Foto der EOS 5D Mk III von CanonWas sich nach vier Stunden In-der-Hand-halten und Fotogra­fieren über Canons EOS 5D Mark III so alles sagen lässt:

Wie ja nun wahrlich kein Geheimnis mehr ist (siehe etliche Online-Berichte), hatte Canon dieser Tage auf die Zeche Zollverein geladen, wo sich Gelegenheit bot, die Neue in Serienreife zu bewundern und einen Nachmittag lang auszu­pro­bieren; erst draußen, und dann drinnen mit Studio­b­litz­anlage.
 

Foto thoMas

 
Mit der EOS 5D Mark III führt Canon das Erfolgs­modell „5D“ in dritter Generation fort. Wie nachfolgende Tabelle zeigt, stand dabei offen­sichtlich nicht „Revolution“, sondern „Evolution“ auf dem Pflich­tenheft der Entwickler. Die Mark III ist eine moderate Weiter­ent­wicklung der Mark II; überall ein wenig besser:
 

  EOS 5D EOS 5D Mk II EOS 5D Mark III
Sensor CMOS-Sensor, 24x36 mm,
12,8 Megapixel
CMOS-Sensor, 24x36 mm,
21,1 Megapixel
CMOS-Sensor, 24x36 mm,
22,3 Megapixel
Empfind­lichkeit ISO 100‑1600
(erweitert ISO 50–3200)
ISO 100‑6400
(erweitert bis ISO 25.600)
ISO 100–25.600
(erweitert bis ISO 102.400)
Autofokus 9 AF-Messfelder 9 AF-Messfelder 61 AF-Messfelder
Serien­bilder 3 B/s 3,9 B/s 6 B/s
Filme Full HD 1920x1080 Full HD 1920x1080
Bildfeld­ab­deckung des Suchers 96 % 98 % 100 %
Drahtlos-Blitzen licht­ge­steuert licht­ge­steuert licht­ge­steuert, funkge­steuert
Gehäuse Magne­si­um­le­gierung abgedichtet, Magne­si­um­le­gierung abgedichtet, Magne­si­um­le­gierung
Vorstellung am 23.8.2005 17.9.2008 2.3.2012
UVP bei Vorstellung 3399 Euro 2499 Euro 3299 Euro

 
Handhabung

Groß, gut, griffig, gewichtig. Eine der wenigen Kameras, die ich auch ohne zusätz­lichen Handgriff gerne in die Hand nehme (siehe auch meine Einlas­sungen zu mir als Grobmo­toriker in Ersteindruck: Olympus OM-D). Sie ist schon ein „Trumm“, und das meine ich positiv. Doch manch einem, der eher das Filigrane, Handliche liebt, wird sie zu klobig sein.
 

Foto der EOS 5D Mk III von Canon
 
 
Foto der Rückseite der EOS 5D Mk III von Canon

 
Viele Knöpfe für alle möglichen Funktionen hat die Kamera, und die lassen sich gut erreichen und bedienen. Auch das Menü und die wichtigen Infor­ma­tionen zum Betriebs­zustand der Kamera sind per Knopfdruck schnell erreichbar; das Menü erschien mir soweit logisch und übersichtlich. Der Rest ist Auspro­bieren und Gewöhnung, das braucht lediglich ein wenig Zeit.

Autofokus

Canon hat der 5D Mk III dasselbe 61-Punkt-Autofo­kus­system spendiert, das auch im Flagg­schiff der EOS-Reihe, in der EOS-1D X, steckt. Mit einem Unter­schied allerdings: Der Belich­tungs­messer der EOS-1D X kann Gesichter und Farben erkennen und die Kamera kann diese Erkenntnisse auch für eine optimierte Scharf­stellung nutzen; der Belich­tungs­messer der 5D Mk III kann das nicht. So ist davon auszugehen, dass der Autofokus der 5D Mk III fast, aber nicht ganz so gut ist wie der der EOS-1D X.
 

Foto thoMas

 
Mangels Vergleichs- und auch Messmög­lich­keiten kann ich hier nur festhalten, dass die Scharf­stellung unter den gegebenen Umständen (Häuser in Ruhe, Porträts in Bewegung) völlig unauf­fällig ist, denn der Autofokus ist so flott und treff­sicher, dass man übers Scharf­stellen gar nicht nachdenkt – man fotografiert, und scharf­ge­stellt ist ja sowieso schon längst. Canon sagt, das sei eines der derzeit leistungs­fä­higsten AF-Systeme und das will ich gerne glauben. Damit ist einer der Haupt­kri­tik­punkte an der vorigen 5D behoben.

Objek­tiv­kor­rekturen

Auch Canon widmet sich der digitalen Korrektur von Bildfehlern. Der „Digital Lens Optimizer“ (DLO) ist neu im Softwarepaket von Digital Photo Profes­sional v3.11 (DPP) und will „für eine drastisch gesteigerte Optimierung der Bildauf­lösung“ sorgen, korrigiert darüber hinaus auch Abbil­dungs­fehler wie chroma­tische Aberra­tionen. Laut Canon lässt sich so vor allem aus den preis­werteren Zoomob­jektiven noch ganz Erstaun­liches holen. In der Demons­tration machte das einen durchaus hilfreichen Eindruck und auch die ersten eigenen Versuche zeigen: funktioniert gut, und ist für Canon-Kunden kostenlos.
 

Screenshot thoMas
 
 
Screenshot thoMas

Digitale Objek­tiv­op­ti­mierung beim 2,8/16–35 mm L II USM; hier Screenshots der Vorschau­fenster (unten das korri­gierte Beispiel)

 
Wobei DPP+DLO bei guten Objektiven – ich hatte das 2,8/16–35 mm L II USM und das 2,8/70–200 mm L IS II USM – keine Wunder bewirkt bzw. wobei in dem Fall schon die Objek­ti­vqualität fürs technisch gute Foto sorgt. Leichte Verbes­se­rungen waren in den Details schon feststellbar, das aber nur stellenweise. Lohnt sich bei den guten Objektiven meines Erachtens fürs Fine-Art-Foto in Ausga­be­größen jenseits 20x25 cm, und bei allen mittel­mäßigen Objektiven ganz generell.

Die 5D Mk III korrigiert auf Wunsch auch kameraintern (Vignet­tierung, chroma­tische Aberra­tionen, Rausch­re­du­zierung) – DPP allerdings ignoriert allfällige kamerainterne Korrekturen und geht das Ganze selbst an. (Siehe auch die PDF-Datei: DPP 3.11 Instruction Manual.) Wobei Canon eine ganze Menge Gehirn­schmalz in die Objektiv-Optimierung gesteckt hat, zumindest legen das die Korrek­turdaten-Dateien nahe, die nach der Instal­lation von DPP für die verwendeten Objektive noch herun­ter­geladen werden müssen: bei mir waren sie zwischen 20 und 50 Megabyte groß – pro Objektiv.
 

Screenshot thoMas

 
Das kostenlose Korrektur-Werkzeug bleibt nicht allein EOS-5D-III-Besitzern vorbe­halten, sondern Canon unter­stützt alle EOS-RAW-Formate seit 2006 bzw. diverse EOS-Modelle. Korrigiert werden u.a. chroma­tische und sphärische Aberration, Astig­ma­tismus, Bildfeld­wöl­bungen und die Auflö­sungs­min­derung durch das Tiefpass­filter – natürlich nur bei Canon-EF-Objektiven.

Die Korrektur eines Fotos benötigt mehrere Sekunden (sprich: DPP ist langsam), aber DPP beherrscht die Stapel­ver­ar­beitung und kann gegebe­nenfalls auch mal über Nacht korri­gieren. DLO holt sich die jeweiligen Objek­tivdaten aus den EXIF-Infor­ma­tionen, kein Problem also, ganze Aufnah­me­reihen mit diversen Objektiven / Einstel­lungen stapelweise abarbeiten zu lassen.
 

Screenshot thoMas

 
Der Digital Lens Optimizer unter­stützt neben diversen EOS-Modellen derzeit 29 EF-Objektive. Da andere Funktionen von DPP aber weit mehr Objektive unter­stützen, ist es sicher nur eine Frage der Zeit, bis auch der DLO-Teil das tut.

Filme

Was das Filmen angeht – da habe ich keine große Ahnung mehr, bin zu lange aus dem Thema raus. Aber wenn man dem hier Glauben schenken darf – Panasonic GH2 vs 5D Mark III – dann ist die Mk III praktisch nicht besser als die Mk II, was das Filmen angeht, und damit ist die System­kamaera-Konkurrenz von Panasonic, Sony, usw. der Mk III um Jahre voraus. Canon legt diesbe­züglich offen­sichtlich mehr Augenmerk auf die deutlich teurere HD-Cam EOS C300 und hat bei der Mk III wohl keinen Verbes­se­rungs­bedarf gesehen bzw. wollte Kamera (3300 Euro) und Camcorder (15.500 Euro) klar gegen­einander absetzen.

Fotos

Eine Spiegel­re­flex­kamera im Klein­bild­format mit 100 Prozent Bildfeld im Sucher – trotz aller Fortschritte bei den elektro­nischen Suchern (EVF; electronic viewfinder) ist das immer noch der Maßstab, an dem sich alle anderen messen lassen müssen, und den sie noch nicht erreichen. Die optischen Sucher der APS-C-Modelle nicht, und auch nicht die aktuellen EVFs, auch wenn letztere immer besser werden und mittlerweile mehr als brauchbar sind.

Die Bildqualität ist bei Nennemp­find­lichkeit ISO 100 hervor­ragend und bleibt das auch eine ganze Weile. Je nach Ansprüchen beginnt sie dann ab ca. ISO 640, in ein „sehr gut“ überzugehen, das sich auf dem Weg hin zu ISO 6400 zu einem „wirklich noch erstaunlich gut“ wandelt. Mindestens bis zu dieser Empfind­lichkeit kann auch der anspruchsvolle Fotograf die Empfind­lich­keits­stufen der Mk III für die Available-Light-Fotografie nutzen.

Einordnung

Mit einem Preis von 3299 Euro (UVP) ist die EOS 5D Mk III nicht eben billig und findet in Nikons D800 (2899 Euro) eine ernst­zu­nehmende Konkur­rentin, die nicht nur preis­werter ist, sondern auch deutlich höher auflösend (36 MP). Die höhere Auflösung spielt fürs vollfor­matige Foto keine Rolle (scharf erscheinen in jeder Größe beider Fotos), kann aber das entscheidende Mehr sein, wenn es um Ausschnitt­ver­grö­ße­rungen geht.
 

  EOS 5D Mark III D800
Sensor CMOS-Sensor, 24x36 mm,
22,3 Megapixel
CMOS-Sensor, 24x36 mm,
36 Megapixel
Empfind­lichkeit ISO 100–25.600
(erweitert bis ISO 102.400)
ISO 100‑6400
(erweitert 50–25.600)
Autofokus 61 Messfelder 51 Messfelder
Serien­bilder 6 B/s 4 B/s
Filme Full HD 1920x1080 Full HD 1920x1080
Bildfeld­ab­deckung des Suchers 100 % 100 %
Gehäuse abgedichtet, Magne­si­um­le­gierung abgedichtet, Magne­si­um­le­gierung
Vorstellung am 2.3.2012 7.2.2012
UVP bei Vorstellung 3299 Euro 2899 Euro

 
Dennoch wird ein Canon-Fotograf mit einer Tasche voller Objektive nun wohl kaum zu Nikon wechseln. Ihn inter­essiert mehr, ob es sich lohnt, die Mark III zu kaufen. Und dazu ist zu sagen: Im Canon-System ist die EOS 5D Mk III die preis­werteste digitale Klein­bild­kamera, und eine sehr gute dazu.

Ob sich für Besitzer einer alten 5D Mk I oder Mk II die Aufrüstung lohnt?

Bei einer Mk I lohnt sich das durchaus, schon wegen der knapp doppelt so vielen Pixel, und vieler weiterer Verbes­se­rungen (abgedichtetes Gehäuse, Film-Fähig­keiten, Autofokus, 6 B/s, …). Besitzer eine Mk II hingegen können mit der „Alten“ durchaus glücklich bleiben, sofern sie mit deren Autofokus leben können, denn hier liegt die wesentliche Verbes­serung der Mk III.
 

Foto der EOS 5D Mk III von Canon

EOS 5D Mark III mit Handgriff BG-E11

 
Einschätzung

Im Canon-Universum ist die Mk III eine fein verbesserte Klein­bild­kamera zum attraktiven Preis. Im Kamera-Universum hingegen gibt es für Foto und Film mittlerweile Alter­nativen, die preis­werter sind und mehr leisten. Die Mk I war einst, bei ihrer Vorstellung im Jahr 2005, ein Meilenstein in Preis und Leistung (digitales Klein­bild­format für 3399 Euro), die Mk II definierte im Jahr 2008 den Begriff „Filmkamera“ dank ihrer Film-Fähig­keiten (Full HD) neu – und wurde rund 900 Euro billiger angeboten. Die Mk III nun soll wieder über 3000 Euro kosten, bietet aber nur wenig mehr; im Wesent­lichen bleibt der bessere Autofokus.

(thoMas )
 
 
Anmer­kungen:
Produk­til­lus­tra­tionen: Canon
Beispielfotos: thoMas

Eine ganze Reihe Dokumente finden sich hier:
EOS 5D Mark III – Brochures & Manuals (Canon USA)

Sofern Sie Fragen haben: Stellen Sie sie hier in den Kommentaren oder direkt an redaktion@photoscala.de – ich will dann versuchen, sie zu beant­worten und werde den Artikel zu gegebener Zeit (will heißen, wenn die Fragerunde soweit durch ist) mit einer Frage-Antwort-Runde aktua­li­sieren.