Florence Henri Selbstporträt, 1928Die Fotografien und Fotomontagen von Florence Henri zeugen von einer ungewöhn­lichen Offenheit für neue Strömungen in der Kunst ihrer Zeit. Eine Münchener Ausstellung richtet jetzt das Augenmerk auf diesen Schaf­fen­saspekt der Künstlerin, die vor allem als Malerin bekannt ist:

 
 
 
 
 

Florence Henri Selbstporträt, 1928

Florence Henri, Selbst­porträt, 1928
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München
© Galleria Martini & Ronchetti, Genua, Italien

 
Presse­infor­mation der Pinako­theken im Kunstareal:

FLORENCE HENRI. COMPOSITIONEN

Stiftung Ann und Jürgen Wilde

Die Fotografien und fotogra­fischen Montagen von Florence Henri (1893 – 1982) zeugen von einer weitläufigen künst­le­rischen Bildung und ungewöhn­lichen Offenheit für neue Strömungen in der Kunst ihrer Zeit.

Die Künstlerin, die Klavier bei Ferruccio Busoni in Rom, Malerei in Paris bei Fernand Léger, bei Johann Walter-Kurau in Berlin und bei Hans Hofmann in München studiert hatte, verbrachte 1927 ein knappes Gastse­mester am Bauhaus in Dessau.

Obwohl die Fotografie zu dieser Zeit noch nicht als Unter­richtsfach in das Curriculum am Bauhaus aufge­nommen war, experi­men­tierten Lehrer wie László Moholy-Nagy oder Georg Muche, und Schüler wie Walter Funkat und Edmund Collein intensiv mit dem Medium. Hier fand Florence Henri die Anregung, selbst zu fotogra­fieren.

Noch im gleichen Jahr kehrte sie nach Paris zurück, gab die Malerei auf und widmete sich intensiv der Fotografie. Es entstanden umfang­reiche Serien von Stillleben-, Porträt- und Selbst­por­trät­kom­po­si­tionen, in denen die Künstlerin unter Verwendung von Spiegeln und reflek­tie­renden Kugeln den Bildraum zergliederte und auf konstruktive Weise erweiterte. Die in dieser Art fragmen­tierten Ansichten verweisen auf Florence Henris Inspi­ration durch Bildkonzepte des Kubismus und des Konstruk­ti­vismus. Schnell avancierte Florence Henri mit ihren experi­men­tellen Fotografien zu einer viel beachteten Vertreterin der Fotografie der Moderne und war an zahlreichen inter­na­tionalen Ausstel­lungen beteiligt, wie beispielsweise 1929 an der wegwei­senden Werkbund­aus­stellung „Film und Foto“. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Künstlerin ihr fotogra­fisches Schaffen nicht mehr in der voran­ge­gangenen Intensität auf, sondern widmete sich fast ausschließlich der Malerei. Wohl auch aus diesem Grund gerieten ihre Fotografien nach 1945 weitgehend in Verges­senheit.
 

Florence Henri, Composition, 1932

Florence Henri, Compo­sition, 1932
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München
© Galleria Martini & Ronchetti, Genua, Italien

 
Die Ausstellung „Florence Henri. Compo­si­tionen“ in der Pinakothek der Moderne legt den Schwerpunkt auf die Spiegel­kom­po­si­tionen und fotogra­fischen Montagen der Künstlerin. Sie umfasst ca. 65 Fotografien, darunter auch das 1974 veröf­fent­lichte Portfolio, Dokumente und histo­rische Publi­ka­tionen aus den Beständen der Stiftung Ann und Jürgen Wilde.

Ann und Jürgen Wilde lernten die betagte Künstlerin 1973 persönlich kennen. In intensiver Zusam­men­arbeit erarbeiteten sie mit Florence Henri ein Portfolio, das zwölf ihrer experi­men­tellen Fotografien aus den 1920er und 1930er Jahren neu auflegte, und richteten ihr 1974 in ihrer Kölner Galerie die erste fotogra­fische Einzel­aus­stellung nach dem Krieg in Deutschland aus. Ann und Jürgen Wilde trugen damit maßgeblich zur Wieder­ent­deckung dieser außer­ge­wöhn­lichen Künstlerin bei, deren fotogra­fisches Oeuvre heute einen festen Platz inmitten der Kunst der Avantgarde hat.

Die Ausstellung stellt nicht nur das bedeutende Werk einer experi­men­tier­freudigen Fotografin in den Fokus der Öffent­lichkeit, sondern bietet auch einen Einblick in den hochrangigen Bestand, den Ann und Jürgen Wilde in den vergangenen vier Jahrzehnten durch aufwendige Recherchen und unermüd­liches Engagement zu Florence Henri zusam­men­ge­tragen haben.
Das begleitende Magazin, das unter anderem ein Interview mit Ann und Jürgen Wilde und eine Bestandsliste zu Florence Henri umfasst, stellt den zweiten Band einer Reihe dar, die mit „Die neue Wirklichkeit“ 2011 begonnen wurde und in den nächsten Jahren weitere heraus­ragende Stiftungs­be­stände erschließen wird. Es erscheint in dt./engl. und ist zum Preis von 16 EUR im CEDON Museumsshop erhältlich.

Verant­wortliche Kuratorin:
Dr. Simone Förster
Kuratorin der Stiftung Ann und Jürgen Wilde
 

Florence Henri, Abstrakte Composition, 1928

Florence Henri, Abstrakte Compo­sition, 1928
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München
© Galleria Martini & Ronchetti, Genua, Italien

 
Ausstellung:
Florence Henri. Compo­si­tionen
21.03.– 14.09.2014

Pinakotheken im Kunstareal
Bayerische Staats­ge­mäl­de­samm­lungen
Barer Straße 29
80799 München
 

(thoMas)