Milliarden für die nächste Generation von Bildsensoren, ein Traditionsname vor einem radikalen Neustart und eine IFA, auf der klassische Fotografie kaum noch stattfindet: Sony verbündet sich mit Chipgigant TSMC und nimmt damit nicht zuletzt Samsung ins Visier. GoPro bekommt durch die Fusion mit Starman Optical eine womöglich letzte Chance – allerdings mit einem Geschäftsmodell, das weit über Action-Cams hinausreichen soll. Und in Berlin zeigt sich einmal mehr, dass Imaging auf der IFA vor allem unter dem Schlagwort Content Creation stattfindet, während die Fotobranche ihren Blick bereits auf die Imaging World in Nürnberg richtet.
Die wichtigsten Imaging Business News der KW 37/26 – kuratiert von Wolfgang Heinen, Herausgeber von PHOTO PRESSE und DigitalPHOTO.
Imaging Business News KW 37/26:
Sony und TSMC: Neue Sensoren on the block
Das vorige Woche angekündigte Joint Venture zwischen Sony und TSMC im Wert von 4,7 Milliarden US-Dollar soll Konkurrenten und besonders Samsung abwehren, die bei Bildsensoren für Apple-Smartphones zunehmend an Boden gewinnen. Laut EETimes Asia wird Sony 465 Milliarden Yen (~2,9 Milliarden US-Dollar) für eine Mehrheitsbeteiligung an dem Joint Venture investieren, während TSMC die restlichen 282 Milliarden Yen (~1,77 Milliarden US-Dollar) beisteuern wird, wie die Unternehmen in separaten Pressemitteilungen mitteilten. Ein Schnellschuss ist das nicht: Die Produktion bei dem neuen Joint Venture „Advanced Vision Semiconductor Manufacturing“ soll laut Sony im Jahr 2029 anlaufen. Sony beabsichtigt, das neue Joint Venture durch die Entwicklung zentraler Bildsensortechnologien sowie durch Produktplanung und -design zu leiten. Das neue Unternehmen wird auf die fortschrittliche Prozesstechnologie und das Fertigungs-Know-how von TSMC zurückgreifen. Wir meinen: Ein geschickter Schachzug von Sony, der das Unternehmen auf dem Weg zur Marktführerschaft bei Kameras weiter nach vorne bringen dürfte.
IFA: Wenig los bei Imaging
Klar, wenn sich die Consumer Electronic Branche zur IFA trifft, laufen wir auch in Kohortenstärke mit unseren Redaktionen durch die Gänge – und versuchen, nicht dauernd über irgendwelche Roboter zu stolpern, die ebenfalls in Berlin übers Parkett hoppeln. Selbstverständlich sorgen immer bessere optische Systeme in Verbindung mit KI-Steuerungen dafür, dass die künstlichen Kerle nicht die Orientierung verlieren und dass sie das tun, wofür sie gebaut wurden. Apropos optische Systeme: Die elektrische Zahnbürste von Dyson mit eingebauter Kamera ist unser klarer Imaging-Favorit unter den IFA-Neuheiten. Ansonsten ist die Präsenz von Imaging im Allgemeinen und Fotografie im Besonderen auf der IFA traditionell mau vertreten. Man versucht das veranstalterseitig zwar unter dem Mantel der Content Creation hoch zu jazzen, aber das ändert leider nichts am Ergebnis: Die Fotowelt ist nicht (mehr) in Berlin, sondern in vier Wochen in Nürnberg auf der Imaging World.
GoPro: Starman Optical, bitte übernehmen
Frische-Zufuhr für einen Angeknockten: GoPro Inc. hat einer Fusion mit dem Optik- und Photonik-Unternehmen Starman Optical im Rahmen einer Rekapitalisierung im Wert von 285 Millionen US-Dollar zugestimmt, bei der Starman einen Anteil von 90 % am fusionierten Unternehmen erwerben wird. Dieses wiederum wird weiterhin börsennotiert bleiben und plant, über den Bereich der Consumer-Cams hinaus in die Bereiche KI-Rechenzentrumsinfrastruktur, Behörden, Verteidigung und Luft- und Raumfahrt zu expandieren, wobei die in den USA hergestellten optischen Transceiver von Starman zum Einsatz kommen sollen. Die GoPro-Aktie legte kurz nach Meldungsverkündigung um 47 % zu, ist damit aber noch weit entfernt von der Bewertung kurz nach dem Börsengang Ende 2014 von über 13 Milliarden US-Dollar, damals angetrieben durch die Dominanz als Pionier und Marktführer bei Action-Kameras, bevor Insta360 und DJI den Markt aufrollten. Wir meinen: Letzte Chance für GoPro, Glückwunsch. Aber das Unternehmen wird in Zukunft ein ganz anderes sein als heute.
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