Mit der Übernahme von Kodak Moments Retail Photo Solutions durch Cewe entsteht ein neuer globaler Schwergewicht im Sofortbilddruck, der die strategische Bedeutung des Printgeschäfts eindrucksvoll unterstreicht. Gleichzeitig scheitert die geplante Fusion von Getty Images und Shutterstock an kartellrechtlichen Hürden – ein Signal für den anhaltend hohen Stellenwert von Wettbewerb im Markt für visuelle Inhalte. Und Nvidia zeigt auf der SIGGRAPH 2026 mit einem neuen KI-Tool, wie sich künftig synthetisch erzeugte Videos zuverlässiger identifizieren lassen. Die wichtigsten Imaging Business News der KW 31/26 – kuratiert von Wolfgang Heinen, Herausgeber von PHOTO PRESSE und DigitalPHOTO.
Imaging Business News KW 31/26:
Kodak Moments bringen Cewe Momente
Die Übernahme des Geschäftsbereichs „Kodak Moments Retail Photo Solutions“ von Kodak Alaris durch Cewe Ende letzter Woche setzt konsequent auf den Sofortbilddruck an Kiosken als ein relevantes, profitables und strategisch wichtiges Segment des globalen Bildermarktes. Zunächst einmal sprechen die Voraussetzungen für sich: Kodak Moments Retail Photo Solutions betreibt rund 37.000 vernetzte Sofortbild-Kioske an 16.000 Einzelhandelsstandorten in 54 Ländern und erwirtschaftet damit einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro. Die Übernahme erweitert die internationale Präsenz von Cewe erheblich und stärkt seine Position im Bereich der Fotodienstleistungen im Einzelhandel massiv. Zusammen mit den eigenen Fotokiosks ergibt sich für die Oldenburger eine Marktmacht von geschätzten mehr als 60.000 Sofortprintern weltweit und damit eine unübersehbare Präsenz am POS zu Millionen von Verbrauchern. Und die eigentliche gute Nachricht lautet: Trotz des Trends zum digitalen Bildkonsum lassen sehr viele von ihnen weiterhin Fotos drucken. Denn die Verbraucher erkennen zunehmend den Wert, ausgewählte digitale Erinnerungen in physische Bilder zu verwandeln.
Dazu kommt: Einer der attraktivsten Aspekte des Fotodruckmarktes am POS ist seine Rentabilität. Verbraucher kaufen nicht einfach nur Papier und Tinte; sie bezahlen für Erinnerungen, Individualisierung und Bestell-Komfort. Jede Kiosk-Installation generiert über viele Jahre hinweg wiederkehrende Umsätze mit Verbrauchsmaterialien. Diese Kombination aus Hardware, Software, Medien, Verbrauchsmaterialien und Dienstleistungen schafft ein attraktives, kontinuierliches Geschäftsmodell mit starken Kundenbindungsmerkmalen. Kein Wunder, dass Cewe davon aus geht, dass „Kodak Moments Retail Photo Solutions“ bereits ab 2027 einen positiven Beitrag zum Ergebnis leisten wird.
Aber der strategische Wert des neuen Netzwerks von mehr als 60.000 Fotokiosken geht weit über den Umsatz hinaus. Diese Größe hilft dem Unternehmen unter anderem dabei, stärkere Partnerschaften im Einzelhandel zu sichern, seine Verhandlungsmacht beim Einkauf zu erhöhen, den Technologieeinsatz zu beschleunigen, die Kosten für die weitere Softwareentwicklung auf eine größere installierte Basis zu verteilen und last but not least umfassendere Analysen über das Nutzungsverhalten der Kunden zu gewinnen. Was wiederum die Basis für neue Features oder Produkte bilden könnte.
Getty und Shutterstock: Das wird doch nichts
Manchmal kommt es anders als man denkt: Getty hat Shutterstock eine Mitteilung über die Kündigung ihrer Fusionsvereinbarung zugestellt. Die Entscheidung von Getty, die Fusion nicht fortzusetzen, folgt auf eine eingehende Untersuchung, in deren Rahmen die CMA zu dem Schluss kam, dass die Transaktion stattfinden könnte, sofern das redaktionelle Geschäft von Shutterstock an einen zugelassenen Käufer veräußert würde. Getty und Shutterstock hatten zuvor behauptet, dass die Transaktion innerhalb von drei Jahren nach Abschluss jährliche Kostensynergien in Höhe von 150 bis 200 Millionen US-Dollar erzielen würde.
Diese behaupteten Synergien bezogen sich in erster Linie auf das Stockfoto-Geschäft der beiden Unternehmen, bei dem die Untersuchungsgruppe letztendlich keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken feststellte und das somit durch einen Verkauf des redaktionellen Geschäfts erhalten geblieben wäre. Die Untersuchungsgruppe stellte jetzt fest, dass ein Verlust des Wettbewerbs zwischen den beiden Unternehmen die Auswahl für Medienunternehmen einschränken und zu höheren Preisen führen würde, was negative Folgewirkungen für Verbraucher hätte, die auf hochwertige redaktionelle Inhalte angewiesen sind, um sich zu informieren.
Nvidia: KI-generierte Video-Bilder erkennen
Während Technologieunternehmen weiterhin beispiellose Mengen an Ressourcen und Geld in die Entwicklung der neuesten KI-Modelle investieren, wird ein Aspekt dabei meist vernachlässigt: die Entwicklung von Tools, die KI-generierte Bilder erkennen können. Auf der SIGGRAPH 2026, einer Computergrafik-Konferenz in Los Angeles, stellte Nvidia jetzt den „Synthetic Video Detector“ vor, ein KI-gestütztes Verifizierungswerkzeug, das Berichten zufolge KI-Videos präzise und schnell erkennt. „Der Dienst analysiert Videobilder und extrahiert statistische Muster im Frequenzbereich, die auf eine diffusionsbasierte Generierung hindeuten“, so Nvidia. „Er ist so konzipiert, dass er gegenüber üblichen Videokompressionsartefakten robust ist und somit eine zuverlässige Leistung bei realen Videoeingaben gewährleistet.“
Das Tool soll gefälschte Videos erkennen, indem es die Einzelbilder auf eine Größe von 504×504 Pixel zuschneidet. Die Einzelbilder werden anschließend an zwei „Vision Transformers“ weitergeleitet, die sie analysieren und auf einer Skala von 0 bis 1 bewerten – wobei 0 für ein echtes Bild und 1 für ein gefälschtes Bild steht. Aus den Bewertungen aller Einzelbilder wird dann ein Durchschnittswert berechnet, der als prozentualer Wert von 100 angegeben wird.
Bei einem hochauflösenden 1080p-Video erreicht der Synthetic Video Detector (SVD) laut Nvidia eine Genauigkeit von 92 %. Die meisten Videos im Internet sind jedoch komprimiert, was bedeutet, dass den Einzelbildern Artefakte fehlen, anhand derer der SVD erkennt, ob es sich um echtes oder KI-generiertes Material handelt. Bei um 15 % komprimierten Videos sinkt die Erkennungsgenauigkeit daher auf 87 % und bei einer Komprimierung um 50 % auf 82 %. Immerhin – und ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
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