Nikon stellt mit der Z5IIC eine neue spiegellose Vollformatkamera vor, die einen bewusst unkomplizierten Zugang zum Z-System bieten soll. Die Kamera kombiniert einen 24,5-Megapixel-FX-Sensor mit EXPEED 7, kamerainterner Bildstabilisierung, umfangreicher Motiverkennung und 4K-Video. Auffällig ist das schlanke Flat-Top-Konzept ohne elektronischen Sucher. Stattdessen steht ein vollständig beweglicher Touchmonitor im Mittelpunkt. Ich konnte die Z5IIC bereits kurz ausprobieren. Dabei hinterließ sie einen erstaunlich erwachsenen Eindruck: kompakt, sauber verarbeitet und trotz des reduzierten Konzepts klar als Nikon zu erkennen.

Kompaktes Gehäuse, vertraute Nikon-Bedienung

Die Z5IIC misst etwa 134 x 80,5 x 72 Millimeter und wiegt als Gehäuse rund 538 Gramm. Mit EN-EL15c-Akku und Speicherkarte sind es etwa 620 Gramm. Nikon verwendet einen Rahmen aus Magnesiumlegierung und versieht die Kamera mit Abdichtungen gegen Staub und Feuchtigkeit. Eine vollständige Staub- und Tropfwasserresistenz unter allen Bedingungen wird allerdings nicht garantiert.

Beim ersten Hands-on fällt vor allem auf, dass die Kamera trotz des flachen Aufbaus gut in der Hand liegt. Der Griff ist ausreichend ausgeprägt, die Verarbeitung wirkt hochwertig. Nikon versucht nicht, die Z5IIC wie ein Smartphone aussehen zu lassen. Stattdessen wird die vertraute Z-Bedienung um eine deutlich stärkere Touch-Ausrichtung ergänzt.

Nikon setzt bei der Z5IIC auf ein Touch-Display.

Kein Sucher – das Display übernimmt

Einen elektronischen Sucher besitzt die Z5IIC nicht. Das ist die konzeptionell wichtigste Entscheidung dieser Kamera. Die Bildkontrolle erfolgt über einen neig- und drehbaren 3,2-Zoll-TFT-Touchmonitor mit rund 1,04 Millionen Bildpunkten. Er bietet etwa 100 Prozent Bildfeldabdeckung, einen Betrachtungswinkel von 170 Grad und eine 13-stufige Helligkeitsregelung.

Für Nutzer, die vom Smartphone kommen, erscheint dieser Ansatz plausibel. Auch beim Filmen, bei Selbstaufnahmen und ungewöhnlichen Perspektiven ist das bewegliche Display praktisch. Klassische Fotografen dürften den Sucher dagegen vermissen – insbesondere bei sehr hellem Umgebungslicht oder wenn die Kamera für zusätzliche Stabilität ans Auge genommen werden soll.

24,5 Megapixel im FX-Format

Der CMOS-Sensor entspricht dem FX-Format und löst effektiv 24,5 Megapixel auf. Für die Verarbeitung ist EXPEED 7 zuständig. Die Empfindlichkeit reicht regulär von ISO 100 bis 64.000 und kann auf Werte entsprechend ISO 50 bis 204.800 erweitert werden. Ist HLG als Tonmodus gewählt, reicht der Bereich von ISO 400 bis 64.000.

Nikon verspricht einen großen Dynamikumfang, detailreiche Farben und die für Vollformat typische Möglichkeit einer geringen Schärfentiefe. Beim Hands-on standen weniger Laborwerte als das Gesamtkonzept im Vordergrund. Entscheidend ist: Nikon kombiniert den vergleichsweise einfachen Zugang nicht mit einer sichtbar vereinfachten Prozessorplattform, sondern setzt auf den aktuellen EXPEED 7.

IBIS bis 7,5 Blendenstufen

Auch eine kamerainterne Stabilisierung ist vorhanden. Nikon nennt bis zu 7,5 Blendenstufen Kompensationsleistung nach CIPA-Standard 2024, gemessen mit dem NIKKOR Z 24-120mm f/4 S in Telestellung und NORMAL-Modus. Hinzu kommt Fokusmessfeld-VR.

Für eine Kamera, die Nikon ausdrücklich als unkomplizierten Begleiter positioniert, ist das relevant: Viele Nutzer werden mit ihr aus der Hand arbeiten, und die Stabilisierung hilft sowohl bei schwachem Licht als auch bei längeren Verschlusszeiten.

Autofokus bis -10 LW und neue Fisch-Erkennung

Die Z5IIC verwendet einen Hybrid-Autofokus mit Phasen- und Kontrasterkennung. Er erkennt Menschen, Haustiere, Fahrzeuge und Vögel. Neu im Nikon-Z-System ist die Erkennung von Fischen. Die AF-Empfindlichkeit reicht unter Nikons definierten Testbedingungen bis -10 LW.

Beim ersten Ausprobieren präsentierte sich die Fokussierung schnell und unkompliziert. Nikon integriert Tracking-Funktionen und eine auf Bewegungen ausgelegte Motiverkennung, die gerade Einsteigern möglichst viel technische Arbeit abnehmen soll.

Bis 30 Bilder pro Sekunde

Bei Serienaufnahmen bietet die Z5IIC mehrere Geschwindigkeitsstufen. Je nach Verschlussart sind im normalen schnellen Serienbetrieb unterschiedliche Werte möglich. Die erweiterte Serienaufnahme erreicht rund 14 beziehungsweise 15 Bilder pro Sekunde. C15 arbeitet mit etwa 15 Bildern pro Sekunde, C30 mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde. Nikon weist darauf hin, dass für die hohen Bildraten Einschränkungen bei der Bildqualität beziehungsweise RAW-Nutzung gelten.

Damit ist die Z5IIC trotz ihrer Einsteigerpositionierung durchaus für bewegte Motive interessant.

4K/60p und internes N-RAW

Noch deutlicher wird die hybride Ausrichtung beim Video. Die Kamera zeichnet 4K UHD mit 60p, 50p, 30p, 25p oder 24p auf. 60p und 50p stehen im DX-Format zur Verfügung. Full HD reicht bis 120p. Hinzu kommen vier- beziehungsweise fünffache Zeitlupenvarianten.

Bemerkenswert für die Klasse ist die Codec-Auswahl. Neben H.264/AVC mit 8 Bit unterstützt die Z5IIC H.265/HEVC mit 8 oder 10 Bit sowie N-RAW mit 12 Bit. Gespeichert wird in NEV, MOV oder MP4.

Ein eingebautes Stereomikrofon ist vorhanden. Externe Mikrofone lassen sich ebenso anschließen wie Kopfhörer; die Kamera besitzt dafür separate 3,5-mm-Stereobuchsen. Hinzu kommen USB-C und HDMI Typ D.

Kreativfunktionen für den direkten Look

Nikon möchte die Z5IIC erkennbar nicht nur über klassische Belichtungsparameter verkaufen. 15 Motivprogramme optimieren Einstellungen für unterschiedliche Situationen und Stimmungen. Über die Nikon Imaging Cloud können außerdem Bildrezepte von Nikon, RED und Nikon Creators auf die Kamera geladen werden.

Bei meiner ersten Begegnung mit der Kamera waren gerade diese Looks ein interessanter Teil des Konzepts. Nikon bietet zahlreiche Möglichkeiten, Fotos bereits bei der Aufnahme einen charakteristischen Stil zu geben. Dazu kommen bewusst nostalgische Varianten mit Anleihen bei der Bildästhetik vergangener Jahrzehnte.

Die neue Filmkörnungsfunktion lässt sich sowohl bei Fotos als auch bei Videos einsetzen und mit Bildrezepten kombinieren. Wer seine Aufnahmen nicht erst umfassend am Rechner graden oder bearbeiten möchte, bekommt damit kreative Werkzeuge direkt in der Kamera.

Imaging Cloud und automatische Updates

Die Nikon Imaging Cloud dient nicht nur dem Transfer von Bildrezepten. Firmware-Aktualisierungen können automatisch eingespielt werden. Für die drahtlose Kommunikation stehen WLAN und Bluetooth zur Verfügung; Nikon bindet die Kamera außerdem in sein SnapBridge-Ökosystem ein.

Nur eine SD-Karte

Gespeichert wird auf einer einzelnen SD-Speicherkarte. Für die anvisierte Zielgruppe dürfte das meist genügen. Wer die Z5IIC professionell einsetzt und eine sofortige redundante Speicherung erwartet, muss diese Einschränkung allerdings berücksichtigen.

 

Nikon verbaut einen Slot für eine SD-Karte.

Das Z-Bajonett erlaubt den Zugriff auf Nikons NIKKOR-Z-Objektivprogramm. F-NIKKOR-Objektive können über einen Bajonettadapter verwendet werden, wobei abhängig vom Objektiv Einschränkungen möglich sind.

Preis und Verfügbarkeit

Nikon plant die Markteinführung für Mitte Oktober 2026. Die Z5IIC wird in Schwarz und Silber angeboten. Das Gehäuse kostet 1.549 Euro. Mit NIKKOR Z 24-50mm f/4-6.3 liegt die UVP bei 1.849 Euro, mit Z 24-105mm f/4-7.1 bei 1.899 Euro. Das Kit mit Z 24-70mm f/4 kostet 2.149 Euro, das Kit mit Z 24-200mm f/4-6.3 VR 2.349 Euro.

Nikon Z5IIC: Erster Eindruck

Die Nikon Z5IIC ist interessanter, als die Einordnung als einsteigerfreundliche Vollformatkamera zunächst vermuten lässt. Nikon kombiniert einen 24,5-Megapixel-FX-Sensor und EXPEED 7 mit einer starken Bildstabilisierung, einem empfindlichen Autofokus und ungewöhnlich umfangreichen Videoformaten bis hin zu N-RAW.

Das Flat-Top-Gehäuse wirkt kompakt und wertig, die Bedienung bleibt trotz stärkerer Touchscreen-Ausrichtung typisch Nikon. Gleichzeitig ist der fehlende Sucher kein nebensächliches Detail, sondern definiert die Zielgruppe. Wer hauptsächlich über einen EVF fotografiert, wird sich umstellen müssen. Wer vom Smartphone kommt, viel filmt oder eine kleine Vollformatkamera mit direkter Touchbedienung sucht, dürfte sich dagegen schnell zurechtfinden. Genau in dieser Verbindung aus niedrig gehaltener Einstiegshürde und überraschend leistungsfähiger Technik liegt für mich der Reiz der Z5IIC.