Noi“ ist ein wundervoll gestal­tetes Kleinod unter den deutschen Fotografie-Magazinen. Selten sah man in den vergan­genen Jahren so viele ungewöhn­liche, ungesehene Positionen der Gegen­warts­fo­to­grafie:

Foto des Titels des Noi Fotomagazins

 
Schon das Cover ist ungewöhnlich: Erst, wenn man die weiße Schicht abkratzt, mit dem Finger­nagel oder einer Münze vielleicht, erst dann kann man sehen, was sich dahinter verbirgt. Es ist die erotische Rubbel-Los-Idee: Spannung durch Verhüllung. Und kratzt man dann an der Hülle des neuen „Noi Fotoma­gazins“, dann merkt man bald: Es lohnt sich. Was da zum Vorschein kommt, ist die Fotografie eine Rückens, so verknautscht, so aus der Form – und doch: ganz real. So spannend kann der Alltag sein.
 

Noi Fotomagazin, Seite 1

 
Das „als studen­tische Initiative in Eigen­regie an der Fachhoch­schule Potsdam im Fachbe­reich Design“ initi­ierte neue Magazin „Noi“ (italie­nisch „wir“) möchte eine „Plattform für junge Fotografie“ sein – vor allem für jene, die an der FH Potsdam entsteht. Und das Junge, die Jugend­lichkeit, die Unver­brauchtheit der Ideen, die schreiben sich die Macher schon auf der ersten Seite ins Editorial. Da zitieren sie nämlich Rilke: „… Sie sind so jung, so vor allem Anfang, und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzu­haben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind …“
 

Noi Fotomagazin, Seite 14

 
Die Fragen selbst lieb zu haben, nicht die Antworten, das ist ein schönes Bild. Doch ganz so ist es ja gar nicht. „Sie sind so jung, so vor allem Anfang“ sugge­riert, in dieser ersten Ausgabe würden Fotogra­finnen und Fotografen vorge­stellt, die ganz ohne Erfahrung ihre Bilder machen würden. Doch das, was den hier präsen­tierten Bildau­toren zum Thema „heilig und wild“ einge­fallen ist, das ist alles andere als „Vor allem Anfang“: So unter­schiedlich die vielen Beiträge sind, von denen wir einige abbilden: Selten sah man in den vergan­genen Jahren so viele ungewöhn­liche, ungesehene Positionen der Gegen­warts­fo­to­grafie.

Das schön gebundene, klein­for­matige Büchlein konzen­triert sich ganz auf die Bilder, doch auch zum Lesen gibt es etwas: Ein einge­legtes Textheft führt in das Thema ein – und stellt die Künst­le­rinnen und Künstler und ihre Serien kurz vor. Da kann man nur den Hut ziehen: „Noi“ ist ein wundervoll gestal­tetes Kleinod unter den deutschen Fotografie-Magazinen. Wir wünschen viel Erfolg!

(Marc Peschke)
 
 
Noi: 96 Seiten Fotografie im hochwer­tigen 4/4-Druck und 24 Seiten Text 1/1-Druck. 8 Euro. Bestellung unter www.noi-fotomagazin.de.