Die Helmut Newton Foundation in Berlin eröffnet am 2. Dezember 2026 die Ausstellung „White Women / Sleepless Nights / Big Nudes“. Zu sehen ist sie vom 3. Dezember 2026 bis zum 16. Mai 2027. Im Mittelpunkt stehen mehr als 200 Fotografien aus drei zentralen Fotobüchern des Fotografen: „White Women“, „Sleepless Nights“ und „Big Nudes“.

Eine Ausstellung mit Arbeiten aus diesen Publikationen hatte die Stiftung bereits 2012 gezeigt. Die neue Präsentation soll die Werke nun erneut zusammenführen und in einen erweiterten Zusammenhang stellen. Anlass ist unter anderem das 50-jährige Jubiläum von Newtons erstem Fotobuch „White Women“.

Die drei Bücher markieren eine Phase, in der Newton seine Arbeit für Magazine zunehmend um eigenständige Publikationen und Ausstellungen ergänzte. Seine Fotografien waren seit den 1950er-Jahren regelmäßig in Zeitschriften erschienen. Ab Mitte der 1970er-Jahre wurden seine Arbeiten auch in Galerien präsentiert.

Originalmaterial ergänzt die Fotografien

Neben den Ausstellungsprints zeigt die Helmut Newton Foundation Materialien zur Entstehung und Veröffentlichung der drei Fotobücher. In Vitrinen sollen unter anderem originale Buchmaquetten mit verschiedenen Coverentwürfen zu sehen sein.

Hinzu kommen kleinformatige Arbeitsabzüge sowie sogenannte „Lifetime Prints“. Letztere dienten nach Angaben der Stiftung vermutlich als Vorlagen für die damalige Druckproduktion. Damit soll die Ausstellung auch Einblick in die Entwicklung der Bücher und Newtons Arbeitsprozess geben.

„White Women“ erscheint erneut

Passend zur Ausstellung „White Women / Sleepless Nights / Big Nudes“ legt der TASCHEN Verlag „White Women“ im Herbst 2026 neu auf. Die Ausgabe orientiert sich weitgehend am historischen Original, erhält jedoch Anpassungen am Layout. Zudem erscheint das Buch erstmals dreisprachig und enthält einen Text von Philippe Garner.

Das ursprüngliche „White Women“ kam 1976 in verschiedenen Sprachen und Ausgaben auf den Markt und wurde später mehrfach neu aufgelegt. Die für Herbst 2026 angekündigte Ausgabe macht den zwischenzeitlich nicht mehr regulär erhältlichen Titel erneut verfügbar.

Pressemitteilung Newton Foundation:

Helmut Newton. White Women / Sleepless Nights / Big Nudes

  • Presse Tour:  Dienstag, 1. Dezember 2026
    • 10 Uhr (deutsch)
    • 11.30 Uhr (englisch)
  • Eröffnung: Mittwoch, 2. Dezember 2026, 20 Uhr
  • Laufzeit: 3. Dezember 2026 – 16. Mai 2027

Am 2. Dezember 2026 eröffnet die Berliner Newton Foundation eine neue Ausstellung: „White Women / Sleepless Nights / Big Nudes“. Nach einer ersten Präsentation im Jahr 2012 werden die Werke aus Newtons drei ikonischen Publikationen, die den Ausstellungstitel bilden, neu kontextualisiert. Hinter jedem Fotobuch steht ein völlig individuelles Konzept unterschiedlichen Umfangs, das Helmut Newton selbst präzise vorbereitet hat. Zusammengenommen bilden die mehr als 200 Fotografien eine Art ‚Best-of‘ seines fotografischen Werkes aus den 1970er- und frühen 1980er-Jahren.

Helmut Newton gehört zu den einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Seine außergewöhnlich innovativen Aufnahmen, die zumeist im Auftrag der renommiertesten Magazine entstanden, wurden seit den 1950er-Jahren regelmäßig veröffentlicht. 1975 stellte er sie erstmals auch in Galerien aus, und ein Jahr später entstand sein erster Bildband „White Women“. 1978 folgte „Sleepless Nights“, weitere drei Jahre später „Big Nudes“. Inzwischen sind diese so berühmten wie berüchtigten Publikationen, die Newtons Weltruhm auch unabhängig seiner diversen Zeitschriftenveröffentlichungen begründeten, absolute Fotobuch-Klassiker. Er inszenierte, wie wir wissen, häufig auch etwas frivol, lasziv und provokant, entlang oder jenseits der Grenzen des moralisch Erlaubten.

Die Newton Foundation nimmt das 50-jährige Jubiläum des Buchs „White Women“ zum Anlass, erneut eine Ausstellung mit zahlreichen Aufnahmen aus den drei Büchern „White Women“, „Sleepless Nights“ und „Big Nudes“ zu bestücken. Auch die neue Präsentation basiert auf der 2012 für das Museum of Fine Arts in Houston erdachten Ausstellung. Die in den Büchern publizierten Fotografien verwandelten sich damals in moderne Ausstellungsprints. Zu seinen Lebzeiten wurden die frühen, teilweise ikonischen Bilder an der Schwelle von der Mode- zur Aktfotografie nie zusammen gezeigt.

Ergänzt werden in mehreren Vitrinen die Original-Maquetten der Bücher mit unterschiedlichen Cover-Entwürfen, kleinformatige ‚work prints‘ sowie mittelformatige ‚lifetime prints‘, die seinerzeit vermutlich als Litho-Vorlagen dienten. Zur Ausstellung erscheint eine Neuauflage von „White Women“, nahezu faksimiliert, gleichwohl im Layout leicht angepasst, nun erstmals auch als dreisprachige Ausgabe im TASCHEN Verlag. Das legendäre Buch war seit vielen Jahren nicht mehr erhältlich, und auf diese Weise schließt sich wieder eine Lücke in der aktuellen Bibliographie von Newtons Werk. „White Women“ erschien 1976 in mehreren Ausgaben und Sprachen; in jener Zeit wurden bekanntlich viel weniger Fotobücher produziert als heute. Newtons Publikation wurde kurz nach Erscheinen mit dem „Kodak Fotobuchpreis“ ausgezeichnet und seitdem mehrfach neu aufgelegt.

Newton landete mit „White Women“ einen herausfordernden Coup, weil er einer visuellen Erotisierung der Mode den Weg bereitete, die 1980/1981 in seinen berühmten Serien „Big Nudes“ und „Naked and Dressed“ für verschiedene Vogue-Ausgaben kulminierte. Den ungewöhnlichen Einfall, zeitgenössische Mode mit bekleideten und unbekleideten Modellen in Form von Diptychen zu präsentieren, hatte Helmut Newton bereits Mitte der 1970er Jahre vorbereitet und auch in „White Women“ aufblitzen lassen, nicht nur mit einer Variante seines ikonischen Modebildes „Yves Saint Laurent, Rue Aubriot“, das er eines Nachts in der gleichnamigen Straße 1975 für die französische Vogue aufnahm – und wohl ein paar Minuten später eine weitere Version, kombiniert mit einem Aktmodell. So vereinte er in diesem Buch erstmals subtil Nacktheit und Mode in kinematografisch wirkenden Standbildern.

Vergleichbar raffiniert arrangierte er eine andere Auswahl von aktuellen Aufnahmen in Schwarz-Weiß und Farbe, die 1978 in seinem zweiten Buch „Sleepless Nights“ publiziert wurden – und zuvor in zahlreichen Zeitschriften erschienen waren. Auch hier geht es um Frauen, um ihre Körper und Kleider; viele Aufnahmen sind nicht nur Modebilder, sondern zugleich Porträts oder Halbakte, dazu gehören auch drei kleinere ikonische Bildserien: Modelle mit orthopädischen Stützprothesen, die kurz nach J.G. Ballards legendärem Roman „Crash“ entstanden, oder mit Hermès-Ledersatteln, die besonders kontrovers diskutiert wurden, sowie die sogenannten Dummies. Mitte der 1970er-Jahre begann Newton für Modeaufträge der französischen Vogue mit Schaufensterpuppen zu arbeiten, die er beispielsweise spätabends mit Drähten an der Seine-Brücke Pont Alexandre III befestigen ließ. Diese Mannequins wurden von Stylisten so zurechtgemacht, dass man den Unterschied zwischen einem lebendigen Modell und einer lebensgroßen Puppe erst auf den zweiten oder dritten Blick feststellen konnte; eine ungewöhnliche, ja radikale Bildidee, die Newton bereits Mitte der 1960er-Jahre in die Modefotografie einführte, damals noch in Schwarz-Weiß für die britische Vogue.

Seine Publikation „Big Nudes“ machte den inzwischen Anfang 60-jährigen Fotografen schließlich weltberühmt: Auch dieses Buch wurde seit 1981 jahrzehntelang verlegt, hunderttausendfach gedruckt, ebenfalls in mehreren Verlagen und Sprachen. Karl Lagerfeld steuerte für die deutsche Ausgabe ein Vorwort bei. Newton erklärte die Entstehung der „Big Nudes“ in seiner Autobiographie folgendermaßen: Er sei durch die großformatigen RAF-Fahndungsplakate der deutschen Polizei auf die Idee gekommen, auch Ganzkörper-Aktaufnahmen mit der Mittelformatkamera im Studio zu machen, die er später lebensgroß abzog. Erstmals präsentierte er sie 1981 in der Pariser Galerie Daniel Templon in diesem ungewöhnlichen Format, begleitet von der ersten Ausgabe des Buches, das damals noch nicht mit „Big Nudes“ betitelt war, sondern schlicht seinen Namen als Titel trug, verlegt von der Éditions du Regard in Paris. Die fünf ersten „Big Nudes“ aus dem Jahr 1980, römisch nummeriert, sowie das ebenfalls lebensgroß abgezogene Diptychon „Sie kommen“ aus der „Naked and Dressed“-Serie, die im Herbst 1981 zunächst in der französischen Vogue und quasi parallel in seiner Publikation „Big Nudes“ erschien, werden seit der Eröffnung der Helmut Newton Foundation im Sommer 2004 in deren oberer Lobby gezeigt. Sie gehören zu seinen bekanntesten Werkgruppen. In der Publikation und insofern auch in dieser Ausstellung begegnen uns aber auch andere Schwarz-Weiß-Aktfotografien, aufgenommen zwischen 1979 und 1981 in Paris, Monaco, Los Angeles, Saint-Tropez und Brescia.

Anlässlich der Ausstellung erscheint im Herbst 2026 das faksimilierte, neuaufgelegte Buch „White Women“ im TASCHEN Verlag, mit einem Text von Philippe Garner.