Grafik: Testlabor Anders UscholdFoto der PEN E-P3 von OlympusBei seiner neuen PEN-Gene­ra­tion hat sich Olym­pus viel vor­ge­nom­men und uns viel ver­spro­chen. „FAST AF“ sei der Welt schnells­ter Auto­fo­kus und die E-P3 die neue High-End-PEN, und die biete her­vor­ra­gende Qua­li­tät, Farben und Details. Wir haben uns Olym­pus‘ Micro­FourT­hirds-Spit­zen­mo­dell in Test und Praxis genauer ange­se­hen:

Einen kurzen Erstein­druck zur neuen PEN-Gene­ra­tion und im Beson­de­ren auch zur PEN E-P3 gab‘s ja schon hier bei uns: Olympus' neue PEN-Generation: E-PM1, E-PL3 & E-P3 (samt Ersteindruck). Hier nun zunächst die prak­ti­schen Ein­drü­cke von Theano Niki­tas, dem fol­gend dann die Test­ergeb­nisse aus dem Labor von Anders Uschold.
 

Durchsich-Grafik zur PEN E-P3 von Olympus

 
Die E-P3 in der Praxis

Ich bin ein Fan von Olym­pus’ PEN-Kame­ras, seit die E-P1 vor zwei Jahren vor­ge­stellt wurde. Sie sind klein, sehen cool aus und sind bequem, wenn man keine DSLR schlep­pen möchte. Seit damals hat Olym­pus die PEN-Reihe wei­ter­ent­wi­ckelt und bei der E-P3 finden sich einige bemer­kens­werte Ver­bes­se­run­gen. Und ich muss sagen, ich habe wirk­lich gern mit der E-P3 foto­gra­fiert.

Obwohl klein, ist die E-P3 dank des Metall­ge­häu­ses solide, und sie lässt sich dank des Mini-Hand­griffs gut halten. Alter­na­tiv bietet Olym­pus auch wei­tere Griff­scha­len an.

Die offen­sicht­lichste Neue­rung ist der 3-Zoll-OLED-Bild­schirm mit 624.000 dots. Er funk­tio­niert unter den meis­ten Bedin­gun­gen zufrie­den­stel­lend. Ich hatte keine Schwie­rig­kei­ten, damit meine Auf­nah­men zu gestal­ten – im direk­ten Son­nen­licht aller­dings war das Able­sen der Menüs ein wenig schwie­rig. Obwohl kein Full-Touch­screen, kann man mit einem Tippen auf dem Moni­tor das Fokus-Feld wählen, das Bild ver­grö­ßern und aus­lö­sen. Gut gelöst ist, dass man das Fokus-Feld prak­ti­sch auf dem gesam­ten Bild­schirm plat­zie­ren kann – fast bis in die äußers­ten Ecken hinein. Einen Nach­teil aber haben Touch­screens: Man muss eine Hand von der Kamera nehmen, um auf dem Bild­schirm tippen zu können. Das ist keine große Sache, aber mit­un­ter wähle ich dann doch den eher tra­di­tio­nel­len Ansatz bei der Wahl des Scharf­stell-Punk­tes und nutze im Fall bei der E-P3 das Ein­stell­rad, damit ich beide Hände an der Kamera lassen und wei­ter­fo­to­gra­fie­ren kann.

Die E-P3 ist in schwarz, weiß oder sil­ber­far­ben erhält­lich und mit 122,0 x 69,1 x 34,2 mm ein wenig zu groß, um in die Jacken­ta­sche zu passen. Außer, man hat ein Pan­cake ange­setzt. Mit dem neuen, fan­tas­ti­schen 2,0/12 mm (24 mm entspr. Klein­bild) etwa ergibt sich eine leichte und hand­li­che Auf­nah­me­ein­heit, die sich dank der Licht­stärke auch für Avail­able-Light-Auf­nah­men eignet.
 

Foto der PEN E-P3 von Olympus
 
 
Foto der Rückseite der PEN E-P3 von Olympus
 
 
Foto der Oberseite der PEN E-P3 von Olympus

 
Innere Werte

An Belich­tungs­mög­lich­kei­ten bietet die E-P3 manu­elle, halb­au­to­ma­ti­sche und auto­ma­ti­sche Belich­tung, weiter einen ganzen Schwung Motiv­pro­gramme. Dar­un­ter die Stan­dards ebenso wie einige eher unge­wöhn­li­che; High Key und Low Key etwa. Es gibt auch eine 3D-MPO-Ein­stel­lung, wobei ich mich schon frage, wie viele tat­säch­lich 3D-Auf­nah­men machen und anse­hen.

Olym­pus hat das Menü­sys­tem über­ar­bei­tet und obwohl es sich letzt­lich recht ein­fach bedie­nen lässt, gab es doch ein paar Dinge, die ich zunächst nicht fand. Erst als ich ins Setup-Menü wech­selte, ent­deckte – und akti­vierte – ich zwei zusätz­li­che Menüs, die wei­tere Mög­lich­kei­ten bereit­stel­len. So können im „custom menu“ u.a. die beiden neuen Tasten „Fn1“ und „Fn2“ benut­zer-belegt werden, die Rauschmin­de­rung lässt sich ein­stel­len und auch der Wind­fil­ter findet sich hier. Das andere „ver­steckte“ Menü ist für den Zube­hör-Port bzw. die Zube­hör­teile elek­tro­ni­sche Sucher und PENPAL Com­mu­ni­ca­tion Unit PP-1 (für Siche­rung und Ver­sand von Fotos via Blue­tooth). Zu unse­rem brand­neuem Test­ex­em­plar exis­tierte noch keine Bedie­nungs­an­lei­tung, aber wenn Sie eine E-P3 kaufen: Blät­tern Sie das Hand­buch auf jeden Fall mal durch, damit Sie nichts ver­pas­sen – die Kamera hält ein paar ver­steckte Perlen bereit.

Die Schnell-Menüs zum Ein­stel­len von Emp­find­lich­keit, Weiß­ab­gleich usw. sind immer hilf­reich. Für die weni­ger erfah­re­nen Nutzer und Knip­ser hat Olym­pus zudem ver­ständ­li­che Hilfen zum Ein­stel­len von Hel­lig­keit, Schärf­en­tiefe usw. bereit­ge­stellt. Wer mit einer Kamera wie dieser umge­hen kann, wird die zwar kaum benut­zen, aber diese ver­ein­fach­ten Werk­zeuge und auch die mit­ge­lie­fer­ten Foto-Tipps können hilf­reich sein, wenn die Kamera von der ganzen Fami­lie benutzt werden soll.
 

Foto: Theano Nikitas

Art Filter „Dra­ma­ti­scher Ton“, kom­bi­niert mit Bild­rand­ef­fekt

 
Olym­pus‘ Art Filter mögen nicht allen gefal­len und sie sind sicher­lich kein Mittel gegen schlechte Fotos, aber sie können so man­chem Foto den ent­schei­den­den Kick geben. (Ich mag beson­ders „Kör­ni­ger SW-Film“ und „Dra­ma­ti­scher Ton“.) Bei der E-P3 lassen sich ein­zelne Filter vari­ie­ren und kom­bi­nie­ren, und auch Art-Filter-Belich­tungs­rei­hen sind mög­lich. (Tipp am Rande: Mit RAW+JPEG hat man das Beste aus beiden Welten: die ver­frem­de­ten Art-Filter-Auf­nah­men einer­seits und eine unbe­ar­bei­tete Auf­nahme ande­rer­seits.)

Foto­gra­fie­ren mit der E-P3

Geschwin­dig­keit – das ist die wohl merk­lichste Ver­bes­se­rung bei der E-P3; die Kamera ist flott und reagiert sehr schnell. Die schnel­lere Auto­fo­kus-Geschwin­dig­keit ist offen­sicht­lich. Olym­pus gibt an, die E-P3 sei schnel­ler als die Kon­kur­renz­mo­delle und bevor wir hier gleich noch die Mess­werte wei­ter­rei­chen, will ich aus meiner Praxis berich­ten: die E-P3 konnte fokus­sie­rend einer Biene folgen, die schnell von einem Blü­ten­blatt zum nächs­ten flog.

Im direk­ten Ver­gleich mit der E-P2 zeigte die Neue kür­zere Dun­kel­pha­sen auf dem Moni­tor und war schnel­ler wieder auf­nah­me­be­reit. Teil­weise trägt dazu auch der neue Dual-Core-Bild­pro­zes­sor True­Pix VI bei, dessen einer Pro­zes­sor­kern sich um die Daten für den Moni­tor küm­mert, wäh­rend der andere die Bild­da­ten schreibt.

Die Video­qua­li­tät ist ziem­lich gut, und der Auto­fo­kus „pumpt nicht“ – auch auto­fo­kus­sie­rend lässt sich mit dem 3,5–5,6/14–42 mm II R sehr gut filmen, ohne dass die Schärfe im Bild hin- und her­wan­dert, bis der end­gül­tige Fokus gefun­den ist. Mit dem „Pixel Bin­ning“ – hier­bei werden meh­rere Pixel zu einem zusam­men­ge­fasst – soll das Rau­schen nied­rig gehal­ten und Trepp­chen­bil­dung ver­hin­dert werden und das scheint mir zu funk­tio­nie­ren. Die Ton­qua­li­tät ist gut, drau­ßen sollte man aller­dings den Wind­fil­ter akti­vie­ren. Auch die E-P3 zeigt – wie alle Kame­ras mit CMOS-Sensor – den Rolling-Shutter-Effekt, d.h. sie „ver­zieht“ bei Bewe­gun­gen des Motivs oder der Kamera u.U. das Motiv. Das ist aber kei­nes­falls schlech­ter als bei ande­ren, wie man­cher­orts kol­por­tiert wird, viel­leicht aber mit dem HD-Video zu erklä­ren: bei der hohen Auf­lö­sung fallen natür­lich auch Fehler schnel­ler ins Auge. Abhilfe: Ver­zich­ten Sie auf schnelle Schwenks und halten Sie die Kamera ruhig (auf dem Stativ). Wie so viele andere Kame­ras zeich­net auch die E-P3 in AVCHD 1920x1080 60i auf – das ist platz­spa­rend, aber dieses Format ist nicht ganz ein­fach zu ver­ar­bei­ten. Wer sich mit Filmen im klei­ne­ren Format 1280x720 anfreun­den kann, sollte das viel ein­fa­cher zu ver­ar­bei­tende Motion-JPEG-Format wählen.
 

Foto: thoMas

2/12 mm bei Offen­blende; 1/80 s; ISO 640

 
Die Bild­qua­li­tät ist sehr gut; natür­li­che Farben, gefäl­lige Farb­wie­der­gabe und genaue Belich­tung. Wenn das Foto Ihren ästhe­ti­schen Anfor­de­run­gen nicht ent­spricht, können Sie Schärfe, Kon­trast, Sät­ti­gung und sogar die Gra­da­tion ein­stel­len. Laut Olym­pus soll der neue Bild­pro­zes­sor auch die Farb­sät­ti­gung ver­bes­sern. Aber da konnte ich keine großen Fort­schritte erken­nen. Auf­nah­men bis ISO 1600 sind sehr gut nutz­bar; erst bei höhe­ren Emp­find­lich­kei­ten ten­die­ren Rau­schen und Rau­sch­re­du­zie­rung zur Bild­ver­schlech­te­rung.

Ich war sehr zufrie­den mit der E-P3: die Spie­gel­lose macht sich sehr gut, bietet ein soli­des Aus­stat­tungs­pa­ket und gute Bild­qua­li­tät. Der Auf­stieg von einer E-P2 lohnt sich aber nur für die, die Wert auf die sicht­lich erhöhte Geschwin­dig­keit legen. Doch wenn Sie eine sehr leis­tungs­fä­hige spie­gel­lose Sys­tem­ka­mera suchen, machen Sie mit der E-P3 nichts falsch.

(Theano Niki­tas)
 
 
Die E-P3 im Test­la­bor

Getes­tet wurden: Olym­pus E-P3 + M.Zuiko Digi­tal 3,5–5,6/14–42 mm II R

Hin­weis: Die fol­gen­den Aus­sa­gen und Aus­wer­tun­gen bezie­hen sich auf die in der Kamera ent­wi­ckel­ten JPEG-Fotos – für RAW-Auf­nahme und –Ver­ar­bei­tung sind sie Anhalts­punkte, wobei die Werte dort etwas besser aus­fal­len können. Einige Hin­weise zur mög­li­chen Eig­nung der Fotos („… Repro­duk­tion …“) gelten des­halb nur (!) für die kame­rain­ter­nen JPEGs; nicht für selbst­en­wi­ckelte RAW-Dateien.

Detail­wie­der­gabe

Bei der E-P3 wurde offen­sicht­lich sehr viel Wert auf hohe Auf­lö­sung und kna­ckige Detail- wie Motiv­wie­der­gabe gelegt. Feine Details werden mit hohem Kon­trast dar­ge­stellt, die Auf­lö­sung hängt nicht von der Aus­rich­tung der Kanten und Linien ab. Diese Abstim­mung kommt der schnel­len, ergeb­nis­ori­en­tier­ten Foto­gra­fie und jenen Nut­zern zugute, die direkt vom Foto dru­cken wollen. Die Kamera kann sich, was die Auf­lö­sung angeht, ohne wei­te­res mit höhe­ren Pixel­zah­len messen. Nach­teil dieser Abstim­mung sind die vielen Arte­fakte bei feins­ten Details. Dia­go­nale Struk­tu­ren ten­die­ren zu sehr star­kem Farb­moiré und eini­gem Alia­sing (Trep­pen­ef­fekt). Wenn Ihnen exakte Repro­duk­tio­nen und / oder neu­trale Ent­wick­lun­gen wich­tig sind, sind RAW oder, wenn JPEG ent­schei­dend ist, eine sanf­ter abge­stimmte Kamera, besser geeig­net.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

ISO 200 – 400 – 800 – 1600 – 3200 – 6400 – 12.800

 
Rau­schen

Der Gegner hoher Auf­lö­sung ist das Rau­schen und hier zeigt die Kamera teil­weise Erstaun­li­ches. Bei ISO 200 und ISO 3200 ist das Rausch­ver­hal­ten gut bis sehr gut; zwi­schen ISO 400 bis ISO 1600 ist es sehr gut bis exzel­lent. Es zeigt sich über einen weiten Hel­lig­keits­be­reich aus­ge­wo­gen und homo­gen, was für eine natür­li­che Wie­der­gabe gut und wich­tig ist, stören doch abrupte Ände­run­gen die Bild­ho­mo­ge­ni­tät stär­ker als höhe­res, aber gleich­mä­ßi­ges Rau­schen. Von ISO 200 bis ISO 800 wirkt das Rau­schen sehr natür­lich, es zeigt sich auch nur als Hel­lig­keits­rau­schen. Bei ISO 1600 steigt das Farbrau­schen ein wenig und bei ISO 3200 wird es sicht­bar. ISO 6400 und ISO 12.800 sind als „erwei­ter­ter Emp­find­lich­keits­be­reich“ defi­niert und das zu Recht, denn bei ISO 6400 ist das Rausch­ver­hal­ten mit­tel­mä­ßig, bei ISO 12.800 schwach; Hel­lig­keits- wie Farbrau­schen stei­gen deut­lich. Am besten foto­gra­fiert man mit der E-P3 zwi­schen ISO 200 und ISO 3200, wenn mög­lichst gerin­ges Rau­schen das Kri­te­rium ist.

Rau­sch­re­du­zie­rung

Schauen wir uns an, wie die Kamera für Bench­marks opti­miert wurde: Die Rau­sch­re­du­zie­rung in den dunk­len Bild­par­tien ist mode­rat, die Kamera glät­tet dunkle Bild­be­rei­che nicht über­mä­ßig auf Kosten von Auf­lö­sung und Detail. Sie ist dies­be­züg­lich ehr­li­cher als einige hoch ange­se­hene Kon­kur­ren­ten.

Kon­trast

Ein wei­te­rer Vor­teil der Redu­zie­rung des Schat­ten­rau­schens ist die Fähig­keit, kon­trast­rei­chere Motive zu erfas­sen (Ein­gangs­dy­na­mik). Hier über­rascht die Kamera. Bei ISO 200 ist die Kon­trast­auf­zeich­nung mittel, die Werte stei­gen dann bis zur abso­lut besten Leis­tung bei ISO 800. 8,6 Blen­den­stu­fen bei ISO 400 und 8,9 bei ISO – das ist ziem­lich gut. Die Kamera eignet sich bei diesen Emp­find­lich­kei­ten gut für Motive mit hohem Kon­trast. Bei ISO 1600 sinken die Werte sicht­lich, stei­gen aber ab ISO 3200 bis ISO 12.800 wieder an. Natür­lich kann auch ein hoher Kon­trast­um­fang bei hohen Emp­find­lich­kei­ten die nied­ri­gen Emp­find­lich­kei­ten nicht über­tref­fen, so lange sich nicht andere Werte wie Rau­schen und Auf­lö­sung dra­ma­ti­sch ver­bes­sern. In der Summe eignet sich die E-P3 eini­ger­ma­ßen bis gut für Motive mit hohem Kon­trast.

Kan­ten­auf­be­rei­tung

Trotz der Redu­zie­rung des Schat­ten­rau­schens folgt die Kan­ten­auf­be­rei­tung einer klaren Stra­te­gie: Kanten werden sicht­bar geschärft und erschei­nen extrem prä­zise. Helle wie dunkle Signale werden über­höht, so dass sich die kna­ckige Detail­wie­der­gabe auch an den Kanten wie­der­fin­det. Auch hier gilt (fürs kame­rain­terne JPEG): wer unmit­tel­bare Ergeb­nisse möchte und seine Fotos ohne manu­elle Ein­griffe und Ver­bes­se­run­gen druckt, bekommt das schnell. Anspruchs­volle Bild­be­ar­bei­ter sind im Nach­teil, weil die sicht­bare Schär­fung die Mög­lich­kei­ten der Bild-Nach­be­ar­bei­tung ein­schränkt und soll­ten das RAW-Format wählen.

M.Zuiko Digi­tal 3,5–5,6/14–42 mm II R

Opti­sch sollte das M.Zuiko Digi­tal 3,5–5,6/14–42 mm II R – R wie Retro – der IIer-Ver­sion ent­spre­chen.

Die Auf­lö­sungs­werte dieses ultra­kom­pak­ten, preis­wer­ten Kit-Zoom­ob­jek­tivs über­ra­schen. Bei jeder Zoom­ein­stel­lung lie­fert das Objek­tiv ab Offen­blende hohe Werte. Ab Blende 8 sinkt die Auf­lö­sung beu­gungs-bedingt (siehe Begrenzung der Auflösung durch Beugung). Die Auf­lö­sung von der Mitte zum Rand zeigt die Nach­teile der sehr kom­pak­ten Kon­struk­tion: Bei Weit­win­kel­ein­stel­lung ist die Auf­lö­sung in Bild­mitte extrem hoch, fällt aber zum Bild­rand sicht­bar ab, und das sowohl bei Offen­blende wie 1 Stufe abge­blen­det. Bei 25 mm ist der Abfall weni­ger dras­ti­sch, bleibt aber sicht­bar (gleich­falls bei Offen­blende wie 1 Stufe abge­blen­det). Bei 42 mm bleibt die Auf­lö­sung übers Bild­feld prak­ti­sch kon­stant und bildet Details bei jeder Öff­nung sehr homo­gen ab.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 

Foto vom M.Zuiko Digital 3,5-5,6/14-42 mm II R von Olympus

Ein Grund für den Auf­lö­sungs­ab­fall zum Bild­rand hin liegt in der ton­nen­för­mi­gen Ver­zeich­nung bei 14 mm: Sie ist mit –1,4 % sicht­bar, dabei aber sehr gut für ein Weit­win­kel, was auf eine kame­rain­terne Ver­zeich­nungs­kor­rek­tur hin­deu­tet. Bei 25 mm und 42 mm spielt opti­sche Ver­zeich­nung keine Rolle mehr. Land­schafts- und Archi­tek­tur­fo­to­gra­fen werden dieses Objek­tiv ange­sichts seiner sehr guten Werte mögen, die deut­lich besser sind als die Werte der meis­ten Spie­gel­re­flex-Zooms.

Viele attes­tie­ren dem klei­nen Four-Thirds-Sensor Ein­schrän­kun­gen hin­sicht­lich des Rau­schens und der Dyna­mik, ver­ges­sen dabei aber die Vor­teile bei den Objek­tiv-Mög­lich­kei­ten: Ein klei­ner Sensor erlaubt sehr viel effi­zi­en­tere bzw. wirt­schaft­li­chere opti­sche Kor­rek­tu­ren, die bei grö­ße­ren Sen­so­ren schwe­rere und teu­rere Ver­sio­nen beding­ten.

So ist der Rand­licht­ab­fall hier sehr natür­lich und gut gewählt. In Weit­win­kel­stel­lung ist er bei Offen­blende sicht­bar, aber der Ver­lauf ist weich und frei von unan­ge­nehm plötz­li­cher Vignet­tie­rung. Bei 25 mm und 42 mm ist der Rand­licht­ab­fall bei Offen­blende und abge­blen­det sehr gut. Diese Werte werden ohne digi­tale Kor­rek­tu­ren erzielt, wie das Mitte-Rand-Rau­schen zeigt, das keinen auf­fäl­li­gen Anstieg zeigt, woran exzes­sive Kor­rek­tu­ren deut­lich würden.

Auto­fo­kus

Bei der neuen PEN-Gene­ra­tion wollte Olym­pus auch einen Schwach­punkt der Vor­gän­ger besei­ti­gen. Und tat­säch­lich, bei Fokus­sie­rung von unend­lich bis zum Semi-Por­trät erfasst die Kamera die Ziele extrem schnell in exzel­len­ten 0,222 Sekun­den. Dabei spielt in der Praxis keine Rolle, ob Weit­win­kel oder Tele, ob hell oder dunkel. Der Auto­fo­kus ist wirk­lich schnell und zeigte im Test­la­bor zudem eine sehr hohe und genaue Tref­fer­quote. Bei Vor-Fokus­sie­rung (AF-L) beträgt die Aus­lö­se­ver­zö­ge­rung ledig­lich 78 Mil­li­se­kun­den – superb für eine Sys­tem­ka­mera. Diese Werte mar­kie­ren die aktu­elle Spit­zen­leis­tung bei Sys­tem­ka­me­ras, ob mit oder ohne Spie­gel.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Fazit

Die E-P3 lie­fert unmit­tel­bar kna­ckige, direkt ver­grö­ße­rungs­fä­hige Fotos. Auf­lö­sung, Schärfe und Ton­wert­wie­der­gabe folgen der „visu­el­len Gefäl­lig­keit“ – die Fotos wollen also aus dem Stand mög­lichst gut wirken – und rich­ten sich damit an den Ama­teur. Trotz­dem sind die meis­ten Werte für Rau­schen, Kom­pri­mie­rung, Auf­lö­sung, Rand­ab­schat­tung und Ver­zeich­nung ziem­lich gut und für die meis­ten Zwecke gut geeig­net. Ein­schrän­kun­gen zeigen sich bei hohen Emp­find­lich­kei­ten: Der erwei­terte Emp­find­lich­keits­be­reich mit ISO 6400 und 12.800 muss als Not-Option betrach­tet werden, steigt doch das Rau­schen hier sicht­lich an. Avi­alable-Light-Repor­ta­gen bspw. sind nicht unbe­dingt die Domäne der E-P3.

Wobei, das sei noch­mals erwähnt, wir hier die kame­rain­terne Bild­be­ar­bei­tung respek­tive das resul­tie­rende JPEG bewer­ten. Wer weni­ger „visu­elle Gefäl­lig­keit“ und mehr Motiv-Akku­ra­tesse wünscht, der wird die RAW-Dateien selbst ent­wi­ckeln. Was Auf­lö­sung, Schärfe und Bild­rau­schen angeht, kann aber auch die Roh­da­ten-Ent­wick­lung keine Wunder bewir­ken.

Die gute Nach­richt für Sport- und sons­tige Schnell-Foto­gra­fie­rer: Die E-P3 hat einen wirk­lich schnel­len Auto­fo­kus und schlägt, was das angeht, selbst die Top­mo­delle aus dem pro­fes­sio­nel­len Spie­gel­re­flex-Lager.
 
 
Bleibt noch anzu­mer­ken, dass Olym­pus für alle drei im Früh­som­mer neu vor­ge­stell­ten Modelle – E-P3, Lite (E-PL3) und Mini (E-PM1) – die­selbe Geschwin­dig­keit und Bild­qua­li­tät rekla­miert. Die Kame­ras unter­schei­den sich laut Olym­pus allein in der Aus­stat­tung, nicht aber bei Bild­pro­zes­sor, Auto­fo­kus (Schnel­lig­keit) und Bild­sen­sor (Bild­qua­li­tät). Wer also auf die geho­bene Aus­stat­tung der E-P3 ver­zich­ten kann, der bekommt ab Ende August / Anfang Sep­tem­ber die­selbe Foto-Leis­tung für weni­ger: Wäh­rend die E-P3 im Kit (inklu­sive 3,5–5,6/14–42 mm II R) 949 Euro kostet, werden für das Kit mit PEN Lite (E-PL3) 649 Euro fällig. Ende Sep­tem­ber dann soll die PEN Mini (E-PM1) kommen, deren Kit-Preis wird wohl bei um 550 Euro liegen.

(Anders Uschold / thoMas)
 
 
Anmer­kung: Der Test-Teil basiert auf den Erfah­run­gen, Daten, Mes­sun­gen und Aus­füh­run­gen des Test­la­bors Anders Uschold. Dazu wurden ganz viele Mess­werte erfasst, aus­ge­wer­tet und bewer­tet. Auf die Abbil­dung aller Werte-Tabel­len, Aus­wer­tungs-Fotos und –Gra­fi­ken haben wir hier bewusst ver­zich­tet und erläu­tern Ihnen lieber, was diese Werte für die foto­gra­fi­sche Praxis bedeu­ten.