Wenn Fahrer mit 60 km/h vorbeiziehen, muss der Fokus sitzen. Tino Pohlmann erklärt, warum die Leica SL3-P seine Arbeit im Sport verändert – und weshalb er beim Fotografieren den Moment spüren will.

Wenn sich das Fahrerfeld an Radsportlern über das legendäre Kopfsteinpflaster von Paris–Roubaix kämpft, bleibt für Fotografen kaum Zeit zum Zögern. Jeder Moment ist einzigartig, jeder Augen- blick unwiederbringlich. Tino Pohlmann kennt diese Welt seit mehr als 20 Jahren – zunächst selbst als aktiver Radsportler, heute als Fotograf.

Seine Bilder zeigen nicht nur Geschwindigkeit, sondern erzählen von Menschen, Emotionen und dem besonderen Licht eines Moments. Neben seiner langjährigen Arbeit im Radsport fotografiert der Berliner unter anderem für Kunden wie Adidas oder Mercedes-Benz, seine Arbeiten erscheinen in Medien wie DIE ZEIT, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder dem Spiegel.

Seit einigen Jahren setzt Pohlmann dabei auf das Leica-SL-System. Für seine jüngste Strecke mit Radsportlern arbeitete er bereits mit der neuen Leica SL3-P. Über seinen Wechsel zum SL-System und die Vorzüge der neuen Kamera sprechen wir mit Tino Pohlmann.

Tino Pohlmann im Interview

Hallo Tino. Du bist seit über 20 Jahren professionell als Fotograf unterwegs. Wo liegen heute die Schwerpunkte in deiner fotografischen Arbeit?

Meine Fotografie ist sehr nah am Menschen orientiert. Daraus ergeben sich verschiedene Bereiche: Sport, Landschaft, Porträt und People-Fotografie. Das sind die Felder, in denen ich mich hauptsächlich bewege – immer mit einem starken Interesse am Menschen und an dem, was in einer Situation sichtbar wird.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Das ist schwer genau zu sagen. Ich war schon immer ein Bewunderer von Dingen – damals natürlich noch nicht so bewusst. Schon als Kind bin ich an Sachen hängen geblieben, habe sie lange angeschaut und beobachtet, teilweise sicher zur Verzweiflung meiner Eltern. Oft waren es Kleinigkeiten oder versteckte Dinge, die mich neugierig gemacht haben. Irgendwann entstand daraus der Wunsch, diese Beobachtungen festzuhalten – mit einem Fotoapparat. Und später wurde der Gedanke, Fotograf werden zu wollen, immer präsenter.

Hast du dann eine klassische Fotografenausbildung gemacht?

Nein, ich habe zwar schon mit 17 oder 18 sehr aktiv fotografiert, aber zunächst gar nicht mit dem Gedanken, daraus einmal Auftragsfotografie zu machen. Ich habe mich dann für Kommunikationsdesign entschieden, mit Schwerpunkt Fotografie und Typografie. Die Hochschule gab mir die Möglichkeit, Fotografie zu vertiefen, aber auch darüber hinauszuschauen: Wie bringe ich Bilder in eine Form? In ein Buch, eine Broschüre, einen Ausstellungskatalog? Dieser Blick über den Rand der Fotografie hinaus war mir wichtig.

Die Farben der SL3-P ergeben in Kombination mit der Schärfe der SL-Optiken für Tino das perfekte Paket.

Du arbeitest seit einigen Jahren mit dem Leica-SL-System. Wie kam es zur Entscheidung zum Systemwechsel?

Ich habe vorher viel mit Mittelformat gearbeitet. Gerade bei Landschaften, Gegenlicht und schwierigen Lichtsituationen war mir eine sehr hohe Abbildungsqualität wichtig. Zur Leica bin ich zunächst über die Q gekommen. Da habe ich diesen Leica-Schmelz gespürt, den man von Arbeiten großer Fotografen kennt. 2020 bin ich dann komplett auf das SL-System umgestiegen. Für mich war klar: Wenn ich weiter in Richtung Print und Ausstellung denken möchte, brauche ich Werkzeuge und Objektive, die das auch tragen. Die Abbildungsleistung der SL-Objektive war für mich entscheidend.

Du konntest die neue Leica SL3-P bereits testen. Was war dein erstes Projekt damit?

Das erste Projekt war Paris–Roubaix, eines der härtesten Eintagesrennen im professionellen Radsport. Es geht über rund 260 Kilometer durch Nordfrankreich, davon etwa 60 bis 70 Kilometer über hartes Kopfsteinpflaster. Da geht es um Geschwindigkeit, um Präzision und darum, im entscheiden- den Moment auf den Punkt zu sein. Für so etwas braucht man ein System, auf das man sich hundertprozentig verlassen kann.

Wie war die Arbeit mit der Kamera unter diesen Bedingungen?

Ich arbeite seit fast zehn Jahren mit Leica und seit sechs, sieben Jahren mit dem SL-System. Deshalb war vieles sofort vertraut: das Interface, die Menüführung, die Bedienung. Ich musste mich nicht neu einlernen. Was aber wirklich anders war, war die Geschwindigkeit der Kamera – vor allem der deutlich präzisere und schnellere Autofokus. Das gibt einem gerade bei einem Sportevent sehr viel Selbstvertrauen.

Für die schnellen Bewegungen im Radsport ist eine reaktionsschnelle Kamera wichtig.

Was hat dich an der SL3-P überzeugt?

Neben der Geschwindigkeit vor allem der Dynamikumfang. Ich bin ein großer Freund des Gegenlichts, und gerade in den Mitteltönen und Schatten habe ich bei der SL3-P eine Qualität gesehen, die ich so noch nicht hatte. Das merkt man besonders später in der Entwicklung der RAW-Datei, wenn man wirklich Lichtführung am Bild betreibt. Da ist unglaublich viel Spielraum drin. Für eine Kleinbildkamera ist das schon eine Menge Sound im Gerät.

Gab es bei Paris–Roubaix eine Situation, in der dir dieser Dynamikumfang besonders aufgefallen ist?

Ja, zum Beispiel in den Duschen von Roubaix. Das ist ein epischer Ort: Die Fahrer kommen dort nach dem Rennen an, teilweise verwundet, total zugedreckt von Staub oder Schlamm. Gleichzeitig ist das Licht dort schwierig, eher dunkel und schattig. Ich habe mit ISO 1600 gearbeitet und war überrascht, wie stabil die Tonwerte geblieben sind. Auch wenn man später die Tiefen anhebt, bleiben die Hauttöne brillant und kippen nicht ins Graubraune. Das hat mich wirklich beeindruckt.

 

In den Duschen von Roubaix zeigt die Leica SL3-P auch bei wenig Licht ihre Stärken.

 

Nutzt du die 40 Bilder pro Sekunde?

Ich brauche keine 40 Bilder pro Sekunde. Ich möchte den Moment spüren und nicht einfach nur möglichst viele Bilder produzieren. Oft arbeite ich mit kleineren Sequenzen, vielleicht sieben Bildern. Entscheidend ist für mich, dass ich mich darauf verlassen kann, dass die relevanten Aufnahmen scharf sind.

Welche Rolle spielt die Bedienung der Kamera für dich?

Eine sehr große. Ein Werkzeug darf nicht im Weg stehen. Ein Tischler kann auch nicht ständig über seine Säge nachdenken. Bei der Kamera ist es ähnlich. Ich muss schnell an meine Funktionen kommen und intuitiv arbeiten können. Genau das schätze ich am SL-System: Es ist reduziert, aber trotzdem sehr leistungsfähig. Man wird nicht mit Knöpfen erschlagen und hat trotzdem alles griffbereit, was man braucht.

Dem Fahrer folgen: Den vorbeiziehenden Radfahrer mit dem Fokus per Tracking folgen zu können, ist bei einzigartigen Momenten in Sportereignissen mehr als nur praktisch.

 

Hat die SL3-P deine Fotografie verändert?

Ja, auf jeden Fall. Früher habe ich im Sport häufig mit festen Schärfepunkten gearbeitet. Bei so einer professionellen Sportveranstaltung wird Geschwindigkeit noch einmal anders definiert; die Fahrer knallen da teilweise mit 60 km/h an einem vorbei. Ich habe mir also vorher einen Punkt auf der Straße gesucht, von dem ich wusste: Da fährt der Fahrer gleich vorbei. Darauf habe ich die Schärfe gelegt und mit Blende sieben oder acht gearbeitet, damit ich ein paar Meter Spielraum habe. Mit der SL3-P ist das viel einfacher. Ich kann den Fahrer per Continuous Focus früher in den Fokus nehmen, und das Messfeld bleibt wie ein Magnet an ihm kleben. Wenn er dann durch meinen Bildausschnitt fährt, ist die Schärfe immer noch da.

Was bedeutet die SL3-P für deine fotografische Arbeit?

Die Kombination aus Autofokus, Geschwindigkeit, Dynamikumfang und Bildqualität ist für mich ein echtes Upgrade. Wenn man mit Fotografie seinen Lebensunterhalt verdient, möchte man ein Werkzeug, das die Arbeit erleichtert und Sicherheit gibt. Es fällt mir schwer, wieder einen Schritt zu- rückzugehen. Die SL3-P wird deshalb mein neues Arbeitswerkzeug werden müssen.

 

Details in den Tiefen: Wie viel Farbinformationen in den Schatten erhalten bleiben, hat Tino Pohlmann positiv überrascht. Der Dynamikumfang ist im Radsport bei schwierigen Lichtsituationen oft entscheidend.

LEICA SL3-P

  • Sensor: Der 44,9-MP-Vollformatsensor liefert hohe Detailauflösung und DNG-Dateien mit 14 Bit Farbtiefe. Im Multis- hot-Modus sind bis zu 176,7 MP möglich.
  • Dynamikumfang: Bis zu 14 Blendenstufen geben viel Spielraum in Lichtern und Schatten. Tino Pohlmann schätzt das besonders bei Gegenlicht und schwierigen Hauttönen.
  • Autofokus: Hybrid-AF mit 819 Phasen-AF-Messfeldern, Tracking und Motiverkennung für Menschen, Tiere und Fahrzeuge.
  • Tempo: Serienaufnahmen sind mit bis zu 40 B/s inklusive AF-Unterstützung möglich.
  • Gehäuse: Das Ganzmetallgehäuse aus Magnesium und Aluminium ist nach IP54 gegen Staub und Spritzwasser geschützt – wichtig, für Fotografen, die ihre Motive draußen bei jedem Wetter finden.

Tino Pohlmann

 

Über den Fotografen:

(*1976) Tino Pohlmann wurde in Frankfurt (Oder) geboren und wuchs in Ostdeutschland auf. Früh geprägt vom Leistungssport, war er selbst viele Jahre als Radsportler aktiv. Seit 2006 arbeitet er als freier Fotograf in Berlin. Seine Schwerpunkte liegen in Sport-, Landschafts-, Porträt- und Editorialfotografie. Neben Auftragsarbeiten für Kunden wie Adidas, Mercedes-Benz oder Saturn realisiert er eigene künstlerische Projekte und Buchstrecken. Seit 2015 lehrt er Fotografie an der HTW Berlin.

Website: https://pohlmann.photo

Instagram: @pholmann_photo