Der Kameramarkt verliert an Schwung: Die aktuellen CIPA-Zahlen für Juli zeigen deutliche Rückgänge bei Kameras mit Wechselobjektiven, während sich Kompaktkameras weiterhin vergleichsweise robust entwickeln. Gleichzeitig warnt der bpp Fotografen vor dubiosen Anfragen, bei denen fremde Passbilder geprüft und über das digitale Verfahren hochgeladen werden sollen – ein Vorgehen, das gegen die geltenden Vorgaben verstößt und erhebliche Risiken birgt. Und in Markkleeberg endet eine Ära: Das Deutsche Fotomuseum muss nach 13 Jahren schließen und ist nur noch bis zum 27. September zu besichtigen.
Die wichtigsten Imaging Business News der KW 38/26 – kuratiert von Wolfgang Heinen, Herausgeber von PHOTO PRESSE und DigitalPHOTO.
Imaging Business News KW 38/26:
CIPA: Kameraverkäufe machen schlapp
Die CIPA (Camera and Imaging Products Association) meldet für den Juli zum vierten Mal in diesem Jahr einen Rückgang bei den Auslieferungen von Kameras in die Welt. Die japanische Organisation, die die neuesten Zahlen der japanischen Kamerahersteller zusammenfasst, prognostiziert, dass sich der Kameraverkauf im Jahr 2026 zum ersten Mal seit zwei Jahren verlangsamen könnte – und die neuesten Zahlen zeigen einen starken Einbruch bei den Kameraauslieferungen im Sommer. Im Juli lagen sie bei 93,3 Prozent des Vormonats und bei nur 76,7 Prozent des Vorjahreszeitraums.
Während die Auslieferungen von Kameras insgesamt zwar zurückgingen, wurden im Juli 110,1 Prozent mehr der derzeit angesagten Kompaktkameras ausgeliefert als im Juni – aber weniger als im gleichen Monat des Vorjahres. Bei den Auslieferungen von Kameras mit Wechselobjektiven sah es schlechter aus: Insgesamt lieferten die japanischen Kamerahersteller 86,6 Prozent der Zahlen des Vormonats aus. Im Vergleich zum Juli 2025 ist der Rückgang mit 69,4 Prozent sogar noch drastischer. Damit liegen die ersten sieben Monate des Jahres 2026 bei 91,2 Prozent der Vorjahreszahlen.
Wenn es tatsächlich einen Rückgang bei den Verkäufen von spiegellosen Kameras und DSLRs gibt, wie die CIPA angibt, haben diese Kategorien dann ihre besten Zeiten hinter sich? Die DSLR erreichen aktuell nur 33,5 Prozent der Stückzahlen des Vormonats und 24,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bislang liegen die DSLR-Auslieferungen in diesem Jahr bei 65,4 Prozent der Vorjahreswerte. Die Kategorie der spiegellosen Kameras schnitt verständlicherweise deutlich besser ab, verzeichnete im Juli jedoch ebenfalls einen Rückgang: Die Auslieferungen lagen bei 91,9 Prozent der Vormonatszahlen und bei 74,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Wir meinen: Betrachtet man die Kameraproduktion der ersten sieben Monate des Jahres, so verzeichnen alle Kategorien mit Ausnahme der Kompaktkameras im Jahresvergleich einen Rückgang – die Zahlen liegen unter denen von 2025 und 2024. Die Prognosen der CIPA gehen jedoch weiterhin von einem Wachstum bei den Kompaktkameras aus, einer Einschätzung, der wir uns – noch – anschließen.
bpp: Vorsicht bei Passbildern per Mail
Der bpp mahnt zur Vorsicht: Es sind anscheinend zahlreiche Mails in Umlauf, in denen jemand einen „verifizierten Fotografen” sucht, der ein mitgebrachtes biometrisches Foto prüft und über das digitale Verfahren in die Cloud hochlädt. Das Foto kommt per Mail, es wird geprüft, hochgeladen und der entsprechende Code an den Absender geschickt. Für den Aufwand gibt es Geld, ist aber für die Fotografen höchst gefährlich.
Weil: Seit dem 1. Mai 2025 werden Passbilder für Personalausweis und Reisepass in Deutschland nur noch digital angenommen. Erstellen dürfen sie registrierte Dienstleister wie Fotografen oder die Behörde selbst. Mitgebrachte oder selbst gemachte Fotos sind ausdrücklich nicht mehr zugelassen. Wer als Fotograf ein fremdes Foto hochlädt, verstößt gegen die gesetzlichen Vorgaben und gegen die Nutzungsbedingungen seines Cloud-Anbieters. Und wenn mit einem Foto etwas nicht stimmt, führt die Spur direkt zurück zum Fotografen.
Dieses Verfahren soll sogenanntes Morphing verhindern. Dabei werden zwei Gesichter digital zu einem verschmolzen, und am Ende passt ein Ausweis zu zwei Personen. Ein Foto, das man nicht selbst aufgenommen hat, kann man nicht zuverlässig prüfen. Also: Nicht verarbeiten, nicht hochladen, am besten sofort löschen.
Deutsches Fotomuseum: Das Ende eines tollen Projektes
Jammerschade: Weil der Stadtrat von Markkleeberg beschlossen hat, dem Deutschen Fotomuseum den Mietvertrag zu kündigen, um mit dem Kulturamt selbst in das Museumsgebäude einzuziehen, kann das Museum nur noch bis zum 27. September besichtigt werden. Das Museum galt bisher als eine der bedeutendsten Institutionen seiner Art und präsentierte eine einzigartige Kombination aus Fotokunst, Kulturgeschichte und historischer Kameratechnik. Die Sammlung umfasst insgesamt über 70.000 Fotografien sowie 3.000 historische Kameramodelle aus drei Jahrhunderten.
Nach 13 erfolgreichen Jahren mit 46 Sonderausstellung und stets großem Publikumszuspruch verabschiedet sich eine Einrichtung der Erinnerungskultur von seinem Publikum. Das Deutsche Fotomuseum hat internationale Bekanntheit erlangt und gezeigt, dass Kunst und Technik die beiden Seiten einer Medaille sind.
Hier erlebten die Besucher eine Zeitreise durch die Geschichte der Fotografie von den Anfängen bis zur Gegenwart und konnten Werke der berühmtesten Fotografen der Welt besichtigen wie Helmut Newton, Elliott Erwitt, August Sander, Man Ray und vielen anderen.
Die letzte Sonderausstellung präsentiert die schönsten Aktfotografien von Günter Rössler, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Wir empfehlen unbedingt einen Besuch dieses einmaligen Museums, bevor sich am 27. September die Tore endgültig schließen:
Deutsches Fotomuseum, 04416 Markkleeberg, Raschwitzer Straße 11,
täglich außer Montag von 13 bis 18 Uhr geöffnet.
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