Detailfoto Uni-Loc-StativEinlas­sungen zu Geschichte und Gegenwart der Uni-Loc-Stative, die immer noch ein Geheimtipp sind, weil sich deren Hersteller mehr um Entwicklung und Fertigung kümmerte, als um den Vertrieb hierzulande:

Porträtfoto von Ken Brett

Uni-Loc, das sind die Stative, die auf den ersten Blick aussehen, als kämen sie von Benbo. Das stimmt sogar, irgendwie: Die von Ken Brett (links im Bild) in England entwi­ckelten Benbo-Stative waren durch ihr besonderes Konstruk­ti­ons­prinzip bekannt geworden: Im Gegensatz zu den meisten anderen Stativ­kon­struk­tionen (eine Ausnahme war das in den 1990er Jahren in Deutschland gebaute Doppel­rohr­stativ von Groschupp) hat das untere Segment den größten Rohrdurch­messer und ist gegen das Eindringen von Wasser an der Fußseite versiegelt. Darüber hinaus verfügen diese Stative über ein Gelenk, das alle drei Beine und die Mittelsäule verbindet. Zahlreiche Nutzer lieben diese Stative wegen ihrer Flexi­bilität. Andere verwünschen sie, weil sie beim Lösen des Zentral­ge­lenkes ihre auf der Mittelsäule befestigte Kamera nicht festge­halten hatten und die Mittelsäule mit der Kamera dann krachend zu Boden ging.

Foto eines Uni-Loc-Stativs im Einsatz

Die Stative fanden zahlreiche Anwender und die Gesell­schafter von Benbo verkauften in der Folge nicht nur die Stative, sondern die ganze Firma an die damals in Großbri­tannien zu den führenden Photo­han­dels­un­ter­nehmen zählende Patterson Group. Der Verkauf erfolgte nicht gegen Geld, sondern im Tausch gegen Aktien der Patterson Group. Als Patterson bald darauf in die Insolvenz rauschte, waren diese Aktien plötzlich wertlos. Die Reste von Patterson, einschließlich der Benbo Stative, wurden in der Folge an neue Investoren verkauft. Die ursprüng­lichen Benbo-Stative werden in diesem Umfeld weiterhin gefertigt und vermarktet.

Uni-Loc Logo

Nach dem Verlust der Benbo-Stative durch die Patterson-Insolvenz sagte sich Ken Brett, der Erfinder und Entwickler der Stative: „Was ich einmal kann, kann ich auch zweimal und dann sogar noch besser“ und entwi­ckelte die heute unter dem Namen Uni-Loc bekannten neuen Stativ-Serien.

Bei der Neukon­struktion wurden das alte Prinzip mit den heute pulver­be­schichteten Alumi­ni­um­rohren und den spezi­fischen Bein-Arretie­rungen beibe­halten, aber zahlreiche Bauteile durch inzwischen verfügbare neue Materialien wie High-Impact-Nylon für die Führungs­hülsen oder Druckguss für Metall­kom­po­nenten der Gelenke ersetzt.

Logo Envoy Uni-Loc

Ab 1991 wurden diese Stative dann unter dem Namen Uni-Loc wieder produziert. Der Hersteller der Stative ist die im 5. Jahrzehnt bestehende, in Leighton Buzzard, Bedfordshire / England angesiedelte Firma Envoy Uni-Loc von Dante Mody, einem Briten mit indischen Wurzeln. (Envoy Uni-Loc handelt in Indien auch mit zahlreichen anderen Photo­pro­dukten und ist offizieller Vertrieb für Carl-Zeiss-Objektive für Nikon- und Pentax-Kameras.)

Nach der Neuauflage der Stative wurden weitere Verbes­se­rungen und Ergän­zungen entwickelt. So hat Uni-Loc eine praktische Lösung gegen die abkippende Mittelsäule gefunden: Das an und für sich geniale Zentral­gelenk wurde optional um ein Zusatz­gelenk ergänzt, das es ermöglicht, wie gehabt alle drei Beine und die Mittelsäule gemeinsam zu verstellen, aber dann, nach dem Fixieren der Beine. die Mittelsäule nochmals getrennt einzu­stellen, ohne den gesamten Aufbau wieder lösen zu müssen.

Darüber hinaus wurden pfiffige Elemente entwickelt, die heute als Zubehör für die Stative verfügbar sind. Die Univer­salität dieser kleinen Problemlöser macht sie dabei auch für Stative anderer Marken nutzbar.

Foto des DuoPod von Uni-Loc

So hat Uni-Loc mit dem DuoPod eine vor etwa 20 Jahren schon einmal von einem anderen Hersteller verfügbare kompakte Ergänzung für Einbe­in­stative neu durch­kon­struiert und als Ergänzung der eigenen Einbeine (Mono Pods) auf den Markt gebracht.

Foto der Tischklemme von Uni-Loc

Eine clevere Lösung ist auch die universelle Tisch­klemme, mit der sich praktisch alle Module des Uni-Loc-Systems verknüpfen lassen. Hierbei erweist sich die konse­quente Modula­ri­sierung der Stative als eindeutiger Vorteil.

Neben fest montierten Stativen in der Standard-Version bietet Uni-Loc mit der System-Variante auch vollständig zerlegbare Stative an, die sich einerseits besser trans­por­tieren lassen, andererseits einen indivi­duellen Aufbau ermög­lichen, der sich optimal dem jeweiligen Einsatzzweck anpasst.

Über die Jahre konsequent verbessert, haben die Uni-Loc Stative inzwischen nicht nur Kultstatus erworben, sondern sind für viele Photo­graphen zum kaum verzichtbaren, zuver­lässigen Werkzeug geworden. Über viele Jahre galten die Uni-Loc-Stative als Geheimtipp, weil sich der Hersteller mehr um die Entwicklung und Fertigung der Stative kümmerte, als um deren Vertrieb außerhalb von Großbri­tannien und Indien. Mit der Vertriebs­übernahme durch kocktrade hat diese Durst­strecke zumindest für den deutschen Markt inzwischen ein Ende gefunden.

(CJ)
 

Nachtrag (20.10.2008): Oben ein Porträtfoto von Ken Brett eingefügt.