Wilhelm Schürmanns Fotoserie „Wegweiser zum Glück. Bilder einer Straße, 1979-1981“ zeigt das Ruhrgebiet und seine Menschen in einer Zeit, die geprägt war von Bodenständigkeit und Zweckoptimismus:
Wilhelm Schürmann: Lotto-Werbung, 1980, Dortmund, Steinhammerstraße
Pressemitteilung der SK Stiftung Kultur:
Wilhelm Schürmann
Wegweiser zum Glück. Bilder einer Straße, 1979-1981
Die Bildreihe Wegweiser zum Glück entstand in der Steinhammerstraße im Stadtteil Dortmund-Marten, wo Wilhelm Schürmann (*1946) aufgewachsen ist. Im Alter von 32 Jahren wollte er seine Herkunft besser verstehen lernen und begann, das sich im Laufe der Zeit deutlich verändernde Erscheinungsbild seiner Straße aufzuzeichnen, auch um die dortige alltägliche Atmosphäre, geprägt von Bodenständigkeit und Zweckoptimismus, festzuhalten. Ausgehend vom Spiel- und Schreibwarengeschäft seines Onkels unternahm Schürmann zahlreiche Erkundungstouren entlang der Straße, photographierte Hausfassaden, Hinterhöfe, Gaststätten und Geschäfte. Er begegnete den Anwohnern verschiedenen Alters, ehemaligen Nachbarn, Hausfrauen, Rentnern, Handwerkern und Kindern. Für diese Serie photographierte Schürmann erstmalig auch Porträts, bis dahin hatte er hauptsächlich topographische Aufnahmen urbaner Landschaften in Aachen und dem angrenzenden Belgien gemacht. Im Projekt über die Steinhammerstraße widmet sich Schürmann der Bildwelt seiner Kindheit und Jugend in einer Dortmunder Bergbaugegend, die er in all ihren Erscheinungsformen auslotete – ein Stück deutsche Geschichte.
Wilhelm Schürmann: Karl Heinz Ollesch, Samstag, Fußballoberliga live im Radio, Dortmund, Steinhammerstraße
Wilhelm Schürmann: Altar, 3/1981, Dortmund, Steinhammerstraße
Wilhelm Schürmann: Frau Naumann, 1979, Dortmund – Steinhammerstraße
In unmittelbarer Nähe der Steinhammerstraße lag die Zeche Germania, die, wie viele andere Steinkohlebergwerke des Ruhrgebiets auch, zu Beginn der 1970er-Jahre stillgelegt worden war. Im Zuge der Kohle- und Stahlkrise hatten sich Lebens- und Arbeitssituation in der Region stark gewandelt. Über ein Jahrhundert gewachsene und gefestigte Strukturen standen auf dem Prüfstand, das Spezifische des Reviers löste sich zusehends auf und wurde von überregional wirkenden Einflüssen und Lebensvorstellungen überlagert. Zeichen für diesen Umbruch lassen sich allenthalben in Schürmanns Photographien entdecken, seien es leerstehende Geschäfte, der Abbruch des Güterbahnhofs oder die alternde Bausubstanz. Moderne Zeiten visualisieren sich in Warensortimenten, zeitaktuellen Aufklebern, Einrichtungsgegenständen oder technischen Geräten und erinnern uns an ein früheres Lebensgefühl. All diesem begegnet Wilhelm Schürmann mit seinem Sinn für die Irrealität des banalen Alltags und dem sensiblem Blick für einen instabilen Status quo.
Betitelt Wilhelm Schürmann sein Projekt aktuell als „Wegweiser zum Glück“, so erkennt er in der Vielgestaltigkeit der Straße einen reichen Motivfundus, der ihn als Photograph, Kurator und Kunstsammler bestärkte. Die photographische Praxis hat er bis heute nicht aufgegeben, immer wieder sind es neue Blickwinkel, die er zu eröffnen sucht, sei es in seinem Lebensumfeld oder in künstlerischen Bildwelten.
Das Projekt „Wegweiser zum Glück. Bilder einer Straße 19791981“ wurde von der Kunststiftung NRW großzügig gefördert.
Wilhelm Schürmann: Sonntagsspaziergang, Dortmund, Steinhammerstraße
Wilhelm Schürmann: Steinhammerstraße / Ecke Karolinenstraße, 23.8.1979, Dortmund, Steinhammerstraße
Ausstellung:
Wilhelm Schürmann
Wegweiser zum Glück. Bilder einer Straße, 1979-1981
30. März – 12. August 2012
SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn
Im Mediapark 7
50670 Köln
(thoMas)
Glückwegweiser
Grossartige und eindringliche Bilder.
Klasse!
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Top
Da sieht man mal wieder, das man für gute Fotografie eben nicht jeden Techniktrend mitmachen muss. Es reicht auch Ausrüstung von vor 40 Jahren.
Danke
Wer wollte auch
ernsthaft bestreiten, dass es auch schon vor 40 Jahren gute Fotografie gegeben hat? Tendenziell – also inhaltlich – sogar mehr! Natürlich mit der Technik jener Zeit. No na.
Das stimmt…
Das stimmt – aber nur für Bilder dieser Art… [quote=Gast]Da sieht man mal wieder, das man für gute Fotografie eben nicht jeden Techniktrend mitmachen muss. Es reicht auch Ausrüstung von vor 40 Jahren.
Danke[/quote]
Da sieht man mal wieder, …
[quote=Gast]… dass man für gute Fotografie …[/quote]
Wenn ich solche Fotos sehe, versuche ich mir die Kommentare vorzustellen, welche diese in einem Anfängerforum erhalten würden. “Abgesoffene Schattenpartien und eine Bildgestaltung wie ein Radarfoto”, “Nokia kann neuerdings auch Schwarzweiss?” oder “weiss deine Oma, was du aus ihrem neuen Kleid gemacht hast?” würde ich noch als Lob werten. “Sowas findet bei mir nicht von der Speicherkarte in den Rechner” hat dort eh jeder zweite als fertigen Textbaustein.
Mal von dergleichen Freuden des Online-Zeitalters abgesehen, würde ich aber doch meinen, dass von gleichwertigen und höherwertigen Hinterlassenschaften des 20. Jahrhunderts deutlich mehr in den Fernheizwerken als in den Museen gelandet ist. Schwarzweiss und grobes Korn alleine reichen wohl doch nicht, denn – Überraschung! – auch die schlechten Fotos macht der Fotograf und nicht die Kamera.
Sonntagsspaziergang,
klasse!
Bad Hersfeld war peinlich, für diesen Beitrag könnt ich Euch dagegen umarmen 😉 !