Leichter, schneller, besser? Nikons 70–200 mm f/2,8 VR S II verspricht ein spürbares Upgrade gegenüber dem Vorgängermodell. Wir klären im CHIP-Testlabor und in der Praxis, ob sich der deutliche Aufpreis lohnt.
Nikon Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II
- Anschluss: Z-Mount
- Optischer Aufbau: 18 Elemente in 16 Gruppen
- Anzahl Blendenlamellen: 11
- Autofokus: ja
- Bildstabilisator: ja
- Gewicht: 998 g
- Preis: ca. 3.350 Euro
- www.nikon.de
Mit dem Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II legt der Hersteller Nikon sein lichtstarkes Profi-Telezoom neu auf – mit dem Ziel, mehr Leistung bei reduziertem Gewicht zu erreichen. Tatsächlich ist die zweite Generation samt angesetztem Stativadapterring rund 260 Gramm leichter und etwas kompakter als das Vorgängermodell. Damit wird Nikons Profi-Zoom handlicher und deutlich mobiler.
Neben der schlankeren Bauweise verspricht der Hersteller eine komplett überarbeitete optische Konstruktion, ein schnelleres Autofokussystem und eine effektivere Bildstabilisierung. Das klingt nach einem echten Upgrade, insbesondere für alle, die häufig in der Sport-, Event-, Hochzeits- oder Tierfotografie unterwegs sind – also dort, wo hohe Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit entscheidend sind. Die Offenblende bleibt bei konstant f/2,8. Zudem lässt sich die Brennweitenspanne mit Nikon Z-Telekonvertern auf bis zu 400 mm (KB) verlängern.
Allerdings haben die vielen Verbesserungen auch ihren Preis: Für 3.350 Euro liegt das Objektiv preislich deutlich über dem Vorgängermodell, das inzwischen zu einem Straßenpreis von nur noch circa 2.250 Euro erhältlich ist. Umso spannender ist die Frage: Lohnt sich der Aufpreis wirklich? Dieser Frage gehen wir in unserem ausführlichen Labor- und Praxistest auf den Grund.
Handling, Ergonomie, Ausstattung
Schon beim ersten Ansetzen an die Kamera macht sich das geringere Gewicht des Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II positiv bemerkbar. Wer mehrere Stunden mit dem Zoom unterwegs ist, wird sich über die Entlastung freuen.
Trotz der kompakteren Bauweise bleibt ein entscheidender Vorteil erhalten. Das Objektiv fokussiert und zoomt weiterhin intern. Die Baulänge verändert sich beim Scharfstellen und Zoomen also nicht, wodurch der Schwerpunkt konstant bleibt. Das sorgt für eine sehr gute Balance – egal, ob bei 70 oder 200 mm – und zahlt sich besonders bei Freihandaufnahmen oder beim Videodreh mit einem Gimbal aus.

Gute Balance: Wie das Bild zeigt, fährt das Nikon-Zoom bei 200 mm nicht nach vorne aus. Dank Innenzoom bleibt der Schwerpunkt konstant.
Auch die Verarbeitung kann überzeugen. Das Gehäuse wirkt robust und hochwertig, wie man es von der S-Line von Nikon kennt. Zoom- und Fokusring laufen gleichmäßig mit einem gut abgestimmten Widerstand und ermöglichen eine präzise Steuerung. Zudem ist das Objektiv gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet, sodass auch Einsätze bei schwierigen Wetterbedingungen oder in staubiger Umgebung kein Problem sind.
Nikon hat zudem bei der Ergonomie sinnvoll nachgelegt. Während sich beim Stativadapterring des Vorgängermodells lediglich der Fuß unten entfernen ließ, wenn er nicht gebraucht wurde, und der restliche Adapterring inklusive der dazugehörigen Feststellschraube am Objektiv verblieb, kann die Stativschelle beim neuen Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II komplett abgenommen werden. Das gelingt in der Praxis schnell und unkompliziert. So spart man zusätzlich Gewicht, was vor allem bei längeren Einsätzen ohne Stativ ein erfreulicher Pluspunkt ist. Nach dem Entfernen des Stativadapters lässt sich die freigelegte Stelle mit einem mitgelieferten Abdeckring abdecken. Die Stativschelle ist zudem Arca-Swiss-kompatibel. Eine zusätzliche Schnellwechselplatte ist damit in vielen Fällen nicht notwendig, was den Aufbau beschleunigt und die Handhabung vereinfacht.
Das Objektiv verfügt zudem weiterhin über einen frei belegbaren Einstellring. Damit lassen sich je nach Wunsch beispielsweise Blende, ISO oder Belichtungskorrektur steuern. Neu ist die Kombination mit einem Click-Schalter. Während der Einstellring bei bisherigen Nikon-Z-Objektiven grundsätzlich stufenlos lief, lässt sich jetzt bei Bedarf eine Rastung aktivieren. Das ist vor allem für Fotografen von Vorteil, da sich Werte durch das haptische Feedback präziser und reproduzierbarer einstellen lassen – etwa bei der Blendenwahl, ohne dabei auf das Display schauen zu müssen. Gleichzeitig bleibt die Möglichkeit zur stufenlosen, lautlosen Verstellung erhalten, was für Videoaufnahmen wichtig ist.

Für präzise Einstellungen: Der bei Nikon üblicherweise stufenlose Einstellring kann jetzt über den Click-Schalter wahlweise mit einer Rastung verwendet werden.
Ergänzt wird die Bedienung durch mehrere Funktionstasten, die rund um den Tubus verteilt sind. Nikon unterscheidet dabei zwischen den beiden zentralen Funktionstasten L-Fn und L-Fn2. Sie lassen sich jeweils unterschiedlich über das Kameramenü belegen. Insgesamt stehen zwei L-Fn-Tasten sowie vier L-Fn2-Tasten zur Verfügung, sodass je nach Griffhaltung immer eine gut erreichbare Taste in Position ist. Häufig genutzte Funktionen wie AF-Lock, Motivverfolgung oder Belichtungsmessung lassen sich auf diese Weise direkt am Objektiv abrufen, ohne dass man den Blick vom Motiv nehmen muss. Gerade bei schnellen Objekten oder dynamischen Aufnahmesituationen beschleunigt das den Workflow. Unterschiede zeigen sich allerdings bei der Haptik: Die beiden L-Fn-Tasten überzeugen mit einem klar definierten und gut fühlbaren Druckpunkt, das Feedback der vier L-Fn2-Tasten fällt dagegen etwas schwächer aus. Der Druckpunkt ist hier weniger präzise, was in der Praxis ein wenig Gewöhnung erfordert, insbesondere, wenn man die Tasten ohne Hinsehen bedienen möchte.

Komfortabel: Insgesamt sechs L-Fn-Tasten rund um den Objektiv-Tubus plus ein frei belegbarer Einstellring ermöglichen schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen. Das erleichtert die Bedienung.
Nicht mehr mit an Bord ist das OLED-Display des Vorgängermodells. An dessen Stelle sitzt nun eine Funktionstaste. Ehrlicherweise haben wir das Display auf unserer Praxis-Fototour aber auch nicht vermisst.
Schneller AF, starke Stabilisierung
Nikon setzt beim Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II auf ein Autofokussystem mit Silky Swift Voice Coil Motor (SSVCM). Laut Hersteller soll der Autofokus in Kombination mit einer Nikon-Z-Kamera mit Expeed-7-Prozessor bis zu 3,5-mal schneller arbeiten als das Vorgängermodell und gleichzeitig rund 50 Prozent leiser sein. Das lässt sich im CHIP-Testlabor zwar nicht exakt messen, da die verwendete Messkamera Nikon Z7II mit zwei Prozessoren der älteren Expeed-6-Generation arbeitet. Dennoch können wir aus der Praxis bestätigen, dass der AF sehr zügig reagiert, präzise scharf stellt und dabei nahezu geräuschlos arbeitet. Laut Testlabor ist die neue Generation des 70–200 mm mit Auslöseverzögerungen von kurzen 0,36 bis 0,38 Sekunden an der Nikon Z7II zwar sehr schnell, aber einen Tick langsamer als das Vorgängermodell an der gleichen Messkamera.
Besonders gut gefällt uns die Leistung des Autofokus bei schwachem Licht. Auch bei wenig Kontrast oder in Innenräumen fand der AF im Praxistest schnell sein Ziel. Zudem unterstützt der Autofokus die fortschrittliche Objekt- und Gesichtserkennung der Nikon-Z-Kameras. Das ist vor allem bei Event- oder Reportageeinsätzen von Vorteil, bei denen sich Personen oft unvorhersehbar bewegen. Um die Geschwindigkeit beim Scharfstellen zu steigern, ist das Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II mit einer Fokusbereichsbegrenzung mit zwei Modi („fünf Meter bis unendlich“ und „Full“) ausgestattet. So lassen sich vor allem im Telebereich unnötige lange Fokussierwege in den Nahbereich vermeiden.

Aufgenommen mit dem Nikon Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II an einer Nikon Z6 II mit 200 mm (KB), ISO 2.000, f/2,8 und 1/2.000 Sekunde. Bild: Thomas Probst
Auch die Bildstabilisierung zählt zu den Stärken des neuen Telezooms. Nikon gibt eine Kompensation von bis zu sechs Blendenstufen an. Im Praxistest konnten wir diesen Wert bestätigen. Selbst bei 200 mm Brennweite konnten wir aus der freien Hand an einer Nikon Z6II scharfe Aufnahmen mit Belichtungszeiten von rund 0,3 Sekunden umsetzen. Das eröffnet mehr Spielraum bei wenig Licht.
Top-Leistung im CHIP-Testlabor
Kommen wir zur spannenden Frage, was das überarbeitete optische System des Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II zu leisten imstande ist. Nikon hat die Konstruktion des Vorgängermodells mit 21 Linsen in 16 Gruppen verschlankt und verwendet nun 18 Linsenelemente in 16 Gruppen. Darüber hinaus verfügt die verbaute Blende der neuen Generation über elf Lamellen gegenüber neun Lamellen des Vorgängers. Wie die Messungen im CHIP-Testlabor ergaben, führt das neue optische Design im Vergleich zur ersten Generation des Z 70–200 mm zu besseren Ergebnissen in der Bildmitte, wenn zweifach abgeblendet wird. Bei offener Blende f/2,8 muss es sich hingegen dem Vorgängermodell geschlagen geben.

Aufgenommen mit dem Nikon Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II an einer Nikon Z6 II mit 120 mm (KB), ISO 500, f/4,5 und 1/2.000 Sekunde. Bild: Thomas Probst
Ein Beispiel: Während das ältere Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S in der Bildmitte bei 70 mm sowohl bei Offenblende als auch zweifach abgeblendet jeweils 96 Prozent der theoretisch möglichen Auflösung an der Messkamera Nikon Z7II erreicht, liegt die neue Generation bei 70 mm und f/2,8 mit 93 Prozent in der Bildmitte leicht darunter. Abgeblendet setzt sie hier jedoch mit 100 Prozent einen Bestwert. Bei mittlerer und längster Brennweite verhält es sich im Bildzentrum ebenso: Bei Offenblende liegt das neue Modell leicht unter dem Vorgänger, abgeblendet jedoch darüber.
Insgesamt überzeugt das neue Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II mit einer erstklassigen Auflösung und einer erstklassigen Korrektur typischer Abbildungsfehler.
Aus dem Testlabor
Vignettierung des Nikon Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II im Test
Die Vignettierung gibt an, wie stark die Helligkeit von der Bildmitte zu den Bildrändern hin abnimmt. In unseren Grafiken wird der Helligkeitsverlust in Blendenstufen farblich dargestellt. Die Legende zur Abstufung der Blendenstufen finden Sie direkt in der jeweiligen Grafik.
Unser Fazit: Nikon Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II im Test
Lohnt sich der hohe Aufpreis gegenüber dem Vorgängermodell? Das neue Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II ist kompakter, leichter und überzeugt mit einer effektiven Bildstabilisierung und einer flexiblen Bedienung. Die Abbildungsleistung bewegt sich auf Profi-Niveau. Dennoch muss sich das neue Modell dem Vorgänger bei der Auflösung knapp geschlagen geben. So bietet das ältere Z 70–200 mm f/2,8 VR S am Ende das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.
Was uns gefällt …
-
Leichter als das Vorgängermodell
-
Mehrere L-Fn-Tasten
-
Effektive Bildstabilisierung
-
Hohe Abbildungsleistung
- Abgedichtet
- Innenzoom
… und was nicht so gut ist
-
Die Auflösung im Bildzentrum liegt bei Offenblende etwas hinter der des Vorgängermodells
Technische Daten: Nikon Nikkor Z 70–200 mm f/2,8 VR S II
| Konstruiert für Sensorgröße / Bajonett | Kleinbild / Nikon Z |
| Brennweite an APS-C-Kamera (umgerechnet auf Kleinbild) | 105–300 mm |
| Maximale Lichtstärke (kürzeste Brennweite / längste Brennweite) | 2,8 / 2,8 |
| Kleinste Blende | 22 |
| Konstruktion: Linsen / Gruppen | 18 / 16 |
| Blendenlamellen (Anzahl) | 11 |
| Naheinstellgrenze | 0,38 m |
| Filtergröße | 77 mm |
| Abmessungen / Gewicht | 90 x 208 mm / 998 g |
| AF-Motor / AF/MF-Schalter | ● / ● |
| Bildstabilisator / mit mehr als einem Modus | ● / ━ |
| Innenfokus / Innenzoom | ● / ● |
| Funktionstaste (Fn) | ● |
| Steuerrungs-/Blendenring / De-Click-Schalter | ● / ● |
| Fokusbereichsbegrenzer | ● |
| Gummidichtung am Bajonett | ● |
| Streulichtblende / Schutzbeutel/-tuch mitgeliefert | ● / ● |








Aktuelle Kommentare