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Das Recht am eigenen Bild

Menschen sind schon immer ein zentrales Motiv für Fotografen. Und genauso lange gibt es schon die Diskussion, ob, und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen, Menschen fotografiert werden dürfen:

Besonders wichtig ist dies für die Straßenfotografie. Bei dieser Form der Fotografie werden Straßenszenen abgebildet und auf diesen sind natürlich fast auch immer Menschen abgebildet. Viele Fotografen, allen voran Henri Cartier-Bresson, haben durch ihre Straßenfotografien Weltruhm erlangt und diese Art der Fotografie zu einer eigenen Kunstform innerhalb der Fotografie erhoben. Die Abgebildeten kriegen häufig gar nicht oder erst später mit, dass sie fotografiert worden sind - gerade dies macht ja auch zu einem Teil den Reiz dieser Szenen aus, wirken sie dadurch ungekünstelt und real. Oder wie es Henri Cartier-Bresson einmal so treffend beschrieben hat „Fotografieren ist wie Bogenschießen: richtig zielen, schnell schießen, abhauen.“ Aus der Sicht eines Fotografen sicherlich nicht verkehrt.

Leider ist die Sichtweise der Juristen eine völlig andere.

Auch das Fotografieren auf der Straße, insbesondere das Fotografieren von Menschen, unterliegt strengen juristischen Regeln. Und um die Fotos von Menschen auf der Straße soll es auch in diesem Aufsatz gehen. Hinsichtlich der Fotografien von Gebäuden und der Panoramafreiheit verweise ich auf einen früheren Aufsatz bei photoscala.

Die Frage, welche Personen fotografiert und welche Aufnahmen veröffentlicht werden dürfen, beurteilt sich nach dem „Recht am eigenen Bild“, einem sogenannten besonderen Persönlichkeitsrecht. Dieses Rechtsinstitut erfährt in den letzten Jahren eine dynamische Entwicklung, ausgelöst durch die zahlreichen „Caroline-Entscheidungen“ des Bundesgerichtshofs (BGH) und des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Das Recht am eigenem Bild schützt die Selbstbestimmung des Menschen über seinen Umgang mit seiner visuellen Erscheinung, sprich, man darf selbst bestimmen, ob man fotografiert wird und ob diese Aufnahmen veröffentlicht werden dürfen.

Dieses Recht, würde es schrankenlos gelten, würde die Fotografie von Straßenszenen im Grund unmöglich machen. Der Fotograf bräuchte von jeder abgebildeten Person eine möglichst schriftliche Einwilligung, dass er dieses Bild veröffentlichen darf; eine schiere Unmöglichkeit. Dies hat auch der Gesetzgeber gesehen und eine Anzahl verschiedenere Ausnahmen geschaffen. Diese Ausnahmen finden sich in einem schon recht betagten Gesetz, dem Kunsturhebergesetz (kurz: KUG) aus dem Jahre 1907. Nach diesem Gesetz ergibt sich ein einfaches Prüfschema, welches auch von einem juristischen Laien einfach zu verstehen ist und daher im Folgenden vorgestellt wird:

Im Grunde muss der Fotograf nur 4 Fragen beantworten:

1. Liegt ein Bildnis vor?
2. Liegt eine Einwilligung des Abgebildeten vor?
3. Liegt eine Ausnahme gemäß § 23 Abs. 1 KUG vor? (Stichworte hier sind Zeitgeschichte / Beiwerk)
4. Verletzt die Verbreitung des Bildnisses die berechtigten Interessen des Abgebildeten?

Im Einzelnen:

1. Liegt ein Bildnis vor?
Ein Bildnis liegt in der Terminologie des Rechts am eigenem Bild gemäß § 22 KUG vor, wenn ein Mensch in seiner äußeren Erscheinung bildlich dargestellt wird. Dies bedeutet, dass eine Erkennbarkeit der abgebildeten Person gegeben sein muss. Dies können neben dem Gesicht auch auffällige körperliche Merkmale sein, welche Rückschlüsse auf die abgebildete Person zulassen. Darüber hinaus können auch die zum einem Foto zugehörigen Textveröffentlichungen zu einer Erkennbarkeit führen, wenn diese einen Rückschluss auf die Person zulassen. Insbesondere auch der Einsatz von Doubles (Doppelgänger) stellt ein Bildnis dar, wenn der Betrachter in dem Double die Person erkennen kann. Ist die Person dagegen nicht erkennbar, liegt auch kein Bildnis im Sinne des KUG vor und der Fotograf darf das Bild verwenden.

2. Liegt eine Einwilligung des Abgebildeten vor?
Willigt die abgebildete Person bewusst in die Aufnahme und deren Veröffentlichung ein, darf der Fotograf die Aufnahme in dem Umfang verwenden, in welchen die Person eingewilligt hat. An einem konkreten Beispiel illustriert bedeutet dies, dass, wenn die abgebildete Person eingewilligt hat, die Aufnahmen in einem bestimmten Internetforum durch den Fotografen veröffentlichen zu lassen, die Fotos auch nur dort veröffentlicht werden dürfen. Veröffentlicht der Fotograf die Bilder in einem weiteren Forum, verlässt er den Umfang der Einwilligung und verletzt das Persönlichkeitsrecht der abgebildeten Person.

Daher sollte der Fotograf immer bemüht sein, eine möglichst umfassende und auch schriftliche Einwilligung zu bekommen. Die Beweislast, eine entsprechende Einwilligung zu haben, liegt nämlich immer auf Seiten des Fotografen.

Wesentlich häufiger sind jedoch die Fälle, in denen die abgebildete Person stillschweigend, in der Sprache der Juristen „konkludent“, in die Aufnahme und deren Veröffentlichung eingewilligt hat. Hier ist zunächst wichtig, dass in dem bloßen Dulden noch keine Einwilligung gesehen werden kann. Vielmehr muss die Person zum Ausdruck bringen, mit den Aufnahmen einverstanden zu sein. Dies kann zum Beispiel durch „Posen“ geschehen, sprich die Person merkt, sie wird fotografiert und setzt sich bewusst in Szene. Aber natürlich ist auch die nachträgliche Zustimmung möglich.

Ausnahmen gelten für Veranstaltungen, bei denen üblicherweise fotografiert wird, wie zum Beispiel Sportveranstaltungen, Pressekonferenzen oder auch öffentliche Auftritte. Hier muss die fotografierte Person typischerweise damit rechnen, fotografiert zu werden und willigt durch ihre Teilnahme stillschweigend darin ein (dazu unter 3c gleich noch mehr).

3. Liegt eine Ausnahme gemäß § 23 Abs. 1 KUG vor?
Hinter dieser juristischen Norm verbergen sich die wesentlichen Ausnahmeregeln, von denen jeder Fotograf sicherlich schon gehört hat. Insgesamt sind dies vier Ausnahmeregeln, nach denen eine Fotografie auch ohne Einwilligung gemacht und veröffentlicht werden darf, nämlich:

a) Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte (§ 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG)
b) Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk erscheinen (§ 23 Abs. 1 Nr. 2 KUG)
c) Bilder von Versammlungen und Aufzügen (§ 23 Abs. 1 Nr. 3 KUG)
d) Bilder, welche nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst gilt. (§ 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG)

Im Einzelnen:

a) Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte
Ohne Zweifel ist diese die in der Praxis relevanteste Regel, wenn es um das Recht am eigenem Bild und die Veröffentlichung von Fotos geht. Vor allem im Bereich der medialen Berichterstattung der Yellow Press ist dies die wesentliche Norm, wenn es um die Rechtmäßigkeit der Veröffentlichung von Bildern geht. Sinn dieser Vorschrift ist die Gewährleistung der bildlichen Information der Öffentlichkeit über Vorgänge von allgemeiner Bedeutung.

Der Begriff der Zeitgeschichte selbst wird vom Informationsinteresse der Öffentlichkeit her bestimmt; sprich, hat die Öffentlichkeit ein Interesse, über den Vorgang informiert zu werden, liegt ein zeitgeschichtliches Ereignis vor. Die klassische Unterscheidung in absolute und relative Personen der Zeitgeschichte wird dadurch immer weniger relevant, da mittlerweile auch absoluten Personen der Zeitgeschichte ein Recht auf Privatheit zugestanden wird, eine Folge der Caroline-Rechtssprechung.

Wann die Öffentlichkeit ein Interesse an dem Vorgang selbst hat, es somit zu einem zeitgeschichtlichen Ereignis wird, ist immer eine Frage des Einzelfalls und lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Aufgrund der Vielzahl und auch der Unterschiedlichkeit der hierzu veröffentlichen Urteile lassen sich auch nur schwer feste Indizien herausbilden.

Sicherlich kein Ereignis der Zeitgeschichte sind Allerweltsfotos ohne besonderen Anlass. Auch Bilder, welche nur einem allgemeinem Dokumentationsinteresse dienen, begründen noch keine zeitgeschichtliche Relevanz. Ebenso wenig werden ungewöhnliche, komische, peinliche oder belustigende Situationen als Ereignis der Zeitgeschichte angesehen. Unzweifelhaft liegt auf der anderen Seite bei politischen Veranstaltungen, größeren Events und großen Sportveranstaltungen ein zeitgeschichtliches Ereignis vor. Ebenso bei Aktionen, bei denen es „prominente“ Personen bewusst darauf anlegt, fotografiert zu werden (z. B. Paris Hilton).

Liegt ein entsprechendes zeitgeschichtliches Ereignis vor, an deren Bildberichterstattung die Öffentlichkeit ein Interesse hat, muss das Informationsinteresse der Öffentlichkeit zudem noch mit den Persönlichkeitsrechten des Betroffenen abgewogen werden. So wird auch Personen der Zeitgeschichte ein Recht auf Privatsphäre zugestanden. Auch sehr prominente Menschen müssen nicht damit rechnen, immer und überall fotografiert zu werden. Den Maßstab haben hier die bereits oben erwähnten Caroline-Entscheidungen gesetzt. Demnach muss immer die öffentliche Relevanz des Vorgangs und nicht die öffentliche Relevanz der Person bewertet werden. Konkret bedeutet dies, dass sich eine prominente Person dagegen wehren kann, dass sie fotografiert wird, wenn sie sich in einer privaten und belanglosen Situation (z. B. Schuhe kaufen) befindet. Ist es dagegen ein Vorgang mit öffentlicher Relevanz (z. B. eine Galaveranstaltung), darf die Person fotografiert und das Bild im Rahmen einer Berichterstattung über die Veranstaltung verwendet werden.

Eine weitere Einschränkung ergibt sich, wenn Bilder von Kindern veröffentlicht werden. Diesen soll ein unbeobachtetes und kindgerechtes Aufwachsen ermöglicht werden, welches durch eine umfassende Bildberichterstattung nicht möglich wäre. Daher ist bei der Veröffentlichung von Kinderfotos immer eine besondere Vorsicht angebracht.

b) Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk erscheinen (§ 23 Abs. 1 Nr. 2 KUG)
Bilder auf denen Personen nur als Beiwerk neben einem Bauwerk oder einer Landschaft erscheinen, dürfen gemäß § 23 Abs. 1 Nr. 2 KUG auch ohne Einwilligung der abgebildeten Person veröffentlicht werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Person erkennbar, aber in der Aufmerksamkeit des Betrachters weitgehend in den Hintergrund tritt. Auch hier wird bei der Beurteilung der Frage immer auf das Foto selbst abgestellt. Die Größe der abgebildeten Person spielt bei der Beurteilung der Frage des Beiwerks keine Rolle. Auch ein kleines Personenbildnis am Rande eines Bildes kann die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen. Der Fotograf sollte sich hier immer die Kontrollfrage stellen, ob die Personenabbildung auch entfallen kann, ohne dass sich die Aussage und der Charakter des Bildes verändern würde.

c) Bilder von Versammlungen und Aufzügen (§ 23 Abs. 1 Nr. 3 KUG)
Werden Bilder von Versammlungen und Aufzügen gemacht, sind auf diesen denknotwendigerweise auch immer Personen abgebildet. Diese einzeln um Erlaubnis zu fragen, ist nicht praktikabel. Dies hat auch der Gesetzgeber gesehen und die Ausnahmevorschrift des § 23 Abs. 1 Nr. 3 KUG geschaffen. Nach dieser dürfen Veranstaltungen fotografiert und die Bilder veröffentlicht werden, ohne dass die auf den Bildern abgebildeten Personen um Erlaubnis gefragt werden müssen. Hier ist es für den Fotografen wichtig, dass die Veranstaltung selbst im Vordergrund stehen muss. Einzelne Teilnehmer bewusst herauszuheben ist nicht erlaubt.

d) Bilder, welche nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst gilt. (§ 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG)
Wenig relevant ist die Vorschrift des § 23 Abs. 1 Nr. 4 KUG. Mit dieser Vorschrift sollen künstlerische Bildnisstudien ermöglicht werden. Diese dürfen auch nur einem künstlerischen und keinem wirtschaftlichen Interesse dienen.

4. Verletzt die Verbreitung des Bildnisses die berechtigten Interessen des Abgebildeten?
Die vierte und letzte Frage, welche sich der Fotograf vor einer Veröffentlichung der Aufnahme stellen muss: ob die abgebildete Person gegen die Veröffentlichung ein berechtigtes Interesse haben könnte. Denn selbst wenn das Bild entsprechend der oben genannten Vorschriften aufgenommen worden ist, kann nach § 23 Abs. 2 KUG die abgebildete Person ein Interesse haben, dass dieses nicht publiziert wird. In der Rechtsprechung haben sich folgende Fallgruppen herausgebildet, bei denen das Interesse der abgebildeten Person überwiegt und eine Veröffentlichung zu unterbleiben hat:

Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn die Bilder zu kommerziellen Zwecken (Werbung) benutzt werden. Ebenso, wenn die Bilder in die Privat- oder Intimsphäre der Person eingreifen. Schließlich überwiegt das Interesse auch dann, wenn die Aufnahmen geeignet sind, die Person herabzuwürdigen, zu verächtlichen oder eine unzumutbare Anprangerung vorliegt.

Fazit

Der Fotograf begibt sich in ein großes juristisches Spannungsfeld, wenn er Straßenaufnahmen macht und diese veröffentlicht. Die abgebildeten Personen haben einen starken Persönlichkeitsschutz und es gibt nur wenige Ausnahme, nach denen eine Veröffentlichung auch ohne Einwilligung der abgebildeten Person möglich ist.

Ein Henri Cartier-Bresson hätte es in unseren Tagen schwerer, seine Kunst frei auszuleben ...

(RA Tim Hoesmann)
 

"richtig zielen, schnell schießen, abhauen"

Bild von Shitop
Eingetragen von
Shitop
(Inventar)
am Samstag, 04. April 2009 - 18:25

Der Satz von Henri Cartier-Bresson „Fotografieren ist wie Bogenschießen: richtig zielen, schnell schießen, abhauen.“ gilt im Grunde auch heute noch. Nur muss man heute schneller und weiter laufen.
Ein deutscher Anwalt, der in Vientiane versuchen sollte, deutsches Recht durchzusetzen, sorgt bestenfalls für Erheiterung. Wenn er Pech hat, nur einmal. Globalisierung hat auch Sonnenseiten.

Shitop schrieb:

Bild von RA_Hoesmann
Eingetragen von
RA_Hoesmann
(Neuankömmling)
am Mittwoch, 15. April 2009 - 12:02
Shitop schrieb:

Globalisierung hat auch Sonnenseiten.

Ja und nein. In jedem Land gibt es eine vergleichbare Regelung hinsichtlich des Rechts am eigenem Bild - sicherlich auch in Laos ;-D
Hinsichtlich einer effiktiven Rechtsdurchsetzung können Sie allerdings in der Tat Recht haben.

Nein, es ist auch in diesen Tagen ganz einfach

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 04. April 2009 - 21:19

schade um die Mühe, die sich der Autor dieses Artikels hier ohne Zweifel gegeben hat.
Mein Recht zu fotografieren wird seltenst eingeschränkt.
Alles andere ist eine Frage der Weiterverwendung der Bilder.
Je nach Phantasie kann man da dann drei oder dreitausend Seiten rechtliches Geschwätz zu generieren.

Letztlich zählt immer nur der Einzelfall. Und der oder die abgebildete muss aktiv werden. Erst wenn daraufhin der Fotograf nicht reagiert kann es überhaupt zu rechtlichen Schritten kommen die widerum der oder die abgebildete einleiten muss...

Unsinn!

Eingetragen von
Gast
am Montag, 06. April 2009 - 18:24
Gast schrieb:

Und der oder die abgebildete muss aktiv werden. Erst wenn daraufhin der Fotograf nicht reagiert kann es überhaupt zu rechtlichen Schritten kommen die widerum der oder die abgebildete einleiten muss...

Das ist definitiv falsch!

Würde das Gesetz ja auch ad absurdum führen wenn ich erstmal alles veröffentlichen darf bis der Abgibeldete es entdeckt und dagegen Einspruch erhebt. Zumal ich als Fotograf weder Printmedien noch die Verbreitung im Netz "zurückziehen" kann. Selbst wenn ich es von meiner Seite runter nehme und dort jegliche Kopie untersagt habe, lässt es sich oft noch ganz legal über Internetarchive aufrufen.

Mit der Veröffentlichung kann ich mich daher sehr wohl schadensersatzpflichtig und/oder strafbar machen, auch wenn ich das Bild nach "Beschwerde" sofort von meiner Seite nehme, denn die Rechte des Betroffenen habe ich damit ja schon verletzt!

"Ein Henri Cartier-Bresson

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 04. April 2009 - 21:59

"Ein Henri Cartier-Bresson hätte es in unseren Tagen schwerer, seine Kunst frei auszuleben ..."

Wieso?

Die von Ihnen im Zusammenhang zitierten Gesetze wurden 1907 erlassen und sind, wie sie richtig schreiben, heute noch gültig, Cartier-Bresson wurde 1908 geboren. Zu welchem Zeitpunkt seines Lebens hätte er es einfacher gehabt als heute?

Ich verstehe den Kommentar

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 04. April 2009 - 23:17

Ich verstehe den Kommentar zu § 23, Absatz 1 Nr. 4 nicht: Bildnisstudien werden, nach meinem alltäglichen Verständnis von "Bildnis", meistens unter Kenntnis und mit Einverständnis des Abgebildeten, und häufig auch auf Bestellung angefertigt. Dagegen würde ich sagen, daß gerade herausragende Street-Photographie primär einen künstlerischen Wert hat, weil das dokumentarische Interesse in den Hintergrund tritt und sie hauptsächlich als Bilder weiterwirken.
Und in der Tat, der Kommentar macht nicht klar, ob es um die Aufnahme oder die Verbreitung geht. Immerhin ist davon die Rede, ob die Verbreitung die Rechte der abgebildeten Person verletzt, und ob die Verbreitung einem höheren Interesse der Kunst dient. Wenn das Gesetz aber nur die Verbreitung regelt, dann wird der Akt der Aufnahme davon ja gar nicht betroffen.

Geht es um das Fotografieren oder um die Veröffentlichung...

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 05. April 2009 - 15:25

...das sollte wohl in einem kleien Update zu dem guten Artikel noch ergänzt werden. Nach meiner bescheidenen und juristisch unbeleckten Meinung, kann es doch bei allem geschriebenen eigentlich nur um die Veröffentlichung, z.B. im Internet gehen. Das Recht, Fremde ohne deren Zustimmung zu fotografieren unterligt nach meiner Meinung anderen Grenzen.

Fotografieren / Veröffentlichung

Eingetragen von
Redaktion photoscala
(Ehrengast)
am Sonntag, 05. April 2009 - 23:05

Herr Hoesmann ist nach Abgabe des Artikels zwei Wochen in Urlaub gefahren, für die fachkundige Beantwortung einiger Fragen hier bitte ich deshalb um ein wenig Geduld. Was aber den "Rechtsraum" angeht, um den es hier geht, so schreibt er:

Das Recht am eigenem Bild schützt die Selbstbestimmung des Menschen über seinen Umgang mit seiner visuellen Erscheinung, sprich, man darf selbst bestimmen, ob man fotografiert wird und ob diese Aufnahmen veröffentlicht werden dürfen.

Das ist m.E. ziemlich klar: das Recht am eigenen Bild eben, und zwar das Foto wie die Veröffentlichung desselben betreffend. Wenn ich nicht fotografiert werden möchte, darf das auch keiner tun, auch dann nicht, wenn die Fotos nicht veröffentlicht werden sollen. Die Ausnahmen beschreibt der Artikel.

(thoMas)

Gewagte Auslegung

Eingetragen von
Gast
am Montag, 06. April 2009 - 09:17

Das Recht am eigenen Bild so auszulegen wie die Redaktion das hier tut, erinnert weniger an einen Rechtsstaat und mehr an Voodoo: Er hat mich fotografiert, er hat meine Seele gestohlen. Das Recht am eigenen Bild bezieht sich auf die Veröffentlichung nicht auf die Anfertigung eines Fotos.

Herr Hoesmann widerspricht sich hier auch selbst, denn ein Bildnis darf nach seinen Aussagen sogar veröffentlicht werden, wenn die abgebildete Person nicht erkennbar ist. Diese Unkenntlichmachung, z. B. durch schwarze Balken, kann aber (nur) nachträglich vorgenommen werden. Sie schließt aber notwendigerweise die vorherige Aufnahme ein. Wenn also bei beliebigen Fotos - bei Unkenntlichmachung - selbst das Recht zur Veröffentlichung gegeben ist, kann man nicht schon das Recht zur Aufnahme verweigern.
Herr Hoesmann spricht in seinem Artikel sehr viel von Prominentenschutz. Eine klare Trennung der Promi-Rechtsprechung von der Rechtslage bei nicht-öffentlichen Personen wäre sehr wünschenswert gewesen.
Nebenbei eine persönliche Erfahrung:
Die Aufnahme eines Polizisten in Ausübung seines Dienstes fand ein bayerischer Polizeibeamter überhaupt nicht komisch und verlangte die Löschung des Fotos. Ich verweigerte ihm dies und er beschränkte sich darauf, wütend mit den Augen zu rollen und mir zu drohen für den Fall, dass diese Aufnahme irgendwo öffentlich gemacht würde. Man muss das Recht nicht unbedingt noch enger schnüren als es selbst ungemütliche bayerische Polizeibeamte tun.

Gast schrieb: ...das

Bild von RA_Hoesmann
Eingetragen von
RA_Hoesmann
(Neuankömmling)
am Mittwoch, 15. April 2009 - 12:19
Gast schrieb:

...das sollte wohl in einem kleien Update zu dem guten Artikel noch ergänzt werden. Nach meiner bescheidenen und juristisch unbeleckten Meinung, kann es doch bei allem geschriebenen eigentlich nur um die Veröffentlichung, z.B. im Internet gehen. Das Recht, Fremde ohne deren Zustimmung zu fotografieren unterligt nach meiner Meinung anderen Grenzen.

In der Tat gibt es Unterschiede zwischen dem Fotorafieren selbst und einer Verwendung der Fotos. Jedoch unterliegt ihr Recht zu fotgrafieren juristischen Regeln, auf welche ich im Rahmen des Aufsatz auch eingangen bin. Um den Aufsatz aber nicht zu juristisch werden zu lassen, habe ich auf die messerscharfe Trennung verzichtet. Vielmehr stand die Verständlichkeit, auch für den juristischen Laien, im Vordergrund der Ausführungen.
Die von ebenfalls angesprochene rechtliche Durchsetzung dieser Regeln ist wieder eine andere Problematik.
Hinsichtlich beiden angesprochenen Themen "Fotografieren / Verwendung der Fotografie" und "Fragen der Rechtsdurchsetzung" werden in Kürze auf photoscala übrigens wieder Aufsätze erscheinen.

Konsequenzen

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 05. April 2009 - 16:13

Interessanter Artikel.

Was mich aber noch interessieren würde - und vielleicht kann man das als Update bringen - wie sehen denn rechtliche Konsequenzen bei Verstößen gegen die Rechte am eigenen Bild aus? Muss der Fotograf Schadenersatz fürchten oder Anwaltskosten und dergleichen?

Gast schrieb:

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 05. April 2009 - 20:05
Gast schrieb:

Interessanter Artikel.

Was mich aber noch interessieren würde - und vielleicht kann man das als Update bringen - wie sehen denn rechtliche Konsequenzen bei Verstößen gegen die Rechte am eigenen Bild aus? Muss der Fotograf Schadenersatz fürchten oder Anwaltskosten und dergleichen?

Mir ist ein Fall bekannt in der ein Model dem Fotografen nur mündlich der Veröffentlichung "Ihrer" Fotos zustimmte.Als die Fotos später auf einer nichtkommerziellen Webpage erschienen (nichts anrüchiges nur Portrait) hat das Mädel ihre Meinung geändert -> Rechtsanwalt->Schadensersatzforderung 500€.

Ich finde den Artikel übrigens sehr gut und zeitgemäß!!!

Gruss

Künstlerliches vs. wirtschaftliches Interesse

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 05. April 2009 - 16:30

Ein insgesamt sehr gut geschriebener und für die fotografische Praxis sehr wichtiger Artikel.
Was mir nicht einleuchtet, ist die unter Punkt 3d angesprochene Unterscheidung von künstlerischem und wirtschaftlichem Interesse. Auch ein Künstler muss sein Essen und die Miete bezahlen; hat also ein Interesse daran, seine Kunst auch zu verkaufen. Wenn man von einem gewissen Drang künstlerisch tätig zu sein absieht, ist das Bedürfnis zu überleben doch fast genauso hoch anzusiedeln.
Diesen - scheinbaren? - Widerspruch zu § 23 Abs. 1 Nr. 4 KUG illustriert besonders schön Ihr Schlußsatz: "Ein Henri Cartier-Bresson hätte es in unseren Tagen schwerer, seine Kunst frei auszuleben ..."
Mit freundlichen Grüßen
Peter Bayer

das Recht am eignen Bild

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 24. April 2009 - 17:18

Bilder von Versammlungen und Aufzügen

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 28. April 2009 - 14:01

Für mich wäre interessant, in wie weit Versammlungen abzugrenzen sind.
Zum Beispiel ein Tag der offenen Tür, bei dem ständig Leute kommen und gehen, eine Theaterveranstaltung: Es wäre schwer durchführbar oder peinlich, eine schriftliche Genehmigung der Teilnehmer bzw. Gäste einzuholen.
Schön wäre eine Kollektion von Beispiel-Bildern, die zur Veranschaulichung dient und eine Diskussion anregt. Der Artikel zielt ja wohl bewusst auf die große Mehrheit: Amateurfotografen, die ihre Fotos meist ohne Honorar (im Internet) veröffentlichen wollen. Da kann man gar nicht genug aufklären und vor teuren Abmahnungen warnen.
Ich wünsche mir noch mehr solche Artikel!
Andreas Lippold