Die Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin zeigt vom 11. Juli bis 6. September 2026 die Ausstellung „Die Welt in einem Sandkorn sehen“. Arbeiten von Matthias Burba und Max Seeger widmen sich dem Rohstoff Sand aus wissenschaftlicher, künstlerischer und ökologischer Perspektive.

Mit der Ausstellung „Die Welt in einem Sandkorn sehen“ präsentiert die Alfred Ehrhardt Stiftung Arbeiten von Matthias Burba und Max Seeger. Im Mittelpunkt steht Sand als Material, das laut Ausstellungskonzept sowohl geologische Entwicklungen als auch ökologische, kulturelle und historische Zusammenhänge sichtbar machen soll. Die Kombination aus Mikrofotografie und interaktiver Videokunst eröffnet dabei unterschiedliche Perspektiven auf einen alltäglichen Rohstoff.

Die Fotografien zeigen Sand nicht nur als wissenschaftliches Untersuchungsobjekt, sondern auch als komplexe Formationen mit unterschiedlichen Farben und Lichtbrechungen. Nach Angaben der Ausstellung verweisen sie auf geologische Prozesse, die sich über Millionen von Jahren entwickelt haben. Ausgangspunkt der Arbeiten ist ein Vers des englischen Dichters William Blake, der das Kleine als Spiegel größerer Zusammenhänge beschreibt.

Ergänzt werden die Fotografien durch die interaktive Videoinstallation „Ingrained“ von Max Seeger (*1994). Die Arbeit richtet den Fokus auf die globale Bedeutung von Sand und verbindet digitale Bildwelten mit dokumentarischen Elementen. Dadurch sollen wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Zusammenhänge des Materials sichtbar werden.

Die Ausstellung „Die Welt in einem Sandkorn sehen“ ist vom 11. Juli bis 6. September 2026 in der Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin zu sehen. Die Eröffnung findet am 10. Juli 2026 von 19 bis 21 Uhr in Anwesenheit der Künstler statt.

Pressemitteilung Alfred Erhardt Stiftung:

Matthias Burba & Max Seeger . Die Welt in einem Sandkorn sehen

11. Juli –06. September 2026
Eröffnung: Freitag, 10. Juli 2026, 19 –21 Uhr
In Anwesenheit der Künstler

Ein Forensiker als Fotograf, der sich einem der unscheinbarsten Materialien unserer Umwelt widmet. Die Ausstellung „Die Welt in einem Sandkorn sehen“ vereint die mikrofotografischen Arbeiten von Matthias Burba (*1954), Synästhetiker, mit einer interaktiven Videoarbeit von Max Seeger (*1994) und erschließt Sand als vielschichtiges Bildfeld. Zwischen mikroskopischer Präzision, subjektiver Wahrnehmung und medialer Übersetzung wird das Material zugleich als geologisches Archiv und als Träger ökologischer, kultureller und historischer Prozesse sichtbar.

Matthias Burba verbindet analytische Präzision mit subjektiver Erinnerung. Seine rund 800 weltweit gesammelten Sandproben bilden ein visuelles Archiv, das über reine Dokumentation hinausgeht. Am Polarisationsmikroskop entwickelt er Bildkompositionen, in denen Licht und Filter gezielt eingesetzt werden, um spezifische Farb- und Strukturmerkmale der Sandkörner sichtbar zu machen. Diese sind nicht nur ästhetisch prägnant, sondern geben auch Hinweise auf ihre mineralische Zusammensetzung und ermöglichen Rückschlüsse auf den jeweiligen Fundort.

Die Arbeiten zeigen Sandkörner nicht als neutrale Objekte, sondern als komplexe Formationen, deren Farben, Strukturen und Lichtbrechungen an abstrakte Malerei erinnern. Sichtbar wird ein geologisches Archiv, geprägt von Millionen Jahren Verwitterung, Bewegung und Transformation. Ausgangspunkt ist ein Vers von William Blake (1757–1827), der das Kleine als Spiegel des Großen begreift und hier in eine zeitgenössische Bildpraxis überführt wird.

Mit der partizipativen Filmarbeit Ingrained erweitert Max Seeger diese Perspektive um eine raumgreifende Dimension. Die Installation verschiebt den Blick vom einzelnen Korn hin zu größeren Zusammenhängen. Digitale Bildräume verbinden sich mit dokumentarischen Elementen zu einer visuellen Erzählung, die den Stoff in seinen globalen Verflechtungen sichtbar macht.

Diese künstlerischen Annäherungen an Sand stehen in deutlichem Kontrast zu seiner alltäglichen Nutzung als Rohstoff. Als Siliciumdioxid zählt er zu den meistverwendeten Ressourcen der Erde und bildet eine zentrale Grundlage moderner Technologien und Infrastrukturen. Er ist Ausgangsmaterial für Mikrochips, Smartphones, Solarzellen und optische Produkte und zugleich unverzichtbar für Bauprozesse, von Betonherstellung bis hin zu Landaufschüttungen und Küstenbefestigungen. Dabei ist Sand kein universell einsetzbares Material, seine spezifischen Eigenschaften entscheiden über seine Verwendbarkeit.

Mit der global steigenden Nachfrage wird Sand zunehmend zu einer knappen und umkämpften Ressource. In den vergangenen 20 Jahren sind die Preise um bis zu 6500 Prozent gestiegen. Der intensive Abbau führt vielerorts zu erheblichen ökologischen Schäden, insbesondere durch die Zerstörung von Uferzonen und Stränden, und verschärft zugleich die Gefährdung von Küstenregionen durch den steigenden Meeresspiegel.

Begleitende Veranstaltungen (weitere werden noch bekannt gegeben):

Donnerstag, 23. Juli 2026, 19 Uhr: „Das flüchtige Bild: Salzdruck und Natur im Spiegel der Zeit“, Bild-Vortrag mit Originalen von Joachim Froese, Honorary Lecturer, School of Communication & Arts, University of Queensland Australien

Donnerstag, 27. August 2026, 19 Uhr: „Sand – Ressource, Leben, Sehnsucht. Eine Ausstellung im Museum Sinclair-Haus“, Lichtbildervortrag von Moritz Ohlig, Kurator Museum Sinclair-Haus Bad Homburg