Foto Daniele Buetti„Für Daniele Buetti sind Models die Heiligen einer profanisierten Gesellschaft“

Foto Daniele Buetti

... schrieb Gianni Jetzer einmal in der Zeitschrift „frame“. Heilige, deren „pekuniärer Lockruf“ kaum zu überhören ist: Models sind omnipräsent im Alltag, sie leuchten von Zeitschriften, Zeitungen, lächeln von Bildschirmen und Kinoleinwänden, doch allzu selten hat sich die Kunst ihrer angenommen.

Daniele Buetti, geboren 1956 in Fribourg in der französischen Schweiz, mit Ausstellungen in den wichtigsten europäischen Museen geadelter Zürcher Künstler, macht seit etwa einer Dekade kaum etwas anderes: In seinen Foto-Arbeiten und Videos geht es um Schönheit. Schönheit, die nicht von Innen kommt, sondern die etwas mit Äußerlichem, mit der Welt der Waren zu tun hat.

Bekannt wurde Buetti bereits in den neunziger Jahren, als er Fotografien von Haut und Magazinanzeigen von Models von der Rückseite aus mit Spiegelschrift perforierte und abschließen noch einmal fotografierte, um so die Spuren des Eingriffs zu verwischen. Er „brandete“ die makellosen Models gleichermaßen mit den Namen ihrer Auftraggeber – mit den Namen jener Konzerne, die in der globalisierten Welt als Synonym für Luxus stehen. „Giorgio Armani“, „Ralph Lauren“, „Gucci“ oder „Versace“ schrieb er in den Oberarm eines Models. Das sah aus wie ein Geschwulst oder eine Vernarbung: bissige Kritik an Markenwahn und Konsumfetischismus.

Foto Daniele Buetti

Eine weitere Werkgruppe zeigte Models mit krakeligen Schriftzügen wie „Could A Dream Be Enough?“. Arbeiten, die in ihrem Pendeln zwischen Schönheit und Gewalt ambivalent blieben: So wie Buetti die Welt des Glamours und der Werbung kritisiert, so angezogen ist er auch von ihr. Oft stellte Buetti seine Fotografien, Leuchtkästen und Videos zu Rauminstallationen zusammen, um diese einmal so zu kommentieren: „Kunst hat nichts mit Angriff, sondern mit Verführung zu tun.“

Im Verlag Hatje Cantz ist ein Buetti-Buch erschienen, das den Titel „Maybe You Can Be One of Us“ trägt. Der Band erschien anlässlich einer Ausstellung im „Swiss Institute“ in New York. Gezeigt wird hier ein weniger bekannter Buetti, der sich zunehmend von seinen klassischen Foto-Arbeiten verabschiedet.

Präsentiert werden vor allem seine rätselhaft-erschreckenden Körper-Skulpturen, Zeichnungen, Spiegel-, Foto- und Video-Installationen, die Buetti „Manifestationen der Comédie humaine“ nennt und die stets um das Subjektive und dessen „innere Defekte“ (David Velasco) kreisen. Wir blättern uns durch groteske Bilder, erkennen etwa eine riesige, schleimige Nase – eine gruselig-bösartige, abnorme Kunst, die Abscheu und Ekel hervorruft. Mehrere Texte spannen den Bogen auch zu Daniele Buettis früheren Fotoserien.

(Marc Peschke)
 
 

Titelseite Daniele Buetti

 
 
Swiss Institute Contemporary Art, New York (Hrsg.)
Daniele Buetti
Maybe You Can Be One of Us (bei amazon.de)
Texte von Jacqueline Burckhardt, Beate Ermacora, Gianni Jetzer, Ferdinand Ullrich, David Velasco
Deutsch. 232 Seiten. 192 farbige Abbildungen. 19,80 x 26,50 cm. Gebunden
Verlag Hatje Cantz 2008
ISBN 978-3-7757-2094-6
39,80 Euro / CHF 69.