Foto Lumix FZ1000Wir hatten Panasonics Kompakt­kamera-Flagg­schiff, die Lumix FZ1000, einen Nachmittag lang in der Hand und wollen hier unsere Eindrücke von einer beein­dru­ckenden Bridge­kamera zum Besten geben:

 
 
 
 
 

Foto Lumix FZ1000

 
Mit der Lumix FZ1000 hat Panasonic das Sortiment seiner Bridge­ka­meras um ein weiteres Modell ergänzt. Standen bislang bei diesen Univer­sal­ka­meras die Zoom-Möglich­keiten im Vorder­grund – 12-fach, 24-fach, 60-fach, … – so lag bei der Neuen der Entwick­lungs­schwer­punkt auf der Qualität von Bild und Bedienung. Die FZ1000 wird vorerst die FZ72 und die FZ200 nicht ersetzen, sondern als High-End-Modell die Palette ergänzen. Hier kurz die wichtigsten Spezi­fi­ka­tionen, damit wir wissen, worüber wir reden:

  • 1-Zoll-MOS-Sensor mit 20,1 Megapixeln
  • Leica DC Vario-Elmarit 2,8–4,0/9,1–146 mm (25–400 mm entspr. Kleinbild)
  • 5-Achsen-Bildsta­bi­li­sator
  • Neu entwi­ckelter Venus-Engine-Bildpro­zessor mit 4 Kernen
  • OLED-Sucher, 2.359.000 dots, Bildfeld 100 %, Vergrö­ßerung 0,7x eff.
  • 7,5cm-LCD-Monitor mit 921.000 dots, schwenk- und drehbar, Bildfeld 100 %
  • Hybrid-Kontrast-AF, 49-Feld-Vollbe­reich, Fokus-Peaking-Anzeige, Reakti­onszeit 0,09 s
  • Einschaltzeit 0,66 s
  • Fokus­sierzeit 0,09 s (Weitwinkel) bzw. 0,17 s (Tele) – jeweils von unendlich auf 2 m
  • Bildserien: 12 B/s bei voller Auflösung; 7 B/s mit Schär­fe­n­ach­führung
  • 4K-Video 3.840 x 2.160, 25 B/s; Full-HD-Video 1.920 x 1.080 50p; Full-HD-Highspeed-Video 100 B/s
  • Kabellose Fernbe­dienung und Bildüber­tragung per WiFi / NFC
  • RAW-Format & -Entwicklung
  • Abmes­sungen 136,8 x 98,5 x 130,7mm (BxHxT)
  • Gewicht ca. 831 g mit SD-Karte und Akku
  • Preis: 849 Euro UVP

Mehr dann noch hier: Qualitätsoffensive: Lumix FZ1000
 

Foto Lumix FZ1000

 
 
Äußere und innere Werte

Die Technik der FZ1000 ist in einem Kunst­stoff­ge­häuse unter­ge­bracht. Solide, soweit, aber es ist ganz klar und spürbar kein Metall­ge­häuse (wie es z. B. die aller­dings auch rund 350 Euro teurere RX10 von Sony zu bieten hat). Das Objektiv ist ebenfalls in einer Kunst­stoff­fassung gehalten – und ein „Trumm“. Die Produkt­fotos können nicht ganz den Eindruck wieder­geben, den die Kamera in natura vermittelt: Das beherr­schende Element ist ganz klar das Objektiv (auch im einge­fah­renen Zustand). Das tut der Kamera aber nur gut – ist es doch schlicht gehalten und sieht elegant aus.
 

Foto

 
Für die handgreif­liche Bedienung hat die FZ1000 einen MF- / Zoom-Ring. Per Schalter am Objektiv lässt sich die Funktion des breiten Einstell­rings von der Brenn­weiten- auf die Schär­fe­ver­stellung umschalten. Da der Autofokus flott und zielsicher ist, habe ich die Brenn­wei­ten­ver­stellung gewählt: hier lässt sich die Brenn­weite feinfüh­liger und genauer verstellen als über die Zoomwippe (die aber jederzeit auch genutzt werden kann).

Apropos handgreiflich: die Kamera liegt nicht zuletzt dank des Griffstücks gut in der Hand und ist gut ausba­lan­ciert; sie lässt sich sehr gut bedienen und handhaben. Um Ihnen einen Eindruck zu geben: Der Formfaktor und das Anfass- und Handha­bungs­gefühl entsprechen dem einer nicht sehr schweren Spiegel­re­flex­kamera (die FZ1000 wiegt knapp 850 g), wobei sie nicht zuletzt dank des puris­ti­schen Objektivs imposanter und eleganter wirkt als die DSLR mit Kitob­jektiv.
 

Foto Lumix FZ1000

 
Der Knöpfe und Taster sind viele – darunter etliche frei belegbare Funkti­ons­knöpfe. Ohne hier ins Detail gehen zu wollen (das lernt der Nutzer dann schnell selbst): die FZ1000 lässt sich gut und genau und vielfältig an die eigenen Vorlieben anpassen, so dass alle für wichtig erach­teten Funktionen zugriffs­bereit sind.

Laut Panasonic benötigt die Neue nach dem Einschalten nur kurze 0,66 s, bis sie aufnah­me­bereit ist – in der Praxis habe ich die Einschaltzeit auf 0,5 s geschätzt; jeden­falls flott, die Kamera ist tatsächlich sehr schnell aufnah­me­bereit. Einschalten und Kamera ans Auge oder zur Monitor­be­trachtung hochnehmen – bis man soweit ist, ist es auch die Kamera.

Drahtlos-Funk beherrscht die FZ1000 auch, und zwar Wi-Fi und NFC. So ist die Fernbe­dienung via Smart­phone / Tablet möglich (AF, Zoom, Blende, Verschlusszeit, Belich­tungs­kor­rektur, AF-Modus, Bildqua­lität, Weißab­gleich, Empfind­lichkeit, … ). Und mit Geotagging via Wi-Fi können die GPS-Infor­ma­tionen eines Smart­phones oder Tablets gleich den Bildern zugeordnet werden.

An der Stelle seien auch die Video­fä­hig­keiten der FZ1000 erwähnt: 4K-Videos filmt die Bridge­kamera; im Format QFHD 4K (3840x2160) mit bis zu 25 Bildern pro Sekunde im MP4-Format. Fotografen können daraus Stand­fotos in 8-Megapixel-Auflösung extra­hieren. Außerdem können Videos in Full-HD 1920x1080 bei 50p aufge­zeichnet werden. Filmen ist aller­dings meine Sache nicht, so bleibt es Inter­es­sier­teren überlassen, sich den Film-Fähig­keiten der Kamera zu widmen.
 

Grafik Panasonic
 
 

 
 
Automa­tische Scharf­stellung

Der Autofokus schafft laut Panasconic dank „Hybrid-Kontrast-AF“ eine Geschwin­digkeit von 7 B/s bei Schär­fe­n­ach­führung; 12 B/s sind es ohne Schär­fe­n­ach­führung. Wobei der von Panasonic so genannte „Hybrid-Kontrast-AF“ nicht mit den Hybrid-AFs anderer Hersteller zu verwechseln ist: während etwa Canon Extra­pixel auf dem Sensor für eine Phasen­ver­gleichs­messung bereit­stellt und nutzt (zusätzlich zur Kontrast­messung), setzt Panasonic auf DFD: Bei „Depth from Defocus“ werden zwei Bilder mit unter­schied­lichem Schär­fe­punkten analy­siert – daraufhin kann die Kamera den Fokus­punkt schon recht genau bestimmen und anspringen und muss nurmehr wenige kleine Schritte nachkor­ri­gieren. Gegenüber der sonst üblichen Iteration (schritt­weisen Annäherung) über große Strecken mittels mehrerer Fokus-Versuche gelingt so eine wesentlich schnellere Fokus­sierung. Laut Panasonic-Messung benötigt die Scharf­stellung von unendlich auf 2 m im Weitwin­kel­be­reich 0,09 s, im Telebe­reich sind es 0,17 s. Das sind sehr gute Werte, die die Praxis stützt: der Autofokus ist immer flott und zielsicher.
 

Grafik Panasonic
 
 
Grafik Panasonic

 
 
Sucher und Monitor

Auch der neue OLED-Sucher mit 2,4k dots, einem Kontrast­ver­hältnis von 10.000:1 (wie die GH4) und mit Augen­sensor ist flott: Er benötigt für die Bilddar­stellung 0,01 s, wohin­gegen beispiels­weise die FZ200 noch 0,03 s braucht; das Sucherbild-Ansprech­ver­halten ist also 3x so schnell geworden. Diese theore­ti­schen Werte bestätigt die Praxis: tagsüber bzw. im Hellen ein sehr guter elektro­ni­scher Sucher, fängt er, wenn es duster wird, an, etwas nachzu­ziehen und zu verzittern. Aber, alles noch im Rahmen des Erträg­lichen. In der Summe: gut im Dunklen bis sehr gut im Hellen. Und allen Zweiflern sei gesagt: da, wo der elektro­nische Sucher im Dunklen schnell Bewegtes etwas verzittert, zeigte der optische Sucher allen­falls noch die hellen Licht­flecke einer Licht­quelle, aber kaum mehr das Motiv an.
 

Foto Lumix FZ1000

 
Der dreh- und schwenkbare Monitor (921.000 dots) ist ebenfalls gut bis sehr gut. Und vor allem praktisch: je nachdem lässt er sich so einstellen, dass in jeder Aufnah­me­po­sition die Bildbe­ur­teilung möglich ist.
 

Foto Lumix FZ1000
 
 
Objektivschnitt Lumix FZ1000

 
 
Objektiv

Fest eingebaut ist ein stabi­li­siertes 16fach-Zoom Leica DC Vario-Elmarit 2,8–4/25–400 mm ASPH. (entspr. Kleinbild); wer sich für die Schärf­en­tie­f­e­mög­lich­keiten inter­es­siert, der möge berück­sich­tigen, dass es tatsächlich ein 2,8–4/9,1–146 mm ist. Die Konstruktion ist aufwendig: 15 Linsen in 11 Gruppen, darunter 5 asphä­rische Linsen mit 8 asphä­ri­schen Flächen und 4 ED-Linsen. Die Licht­stärke von 2,8 bis 4 läuft in der Praxis eher auf die „4“ hinaus. Hier die Licht­stärke für einige Brenn­weiten (klein­bil­d­äqi­valent – so werden die Brenn­weiten auch im Sucher und auf dem Monitor angezeigt):

25 mm – 2,8
50 mm – 3,3
105 mm – 3,9
175 mm – 4,0

In Verbindung mit der kamerain­ternen Bildauf­be­reitung (Verzeichnung, Vignet­tierung, sonstige Bildfehler) sind die Ergeb­nisse tadellos: auch im Weitwin­kel­be­reich ab 25 mm (klein­bil­d­äqui­valent) scharf bis in die Ecken und dabei praktisch vignet­tie­rungs- und verzeich­nungsfrei.

Einen Telekon­verter wird es übrigens laut Panasonic nicht geben; der alte DMW-LT55 passt nicht und ein neuer ist nicht geplant.
 
 
Bildsensor und Bildqua­lität

Zentrale Elemente der Bilder­zeugung sind – neben dem Leica-Zoom – der 1-Zoll-Bildsensor mit 20 Megapixeln sowie der laut Panasonic neu entwi­ckelte Bildpro­zessor Venus Engine, was zusammen „eine bei Kompakt­ka­meras bisher nicht bekannte Bildqua­lität“ ergeben soll. Wobei sich auch die Frage stellt, woher der Sensor kommt. Panasonic will dazu nichts sagen – sagt aber eben auch nicht, dass er aus dem eigenem Hause stammt, was ein Indiz dafür ist, dass er von einem anderen Hersteller (vermutlich Sony) stammt.

Natürlich kann die FZ1000 RAW aufzeichnen, und die Rohdaten lassen sich auch direkt in Kamera aufbe­reiten, was z. B. praktisch sein kann, wenn bearbeitete Fotos schnell weiter­ge­geben werden sollen.

Inter­essant war ein Vergleich der Bilder­geb­nisse (im Ausdruck) verschie­dener Kameras mit Sensor­größen von 1/2,3 Zoll (FZ200) über 1-Zöller von Nikon und Sony bis hin zum APS-C-Format von Canon, den Panasonic – namentlich Panasonic-Manager Michiharu Uematsu – durch­ge­führt hatte. Anhand der großen Prints fand ich bestätigt, was auch hier schon formu­liert wurde: Einlassungen zur Bildqualität. „Am schlech­testen“ war sichtlich die FZ200, wobei diese Einschätzung bewusst in Anfüh­rungs­zeichen gesetzt ist, denn die Ergeb­nisse waren relativ (= im Vergleich) am schlech­testen – absolut aber immer noch sehr gut. Die Unter­schiede zwischen den 1-Zöllern und auch im Vergleich zu APS-C betrafen weit mehr den persön­lichen Geschmack denn die absolute Bildqua­lität: hier ein Winziges zu viel Gelbton, dort ein wenig wenig Schärfe. Nichts, was sich nicht in der Bildbe­ar­beitung leicht auf die persön­lichen Vorlieben hin korri­gieren ließe. All das, wohlge­merkt, im direkten A-B-Vergleich. Ohne die Vergleichs­fotos der Mitbe­werber konnte jedes Foto, konnte jede Kamera, für sich sehr gut bestehen.

Und, damit Sie nicht zu Fehlschlüssen verleitet werden: die subjektiv ein wenig zu geringe Schärfe beispiels­weise betraf nicht notwen­di­ger­weise die FZ200-Ergeb­nisse, sondern mögli­cher­weise auch das APS-C-Modell. Ich weiß es nicht mehr, denn zu gering waren letztlich die Unter­schiede als dass im mir einen Sieger hätte küren oder merken können. Allfällige Diffe­renzen waren, wie gesagt, keines­falls so enorm, dass nicht ein wenig Bildbe­ar­beitung jedem Print hätte auf genau die Sprünge helfen können, die ich mir jeweils gewünscht hätte.

Für mich kristal­li­siert sich immer mehr heraus: Mehr Sensor­format ist sinnvoll der möglichen geringen Schärf­en­tiefe wegen, und auch bei aller­höchsten Ansprüchen an die Bildqua­lität, die aber nur RAW-Verar­beiter bekommen, die auch selbst gekonnt ausdrucken. Überspitzt: Kleinbild oder größer für jene kundigen Fine-Art-Fotografen, die auch die Bildbe­ar­beitung aus dem Effeff beherr­schen, die das Auge in einem Porträt mit dem 1,4/85 mm freistellen möchten – und die bereit sind, viel Zeit und Geld in aller­höchste Qualität zu stecken, auch wenn das dann wieder nur der Kundige erkennen und schätzen wird.

Alle anderen wählen nach dem Formfaktor der Kamera, dem Gefallen, der Technik und dem Preis. Und was das angeht: mit der FZ1000 hat Panasonic die derzeit m. E. inter­es­san­teste und bestaus­ge­stattete Bridge­kamera des Marktes zu bieten: sehr flott, sehr gute Bildqua­lität und ein sehr univer­selles Zoomob­jektiv 25–400.

(thoMas)
 
 
Produkt­fotos und Grafiken: Panasonic Deutschland