Künstliche Intelligenz könnte die Kräfteverhältnisse im Imagingmarkt weiter verschieben: Mit der Übernahme von Glass Imaging sichert sich OpenAI eine Technologie, die Smartphone-Kameras zu einem deutlichen Qualitätssprung verhelfen soll – und damit auch den Druck auf die klassischen Kamerahersteller erhöht. Gleichzeitig steht bei Leica Camera ein Wechsel im Vorstand bevor: COTO Ronny Fritsche verlässt das Unternehmen Mitte Oktober. Und in Worpswede geht eine Ära zu Ende: Das RAW Photo Festival feiert sein zehnjähriges Bestehen und verabschiedet sich mit seiner fünften und letzten Ausgabe.

Die wichtigsten Imaging Business News der KW 39/26 – kuratiert von Wolfgang Heinen, Herausgeber von PHOTO PRESSE und DigitalPHOTO.

Imaging Business News KW 39/26:

Glass Imaging: Verzehnfachung der Bildqualität?

Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, hat OpenAI das us-amerikanische Start-up Glass Imaging übernommen. “Glass Imaging”, nie gehört? Das Unternehmen hat für die Imagingbranche echtes Innovationspotenzial – und das sagen wir nicht all zu oft: Glass Imaging nutzt künstliche Intelligenz, um das volle Potenzial der möglichen Bildqualität aktueller und zukünftiger Kameras auszuschöpfen, indem es Linsenaberrationen und Sensorunvollkommenheiten korrigiert. Glass arbeitet mit etlichen (Smartphone-)Herstellern zusammen, um die GlassAI-Software zu integrieren und die Kameraleistung um das Zehnfache zu steigern. Das Ergebnis sind schärfere, detailreiche Bilder von einer Qualität, die derjenigen einer DSLR-Kamera in nichts nachstehen soll.

Dem WSJ zufolge wurde Glass Imaging im Rahmen der Transaktion mit 300 Millionen US-Dollar bewertet. Im vergangenen Jahr gewann Glass Imaging den „Best Technology Award“ bei Visual 1st, dem jährlichen Branchentreff der internationalen Imagingbranche in Kalifornien. Jurymitglied Rudy Burger, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter bei Woodside Capital, erklärte damals: „Die neuronale ISP-Technologie von Glass Imaging wird es Smartphone-Herstellern ermöglichen, die Bildqualität ihrer Kamerasysteme weiter zu verbessern und gleichzeitig möglicherweise die Kosten zu senken.“ Wenn das alles zutrifft, sollten sich die etablierten Kamerahersteller eine andere Produkt- und Kommunikationsstrategie jenseits der reinen technischen Features überlegen.

Leica Camera: COTO Fritsche geht

Ronny Fritsche, COTO bei der Leica Camera AG, Wetzlar, wird das Unternehmen zum 15. Oktober 2026 verlassen, um eine neue berufliche Herausforderung als CEO eines Unternehmens außerhalb der Leica Camera AG anzunehmen. Vor diesem Hintergrund haben sich der Aufsichtsrat und Fritsche im besten gegenseitigen Einvernehmen auf eine vorzeitige Beendigung seiner Vorstandstätigkeit verständigt.

Der Aufsichtsrat respektiert die Entscheidung von Fritsche und dankt ihm für sein außerordentlich großes Engagement sowie für die erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Während seiner Zeit im Vorstand hat Fritsche mit seiner Erfahrung, seiner fachlichen Kompetenz und seinem persönlichen Einsatz wichtige Impulse gesetzt und zur erfolgreichen Weiterentwicklung der Leica Camera AG und der Leica Camera Gruppe deutlich beigetragen. Wer Fritsche nachfolgt, ist noch nicht bekannt.

Dr. Ronny Fritsche, Vorstand für Operations und Technologie der Leica Camera AG

RAW: Schluß mit Fotofestival

Wer hat an der Uhr gedreht: Das RAW Photo Festival Worpswede feiert heuer sein zehnjähriges Bestehen und verabschiedet sich gleichzeitig: Vom 3. Oktober bis zum 1. November 2026 lädt die fünfte und finale Ausgabe des Festivals mit einem hochkarätigen Programm in das historische Künstlerdorf ein. Unter dem Leitgedanken „Zurück in die Zukunft“ verbindet das Festival einen nostalgischen Rückblick auf die eigene Geschichte mit drängenden Fragen unserer Gegenwart und Zukunft. Als besonderes Dankeschön an das treue Publikum ist der Besuch aller Ausstellungen und Veranstaltungen in diesem Jahr komplett kostenfrei.

Nun ja, wenn das Ende eines Festivals etwas über die Zukunft aussagen soll, dann vielleicht dieses für zukünftige Festival-Macher: Man hat brutto 52 Wochenenden im Jahr, wo man ein solches Event starten kann. Ziemlich dumm ist es, ausgerechnet das Wochenende zu wählen, in dem gleichzeitig und lange angekündigt in Nürnberg die Imaging World stattfindet.