Zwölf Bilder pro Sekunde bei 42,4 Megapixel Auflösung – mit der Alpha 99 II gibt Sony ein klares Bekenntnis zum A-Mount ab. Die Klein­bild­kamera will aber nicht nur mit schieren Leistungs­daten punkten, sondern auch mit einem völlig neuar­tigen „Hybrid Phase Detection AF“. Kann ihr das gelingen? Ich hatte während der photokina Zeit, mich etwas einge­hender mit der Alpha 99 II zu beschäf­tigen.

Genau vier Jahre ist es her, dass Sony mit der Alpha 99 letzt­malig eine Kleinbild-DSLR vorge­stellt hat. Jetzt folgt auf der photokina 2016 deren Nachfol­gerin, die Alpha 99 II. Wobei: Eine DSLR ist sie – wie auch schon die Alpha 99 – nicht. Denn bei den A-Bajonett-Kameras von Sony gibt es bereits seit Längerem keinen Schwing­spiegel mehr. Statt­dessen platziert Sony einen hauch­dünnen Strah­len­teiler im Lichtweg, der permanent rund 30 Prozent des Lichts zum dedizierten Phasen-AF-Modul abzweigt. Vorteil dieses Verfahrens: Das AF-Modul im „Spiegel­kasten“ wird fortwährend mit Infor­ma­tionen versorgt; SLT-Kameras befinden sich permanent im Live-View-Modus und können auch bei Video-Aufnahmen mit dem Phasen-AF scharf stellen.

Sony SLT-Prizip
Beim SLT-Konzept von Sony zweigt eine semit­rans­pa­rente Folie im Strah­lengang
etwas Licht für das AF-Modul ab.

Eckdaten der Alpha 99 II

  • 42,4-Megapixel-Sensor im Kleinbild-Format, BSI-Design (nahezu identisch zum Sensor der Alpha 7R II)
  • Serien­bildrate mit bis 12 fps bei voller Auflösung, dabei AF- und AE-Nachführung
  • Neuar­tiger „Hybrid Phasen AF“ mit 79 Phasen­ver­gleichs­sen­soren im AF-Modul und 399 Phasen­ver­gleichs­zellen auf dem Bildwandler
  • 5-Achsen-Bildsta­bi­li­sator
  • Elektro­ni­scher Sucher in OLED-Technik mit rund 2,4 Millionen dots Auflösung
  • 4K-Video (max. 3840 x 2160 / 30p)
  • Markt­ein­führung: November 2016, Preis: 3.600 Euro

Gehäuse und Handling

Sony hat die die Technik der Alpha 99 II in ein sehr kompaktes Gehäuse gesteckt. Es ist nur wenige Milli­meter größer als das ihrer älteren APS-C-Schwester Alpha 77 II. Der Größen­un­ter­schied ist derart gering, dass sich der ursprünglich für die Alpha 77 II gedachte Hochfor­mat­griff VG-C77AM auch an der Alpha 99 II verwenden lässt.

Sony hat mir die Alpha 99 II auf der photokina für rund eine Viertel­stunde in die Hand gedrückt. Trotz ihrer kompakten Maße wirkt sie keineswegs mickrig. Auch die Anfass­qua­lität ist solide. Gegen die Einflüsse von Staub und Feuch­tigkeit ist die Kamera abgedichtet, eine sogenannte IP-Schutz­klasse gibt Sony jedoch nicht an.

Sony Alpha 99 II Chassis
Das Chassis sowie der überwie­gende Teil des äußeren Gehäuses bestehen bei der Alpha 99 II
aus einer leichten Magnesium-Aluminium-Legierung.

Mit der Alpha 99 II führt Sony ein völlig überar­bei­tetes Menüsystem ein. Waren bislang die sehr vielfäl­tigen Konfi­gu­ra­ti­ons­mög­lich­keiten wie zufällig auf das Kamera- bezie­hungs­weise Einstel­lungsmenü verteilt, gibt es jetzt nur noch zwei Kamera­menüs. Und darinnen hat Sony die Einstell­mög­lich­keiten logisch gruppiert, etwa in „Belich­tungs­steuerung“, „Blitz­ein­stel­lungen“ etc. Ich finde das neue Menüsystem deutlich übersicht­licher als die bishe­rigen Menüs bei Sony. Was aller­dings weiterhin fehlt: die Möglichkeit, sich ein eigenes Individual-Menü mit den 10, 20 am häufigsten verwen­deten Befehlen zusam­men­stellen zu können.


Ralf Ellersiek hat bereits das gesamte Menü der Alpha 99 II durch­ge­blättert, hier ist sein Video.

Dieses Jahr wird das α-System von Sony zehn Jahre alt. Hervor­ge­gangen ist es aus der α-Familie (in Europa als Dynax bekannt) von Minolta. Die SLRs von Minolta galten vielfach als Macintosh unter den Kameras, zuver­lässig und vor allem leicht bedienbar.

Diese Minolta-Gene stecken bis heute unver­kennbar ebenfalls in der α-Linie von Sony. So auch in der Alpha 99 II: Sie hat zum Beispiel einen kleinen Joystick, mit dem sich nicht nur das gewünschte AF-Feld (oder die AF-Gruppe) leicht anwählen lässt. Im sogenannten „Quick Navi“-Modus, bei dem das rückwärtige Display eine Vielzahl an Kamer­a­pa­ra­meter auflistet, lassen sich diese mit eben diesem Joystick ebenfalls ansteuern und dann schnell ändern. So gesehen kann die Alpha 99 II gut auf einen Touch­screen verzichten – eine inter­es­sante Bedien­al­ter­native wäre er trotzdem.

Alpha 99 Multi ControllerVon der Vorgän­gerin übernimmt die Alpha 99 II den „Front Multi Controller“ (Bild links). Dieses kleine Drehrädchen an der Kamera­front lässt sich frei mit einer Funktion belegen (AF-Modus, Belich­tungs­kor­rektur, Zeit, Blende etc.). Ursprünglich war der Regler dazu gedacht, die entspre­chenden Parameter möglichst lautlos während einer Video­auf­nahme ändern zu können. Jetzt rastet er auf Wunsch auch ein, was insbe­sondere Fotografen entge­gen­kommen dürfte.

Die Alpha 99 II mag aussehen wie eine SLR, ist aber keine. Anstelle eines optischen Suchers gibt es einen Video­sucher. Dieser EVF gehört mit zu den besten, die derzeit zu haben sind. Dank OLED-Technik stellt er Farben sehr diffe­ren­ziert dar, die Helligkeit ist (einmal abgesehen von gleißendem Gegen­licht) mehr als ausrei­chend. Vor allem aber erlaubt es der elektro­nische Sucher eine derartige Vielzahl an Infor­ma­tionen einzu­blenden, wie es bei klassi­schen SLR-Suchern einfach nicht möglich ist. Mir ist jeden­falls auf der photokina nur ein elektro­ni­scher Sucher unter­ge­kommen, der noch besser ist als der der Alpha 99 II: der EVF der Fujifilm GFX 50S.

Serien­bilder

Auf dem Papier beein­druckt die Alpha 99 II mit einer Serienbild-Leistung, die in dieser Form derzeit einzig­artig ist. 12 Fotos/Sekunde (fps) nimmt sie auf, und zwar bei voller Auflösung von 42,4 Megapixel. Eine Nikon D5 (21 Megapixel, knapp 7.000 Euro) ist auch nicht schneller, nur die Canon EOS-1D X Mark II (ebenfalls 21 Megapixel, ca. 6.300 Euro) geht mit 14 fps noch etwas flotter zur Sache.

Die Daten­mengen, die die fast doppelt so teuren Top-Modelle von Canon und Nikon verar­beiten müssen, sind aller­dings aufgrund ihrer deutlich gerin­geren Auflösung viel kleiner als bei der Alpha 99 II.

Alpha 99 II mit Vertikalgriff VG-7Der Hochfor­mat­griff VG-7 der Alpha 77 II passt auch an der Alpha 99 II.

Ich habe die Alpha 99 II mit ihren beiden höchsten Serien­bild­raten von 12 fps und 8 fps auspro­biert. Dabei rattert sie wie eine Nähma­schine, obgleich das Auslö­se­ge­räusch für sich genommen angenehm leise ist. Was aber in der Praxis viel wichtiger ist: Im Puffer­speicher der Alpha 99 II ist Platz für mindestens 60 JPEG-Aufnahmen oder gut 50 RAW-Fotos. Sie hält also die hohen Serien­bild­raten für wenigstens fünf Sekunden durch, bevor der Puffer voll ist. Dann aber ist Geduld angesagt: Bis der Zwischen­speicher geleert ist, friert die Alpha 99 II mehr oder weniger ein. Einzig weitere Aufnahmen sind möglich, der Weg ins Menü oder zur Wiedergabe bleibt dagegen blockiert.

Das unter­scheidet die Alpha 99 II dann doch von einer echten Sport­kamera wie die Nikon D5. Die bleibt nämlich sozusagen stets zu Diensten und erledigt das Speichern unauf­fällig im Hinter­grund. Immerhin infor­miert die Alpha 99 II (anders als die Alpha 6300 mit ähnlicher Serien­bildrate) mit einem Fortschritts­balken ausführlich darüber, wie lange sie für das Leeren des Puffers noch benötigen wird.

Und allzu lange dauert es auch nicht, bis die Bilddaten sicher auf die Speicher­karte trans­fe­riert sind; vielleicht so 20 Sekunden. Angesichts der sehr hohen Auflösung der Alpha 99 II und den daraus resul­tie­renden großen Bildda­teien finde ich das durchaus respek­tabel.

Möglich wird dies durch einen besonders schnellen Bionz-X-Prozessor, dem Sony in der Alpha 99 II noch ein „Front End LSI“ zur Seite stellt, ein eigener Duo-Core-Prozessor. Dieses Prozes­sor­ge­spann kümmert sich aber nicht nur um die Aufbe­reitung der Bilddaten, es ist unter anderem auch für die Steuerung des Autofokus zuständig.

Ein Problem hat Sony inzwi­schen gut gelöst: Bis zu einer Serien­bildrate von 8 fps zeigt der elektro­nische Sucher der Alpha 99 II ein Live-Bild, es kommt nur noch zu einer kaum wahrnehm­baren Dunkel­phase zwischen den Aufnahmen. Das sieht ganz ähnlich aus wie bei der Alpha 6300, bei der ich mich bereits ausführlich mit der Sucherbilddarstellung befasst habe.

Autofokus

Bei der Alpha 99 II basiert das AF-System auf zwei Kompo­nenten. Zum einen gibt es einen klassi­schen Phasen­ver­gleich-AF mit 79 Messzellen, der oben im Sucherbuckel sitzt. Hinzu kommen spezielle 399 Phasen-AF-Sensoren direkt auf dem Bildwandler. Diese beiden System kombi­niert die Alpha 99 II nun trick­reich zum sogenannten „Hybrid Phasen AF“, der in Summe aus 399 Messzellen und 79 Kreuz­sen­soren besteht.

So funktio­niert der „Hybrid Phasen AF“:

79 Phasen-AF-Sensoren

A99 II PhasenAF

Das dedizierte Phasen-AF-Modul der Alpha 99 II besteht aus 79 Sensoren. Davon sind 15 als Kreuz­sen­soren ausge­führt (in der Grafik dunkel darge­stellt), die übrigen als horizontale Linien­sen­soren. Der zentrale AF-Sensor ist besonders licht­emp­findlich bis zu einem Lichtwert von –4 EV.

399 AF-Zellen auf dem Sensor

A99 II On-Sensor-Phasen-AF

Auf dem Bildsensor der Alpha 99 II befinden sich 399 Phasen-AF-Zellen. Sie sind in der Verti­kalen empfindlich und decken ca. 80 Prozent des Bildbe­reichs ab.

79 Hybrid-AF-Sensoren

A99 II Hybrid AF

Beide AF-System kombi­niert die Alpha 99 II zum “Hybrid Phasen AF” (in der Grafik blau darge­stellt) mit 79 Kreuz- und 320 Linien­sen­soren. Dunkelblau: die dedizierten Kreuz­sen­soren des AF-Moduls.

Theore­tisch sollten diesem System Probleme wie Back- oder Front­fokus unbekannt sein – die Entfernung wird ja direkt ab Senso­rebene gemessen und einge­stellt. Offenbar funktio­niert der „Hybrid Phasen AF“ aber nicht mit jedem Objektiv, dann übernimmt das reine Phasen-AF-Modul alleine die Fokus­steuerung. Sollte die – vor allem der immensen Bildauf­lösung – nicht exakt genug arbeiten, gibt es die Möglichkeit, seine Objektive manuell zu kalibrieren – neu bei der Alpha 99 II übrigens auch für die Bildecken. Diese Option dürfte vor allem für ältere Objektive inter­essant, die noch nicht über einen eigenen Fokus­an­trieb verfügen, sondern per Kardan­welle (die sogenannten „Minolta-Stange“) mit einem Motor in der Kamera fokus­siert werden.

Die Einbe­ziehung des Sensors in die AF-Steuerung bietet noch einen weiteren Vorteil, zumindest theore­tisch: Die Alpha 99 II kann fortwährend Bildin­halte analy­sieren und den Fokus sicher auf einem einmal erfassten Motivteil halten. Dazu sollte sich das Action-Motiv aber möglichst nicht aus dem Bereich bewegen, der durch die dedizierten Phasen-AF-Sensoren abgedeckt wird. Zumindest hat die mir überlassene Alpha 99 II nur in dieser Zone fokus­siert.

Haupt­motiv innerhalb des Phasen-AF-Bereichs

Sony Alpha 99 II AF-Test

Hier befindet sich das Haupt­motiv in der Kernzone des AF, die durch 79 dedizierte Phasen-AF-Sensoren gebildet wird. Es wird schnell erfasst, die Alpha 99 II führt den Autofokus blitz­schnell nach, wenn sich das Action-Motiv bewegt.

Haupt­motiv außerhalb des Phasen-AF-Bereichs

Sony Alpha 99 II AF-Test

Verlässt das Haupt­motiv wie hier die zentrale AF-Zone, stellt die Alpha 99 II auch schon einmal auf den Studio­hin­ter­grund scharf. Inwiefern dieses Verhalten auf die Konfi­gu­ration meiner Testkamera zurück­zu­führen ist, kann ich noch nicht sagen.

Bei der Kamera, die mir Sony auf der photokina in die Hand gedrückt hat, funktio­nierte das auf den ersten Blick ganz gut. Auf den ersten Blick deshalb, weil die Klappe für das Speicher­kar­tenfach zugeklebt war – ich habe also keine Möglichkeit auszu­zählen, bei wie viel Aufnahmen mehrerer Serien der Fokus wirklich exakt sitzt. Dabei war das Szenario, das Sony aufgebaut hatte, durchaus anspruchsvoll: durch­ein­ander wirbelnde Tanzpaare, bei denen sich immer wieder ein Tänzer vor den anderen schob. Da fanden sich dann doch einige Aufnahmen unter den Reihen, bei dem der AF ganz offen­sichtlich daneben lag. Ob das nun am anspre­chenden Set lag, das präsen­tierte Vorse­ri­en­modell da noch Raum für Verbes­se­rungen lässt, oder der Autofokus der Alpha 99 II doch nur ein Papier­tiger ist, lässt sich jetzt nicht mit letzter Bestimmtheit sagen.

Bildsta­bi­li­sator

Wie schon ihr Vorgän­ge­rinnen ist auch die Alpha 99 mit einem Sensor-basiertem Bildsta­bi­li­sator ausge­stattet. Dessen Funktion hat Sony jetzt indes deutlich erweitert: Er kann nicht nur horizon­tales und verti­kales Verschieben (Shift) ausgleichen, sondern auch Kippbe­we­gungen um alle drei Achsen (Roll, Pitch und Yaw). Das funktio­niert mit praktisch jedem angesetztem Objektive, auf einen optischen Bildsta­bi­li­sator können die A-Mount-Objektive daher verzichten.

Sony gibt an, dass der sogenannte „5 Axis SteadyShot“ um bis zu 4,5mal längere Belich­tungs­zeiten aus der Hand ermög­licht. Und das, obwohl die Alpha 99 II mit 42,4 Megapixel sehr hoch auflöst. Ob’s stimmt, kann ich leider nicht sagen, denn das Speicher­kar­tenfach der Testkamera war … .

Weitere Neuerungen

Sony hat mit der Alpha 99 II eine Reihe weiterer Neuerungen einge­führt, die es so im Alpha-System noch nicht gab. Vor allem bei der Belich­tungs­messung und –steuerung bietet sie inter­es­sante, bislang zum Teil schmerzlich vermisste neue Funktionen.

Die wohl wichtigste: Endlich ist es auch bei einer Sony-Kamera möglich, das Spotmessfeld an das aktive Fokusfeld zu koppeln. Zudem stellt die Alpha 99 II zwei Größen für das Spotmessfeld zur Wahl.

Eine weitere Innovation bei Sony: Die Alpha 99 II erlaubt es erstmals, den Belich­tungs­messer generell um bis zu ±1 EV zu übersteuern – sehr feinfühlig in 1/6 EV-Schritten. Da Sony-Kameras für meinen Geschmack eher konser­vativ belichten, eine inter­es­sante Option, die oftmals den Griff zur Belich­tungs­kor­rektur ersparen könnte.

Zudem führt Sony mit der Alpha 99 II zwei weitere Messme­thoden ein: Einen „Highlight“-Modus, der über das gesamte Bildfeld auf die Lichter belichtet und so ausfres­sende Lichter vermeidet. Und einen neuen „Durchnitts­modus“, der Änderungen des Bildaus­schnitts nicht mit einer sprung­haften Änderung der automa­ti­schen Belichtung beant­wortet.

Den Weißab­gleich hat Sony bei der Alpha 99 II ebenfalls verbessert: Zum einen kann die Automatik nun auf Wunsch des Fotografen den Charakter des Umgebungs­lichts wahren. Und zum anderen lässt sich der Weißab­gleich-Automatik noch feiner übersteuern.

Das sind alles Neuerungen, die sich so mancher Sony-Fotograf auch für seine Kamera wünschen würde – ein Firmware-Update sollte es eigentlich möglich machen. Ob es das für die Alpha 7R II oder Alpha 7 II geben wird, habe ich Yosuke Aoki, Vize-Präsident von Sony Europe, gefragt. Herr Aoki ließ die Frage offen, noch ist also alles möglich.

Nicht alle Alpha-Fotografen werden es dagegen begrüßen, dass Sony bei der Alpha 99 II den GPS-Empfänger wegra­tio­na­li­siert hat. Sony setzt nun auf die Synchro­ni­sation der Ortsko­or­di­naten mit einem Smart­phone, mit ihm tauscht die Alpha 99 II Daten besonders energie­sparend via Bluetooth LE aus.

Video

Die Video-Quali­täten übernimmt die Alpha 99 II im Wesent­lichen von ihrer Cousine Alpha 7R II, mit der sie sich auch den 42-Megapixel-Sensor teilt. Zu ihren Vorzügen zählt, dass sie bei Video-Aufnahmen den kompletten Sensor ausliest – ausführ­licher vorge­stellt habe ich das in meiner Besprechung der Alpha 7R II.

Neu ist bei der Alpha 99 II eine Möglichkeit, die mich schon vor Jahren an einer Panasonic-Kamera begeistert hat: Aus den Videos lassen sich einzelne Aufnahmen extra­hieren. Bei 4K-Videos ergibt das Stand­bilder mit immerhin rund 8 Megapixel.

Bildqua­lität

Habe ich es bereits erwähnt? Sony hat die Speicher­kar­ten­fächer der auf der photokina präsen­tierten Testka­meras verrammelt. Ich konnte also kein einzige Bilddatei mitbringen und mir näher ansehen. Schade, denn das Potenzial für eine hervor­ra­gende Bildqua­lität bringt die Alpha 99 II sicherlich mit.

Ihr 42-Megapixel-Vollformat-Sensor hat bereits in der Alpha 7R II begeistert. Aller­dings hat ihm Sony in der Alpha 99 II eine schwere Bürde auferlegt: die semi-trans­pa­rente Spiegel­folie, die einen kleinen Teil des Lichts zum AF-Modul abzweigt. Auf Senso­rebene bedeutet das letzt­endlich einen Licht­verlust von etwa 0,5 EV.

Ander­seits verab­schiedet sich Sony mit der Alpha 99 II davon, RAW-Dateien mit einer Wortbreite von nur 12 Bit zu speichern. Bei ihr landen die RAW-Dateien immer mit einer Bittiefe von 14 Bit auf der Speicher­karte – wahlweise kompri­miert oder unkom­pri­miert. Theore­tisch lässt sich damit ein Dynamik­umfang entspre­chend 14 Blenden­stufen repro­du­zieren – so Kamera und Objektiv ihn auch erfassen können.

Ein hochauf­lö­sender Sensor wie der der Alpha 99 II giert nach Objek­tiven, die mithalten können. Für das E-Bajonett hat Sony erst kürzlich mit der GM-Serie eine neue Objektiv-Familie aufgelegt, die auch Sensoren mit noch mehr als die aktuellen 42,4 Megapixel bedienen können. Und wie sieht es mit Objek­tiven für die Alpha 99 II mit A-Bajonett aus?

Aktuell gibt es von Sony keine Pläne, neue A-Mount-Objektive äquivalent zur GM-Serie heraus­zu­bringen. Das ließ Kimio Maki, Senior General Manager Digital Imaging Business Group bei Sony, am Rande der photokina verlauten. Die Alpha 99 II wendet sich eben in erster Linie an Fotografen, die bereits mit A-Mount-Objek­tiven ausge­stattet sind. Ältere Objektive solle man an der Alpha 99 II notfalls um eine Stufe abblenden, empfiehlt Sony.

Letztlich muss derzeit die Frage offen bleiben, ob bezie­hungs­weise wie weit A-Mount-Objektive das Potential ausreizen können, das im Sensor der Alpha 99 II steckt.

Mein vorläu­figes Fazit

Mit der Alpha 99 II hat Sony eine faust­dicke Überra­schung auf der photokina präsen­tiert – ein klares Bekenntnis zum A-Bajonett. In letzter Zeit war es derart still um das A-Bajonett geworden, dass so manche Branchen­kenner bereits dessen Toten­glöckchen läuten hörte. Dabei liefert Sony mit der Alpha 99 II keineswegs eine „Alibi“-Kamera ab, vielmehr ist sie derzeit das wohl beste Pferd im Stall von Sony.

Bei allen techni­schen Neuerungen, mit denen die Alpha 99 II aufhorchen lässt: Die größte Überra­schung war für mich ihr Preis. 3.600 Euro sind zwar alles andere als ein Pappen­stiel. Aber damit kostet die Alpha 99 II „nur“ exakt so viel wie die spiegellose Alpha 7R II mit identi­scher Auflösung. Angesichts des deutlich größeren Funkti­ons­um­fangs der Alpha 99 II bietet sie damit eindeutig mehr fürs Geld. Gar nicht davon zu reden, dass die Alpha 99 II ihren spiegel­losen Cousinen in Sachen AF-Leistung und Serien­bild­ge­schwin­digkeit ganz klar davon eilt.

Alpha 99 II

Sony Alpha 99 II

Eine sehr hohe Serien­bildrate, gepaart mit 42 Megapixel und einem (zumindest auf dem Papier) entspre­chend leistungs­fä­higen Autofokus – da kann die Alpha 7R II nicht mithalten. Fortschritt­licher ist die Alpha 99 II auch beim Funkti­ons­umfang, insbe­sondere bei Belich­tungs­messung und –steuerung. Zudem bietet sie das umfang­rei­chere Objektiv-Angebot des Sony-A-Mount, das aller­dings technisch nicht ganz auf dem Stand der jüngsten Top-Objektive für das E-Bajonett ist. Nicht nur deshalb dürfte die Alpha 99 II bei der Bildqua­lität etwas ins Hinter­treffen geraten, sondern auch weil ihr SLT-Konzept die Licht­aus­beute auf dem Sensor leicht einschränkt. Dennoch: Gemessen am Funkti­ons­umfang und der Leistung bietet die Alpha 99 II zum selben Preis der Alpha 7R II mehr fürs Geld.

Alpha 7R II

Sony Alpha 7R II

Die Alpha 7R II kostet nach der jüngsten Preis­er­höhung ebenfalls 3.600 Euro. Sie ist die deutlich kompaktere Kamera mit 42-Megapixel-Sensor. Bei der Bildqua­lität dürfte sie gegenüber der Alpha 99 II die Nase leicht vorn haben: Sie verzichtet auf einen licht­schlu­ckenden Strah­len­teiler, zudem hat Sony erst kürzlich mit der GM-Serie neue TOP-Objektive vorge­stellt, die es nur für E-Mount gibt. Insgesamt ist die Objek­tiv­auswahl für das E-Bajonett aber deutlich kleiner. Beim Funkti­ons­umfang sowie bei AF- und Serien­bild­leistung hat die Alpha 7R II klar das Nachsehen. Doch wer weiß: vielleicht bessert Sony ja hier per Firmware-Updaten nach? Unterm Strich bekommt man mit der Alpha 7R II weniger fürs Geld als mit der Alpha 99 II. Puristen, für die alleine die Bildqua­lität zählt, werden sie dennoch der Alpha 99 II vorziehen.

Sony hat mehrfach betont, dass sich die Alpha 99 II in erster Linie an Besitzer von A-Mount-Kameras und –Objektive wendet. Warum denn so bescheiden, Sony? Für mich könnte sich die Alpha 99 II durchaus zur Alter­native einer Canon EOS 5D IV (rund 4.050 Euro) oder Nikon D810 (Straßen­preis bereits unter 3.000 Euro) entwi­ckeln. Beiden hat sie die höhere Auflösung und die schnel­leren Reihen­auf­nahmen voraus – um nur die wichtigsten Vorteile zu nennen. Wer sich aller­dings partout nicht mit einem elektro­ni­schen Sucher anfreunden kann, wird an der Alpha 99 II keinen Gefallen finden.

PRO

  • Leichtes, kompaktes Gehäuse
  • Einfach zu bedienen (aber kein indivi­du­elles Menü konfi­gu­rierbar)
  • Sehr hohe Auflösung und Serien­bildrate
  • Integrierter Bildsta­bi­li­sator

CONTRA

  • Einge­schränkte Akkulaufzeit (ca. 390 Aufnahmen nach CIPA)
  • Etwas kleine Objek­tiv­auswahl
  • Nachführ-Autofokus bei Testkamera auf zentrale Phasen-AF-Sensoren beschränkt