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Contax: Ungewisse Zukunft
Kyocera hat heute den Ausstieg aus der Kameraproduktion verkündet. Das betrifft auch und vor allem Contax-Kameras und Carl-Zeiss-Objektive. Da stellt sich die dräuende Frage, ob und wie es mit diesen renommierten Produkten weitergeht:
Über den Ausstieg haben wir berichtet: Kyocera gibt Kamerageschäft auf. Dort ist auch die unrühmliche Historie dieses schrittweisen und über Monate hinweg klammheimlichen Rückzugs dokumentiert, der kein sehr gutes Licht auf die Offenheit bzw. Öffentlichkeitsarbeit (bzw. auch Entscheidungsfreudigkeit) von Kyocera wirft.
Angesichts dessen werden die Gründe für den Ausstieg bemerkenswert offenherzig benannt: Kyocera has decided to terminate such business due to difficulties in catching up with the recent rapid market changes (Kyocera hat sich wegen der Schwierigkeiten, Anschluss an die aktuellen schnellen Marktveränderungen zu finden, entschlossen, dieses Geschäft aufzugeben). Das ist nicht weit entfernt von einer Bankrotterklärung des Managements.
Regelrecht gekniffen fühlen dürfte sich der (neue) amerikanische Distributor ToCAD, der erst zum 20. Januar 2005 inthronisiert wurde und noch am 15. März 2005 seinen Kunden in einem Schreiben versicherte, dass an den Geschichten um Kyoceras Ausstieg nichts sei: Die Produktlinie mit Contax Kameras und Carl Zeiss T* Objektiven wird es weiter geben. Das ist aus dem Abkommen zwischen Kyocera Optics Inc. und ToCAD America Inc. klar ersichtlich.
Das war ganz offensichtlich eine Fehlinformation.
Doch was passiert nun mit Contax-Kameras und Carl-Zeiss-Objektiven?
Die Marke Contax ist nach wie vor Eigentum von Carl Zeiss; Kyocera hat lediglich eine Lizenz zur Nutzung erworben. O-Ton Carl Zeiss: Die Marke "Contax" gehört Carl Zeiss. Carl Zeiss hat eine Lizenz zur Nutzung der Marke "Contax" an Kyocera - Kyoto Ceramics vergeben. Im Gegenzug hat sich Kyocera verpflichtet, die Objektive für alle "Contax"-Kameras bei Carl Zeiss zu ordern.
Wir haben bei Carl Zeiss nachgefragt und Kornelius Müller, Marketing-Leiter des Geschäftsbereiches Photoobjektive, war so freundlich, uns Auskunft zu geben. Danach stellt sich die Situation augenblicklich so dar:
Die Presseerklärung von Kyocera wurde in Abstimmung mit und mit Kenntnis der Carl Zeiss AG verfasst.
Obwohl Carl Zeiss über diese Zustandsbeschreibung der Situation also informiert war, hat Kyocera darüber hinaus noch keine weiteren Informationen über den möglichen Fortgang der Dinge preisgegeben.
Nach wie vor existieren langfristige Verträge bezüglich der Lizenzierung, die Kyocera auch über das heutige Datum hinaus in Anspruch nehmen kann, sofern die Lizenzzahlungen geleistet werden (über die Gültigkeitsdauer der Verträge schweigen sich die Beteiligten aus, sie enden aber augenscheinlich nicht in den nächsten Monaten oder Jahren).
Nach den Worten von Kornelius Müller ist Carl Zeiss deshalb im Augenblick nicht frei zu handeln, sondern kann nur abwarten, was Kyocera in Zukunft bezüglich der Lizenzen zu tun gedenkt.
Denkbar ist vieles.
Wahrscheinlich werden sich die Juristen und Top-Manager beider Seiten in den nächsten Tagen oder Wochen treffen, um die wirtschaftlichen und rechtlichen Seiten dieses Schrittes und mögliche Konsequenzen zu erörtern. Erst danach können Aussagen über den fotografischen Fortgang der Marke Contax gemacht werden.
Fest steht allerdings augenblicklich schon, dass Contax als Marke von Kyocera zwar eventuell für gewisse Zeit auf Eis gelegt werden könnte, aber keinesfalls komplett verschwinden wird.
Kornelius Müller hat weiter zu Recht angemerkt, dass Contax-Kameras mit dem heutigen Tage keinen Deut schlechter sind, als sie das gestern waren. Keiner muss seine Kamera jetzt einmotten; die Qualität ist dieselbe, und die Ersatzteilversorgung laut Kyocera auf zehn Jahre hinaus gesichert.
Bleibt die Frage, was Kyocera zu tun gedenkt. Unwahrscheinlich erscheint, dass Kyocera gar nichts tut und Contax erst einmal ruht. Denkbar ist, dass die Produktionsanlagen samt der Lizenzverträge (sprich, dem Markennamen Contax) an einen anderen Hersteller verkauft werden. Als mögliche Interessenten werden u.a. Cosina und Sony gehandelt.
Wir bleiben am Ball. (thoMas)
Zum Thema:
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ZEISS wirklich so naiv?
Der Kommentar von ZEISS hört sich sehr naiv und vor allem defensiv an. Hat man wirklich keinen Plan in der Hinterhand? Das wäre peinlich.
Man fühlt sich an alte CONTAREX-Zeiten erinnert, wo es auch eine INfo von ZEISS gab, daß Neuentwicklungen mit CONTAREX-Anschluß angeboten werden. Wieviele gab es? Keine ...
Also, Herr Kornelius Müller: Jetzt ist es Zeit, aktiv zu werden und das Vertrauen der Kunden nicht zu enttäuschen!
Ganz recht: Jetzt ist ZEISS am Zug !
Wenn es selbst Chinesen schaffen, eine Kamere mit Y/C-bajonett auf den Markt zu bringen (PHENIX, BRAUN), dürfte es da wenig rechtliche Probleme geben.
Eine qualitativ ansprechende Y/C-Kamera dürfte sich auch aus den Konstruktionen diverser qualitativ nicht ganz miserabler Hersteller recht schnell ableiten lassen.
Und Marken, unter denen ZEISS oder ein Partner, diese Kamera auf den Markt bringen könnte, hat ZEISS ja genügend im Repertoire (vielleicht CONTAFLEX?).
Das wäre ein Zeichen, mit dem ZEISS dokumentieren würde, daß man den Namen CONTAX weiterverfolgt.
Warum eine Y/C ? Das dürfte aus o.g. Gründen einfacher zu berwerkstelligen sein als eine G.
M.L.
Zeiss hat doch schon längst
Zeiss hat doch schon längst reagiert! Die neue Zeiss Ikon und die Zusammenarbeit mit Cosina/Voigtländer sprechen doch für sich.
Ich hoffe das es bald eine Sony DSLR mit Carl Zeiss Wechselobjektive gibt.
Udo Afalter