Mit dem RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM hat Canon ein spannendes Zoomobjektiv für extreme Blickwinkel vorgestellt. Das Vollformatobjektiv ermöglicht Bildwinkel von diagonalen 180 Grad bis hin zu zirkularen 190 Grad. Wir haben uns das Fisheye im Praxistest ausführlich angesehen.
Canon RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM
- Anschluss: RF-Mount
- Optischer Aufbau: 16 Elemente in 11 Gruppen
- Anzahl Blendenlamellen: 9
- Autofokus: ja
- Bildstabilisator: nein
- Gewicht: 476 g
- Preis: ca. 1.800 Euro
- www.canon.de
Fisheye-Objektive gehören zu den Spezialobjektiven und ermöglichen einen außergewöhnlichen Bildlook. Dabei werden Motive an den Bildrändern stark verzerrt dargestellt. Gerade Linien, wie sie typischerweise bei Architekturaufnahmen vorkommen, wirken nach außen hin extrem gekrümmt. Das lädt Foto- und Videografen einerseits zum Experimentieren ein, erzeugt aber auch einen Look, der nicht zu jedem Motiv passt und daher mit Bedacht angewendet werden sollte.
Da sich Bilder mit solch starken Verzerrungen nicht sinnvoll im CHIP-Testlabor auswerten lassen, haben wir uns dazu entschieden, das neue Canon RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM stattdessen an einem langen Wochenende in München im Praxiseinsatz zu testen.
Brennweite und Lichtstärke
Bevor wir auf die Bildergebnisse eingehen, sehen wir uns das Objektiv zunächst einmal genauer an. Während die meisten Fisheye-Objektive als Festbrennweiten ausgelegt sind, hat sich Canon beim RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM für eine Zoom-Konstruktion entschieden. Das eröffnet Anwendern mehr kreative Möglichkeiten. Werfen wir einen Blick auf die technischen Daten.
Das RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM ermöglicht an einem Vollformatsensor bei längster Brennweite, also bei 14 mm, eine vollflächige Bildwinkeldiagonale von beeindruckenden 180 Grad. Dabei wird die gesamte Sensorfläche für die Motivwiedergabe genutzt. Zoomt man auf 7 mm zurück, werden die Ecken zunehmend schwärzer, bis im Sucher und auf dem Kameradisplay schließlich eine kreisrunde Ansicht des Motivs zu sehen ist. Warum werden die Ecken bzw. Ränder schwarz? Weil der Vollformatsensor bei dieser extremen Perspektive an den Bildrändern teilweise abgeschattet und somit nicht mehr vollständig belichtet wird. Das kreisrunde Ergebnisbild zeigt eine noch extremere Bildwinkeldiagonale von 190 Grad. Selbstverständlich kann das Canon RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM auch im Brennweitenbereich zwischen 7 und 14 mm verwendet werden. In diesem Fall wird der Kreis oben und unten angeschnitten und der schwarze Bereich an den Bildrändern ist weniger ausgeprägt. Im Praxistest haben wir diesen Zwischenbereich allerdings gar nicht genutzt. Am meisten Spaß gemacht hat uns entweder die vollflächige Motivwiedergabe bei 14 mm oder die ganz kreisrunde Ansicht bei 7 mm. Wichtige Info zur Bedienung: Wer mit Brennweiten kürzer als 14 mm arbeiten möchte, muss die Gegenlichtblende abnehmen. Sonst ist sie
an den Rändern im Bild zu sehen.
Neben der Brennweite und den Bildwinkeln überzeugt auch die gebotene Lichtstärke. Während sich die Blende bei 14 mm bis auf f/3,5 öffnen lässt, kann bei 7 mm sogar eine Blendenöffnung von f/2,8 gewählt werden. Damit ermöglicht das Fisheye-Zoom auch bei abnehmendem Umgebungslicht Aufnahmen aus der freien Hand. Das trifft entweder abends zur Dämmerung zu oder ergibt sich häufig bei Aufnahmen in Innenräumen. Wir haben das RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM während unseres Aufenthalts in München unter anderem in den Räumlichkeiten der Münchner Residenz ausprobiert. Dabei mussten wir die ISO-Empfindlichkeit der verwendeten Canon EOS R6 Mark II bei 14 mm und Blende f/3,5 nur auf maximal moderate ISO 1.250 erhöhen, um noch mit 1/250 Sekunde aus der Hand fotografieren zu können. Eine solche ISO-Stufe stellt für Canon-Vollformatkameras in der Regel kein Problem dar. Die gute Lichtstärke ist insofern ein wichtiger Punkt, da ein Fisheye-Objektiv als kreative Speziallinse voraussichtlich in den meisten Fällen freihändig eingesetzt wird. Das hängt damit zusammen, dass der Fisheye-Look gerne für Sport- und Actionaufnahmen verwendet wird, da die erzeugten Verkrümmungen dem Motiv zusätzliche Dynamik verleihen.
Steuerring und Einsteckfilter
Auch bei der weiteren Ausstattung präsentiert sich das RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM hochwertig aufgestellt. Als Objektiv der professionellen L-Serie von Canon ist das Fisheye-Zoom gegen Witterungseinflüsse geschützt und somit gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Darüber hinaus ist die nach vorne gewölbte Frontlinse mit einer Fluorbeschichtung versehen, sodass sich beispielsweise Fingerabdrücke und Rückstände von Regentropfen leichter entfernen lassen.

Die gekrümmte Frontlinse ist für eine einfache Reinigung mit einer Fluorbeschichtung versehen. Bild: Thomas Probst
Wer sein Fotoequipment gerne individuell an seine Arbeitsweise anpasst, hat dazu auch beim RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM Gelegenheit. So ist das Fisheye-Zoom beispielsweise mit einem Steuerring ausgestattet, der sich über das Menü der Kamera mit verschiedenen Funktionen belegen lässt. Wir haben die manuelle Einstellung der Farbtemperatur auf den Ring gelegt, um die Kelvinwerte und damit den Weißabgleich schnell an unterschiedliche Aufnahmevoraussetzungen anpassen zu können. Außerdem verfügt das Objektiv seitlich über eine Fokushalte- bzw. Funktionstaste. Auch dieser kann über das Kameramenü eine individuell wählbare Funktion zugewiesen werden. Wer beispielsweise häufig zwischen Aufnahmen mit und ohne Menschen wechselt, kann die Objekterkennung auf die Taste legen.
Interessant ist zudem das von Canon integrierte Einsteckfiltersystem. Dabei lässt sich seitlich ein kleiner Filter in den Strahlengang des Objektivs einsetzen. Das ist praktisch, da die gewölbte Frontlinse den Einsatz klassischer Schraubfilter unmöglich macht. Der Haken dabei: Die Einsteckfilter sind im Vergleich zu klassischen Schraubfiltern recht teuer. Canon bietet hier zwei Möglichkeiten. Der variable Einsteck-ND-Filter A mit einer Filterintensität von ND 2,5 bis ND 500 für längere Belichtungszeiten von 1,3 bis 9 Blendenstufen ist ab 290 Euro erhältlich. Der Einsteck-Zirkularpolfilter A für kontrastreiche Bilder und zur Reduktion von Reflexionen ist ab 180 Euro erhältlich.
Intern zoomen und fokussieren
Das Canon RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM fährt weder bei Brennweitenänderungen noch beim Scharfstellen nach vorne aus. Durch die interne Arbeitsweise bleibt der Schwerpunkt des Objektivs während der Verwendung nahezu unverändert. Das kann ein Vorteil sein, wenn das Fisheye-Zoom zum Filmen auf einem Video-Gimbal verwendet wird.
Der Zoomring ist mit einem „Limit“-Schalter gekoppelt, der zwei Möglichkeiten bietet. So lässt sich der Zoomring beispielsweise bei 7 mm arretieren. Das ist sinnvoll, wenn man an einer Vollformatkamera ausschließlich zirkulare Fisheye-Aufnahmen mit 190 Grad machen möchte und es vermeiden will, dass die kreisrunde Bildanzeige durch ein leichtes Verstellen der Brennweite versehentlich an zwei Seiten beschnitten wird. Ein weiterer sinnvoller Einsatz ergibt sich für den Limit-Schalter an APS-C-Kameras. Hier lässt sich der Zoombereich auf 14 mm bis knapp unter 9 mm begrenzen. Bei knapp unter 9 mm wird an APS-C ein gerade noch vollflächiges, diagonales Fisheye mit einem Bildwinkel von 180 Grad erreicht. Bei kürzeren Brennweiten (etwa 7 mm) würden auch an APS-C schwarze Ränder auftreten.

Der Limit-Schalter stoppt der Zoomring bei der kleinsten Brennweite, mit der an APS-C noch ein diagonales Fisheye möglich ist. Bild: Thomas Probst
Die Scharfstellung erfolgt über einen leisen, schnellen und treffsicheren Autofokus-Schrittmotor (STM). Im Praxistest hat uns das Objektiv mit seiner sehr kurzen Naheinstellgrenze von nur 15 Zentimetern begeistert. Damit war es möglich, ganz nah an Motive heranzugehen und dennoch die Umgebung mit ins Bild einzubinden.
Abbildungsleistung im Praxistest
Die diagonalen Fisheye-Bilder bei 14 mm zeigen am Monitor eine sehr gute Schärfe im fokussierten Bereich. In den Ecken fällt die Schärfe erwartungsgemäß ab, vor allem bei nahgelegenen Motiven und der damit einhergehenden stärkeren Verzerrung. Bei einer Aufnahme des Olympiasees im Olympiapark, bei der das Motiv deutlich weiter weg war, wurden hingegen auch in den Bildecken mehr Details erreicht. Bei Offenblende wird beim diagonalen Fisheye (14 mm) eine deutliche Vignettierung sichtbar, die uns hier aber nicht stört, da sie den kreativen Aspekt des Objektivs unterstützt. Bei zirkularen Fisheye-Aufnahmen kommt es durch die starke Lichtbrechung zu typisch starken Farbsäumen am Übergang vom Bild zu den schwarzen Rändern.
Unser Fazit: Canon RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM im Praxistest
Mit dem RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM ist Canon ein spannendes Objektiv gelungen, das sowohl diagonale als auch zirkulare Fisheye-Aufnahmen ermöglicht. Das hochwertige Vollformatzoom überzeugte im Praxistest mit einer sehr guten Ausstattung. Die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten machen enorm viel Spaß, und auch die Abbildungsleistung erreicht ein Top-Niveau. Der Autofokus macht ebenfalls einen sehr guten Job.
Was uns gefällt …
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Kompakt
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Diagonales und zirkulares Fisheye
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Steuerring
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Fn-Taste
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Abgedichtet
… und was nicht so gut ist
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Einsteckfilter recht teuer
-
Streulichtblende nur bei rund 14 mm sinnvoll
Technische Daten: Canon RF 7–14 mm f/2,8–3,5 L Fisheye STM
| Konstruiert für Sensorgröße / Bajonett | Kleinbild / Canon RF |
| Brennweite an APS-C-Kamera (umgerechnet auf Kleinbild) | 11,2–22,4 mm |
| Maximale Lichtstärke (kürzeste Brennweite / längste Brennweite) | 2,8 / 3,5 |
| Kleinste Blende | 22–29 |
| Konstruktion: Linsen / Gruppen | 16 / 11 |
| Blendenlamellen (Anzahl) | 9 |
| Naheinstellgrenze | 0,15 m |
| Filtergröße | Canon Einsteckfilter A |
| Abmessungen / Gewicht | 77 x 109 mm / 476 g |
| Ausstattung | |
| AF-Motor / AF/MF-Schalter | ● / ● |
| Bildstabilisator / mit mehr als einem Modus | ━ / ━ |
| Innenfokus / Innenzoom | ● / ● |
| Funktionstaste (Fn) | ● |
| Steuerungs-/Blendenring / De-Click-Schalter | ● / ━ |
| Fokusbereichsbegrenzer | ━ |
| Gummidichtung am Bajonett | ● |
| Streulichtblende / Schutzbeutel/-tuch mitgeliefert | ● / ● |









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