Künstliche Intelligenz mischt die Imaging-Branche gleich mehrfach auf: Der enorme Speicherbedarf von KI-Rechenzentren könnte ausgerechnet Kameras weiter verteuern, während neue Technologien gleichzeitig zeigen, wie sich algorithmische Überwachungssysteme gezielt austricksen lassen. Und auch für professionelle Fotografinnen und Fotografen geht es um die Frage, wie sie auf einen Markt reagieren, der sich durch KI, veränderte Kundenbedürfnisse und wirtschaftlichen Druck grundlegend wandelt. Der bpp sucht mit seinem Business Compass nach individuellen Antworten – und setzt dabei auf Diagnose statt Standardrezept.
Die wichtigsten Imaging Business News der KW 35/26 – kuratiert von Wolfgang Heinen, Herausgeber von PHOTO PRESSE und DigitalPHOTO.
Imaging Business News KW 35/26:
Killt KI die Kamerapreise?
Die Preise für Kameras sind hoch – zu hoch, wie viele Marktbeobachter meinen. Und es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Preissituation noch weiter verschlechtern wird: Der Grund: Künstliche Intelligenz. Denn Generative KI benötigt energieintensive Rechenzentren, um ihre Trainingsdaten zu speichern. Das führt zu einem steilen Anstieg der Nachfrage nach allen Arten digitaler Speichermedien. Die Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf Speicherkarten und externe Festplatten, sondern einige der großen Kameramarken haben in ihren aktuellen Geschäftsberichten darauf hingewiesen, dass die Kosten für die in Kameras verbauten Speicherkomponenten gestiegen sind – und die Preise infolgedessen steigen könnten.
Fujifilm schätzt beispielsweise, dass die gestiegenen Speicherkosten ( nicht nur für Kameras) das Unternehmen im Jahr 2026 zusätzlich 25 Milliarden Yen gegenüber den Vorjahreskosten kosten werden – das sind 157 Millionen US-Dollar. Zwar sind konkrete Preiserhöhungen noch Spekulation, doch die Aussagen auch von Sony und Canon zu dieser Entwicklung lassen diese Schlussfolgerung durchaus zu.
Wir meinen: Die Tatsache, dass Kameras teurer werden könnten, weil speicherintensive Computer versuchen, das traditionelle Fotografieren durch künstliche Bildgenerierung zu ersetzen, ist schon ein Treppenwitz der Fotogeschichte.
Richtungsweisend: bpp Business Campus
Im 200. Geburtstagsjahr der Fotografie stehen besonders die professionellen Fotografen vor massiven Herausforderungen. Das weiß auch der bpp (Bund professioneller people- & Portraitfotografen) und wagt sich mit dem bpp Business Compass an Lösungen und Auswegen. Und die fangen mit ehrlicher Selbstreflexion an: “Wir müssen uns in unserer Branche ein paar Dinge ehrlicher eingestehen. Nicht jeder Rückgang bei den Buchungen liegt an der Wirtschaft. Nicht jeder Preisverfall liegt an Billigfotografen. Nicht jedes Marketingproblem liegt am Algorithmus. Und KI ist auch nicht an allem schuld.”
Klar ist: “Unsere Branche verändert sich. KI verändert Teile unseres Marktes. Kundinnen und Kunden kaufen anders. Budgets verändern sich. Neue Wettbewerber kommen hinzu. Manche klassischen fotografischen Leistungen verlieren an Wert, andere entstehen gerade erst. Das alles ist real. Aber genau deshalb ist ein Satz wie: „Man kann ja sowieso nichts machen.“ gefährlich. Denn doch, kann man! Aber nicht, indem man hektisch an zehn verschiedenen Stellschrauben gleichzeitig dreht.”
Und in diesem Ton geht es weiter bis hin zum Ausfüllen eines Fragebogens und der Einladung für ein unverbindliches Gespräch, um gemeinsam eine individuelle Lösung zu finden: “Vielleicht empfehlen wir dir ein Webinar. Vielleicht einen Workshop. Vielleicht Mentoring. Vielleicht eine intensivere Begleitung. Vielleicht sagen wir dir aber auch: Mach erstmal genau diese zwei Dinge und gib dafür gerade keinen weiteren Euro aus.
Denn auch das gehört für uns zu vernünftiger Beratung. Wir sollten dir nichts verkaufen, nur weil wir es im Programm haben. Die Empfehlung folgt der Diagnose. Nicht umgekehrt. Das ist der Gedanke hinter dem bpp Business Compass.”
Und vielleicht ist es auch ein Stück weit die Richtung, in die wir den bpp entwickeln möchten. Weg von: „Hier ist unser Programm. Such dir etwas aus.“ Hin zu: „Erzähl uns erstmal, wo du stehst. Dann finden wir gemeinsam heraus, was dich weiterbringt.“
Wir meinen: Eine solch schonungslose Wurzelbehandlung eines Berufszweigs in Schieflage aus den eigenen Reihen heraus verdient höchsten Respekt. Wir wünschen der Initiative von ganzem Herzen viel Erfolg. Ob sich dieser letztendlich einstellt, liegt jetzt an den bpp Mitgliedern.
https://www.bpp.photography/campus/bpp-business-compass
Muster tricksen Überwachungskameras aus
Der US-Amerikaner Bill Swearingen hat das vergangene Jahr damit verbracht, immer wieder denselben Test durchzuführen. Das Ziel war es, ein computergeneriertes Muster zu entwickeln, das Überwachungskameras daran hindert, es zu erkennen. Nach rund 31 Millionen Tests sagt Swearingen, er könne nun auf Wunsch Muster erzeugen, die – wenn sie auf Kleidung und Gegenstände aufgebracht werden – verhindern, dass einige der am häufigsten eingesetzten Kennzeichenlesegeräte und Überwachungskameras das erkennen, was das Muster verdeckt, seien es Menschen oder Fahrzeuge.
Sein Projekt, das er „noRecognition“ nennt, ermöglicht es Menschen, der automatischen Erkennung und algorithmischen Überwachung zu entgehen. Indem die Fähigkeit der Kamera, das zu erkennen, was das Muster verdeckt, blockiert wird, wird die Person wieder zu einer “Nadel im Heuhaufen”. Sein Proof-of-Concept entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Modell des verstärkenden Lernens – im Wesentlichen ein in sich geschlossenes System, das sich selbst trainieren konnte, welche Muster bei den von ihm getesteten spezifischen Kamera-Algorithmen funktionieren und welche nicht. Jedes Mal, wenn ein Muster versagte und ein Algorithmus es erkannte, versuchte es das Modell erneut, immer und immer wieder, bis es schließlich mehrere Algorithmen gleichzeitig überlistete.
Aktuelle Kommentare