Eine internationale Studie von Popsa untersucht den Umgang mit digitalen Fotos und deren emotionale Bedeutung. Die Ergebnisse zeigen, dass zwar immer mehr Bilder aufgenommen werden, viele davon später jedoch kaum noch Beachtung finden. Auch beim digitalen Nachlass sehen die Befragten Nachholbedarf.
Die Studie „The Memory Economy“ basiert auf einer Befragung von weltweit 8.000 Personen, darunter 2.000 Teilnehmende aus Deutschland. Ein zentrales Ergebnis: Auf deutschen Smartphones befinden sich durchschnittlich 3.345 Fotos, doch lediglich rund ein Drittel der im vergangenen Jahr aufgenommenen Bilder wird später erneut betrachtet.
Nach Angaben von Popsa entstehen im Durchschnitt rund 970 neue Fotos pro Jahr und Person. Bei den 18- bis 24-Jährigen liegt dieser Wert mit etwa 1.350 Aufnahmen deutlich höher. Gleichzeitig benötigen die Befragten nach eigenen Angaben im Schnitt drei Versuche, bis sie mit einem Foto zufrieden sind.
Emotionale Bedeutung der Fotos
Für 28 Prozent der Befragten ist die Smartphone-Galerie laut Studie ein besonders privater Ort, vergleichbar mit einem Tagebuch. Weitere 41 Prozent stufen ihre Fotos als persönlich ein. Am häufigsten werden ältere Aufnahmen aus nostalgischen Gründen oder zur Freude angesehen. Ein Teil der Befragten greift jedoch auch in traurigen oder einsamen Momenten auf frühere Bilder zurück.
Die Untersuchung zeigt außerdem, dass 45 Prozent bestimmte Lebensabschnitte in ihrer Fotogalerie bewusst meiden. Bei den 18- bis 24-Jährigen liegt dieser Anteil mit 67 Prozent deutlich höher. Zudem geben 44 Prozent an, dass große Fotosammlungen es erschweren, sich auf einzelne Erinnerungen zu konzentrieren.
Große Archive sorgen für Stress
Die wachsende Zahl digitaler Bilder wird für viele Menschen zur Belastung. Laut der Studie empfinden 46 Prozent Stress durch unsortierte Fotosammlungen, 35 Prozent berichten von Schuldgefühlen wegen ihrer ungeordneten Archive. Besonders ausgeprägt ist dieses Empfinden bei jüngeren Nutzerinnen und Nutzern.
Digitaler Nachlass bleibt oft ungeklärt
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung ist der Umgang mit digitalen Erinnerungen nach dem Tod. Nach Angaben von Popsa haben 78 Prozent der Befragten keine Vorkehrungen für ihre digitalen Fotos getroffen. Fast die Hälfte habe sich mit diesem Thema bislang noch gar nicht beschäftigt.
Zwischen den Altersgruppen zeigen sich deutliche Unterschiede: Während 36 Prozent der 18- bis 24-Jährigen bereits einen Plan für ihren digitalen Nachlass haben sollen, trifft dies laut Studie nur auf 10 Prozent der über 55-Jährigen zu.
Gedruckte Fotos gewinnen wieder an Bedeutung
Popsa sieht in den Ergebnissen Anzeichen dafür, dass physische Fotoprodukte wieder stärker nachgefragt werden könnten. Nach Angaben des Unternehmens fühlen sich 49 Prozent der Befragten ihren Erinnerungen stärker verbunden, nachdem sie Fotos in gedruckter Form festgehalten haben.
Bei einem hypothetischen Wohnungsbrand würden 70 Prozent der Deutschen laut Studie zuerst ihr Smartphone oder einen Datenträger mit Fotos retten. Ein Drittel würde gedruckte Fotoalben mitnehmen.
Datenschutz bleibt wichtig
Die Studie zeigt zudem, dass Datenschutz für viele Nutzerinnen und Nutzer eine zentrale Rolle spielt. 52 Prozent befürchten demnach vor allem eine Nutzung ihrer Fotos, der sie nicht zugestimmt haben.
Eine grundsätzliche Ablehnung von KI-Unterstützung ergibt sich aus den Ergebnissen jedoch nicht. Laut Popsa wären viele Befragte offen für entsprechende Funktionen, sofern diese dem Erhalt persönlicher Erinnerungen dienen und die Privatsphäre gewahrt bleibt.
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