Die Gottheit lässt sich nicht photographieren. Die Wissenschaft bedauert dies sehr.

— Emil Nolde

Am 25.8.

  • 1970: * Claudia Schiffer; deutsches Fotomodell

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100 Jahre Schneider-Kreuznach

Logo Schneider-Kreuznach1913 wurde die »Optische Anstalt Jos. Schneider & Co.« gegründet. Sie firmiert heute als »Jos. Schneider Optische Werke GmbH« und hat die vergangenen 100 Jahre als eines von wenigen deutschen Fotounternehmen erfolgreich überdauert:

Anlässlich einer Sonderausstellung des Schloßparkmuseums in Bad Kreuznach in Kooperation mit Schneider-Kreuznach entstand folgender Text von Dr. Oliver Ramonat; er ist mithin so etwas wie eine offizielle Festschrift:

Die Familie Schneider und die »Optischen Werke«

Das Unternehmen wurde 1913 von Joseph Schneider (1855-1933) gegründet. Sein Vater Johann hatte das Küferhandwerk erlernt und betrieb gemeinsam mit seiner Frau in der Mannheimer Straße eine Gastwirtschaft und Brauerei. Joseph besuchte die Mittelschule in der Klappergasse und begann eine kaufmännische Lehre im »Manufakturwarenhaus« Schloßstein. Von einem Seidenwarenhaus in Frankfurt am Main ging er in das reiche und blühende Odessa, wo er im Getreidehandel tätig war. Am 27. September 1866 heiratete er die Weinhändlertochter Josefine Oster. 1877 übersiedelten beide nach Springfield, Ohio (USA), wo er die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm.
 

Foto >Die Gründer Joseph Schneider und sein Sohn Josef August Schneider im Kreis der Familie (ca. 1910)

Die Gründer Joseph Schneider und sein Sohn Josef August Schneider im Kreis der Familie (ca. 1910)
Foto: Schneider-Kreuznach

 
1890 kehrte die Familie mit dem in Springfield geborenen Sohn Josef August Schneider (1888-1950) nach Bad Kreuznach zurück und begann einen Weingroßhandel. 1895 beantragte Joseph Schneider wieder die deutsche Staatsbürgerschaft. Jetzt wohnte die Familie in dem später »Villa Schneider« genannten großzügigen Haus in der Stromberger Straße, wo später auch das erste Gebäude der »Optischen Anstalt« stand. Josef August Schneider besuchte nach der Volksschule und dem Gymnasium in Bad Kreuznach ein Vorgängerinstitut der späteren Universität zu Frankfurt am Main – vermutlich den »Physikalischen Verein« und die »Elektrotechnische Gesellschaft« – und studierte Physik und Optik. Bereits 1910 meldete er sein erstes Patent an. 1913 gründete er gemeinsam mit seinem Vater das Unternehmen, das zunächst unter dem Namen »Optische Anstalt Jos. Schneider & Co.« firmierte. Josef August Schneider führte das Unternehmen durch das Zwangsregime des »Dritten Reiches« und steuerte gemeinsam mit seinem Sohn Hans-Joseph Schneider den Wiederaufbau nach 1945.
 

Foto Hans-Joseph Schneider mit seiner Mutter Margarete (ca. 1970)

Hans-Joseph Schneider mit seiner Mutter Margarete (ca. 1970)
Foto: Schneider-Kreuznach

 
Nach dem Tod seines Vaters führte Hans-Joseph Schneider (1926-1989) das Unternehmen gemeinsam mit seiner Mutter Margarete (Gretel) Schneider (1895-1996). 1981 wurde das Unternehmen von ihnen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1982 ging es dann nach einem Konkurs an den bisherigen Anteilseigner und Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich Manderman (1922-2002) über.

Schneider-Kreuznach 1913 – 2013

1912 / 1913 Gründung der »Optischen Anstalt Jos. Schneider & Co.« durch Joseph Schneider und seinen Sohn Josef August Schneider. Anregung dazu gab ein Patent von Josef August Schneider, das er 1910 anmeldete: »Einrichtung an einem Cinematografen mit stetig bewegtem Bild zum optischen Ausgleich der Bildwanderung mittels zweier gleichläufig und synchron bewegter polygonaler Trommeln«.
 

Grafik / Druck der Villa Schneider mit Werk (ca. 1913)

Grafik / Druck der Villa Schneider mit Werk (ca. 1913)
Bestand: Schneider-Kreuznach

 
Das Unternehmen mit Sitz in der Stromberger Straße spezialisierte sich auf die Produktion von Objektiven, bis hin zu Kinoprojektionsobjektiven. Bis 1914 waren 43 Angestellte und Arbeiter beschäftigt. 1918 beschäftigte man an die 400 Menschen. In dieser Zeit wurde auch der Umzug in die neuen Hallen in der Hofgartenstraße erforderlich.

20er-Jahre
Die Wirtschaftskrise brachte stark schwankende Umsatzzahlen. Das 100.000ste Objektiv wurde 1925 – rechtzeitig zum 70. Geburtstag von Joseph Schneider – gefertigt. Dann ging es langsam aufwärts, bis 1928 verließen weitere 100.000 Objektive das Werk und schon 1932 konnte das 500.000ste Objektiv gefeiert werden. Eine besondere Rolle spielte hier das Objektiv »Xenar«.
 

Foto Hans Joseph Schneider (links) und Josef August Schneider (ca. 1948)

Hans Joseph Schneider (links) und Josef August Schneider (ca. 1948)
Foto: Schneider-Kreuznach

 
30er-Jahre
Nach dem Tod von Joseph Schneider 1933 übernahm sein Sohn Josef August Schneider die Firma. Die Gleichschaltung aller Unternehmen begann unmittelbar nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933. Schon zuvor hatte die NSDAP ideologisch gegen »Großkonzerne« und »Kapitalisten« mobil gemacht. Der als typisch propagierte »deutsche Unternehmer« – ein altväterliches Ideal des weisen Lenkers – wurde zum »Betriebsführer«. 1934 wurde das »Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit« erlassen. Für die »Optischen Werke« musste ein neues Arbeitsgesetz erlassen werden, das die NS-Zwangsmaßnahmen zu berücksichtigen hatte.

1938 erfolgte die Einweihung des neuen Gebäudes an der Ringstraße, das Werk beschäftigte etwa 450 Mitarbeiter.
Das 1.000.000ste Objektiv

40er-Jahre
Im Krieg war das Unternehmen zu Fertigungen für die Firma Zeiss gezwungen. Erneut, wie schon während des Ersten Weltkrieges, wurde es »kriegswichtig«. Unter die allgemeinen politischen Zwänge fielen auch die Beschäftigung von Zwangsarbeitern und Zulieferungen für die »Wehrmacht«. Unter diesen Bedingungen wahrte der damalige Chef Josef August Schneider bürgerliche Tugenden und ließ sich von den neuen Machthabern nicht völlig vereinnahmen. Dem Kriegsende folgten Monate der Unsicherheit unter dem Damoklesschwert der Demontage wichtiger Anlagen und Einrichtungen.
 

Foto Erster Einsatz von Computern (Zuse Z 22) zur Berechnung der Objektive (1956)

Erster Einsatz von Computern (Zuse Z 22) zur Berechnung der Objektive (1956)
Foto: Schneider-Kreuznach

 
50er-Jahre
Die Wirtschaft in Westdeutschland hatte rasch wieder Fuß gefasst, es folgten Jahre des Aufschwungs mit erheblichen realen Wachstumsraten. Das 5.000.0000ste Objektiv wurde für einen aufstrebenden Massenmarkt der privaten Fotografie gefertigt. Schneider-Kreuznach war 1956 eines der ersten Unternehmen, in denen Computer zum Einsatz kamen.
 

Foto der Linsenlackiererei bei Schneider Kreuznach um 1960

Die Linsenlackiererei bei Schneider Kreuznach um 1960
Foto: Schneider Kreuznach

 
60er-Jahre
Die Objektive von Schneider-Kreuznach, vor allem im Zoom- und Großformatbereich, verkauften sich sehr gut. Bei der Super-8-Technik war das »VARIOGON« – eines der erfolgreichsten Objektive in den 1960er-Jahren überhaupt – Stand der Technik. Im gesamten Zeitraum von 1948 bis 1967 wurden 8 Millionen Objektive von Schneider-Kreuznach gefertigt. Das 10.000.000ste Objektiv: ein TV-Objektiv aus der »Variogon«-Reihe.
 

Foto Lunar Orbiter fotografiert erstmals die Erde aus der Nähe des Mondes (23. August 1966)

Lunar Orbiter fotografiert erstmals die Erde aus der Nähe des Mondes (23. August 1966)
Aufgenommen mit einem Xenotar 2,8/80 mm
Foto: NASA

 
Das Jahrzehnt der Raumfahrt stand auch im Zeichen der Technik von Schneider-Kreuznach. Für ihre bemannten Raumfahrtmissionen kaufte die NASA ab 1962 einen Großteil ihrer Objektive bei Schneider-Kreuznach. Die ersten Bilder von der Erde entstanden mit Schneider-Objektiven mit 45 und 75 Millimeter Brennweite, auch die Lunar-Orbiter-Sonden hatten jeweils ein Schneider-Objektiv »Xenotar« an Bord.

70er-Jahre
Ein weiteres Standbein wurden die weit verbreiteten Super-8-Kameras, die es erstmals für den Privatbereich ermöglichten, bewegte Bilder festzuhalten. Ende der 1970er-Jahre verfügten rund 77% aller deutschen Haushalte über einen Fotoapparat; Foto und Film (Super-8) waren zu einem Massenphänomen geworden. Aufnahmeobjektive für TV-Kameras hielten die Olympischen Spiele 1976 in Innsbruck fest. Schneider machte seinen »TV-Service« mobil. Auf zahlreichen Messen präsentierte Schneider seine leistungsfähigen Kameraobjektive.

Seit 1975 ist die digitale Berechnung von Objektiven ein wesentliches Werkzeug bei der Entwicklung. Auch im Bereich Messtechnik ist Schneider-Kreuznach innovativ. Messanlagen werden selbst hergestellt, da es Geräte mit einer vergleichbar hohen Messgenauigkeit am Markt nicht gibt.

80er-Jahre
Bald war es jedoch damit vorbei – die Konkurrenz aus Fernost wurde immer stärker und viele deutsche Kamerahersteller verschwanden vom Markt. Der Foto- und Optikhändler Heinrich Manderman kaufte einen Teil des Unternehmens Jos. Schneider Optische Werke, 1982 ging es nach einem Konkurs ganz in dessen Besitz über.

Manderman richtete das Unternehmen neu aus und er brachte Großaufträge mit. Der unternehmerische Neuanfang gelang vor allem durch Objektive für Großformate.
Das 14.000.000ste Objektiv

90er-Jahre
Die technische Entwicklung der Fotooptik richtete sich vor allem an der Korrektur der Abbildungsfehler, die durch die Linsen entstehen, aus. Verzerrungen in Formen und Farben, so kann man verkürzt sagen, begegnete die Objektiventwicklung durch eine immer ausgefeiltere Kombination der verschiedensten Typen von Linsen.
 

Foto

Das Super-Angulon 1:5,6/38 mm aus dem Jahre 1993 war eines der ersten Großformatobjektive mit asphärischen Linsen
Foto: Schneider Kreuznach

 
Ein echter Meilenstein waren die neuen asphärischen Linsen aus Bad Kreuznach. Diese sind nicht aus der Kugelform abgeleitet und unregelmäßig geformt. Mit ihrer Hilfe lassen sich Präzisions-Objektive wesentlich leichter und kleiner konstruieren – wenn man die komplexe Herstellungstechnik beherrscht, bei der es um allerhöchste Präzision geht.

Jahrtausendwende
Nach den Erfolgen in den 1970er-Jahren für das »Cinelux Ultra« holte Schneider-Kreuznach erneut einen sogenannten »Technik-Oskar« für das »Super-Cinelux« und »Cinelux Première«. Die gleichmäßige und verzerrungsfreie Ausleuchtung einer Leinwand überlässt man besser einem Projektionsobjektiv aus Bad Kreuznach.

2013
Die Gegenwart in Stichworten: Mehr als 15.000.000 Objektive, einer der Weltmarktführer
Hochleistungsobjektive für Foto, Film und Industrie, Ventiltechnik

Dr. Oliver Ramonat
 

Foto uuml;roraum des Firmengründers Joseph Schneider

Der Büroraum des Firmengründers Joseph Schneider, nachgebaut mit den restaurierten Original-Möbeln und authentischer Ausstattung. „Im guten Geist des Gründers“ wird der Raum für zentrale Besprechungen, insbesondere mit ausländischen Gästen, genutzt.
Foto: Schneider Kreuznach

 
 
Jubiläumsausstellung: 100 Jahre Schneider Kreuznach

Die Geschichte des Unternehmens Schneider-Kreuznach von seinen Anfängen bis heute ist Thema einer Sonderausstellung im Schloßparkmuseum in Bad Kreuznach. In der Ausstellung „Die Welt im Fokus – 100 Jahre Schneider Optische Werke Bad Kreuznach“ dokumentieren viele Exponate die spannende und facettenreiche Entwicklung des mittelständischen Unternehmens und damit auch historische Aspekte optischer Innovationen. Die Sonderausstellung ist bis 31. August 2013 zu sehen.

Schloßparkmuseum
Dessauer Straße 49
55545 Bad Kreuznach
 
 
Die Schneider-Gruppe

Gründungsjahr: 1913
Firmierung: Jos. Schneider Optische Werke GmbH
Hauptsitz: Ringstraße 132, 55543 Bad Kreuznach, www.schneiderkreuznach.com
Schwerpunkte: Entwicklung und Produktion von Hochleistungsobjektiven, fotografischen Filtern, Augenoptiken sowie Feinmechanik
Unternehmensstruktur: Zur Schneider-Gruppe gehören Jos. Schneider Optische Werke GmbH (Bad Kreuznach) mit ihren Tochtergesellschaften Pentacon (Dresden), ISK Optics (Göttingen), Schneider Optics (New York, Los Angeles), Schneider Bando (Seoul), Schneider Asia Pacific (Hongkong) sowie Schneider Optical Technologies (Shenzhen)
Produktionsstandorte: Bad Kreuznach, Dresden, Göttingen, New York, Los Angeles
Geschäftsführung: Dr. Josef Staub
Umsatz 2011 (Gruppe): 85,5 Mio. Euro
Beschäftigte: 660 Mitarbeiter weltweit, davon 360 in Bad Kreuznach
Vertriebsgebiete: Europa, USA, Japan, China, Indien, Südkorea, Brasilien
Geschäftsbereiche: Photo Imaging, Entertainment Imaging, Industrial Solutions
Marken (Auszug): Schneider-Kreuznach, Angulon, B+W Filter, Cinelux, Pentacon, Symmar, Praktica, Variogon
Produkte: Aufnahmeobjektive, Aufnahmefilter, 2D-/3D-Projektionsobjektive, Industrieobjektive, Brillengläser, Servohydraulik, Messtechnik, LED-Beleuchtung, Automotive
 

(thoMas)
 

Prost

Bild von Plaubel
Eingetragen von
Plaubel
(Ehrengast)
am Freitag, 01. März 2013 - 12:56

Shneyder Grushnak (engl.)!

Absolut köstlich: Optische

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 01. März 2013 - 13:09

Absolut köstlich: Optische Anstalt. Die Teutonen und ihre Anstalten...

Interessant wäre noch ein Exkurs über die 'Schneideritis'. Da blätterte das Coating von den Gläsern ab. Das sollte doch der Redaktion mal eine intensive Recherche wert sein!

Teutonen usw.

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 01. März 2013 - 14:37

Ihr Kommentar ist einfach nur dämlich!

Respekt....

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 01. März 2013 - 20:33

Gratulation, Schneider!

Intensive Recherche?

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 03. März 2013 - 11:29
Gast schrieb:

... ein Exkurs über die 'Schneideritis'. Da blätterte das Coating von den Gläsern ab.

Dieses ist unrichtig.

Richtig ist viel mehr, dass sich bei der sogenannten "Schneideritis" weisse Flecken an den Rändern der Linsen zeigen, dort wo diese in die Fassung eingekittet sind. Weder die optisch relevanten Flächen, noch deren Coating ist davon betroffen. Beobachten kann man diesen Effekt vorwiegend bei Linsen aus den 80er und 90er Jahren. Ich besitze mehrere betroffene Großformatobjektive dieser Art. Eine Auswirkung auf die Bildergebnisse kann ich nicht feststellen und ich habe auch nie gehört, dass jemand anders diesen Effekt als für die Bildqualität maßgeblich eingestuft hätte. Obwohl es natürlich ohne Wenn und Aber als Herstellungsproblem einzustufen ist und bei anderen Herstellern in diesem Segment nicht auftritt. Das mag aber auch zum Teil daran liegen, dass Großformatobjektive auf Grund ihres einfachen Aufbaus und auf Grund des Fehlens jeglicher störanfälliger Mechanik und Elektronik (den Verschluss kann man jederzeit tauschen) nur durch Einsatz extremer Gewalt zerstörbar sind. Deshalb besteht auch keine Veranlassung, sie alle drei bis 5 Jahre durch die nächste Generation zu ersetzen. Großformatobjektive sind schon gerne mal ein bisschen länger im Umlauf.

Also das nächste Mal nicht googeln und fehlinterpretiertes Achtelwissen durch Falschinformation noch weiter verdünnen, sondern auf das gute alte Analoge[tm] Vollwissen aus der Zeit vor dem Internet vertrauen. Rindfleisch kauft man schließlich auch nicht übers Internet, sondern nur beim Gestüt des Vertrauens.

Eine "Kino-Xenon"-Objektivkonstruktion mit Lichtstärke f/1,5...

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 02. März 2013 - 08:27

... wurde bereits 1932 von Albrecht Wilhelm Tronnier entworfen, von der sich alle ähnlich aufgebauten lichtstarken Normalobjektive mit f/1,4 ableiten.

http://taunusreiter.de/Cameras/Biotar_en.html (Absatz IIf)

Das Üben wir noch einmal

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 02. März 2013 - 09:19

Das Foto von dem historischen Büroraum ist auch fachgerecht "entzerrt!"

Es wäre zu teuer gewesen,

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 02. März 2013 - 18:03

Es wäre zu teuer gewesen, einen echten Grossformat-Fotografen zu beauftragen, der das mit einem Stück Film und einem Rodenstock oder Schneider-Weitwinkel-Objektiv auf Anhieb schafft, ohne später entzerren zu müssen.

Es gibt eben Menschen, die können Objektive bauen, aber nicht nutzen. Dann gibt es Menschen, die können Objektive nutzen, aber nicht bauen. Wenn man nun denkt, es wäre sinnvoll, wenn derjenige, der Objektive baut, aber nicht nutzen kann, denjenigen, der Objektive nutzen, aber nicht bauen kann, damit beauftragt, ein sehr gutes Foto mit einem Objektiv desjenigen zu machen, der Objektive baut, dann ist das in Teutonia zu kurz gesprungen. Viel zu kurz. Da regiert der blanke, geile Geiz im Management.

Ich mache den 'Optischen Anstalten' gern ein Angebot. Sie schenken mir ein 5,6/38mm Schneider Kreuznach Super-Angulon XL Grossformat-Objektiv, und ich mache ein traumhaftes Foto damit. Wenn Interesse besteht, bitte kurz melden.

Wozu Großformat?

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 03. März 2013 - 12:48

Ne Canon oder Nikon mit 'nem Shift macht das im Handumdrehen ...

Die Zukunft

Eingetragen von
Gast
am Montag, 04. März 2013 - 11:49

Da brauchen wir kein Objektiv von Zeiss und Schneider, keine Kamera von Sinar, eine Nikon mit Shift schafft das, messerscharf und klar!

Gast schrieb:

Ne Canon oder Nikon mit 'nem Shift macht das im Handumdrehen ...

Das lernen wir nochmal

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 02. März 2013 - 19:38

Was für eine Entzerrung hätten Sie denn gern?
Wünschen Sie eine gnonomische Projektion? Eine stereografische? Soll der Kollege winkeltreu entzerren? Winkellinear? Flächentreu?

Jedenfalls

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 03. März 2013 - 13:17

nicht die Fischperspektive ...

Warum ist die Banane krumm?

Eingetragen von
Gast
am Montag, 04. März 2013 - 22:28

Warum nicht einmal eine Tür in einem Arbeitszimmer in "Bananenform". Das bereichert doch jede Pressemitteilung und erheitert die Betrachter. Für einen deutschen Objektivhersteller bestimmt die richtige Referenz?!

Gast schrieb:

nicht die Fischperspektive ...

Üben, üben, üben

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 03. März 2013 - 21:52

Entzerren Sie, wie Sie wollen, jedenfalls nicht so, womit ist das Bild denn entstanden? Schneider kann doch keine Fischaugen!

Gast schrieb:

Was für eine Entzerrung hätten Sie denn gern?
Wünschen Sie eine gnonomische Projektion? Eine stereografische? Soll der Kollege winkeltreu entzerren? Winkellinear? Flächentreu?

Man sieht,

Eingetragen von
Gast
am Montag, 04. März 2013 - 13:00

dass Sie nicht viel verstanden haben, Herr B.

Super Angulon?

Eingetragen von
Grüßender
(Stammgast)
am Samstag, 02. März 2013 - 14:52

Na dann herzlichen Glückwunsch Schneider!

Das erklärt natürlich den neuen Internetauftritt! Jeder Link funktioniert dort ja noch nicht, ebenso scheinen manche Objektive zu fehlen. Oder hat Schneider heimlich das hier noch stolz gezeigte 38er und das 47er Super Angulon aus dem Programm genommen?

Grüße
Grüßender

Geschichtsklitterung

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 02. März 2013 - 17:26

Die übliche Geschichtsklitterung: Wegen der Nähe Kreuznachs zum "Erzfeind" Frankreich wurde das Rüstungs-Zweigwerk in Göttingen gebaut (produzierte vor allem Aero-Xenare für die Luftwaffe). Zuerst Schneider-Göttingen, später Jos.Schneider&Co = ISCO. Auch das neue Werk in der Kreuznacher Ringstraße wäre ohne die Rüstungsaufträge weder nötig noch möglich gewesen. Kein Wort zum Stacheldraht-bewehrten Zwangsarbeiterlager auf dem Göttinger Werksgelände, den nochmals schlimmeren Zuständen im Lager Eiswiesen. Stattdessen: das Unternehmen "war gezwungen", "hatte zu berücksichtigen" und der Chef wahrte bürgerliche Tugenden(???).

Dagegen sind die faktischen Fehler eher harmlos. 70er Jahre(!): "...die weit verbreiteten Super-8-Kameras, die es erstmals für den Privatbereich ermöglichten, bewegte Bilder festzuhalten" Dafür waren schon die 16mm-Kameras der 30er, 40er und später die Doppel-8-Kameras gedacht.

"Seit 1975 ist die digitale Berechnung von Objektiven ein wesentliches Werkzeug bei der Entwicklung." "Erster Einsatz von Computern (Zuse Z 22) zur Berechnung der Objektive (1956)" Ja was denn nun? Natürlich sollte der Z22 nicht der Lohnbuchhaltung unter die Arme greifen, nachdem Leitz schon ab 1953 (als weiltweit erste!) und Zeiss Oberkochen ab 1955 Zuse-Rechner zur Berechnung von Optiken einsetzte.

Kein Wort dabvon, dass Schneider die Fertigung der TV-Variogone, mit denen sie in den 60er und noch in den 70ern Weltmarktführer waren, Anfang der 90er komplett einstellte, nachdem man zuvor schon den mobilen Service eingestellt hatte, der einer der wesentlichen Wettbewerbsvorteile für die Sendeanstalten war. Aber mit dem Aus der ehmals Fernseh GmbH und ihrer Nachfolger gab es nur noch eine japanische TV-Kamera-Entwicklung und-Fertigung. Schneider bekam die Schnittstellen-Informationen nur mit großer Verzögerung. Das Erstausrüstergeschäft wurde folgerichtig von Fuji und Canon übernommen.

Zu den 90er Jahren nichts als Plattitüden und Banalitäten. Und als Krönung dann ein Fischaugen-Bildchen eines altväterlichen Büros, dass bei aller historischen Genauigkeit ja nun wahrlich nicht besonders vorzeigbar ist.

Dafür bei der Aufzählung der aktuellen Produktionsstandorte mal eben China / Shenzen unter den Tisch fallen lassen und auch sonst klein Wort zum Label-Verkauf z.B. an Samsung. Auch die Augenoptik (Apollo) bleibt nahezu unerwähnt, obwohl sie inzwischen ein wichtiger Umsatzbereich ist.

Da kann ich auch einhaken.

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 03. März 2013 - 21:04

Da kann ich auch einhaken. Wsa ist zB mit dem schon ewig angekündigten DLP-Projektor? Wo bleiben die mft-Objektive und warum werden die auf der Website nicht mal ansatzweise erwähnt? Und wo ist der Unique Selling Point gegenüber dem, was es schon gibt? Wieso verkauft die US-Tochter Schneider Optics Objektivvorsätze fürs iPhone in einer Manier, als wären sie kein Tochterunternehmen ("Wir haben noch nicht entschieden, wer in Deutschland die Distribution macht". Äh, bitte? Wie wärs mit Schneider-Kreuznach?). Wirkt chaotisch. Wengistens scheinen die Produkte als solche Spitze zu sein.
Thyl

Der DLP-Projektor

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 05. März 2013 - 10:46

wird wohl nicht im deutschen Fotohandel zu erwerben sein. Der Markt für Projektoren geht in Europa immer weiter zurück. Da tut Schneider gut daran, seine Projektoren in erster Linie im Projektgeschäft im Signage-Bereich zu verkaufen.
Die MFT-Objektive sind offensichtlich noch nicht in der Produktion, weil die Produktionskapazitäten der Schneider-Gruppe mit Bestellungen aus dem Reich der Mitte ausgelastet sind. Auch in Bad Kreuznach kann man wohl die benötigten Fachkräfte nicht von Bäumen pflücken. Dass die amerikanische Tochter Schneider Optics ihre Objektivvorsätze selbst verkauft, hat wohl auch damit zu tun, dass Schneider-Kreuznach hierzulande nicht über die entsprechenden Vertriebskanäle verfügt.

Nur kleine Korrekturen

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 02. August 2013 - 01:56

Meines Wissens nach, hat Schneider Kreuznach zu keiner Zeit eigene Projektoren weder entwickelt noch gefertigt. Die Projektoren wurden als OEM Produkt "eingekauft" und lediglich mit einem eigenen Objektiv bestückt. Internet Recherchen weisen darauf hin, dass der Vertrieb dieser Projektoren weltweit "eingestellt" wurde. Eine Nachfrage bei Schneider Kreuznach könnte zur Klärung betragen.

Mich würde interessieren, wo die Information herkommt, "dass die Produktion der MFT-Objektive noch nicht in der Produktion sind, wegen der ausgelasteten Produktionskapazität der Schneider Gruppe durch die Bestellungen aus dem Reich der Mitte". Die Umsatzentwicklungen der vergangenen Jahre (nach zu lesen hier bei photoscala) sprechen da eine andere Sprache. Könnte es nicht auch sein, das mangelndes Wissen im Bezug auf Technologie und Know How der Grund sind (nicht Optik, aber Elektronik und Software)?

Die Wahrheit

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 02. August 2013 - 01:36

"Glückwunsch" Schneider Kreuznach und "Glückwunsch" zum Kommentar. Was beides zeigt: Schneider Kreuznach lebt in und von der Vergangenheit, weder in der Gegenwart und schon gar nicht in der Zukunft. Zugegeben: was das Unternehmen, basierend auf seiner Historie versteht, ist ein "heutiges" Image von einem "Weltmarktführer mit Deutscher Spitzentechnologie" zu erzeugen. Die Wahrheit sieht anders aus und ist von der heutigen Realität weit, weit entfernt. Fatale Geschäftsentwicklungen (hier bei photoscala zu finden), zumindest seit man sich seit 2006 dazu entschieden hat Geschäftsberichte zu veröffentlichen, werden Jahr für Jahr "schön geredet". "Neue Produkte haben wir in der Pipeline" (mehrfach), "an neuen Objektiven arbeiten wir mit Hochdruck (mehrfach)", "haben die Situation erkannt und werden uns neu aufstellen", "wir werden den Standort Bad Kreuznach zu einer Hightech-Produktionsstätte entwickeln", "Entwicklung und Vertrieb laufen auf Hochtouren" und so weiter und so weiter. Leider lebt ein Unternehmen nicht von "Sprüchen", sondern von "Taten" und vor allen Dingen von "Produkten" (und nicht nur deren Ankündigung). Wo sind die seit beinahe 2 1/2 Jahren angekündigten MFT Objektive? Wo sind die seit 1 1/2 Jahren angekündigten "FF-Prime Objektive? Wo sind die Produkte im Home Cinema Bereich? Wo sind die Produkte der 3D Technik? Wo sind die Produkte in der LED Technik? Ein selbsternannter "Weltmarktführer" sieht anders aus !!!!! Tatsachen sind nicht die fehlende Fertigungskapazität oder die gern genutzte Entschuldigung der "weltweiten wirtschaftlichen Lage", sondern das fehlen von Technologien und Know How. Schon vergessen - "man lebt in der Vergangenheit" !!!!! Dazu nochmals: Herzlichen Glückwunsch" Schneider Kreuznach !!!!!!

Gast schrieb: Dafür bei

Eingetragen von
Gast
am Montag, 04. März 2013 - 16:23
Gast schrieb:

Dafür bei der Aufzählung der aktuellen Produktionsstandorte mal eben China / Shenzen unter den Tisch fallen lassen..

http://www.photoscala.de/Artikel/Schneider-Kreuznach-in-Shenzhen

Das ausgeprägte Halbwissen einiger hier Postender wurde schon erwähnt, da erspar ich mir die Kommentare.

Halb- und Vollwissen

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 05. März 2013 - 19:24

Ihr ausgeprägtes Vollwissen basiert auf einer Pressemeldung des Jahres 2008. Da verstehe ich, dass Sie sich weitere Kommentare ersparen. Aber danke trotzdem für Ihren Hinweis, Shenzen würde ich tatsächlich nicht wiededr als "Produktionsstandort" bezeichnen.

Wichtiger aber ist (mir), dass auch Sie die Anmerkungen zur Geschichtsklitterung offensichtlich anerkennen. Ich kann die Motivation des Autors, der Firma(?) nach so langer Zeit und ohne dass noch Lebende belastet werden könnten, nicht nachvollziehen. Ich bin sehr gespannt, wie Schneider in der Jubiläumsausstellung mit diesem Themenkomplex umgegangen ist. Werde es mir in den nächsten Tagen ansehen.

Bitte nicht!

Eingetragen von
Gast
am Samstag, 09. März 2013 - 18:41

Das ist die richtige Entscheidung!

Gast schrieb:
Gast schrieb:

Dafür bei der Aufzählung der aktuellen Produktionsstandorte mal eben China / Shenzen unter den Tisch fallen lassen..

http://www.photoscala.de/Artikel/Schneider-Kreuznach-in-Shenzhen

Das ausgeprägte Halbwissen einiger hier Postender wurde schon erwähnt, da erspar ich mir die Kommentare.

Meines Wissens nach, ist die

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 04. August 2013 - 02:44

Meines Wissens nach, ist die Aussage "Produktionsstandort China / Shenzhen" falsch. "Schneider Optical Technologies" ist lediglich ein Vertriebsstandort. Schneider Kreuznach Preise und "Made in China" passen nicht zusammen.

Blauäugigkeit

Eingetragen von
Gast
am Sonntag, 04. August 2013 - 16:53
Gast schrieb:

Meines Wissens nach, ist die Aussage "Produktionsstandort China / Shenzhen" falsch. "Schneider Optical Technologies" ist lediglich ein Vertriebsstandort. Schneider Kreuznach Preise und "Made in China" passen nicht zusammen.

passt dafür umso besser ... 8-)

D A N K E

Eingetragen von
Gast
am Dienstag, 05. März 2013 - 21:53

Danke, da kennt sich ein Schreiber aus und sabbelt nicht wichtigtuerisch von "gnomischer Projektion". Ihren Beitrag habe ich mir ausgedruckt, Danke auch für den Hinweis auf die Zwangsarbeiter, da hatte die teutonische Herrenrasse keine Hemmungen, bei Leitz mussten die auch schuften! Nach dem Krieg gaben sich dann die Arier als "Widerstandskämpfer" aus und die Geschichte lief weiter!

Gast schrieb:

Die übliche Geschichtsklitterung: Wegen der Nähe Kreuznachs zum "Erzfeind" Frankreich wurde das Rüstungs-Zweigwerk in Göttingen gebaut (produzierte vor allem Aero-Xenare für die Luftwaffe). Zuerst Schneider-Göttingen, später Jos.Schneider&Co = ISCO. Auch das neue Werk in der Kreuznacher Ringstraße wäre ohne die Rüstungsaufträge weder nötig noch möglich gewesen. Kein Wort zum Stacheldraht-bewehrten Zwangsarbeiterlager auf dem Göttinger Werksgelände, den nochmals schlimmeren Zuständen im Lager Eiswiesen. Stattdessen: das Unternehmen "war gezwungen", "hatte zu berücksichtigen" und der Chef wahrte bürgerliche Tugenden(???).

Dagegen sind die faktischen Fehler eher harmlos. 70er Jahre(!): "...die weit verbreiteten Super-8-Kameras, die es erstmals für den Privatbereich ermöglichten, bewegte Bilder festzuhalten" Dafür waren schon die 16mm-Kameras der 30er, 40er und später die Doppel-8-Kameras gedacht.

"Seit 1975 ist die digitale Berechnung von Objektiven ein wesentliches Werkzeug bei der Entwicklung." "Erster Einsatz von Computern (Zuse Z 22) zur Berechnung der Objektive (1956)" Ja was denn nun? Natürlich sollte der Z22 nicht der Lohnbuchhaltung unter die Arme greifen, nachdem Leitz schon ab 1953 (als weiltweit erste!) und Zeiss Oberkochen ab 1955 Zuse-Rechner zur Berechnung von Optiken einsetzte.

Kein Wort dabvon, dass Schneider die Fertigung der TV-Variogone, mit denen sie in den 60er und noch in den 70ern Weltmarktführer waren, Anfang der 90er komplett einstellte, nachdem man zuvor schon den mobilen Service eingestellt hatte, der einer der wesentlichen Wettbewerbsvorteile für die Sendeanstalten war. Aber mit dem Aus der ehmals Fernseh GmbH und ihrer Nachfolger gab es nur noch eine japanische TV-Kamera-Entwicklung und-Fertigung. Schneider bekam die Schnittstellen-Informationen nur mit großer Verzögerung. Das Erstausrüstergeschäft wurde folgerichtig von Fuji und Canon übernommen.

Zu den 90er Jahren nichts als Plattitüden und Banalitäten. Und als Krönung dann ein Fischaugen-Bildchen eines altväterlichen Büros, dass bei aller historischen Genauigkeit ja nun wahrlich nicht besonders vorzeigbar ist.

Dafür bei der Aufzählung der aktuellen Produktionsstandorte mal eben China / Shenzen unter den Tisch fallen lassen und auch sonst klein Wort zum Label-Verkauf z.B. an Samsung. Auch die Augenoptik (Apollo) bleibt nahezu unerwähnt, obwohl sie inzwischen ein wichtiger Umsatzbereich ist.

Nein?

Eingetragen von
Grüßender
(Stammgast)
am Mittwoch, 06. März 2013 - 22:42

In der Fotoindustrie wurden Zwangsarbeiter verpflichtet? Da auch? Wer wäre da nich von selbst drauf gekommen?

Ich sehe hier leider nur einen anonymen Schreiber, der unbelegte und damit streng genommen haltlose Aussagen in den Raum wirft. Ein paar Quellen würden mich durchaus interessieren, auch um das Thema zu vertiefen! Dass die Zeit von 33-45 nur angeschnitten wurde, stieß auch mir mehr als unangenehm auf! All zu eingehend ist der ganze Text ja aber sowieso nicht.

Aber zurück zur Ursprungsfrage:
Weiß jemand von Euch, was aus dem 38er und dem 47er geworden ist? Ersteres fand ich durchaus interessant und wäre sehr interessiert, mehr zu erfahren.

Beste Grüße
Grüßender

Provokation oder Unkenntnis?

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 07. März 2013 - 09:37

Ein Leserbrief ist keine Dissertation. Aber nehmen Sie, "Grüßender", gerne eins der von mir genannten Stichworte und googeln Sie. Nicht schwer und das Gefundene wird das Gesagte bestätigen. Nur bei Schneider selbst werden Sie zu meinen "streng genommen haltlose(n) Aussagen" auf der Internetseite nichts mehr finden. Dem Jubiläums-Relaunch ist das gesamte historische Archiv zum Opfer gefallen.

Noch ein Tip, da Ihnen ja vor allem das Schicksal des 38er und 47ers am Herzen liegt: Wie wär's, wenn Sie bei Schneider direkt fragten? Geht genauso einfach, wie hier als Unwissender Unwissende zu fragen...

Zwangsarbeiter bei Schneider / Stadtarchiv Göttingen

Eingetragen von
Gast
am Donnerstag, 07. März 2013 - 11:16

Falls es mit eigener Recherche nicht so recht klappt:

Der aus Frankreich stammende Maler Louis G. war im Januar 1942 als Lackierer zu den Optischen Werken Joseph Schneider & Co in Weende gekommen, wo er nach Aussage der Betriebsleitung anderthalb Jahre zu ihrer großen Zufriedenheit arbeitete, bis er etwa ein Dreivierteljahr vor seiner Verhaftung Anfang November 1944 "ziemlich starken Verkehr mit ausländischen Zivilarbeitern innerhalb der Werkstatt hatte", was eine "starke Minderleistung" zur Folge gehabt habe. "Dieser Verkehr", so die Betriebsleitung, "wurde damals sofort von uns unterbunden. Es war dann wieder eine Leistungssteigerung zu verspüren." Trotz des auch in diesem Fall positiven Urteils der Betriebsleitung versuchte diese also deutlich, Louis G. als eine potentiellen Unruhestifter darzustellen. Ins Fadenkreuz der Ermittler war Lous G. durch eine Anzeige von einer in einem Göttinger Hotel lebenden französischen SD-Mitarbeiterin geraten, die einen französischen Kriegsgefangenen und dessen Freund, einen "Zivilfranzosen", beschuldigt hatte, regelmäßig "Feindsender" zu hören, wobei sich der im Lager Sültebeck untergebrachte französische Kriegsgefangene Notizen von den Übertragungen mache, die dann seinen Kameraden im Lager übermittele. Obwohl von der Denunziantin ein falscher Vorname angegeben worden war, wurde Louis G. aufgrund der richtigen Adresse noch am 9. November 1944, dem Tag der Anzeige vernommen, behauptete erst der französische Kriegsgefangene habe die Sender eingestellt, gab dann aber bei einer neuerlichen Vernehmung am nächsten Tag alles zu und erklärte auch, dass er das Rundfunkgerät vor etwa zwei Jahren von einem französischen Zivilarbeiter gekauft habe. Lous G. wurde daraufhin in das Göttinger Gerichtsgefängnis gebracht, der französische Kriegsgefangene in das Polizeigefängnis. Nachdem das Göttinger Gerichtsgefängnis nach einem Bombenangriff im Dezember 1944 nicht mehr nutzbar war, wurde Lous G. in das Zuchthaus Hameln verlegt. Dort wurde er durch den Gefängnisarzt auf seinen Geisteszustand untersucht, nachdem in den Akten schon nach seiner zweiten Vernehmung am 10. November 1944 vermerkt worden war: "G. macht einen äußerst beschränkten Eindruck, hatte Autounfall, Gedächtnisschwäche." Nach dem am 27. Januar 1945 ergangenen Urteil kam Louis G. ins Gerichtsgefängnis nach Hildesheim, wo er am 6. April 1945 entlassen wurde. Doch brachte diese Entlassung für ihn trotz des Kriegsendes nicht die Freiheit, sondern nur eine Einweisung in die Göttinger Landespflege- und Heilanstalt am Rosdorfer Weg eingeliefert zu werden, wo er am 26. April 1945 im Alter von erst 38 Jahren verstarb. Als offizielle Todesursache ist in der Sterbeurkunde "Devianter Verwirrtheitszustand, Entkräftung und Bronchopneumonie" angegeben. Mit "Devianz" bezeichnet man ein von der Norm abweichendes Verhalten, was dafür spricht, dass nicht so sehr die Folgen eines früheren Autounfalls, sondern sein widersätzliches Verhalten, Louis G. zum Verhängnis wurde, worauf ja auch schon die Betriebsleitung von Joseph Schneider & Co hingewiesen hatte. Der Hinweis auf eine Lungenentzündung als zusätzliche Todesursache, die sich in vielen Sterbeurkunden von Zwangsarbeitern findet, stellte dabei wahrscheinlich nur eine medizinische Absicherung dar. "Entkräftung" - eine der häufigsten Todesursachen bei Zwangsarbeitern - wurde dagegen in den seltensten Fällen offiziell in die Sterbeurkunde eingetragen. Insofern rechtfertigt diese dreifache Absicherung der Todesursache in jeder Hinsicht den Verdacht eines wodurch auch immer verursachten gewaltsamen Todes des Louis G.

Quellen und Literatur:

Cordula Tollmien, Zwangsarbeiter in Ämtern, Dienststellen und Betrieben der Göttinger Stadtverwaltung während des Zweiten Weltkriegs (Fassung ohne Namensnennungen), Göttingen Dezember 2000 (Manuskript im Stadtarchiv Göttingen), S. 37 f.

Aufenthaltsanzeigen Louis G., geb. 1907 (Foto), Stadtarchiv Göttingen Pol. Dir. Fach 175 Nr. 15 (alphabetisch).
Sterbeurkunde Louis G. 26.4.1945, ebenda, Sterbebücher 1945.
Rundfunkverbrechen Geert. E. und Louis G., Niedersächsisches Haupt- und Staatsarchiv Hannover Hann 171 a Hannover Acc. 107/83 Nr. 895 und Nr. 1140.

Zwangsarbeit in Wetzlar

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 08. März 2013 - 15:47

Sehr gut! Vielen Dank! In dem Zusammenhang ist auch empfehlenswert: Karsten Porezag "Zwangsarbeit in Wetzlar".

Gast schrieb:

Falls es mit eigener Recherche nicht so recht klappt:

Der aus Frankreich stammende Maler Louis G. war im Januar 1942 als Lackierer zu den Optischen Werken Joseph Schneider & Co in Weende gekommen, wo er nach Aussage der Betriebsleitung anderthalb Jahre zu ihrer großen Zufriedenheit arbeitete, bis er etwa ein Dreivierteljahr vor seiner Verhaftung Anfang November 1944 "ziemlich starken Verkehr mit ausländischen Zivilarbeitern innerhalb der Werkstatt hatte", was eine "starke Minderleistung" zur Folge gehabt habe. "Dieser Verkehr", so die Betriebsleitung, "wurde damals sofort von uns unterbunden. Es war dann wieder eine Leistungssteigerung zu verspüren." Trotz des auch in diesem Fall positiven Urteils der Betriebsleitung versuchte diese also deutlich, Louis G. als eine potentiellen Unruhestifter darzustellen. Ins Fadenkreuz der Ermittler war Lous G. durch eine Anzeige von einer in einem Göttinger Hotel lebenden französischen SD-Mitarbeiterin geraten, die einen französischen Kriegsgefangenen und dessen Freund, einen "Zivilfranzosen", beschuldigt hatte, regelmäßig "Feindsender" zu hören, wobei sich der im Lager Sültebeck untergebrachte französische Kriegsgefangene Notizen von den Übertragungen mache, die dann seinen Kameraden im Lager übermittele. Obwohl von der Denunziantin ein falscher Vorname angegeben worden war, wurde Louis G. aufgrund der richtigen Adresse noch am 9. November 1944, dem Tag der Anzeige vernommen, behauptete erst der französische Kriegsgefangene habe die Sender eingestellt, gab dann aber bei einer neuerlichen Vernehmung am nächsten Tag alles zu und erklärte auch, dass er das Rundfunkgerät vor etwa zwei Jahren von einem französischen Zivilarbeiter gekauft habe. Lous G. wurde daraufhin in das Göttinger Gerichtsgefängnis gebracht, der französische Kriegsgefangene in das Polizeigefängnis. Nachdem das Göttinger Gerichtsgefängnis nach einem Bombenangriff im Dezember 1944 nicht mehr nutzbar war, wurde Lous G. in das Zuchthaus Hameln verlegt. Dort wurde er durch den Gefängnisarzt auf seinen Geisteszustand untersucht, nachdem in den Akten schon nach seiner zweiten Vernehmung am 10. November 1944 vermerkt worden war: "G. macht einen äußerst beschränkten Eindruck, hatte Autounfall, Gedächtnisschwäche." Nach dem am 27. Januar 1945 ergangenen Urteil kam Louis G. ins Gerichtsgefängnis nach Hildesheim, wo er am 6. April 1945 entlassen wurde. Doch brachte diese Entlassung für ihn trotz des Kriegsendes nicht die Freiheit, sondern nur eine Einweisung in die Göttinger Landespflege- und Heilanstalt am Rosdorfer Weg eingeliefert zu werden, wo er am 26. April 1945 im Alter von erst 38 Jahren verstarb. Als offizielle Todesursache ist in der Sterbeurkunde "Devianter Verwirrtheitszustand, Entkräftung und Bronchopneumonie" angegeben. Mit "Devianz" bezeichnet man ein von der Norm abweichendes Verhalten, was dafür spricht, dass nicht so sehr die Folgen eines früheren Autounfalls, sondern sein widersätzliches Verhalten, Louis G. zum Verhängnis wurde, worauf ja auch schon die Betriebsleitung von Joseph Schneider & Co hingewiesen hatte. Der Hinweis auf eine Lungenentzündung als zusätzliche Todesursache, die sich in vielen Sterbeurkunden von Zwangsarbeitern findet, stellte dabei wahrscheinlich nur eine medizinische Absicherung dar. "Entkräftung" - eine der häufigsten Todesursachen bei Zwangsarbeitern - wurde dagegen in den seltensten Fällen offiziell in die Sterbeurkunde eingetragen. Insofern rechtfertigt diese dreifache Absicherung der Todesursache in jeder Hinsicht den Verdacht eines wodurch auch immer verursachten gewaltsamen Todes des Louis G.

Quellen und Literatur:

Cordula Tollmien, Zwangsarbeiter in Ämtern, Dienststellen und Betrieben der Göttinger Stadtverwaltung während des Zweiten Weltkriegs (Fassung ohne Namensnennungen), Göttingen Dezember 2000 (Manuskript im Stadtarchiv Göttingen), S. 37 f.

Aufenthaltsanzeigen Louis G., geb. 1907 (Foto), Stadtarchiv Göttingen Pol. Dir. Fach 175 Nr. 15 (alphabetisch).
Sterbeurkunde Louis G. 26.4.1945, ebenda, Sterbebücher 1945.
Rundfunkverbrechen Geert. E. und Louis G., Niedersächsisches Haupt- und Staatsarchiv Hannover Hann 171 a Hannover Acc. 107/83 Nr. 895 und Nr. 1140.

Tradition und Glaubwürdigkeit

Eingetragen von
Gast
am Freitag, 08. März 2013 - 21:27

Danke für den Hinweis in Richtung Wetzlar!

Ich sollte hier vielleicht noch einmal klarstellen: Es geht nicht darum, eine Firma zu diskeditieren, es geht nicht um die krampfhafte Suche nach wunden Punkten. Aber eine Firma, die bei allen Besitz- und Rechtsformwechseln ein hundertjähriges Jubiläum im Sinne einer ungebrochenen Tradition feiert, sollte auch so souverän sein, die dunklen Stellen der Firmengeschichte nicht auszuklammern. Es ist einfach eine Frage der Glaubwürdigkeit. Der hier am Anfang stehende Text ist praktisch wortwörtlich einer Schneider Publikation zum Jubiläum entnommen, einschließlich solch seltsamer Formulierungen wie der der gewahrten bürgerlichen Tugenden während der NS-Zeit. Wer solch beschönigende Nebelkerzen wirft, muss sich darauf gefasst machen, dass nach Verzug des Nebels umso klarer zu sehen ist, was verdeckt werden sollte.

Noch eine Randbemerkung, wenn's interessiert: ich habe meine fotografische Laufbahn mit PA-Curtagon, Xenon und Tele-Variogon in KB und mit Super-Angulon und S-Symmaren begonnen. Ich weiß die Qualität der Schneider-Optiken einschließlich der Bereitschaft, maßgeSCHNEIDERte Kundenlösungen zu vertretbaren Preisen anzubieten und eines kulanten Kundendienstes wohl zu schätzen und zu würdigen. Umso mehr fallen einem dann aber auch unverständliche Rückschritte auf, wie beispielsweise der zum Jubiläum neu gestaltete Internetauftritt, der zwar schicker geworden ist, aber nicht nur im jetzt fehlenden Archivbereich viel an Informativem eingebüßt hat.