Store bereit. Regulär kostet das Programm ca. 50 Euro, bis zum 23. Juli ist es noch zum Einführungspreis von rund 40 Euro zu haben. Serif verspricht zudem, dass es künftige Updates für Affinity Photo kostenlos geben wird   und das mindestens für die nächsten zwei Jahre.

Affinity Photo bringt auf den ersten Blick alles mit, was sich Digitalfotografen und Bildbearbeiter so wünschen. Die Möglichkeit zur RAW-Entwicklung fehlt ebenso wenig wie editierbare „Live-Filter“ (vergleichbar mit Smartfiltern in Photoshop) oder ausgefuchste Maskierungsmöglichkeiten. Dazu gibt es einige Schmankerl, die in Photoshop fehlen – etwa einen Filter „Frequenztrennung“. Designer finden eine Vielzahl an Mal- und Zeichenwerkzeuge, die übrigens das Force-Touch-Trackpad neuer Macbooks unterstützen.

Besonderen Wert haben die Entwickler auf ein hohes Arbeitstempo von Affinity Photo gelegt. Die Software schöpft die technischen Möglichkeiten von OS X weitgehend aus, sie unterstützt zum Beispiel OpenGL, ist für 64 Bit und Multicore-Prozessoren optimiert und kann mit Retina-Displays sowie Multi-Monitor-Setups umgehen. So bereitet es Affinity Photo auch bei komplexen Filtern keine Probleme, eine Vorschau auf dem gesamten Bild anzuzeigen.

Dieses Promo-Video von Serif informiert im Schnelldurchgang über die
vielen Funktionen und Möglichkeiten von Affinity Photo

Meine Meinung

Ich probiere Affinity Photo bereits seit dem Februar aus, als Serif die erste öffentliche Beta-Version herausgegeben hat. Obwohl bei ihr der Funktionsumfang noch kräftig beschnitten war, hat mir die Arbeit mit dem Programm schon richtig Spaß gemacht. In den kommenden Tagen werde ich meine Erfahrungen mit Affinity Photo in einem kleinen Testbericht hier auf photoscala veröffentlichen. Eines will ich aber jetzt schon verraten: Für das Gebotene verlangt Serif mit ca. 50 Euro wirklich nicht zu viel für Affinity Photo.

(Martin Vieten)
 

Nachtrag (10.07.2015 – 09:50 Uhr): Im gestern versandten Newsletter verspricht Serif kostenlose Updates mit neuen Features und Optionen für die kommenden zwei Jahre. Der Text wurde entsprechend angepasst.