Der Fotofachhandel steht vor neuen Chancen – vorausgesetzt, er versteht sich künftig als weit mehr als nur als Verkaufsstelle für Kameras und Objektive. Der PRO-Kongress in den USA zeigt, wie Services, Gebrauchtgeschäft, Events und Community-Building zu wichtigen Erfolgsfaktoren werden. Gleichzeitig verändert Agentic Commerce die Customer Journey: KI könnte zur neuen Startseite des Handels werden und hochwertige Produktdaten damit zum digitalen Regalplatz der Zukunft machen. Und ausgerechnet die Generation Z setzt einen spannenden Gegenakzent zur zunehmenden Digitalisierung: Eine aktuelle instax-Studie zeigt, wie stark junge Menschen echte, physische Erinnerungen und Sofortbilder schätzen. Drei Entwicklungen, die verdeutlichen, wie eng Technologie, persönliche Beratung und das Bedürfnis nach authentischen Erlebnissen künftig miteinander verbunden sein werden.

Die wichtigsten Imaging Business News der KW 40/26 – kuratiert von Wolfgang Heinen, Herausgeber von PHOTO PRESSE und DigitalPHOTO.

Imaging Business News KW 40/26:

PRO-Kongress in den USA: Neue Trends im Fotofachhandel

Die Photographic Research Organization (PRO) hielt Mitte September ihren jährlichen Herbstkongress im Talking Stick Resort in Scottsdale, Arizona, ab. Warum uns das interessiert? Weil es interessante Trends auch für den deutschen Fotofachhandel gibt, wie unser Kollege Gary Pageau berichtet. Kamerahändler passen sich einem Markt an, in dem Wachstum nicht mehr allein davon abhängt, die neuesten Kameragehäuse und Objektive auf Lager zu haben. Präsentationen auf der PRO-Tagung zeigten, dass Einzelhändler ihr Geschäft durch Filmdienstleistungen, den Handel mit Gebrauchtgeräten, Schulungen, digitale Tools, inklusives Marketing und stärkere Kundenbeziehungen ausbauen (müssen).

Die zentrale Botschaft der PRO-Tagung war, dass der Erfolg von Händlern dann wächst, wenn der POS mehr wird als nur ein Ort, an dem man Ausrüstung kauft. Erfolgreiche Händler agieren als Dienstleister, Vermittler, Organisatoren von Community-Veranstaltungen, Spezialisten für Gebrauchtgeräte und technologisch versierte lokale Experten. Ihr Wettbewerbsvorteil besteht nicht einfach darin, Online-Preise zu unterbieten, sondern er besteht darin, den Kunden Gründe zu geben, das Geschäft zu besuchen, wiederzukommen und es als ihre erste Anlaufstelle für alles rund um Fotografie zu betrachten.

Auch das neue Interesse jüngerer Fotografen am Fotofachhandel ist ein weiteres ermutigendes Zeichen, zumindest in den USA, aber warum nicht auch bei uns. Verbraucher der Generation Z fühlen sich anscheinend vom haptischen Erlebnis von Film und physischen Medien angezogen, beschäftigen sich aber gleichzeitig intensiv mit digitaler Fotografie, Videos und sozialen Inhalten, so die Händler. Diese Kombination schafft Chancen in den Bereichen Film, Entwicklung, gebrauchte Kameras, kompakte Digitalmodelle und Produkte für Kreative.

Mehr dazu hier: https://thedeadpixelssociety.com/pro-convention-continues-reshaping-of-camera-retail/

Agentic Commerce: Produktdaten werden zum neuen Regalplatz

Die Kolleginnen und Kollegen von “Zukunft des Einkaufens” haben mal wieder eine echte Perle gefunden, die auch für den Fotofachhandel von hoher Brisanz sein wird: Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Prozesse in Handelsunternehmen, sie verändert die Kundinnen und Kunden selbst – wie sie suchen, wem sie vertrauen, wie sie Entscheidungen treffen und was sie von Händlern erwarten. Retail-Expertin Marilyn Repp hat diese Entwicklung für das „Future Retail Briefing“ analysiert. Im Interview erklärt sie, warum KI zur neuen Startseite des Handels werden könnte, was das für die Customer Journey bedeutet – und warum die Antwort darauf nicht nur technologisch sein kann.

Die wichtigsten Aussagen gibt es aber auch schriftlich hier: https://zukunftdeseinkaufens.de/interview-marilyn-repp-konsumverhalten/

Sofortbild statt KI? Gen Z will echte Erinnerungen zum Anfassen

Für besondere Erinnerungen greift die digitalaffine Generation Z oft zum Sofortbild – und das noch vor klassischen Fotoabzügen, digitalen Fotos und KI-generierten Bildern, stellt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von Fujifilm instax fest. Während KI Bilder heute auf Knopfdruck erzeugen und verändern kann, setzt das Sofortbild auf etwas anderes: den echten, im Moment entstandenen Augenblick. Was in der Studie deutlich wird: Beim Einfangen spontaner, ungestellter Momente liegen Sofortbilder vorn, sogar noch knapp vor den durchs Smartphone immer verfügbaren digitalen Fotos.

Knapp jeder Zweite der 18- bis 29-Jährigen in Deutschland (47 Prozent) verbindet besondere Momentaufnahmen am ehesten mit Sofortbildern. Damit liegt das Sofortbild deutlich vor digitalen Bildern (31 Prozent) und wird dreimal so häufig wie klassische Fotoabzüge mit besonderen Momenten verbunden (15 Prozent). KI-generierte Bilder spielen mit 5 Prozent eine untergeordnete Rolle. Die Ergebnisse zeigen damit einen bemerkenswerten Kontrast: Ausgerechnet eine Generation, die selbstverständlich mit digitalen Technologien und künstlich erzeugten Bildern interagiert, verbindet besondere Momente vor allem mit Bildern, die tatsächlich im Augenblick entstehen.

Alle wichtigen Ergebnisse der interessanten Umfrage gibt es hier: https://insider.fujifilm-instax.de/pressemitteilung-sofortbild-statt-ki-gen-z-will-laut-aktueller-studie-echte-erinnerungen-zum-anfassen