Eines der wohl meistverkauften Standard-Zoomobjektive von Sony hat eine Neuauflage bekommen. Wir haben uns angeschaut, wie sich das Vollformat-Zoom Sony FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II im Labortest und in der Praxis schlägt – und für wen sie sich lohnt.
Sony FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II
- Anschluss: E-Mount
- Optischer Aufbau: 9 Elemente in 8 Gruppen
- Anzahl Blendenlamellen: 7
- Autofokus: ja
- Bildstabilisator: ja
- Gewicht: 293 g
- Preis: ca. 480 Euro
- www.sony.de
Gemeinsam mit der Sony Alpha 7 V hat der Hersteller auch ein neues Standard-Zoomobjektiv vorgestellt: das Sony FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II. Damit erhält das klassische Kit-Objektiv für Sony-Vollformatkameras eine Neuauflage. Wir sehen uns an, was sich am Objektiv verändert hat und wie sich das neue Standardzoom im Labor und in der Praxis schlägt.
Vorweg zum Terminus „Kit-Objektiv“: Als Kit-Objektiv wird zumeist das Standard-Zoomobjektiv bezeichnet, das beim Kauf einer Systemkamera im Set („Kit“ genannt) mitgeliefert wird. Es deckt meist einen moderaten Brennweitenbereich ab, ist kompakt, günstig und vielseitig einsetzbar. Das heißt, dass sich die meisten Käufer dieses Objektivs für ein Set-Bundle entschieden haben.
Der Brennweitenbereich beim Sony FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II deckt hierbei zahlreiche Fotogenres von der Landschaftsfotografie über Reportage und Reise bis zu Porträt ab. Einschränkend ist hier nur die Offenblende von f/3,5–5,6, zumindest im lichtschwächeren Telebereich. Aber dazu gleich mehr. Werfen wir zunächst einen Blick auf die Ausstattung des neuen FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II.
Aufbau und Ausstattung
Hier setzt Sony auf Minimalismus, denn im Grunde gibt es nur zwei Bedienelemente am Objektiv, den Fokusring und den Zoomring hinten näher an der Kamera. Der Verzicht auf etwaige Schalter und Knöpfe dürfte auch dem geringen Preis des Objektivs entgegenkommen. Der optische Aufbau besteht aus neun Linsen in acht Gruppen, darunter drei asphärische Elemente und eine ED-Linse. Diese sollen chromatische Aberrationen unterdrücken – und den Laborteil vorweggenommen, tun sie das auch durchaus solide. Das FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II ist zudem staub- und feuchtigkeitsresistent, aber nicht vollständig dagegen geschützt – dafür fehlt ein Dichtungsring am Bajonett, den man unserer Meinung nach ruhig und ohne große Mehrkosten hätte hinzufügen können.

Maximal ausgefahren: Das Objektiv hat einen Innenfokus, fährt beim Zoomen aber durchaus aus. Am längsten ist es bei circa 45 Millimeter. Bild: Sarah A. Fechler
Auch die Offenblende von f/3,5–5,6 kommt uns vom Vorgängermodell bekannt vor. Die Lichtstärke ist nicht überragend, aber durchaus gut im Vergleich zu Kit-Objektiven anderer Hersteller. Im Weitwinkelbereich ist die f/3,5 sogar schwer in Ordnung. Tendenziell entstehen in diesem Brennweitenbereich Landschaftsaufnahmen – und für diese blendet man ohnehin mindestens zweifach für die optimale Schärfe ab. Teils sogar deutlich mehr von f/8 bis f/16, um die Tiefenschärfe im Bild zu erhöhen und die Landschaft von vorne bis hinten scharf einzufangen. Im Telebereich sinkt die höchstmögliche Offenblende auf f/5,6. Das schränkt wiederum leider etwas ein.
Für klassische Reisebilder, in denen man in schattigen Umgebungen einfach den ISO-Wert etwas anhebt, reicht f/5,6 durchaus aus. So haben wir das beispielsweise auch bei dem blühenden Strauch (Bild unten) gemacht. Wird das Licht knapper, wie bei unserer Fotorunde am Ende der goldenen Stunde, werden die Bilder dann aber durchaus sichtbar dunkler. Fotografiert man Blumen oder andere Motive vom Stativ aus, kann man die geringere Lichtstärke natürlich auch durch eine längere Belichtungszeit statt einem höheren ISO-Wert ausgleichen.

Aufgenommen mit dem Sony FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II an einer Sony Alpha 7R III mit 70 mm (KB), ISO 320, f/5,6 und 1/250 Sekunde. Bild: Sarah A. Fechler
Anders sieht es bei Porträts aus: Will man die Personen vor dem Hintergrund freistellen, reicht die Offenblende von f/5,6 im Porträt-freundlichen Telebereich von 70 mm bedauerlicherweise nicht mehr wirklich aus. Da kann man, wie man an unserem Beispielbild mit Model Monika sehen kann, den Hintergrund noch recht deutlich erkennen. Allerdings sollte hier auch gesagt sein, dass es ein Standardzoom mit dem gleichen Brennweitenbereich und durchgehender Offenblende f/2,8 gibt: Sony FE 28–70 mm f/2 G Master. Dieses Objektiv spielt aber mit circa 3.600 Euro in einer anderen Liga.

Aufgenommen mit dem Sony FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II an einer Sony Alpha 7R III mit 70 mm (KB), ISO 100, f/6,3 und 1/500 Sekunde. Bild: Sarah A. Fechler
Gleichgeblieben ist auch die Naheinstellgrenze, also der minimale Abstand zwischen Motiv und Sensorebene (nicht Frontlinse), bei dem ein Objektiv noch scharf stellen kann. Dieser reicht von 30 Zentimeter im Weitwinkelbereich bis zu 45 Zentimeter im Telebereich. Gerade im Nahbereich dürften so auch kreative Detailaufnahmen möglich sein. Mit einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:5,3 sind allerdings eher keine Makroaufnahmen möglich. Soweit zu den Dingen, die im Grunde zur Vorgängerversion unverändert geblieben sind.
Der Grund für das Update
Kommen wir zu den Dingen, die das Sony FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II vom Vorgänger unterscheidet. Die größte Verbesserung ist sicherlich die Unterstützung von Serienaufnahmen mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde. Da die Serienbildgeschwindigkeit der Sony Alpha 7 V auf 30 Bilder pro Sekunde gestiegen ist, war das wohl auch der Grund, warum das Kit-Objektiv überhaupt eine Neuauflage bekam. Denn bei der Vorgängerversion war bei 15 Bildern pro Sekunde Schluss. Die neue Version des Kit-Objektivs kann jetzt wieder mit den hohen Geschwindigkeiten der neuen Kameramodelle ohne Probleme mithalten.
Dafür hat Sony dem FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II schnellere und reaktionsfreudigere Autofokusmotoren spendiert. Diese zeigen sich im Labortest mit Reaktionsgeschwindigkeiten von 0,33 bis 0,37 Sekunde (am schnellsten im Weitwinkel, am langsamsten im Telebereich) über den Brennweitenbereich verteilt, was durchaus schnell ist. Dazu ist der Autofokus nicht nur flott, sondern auch sehr treffsicher. Wer also gern dynamische und actionreiche Motive einfängt, wird nicht am Autofokus des Objektivs scheitern. Auch der integrierte Bildstabilisator dürfte hier praktisch sein – auch bei längeren Belichtungszeiten aus der Hand. Neu ist zudem, dass das FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II die elektronische Korrektur für das Focus Breathing (Fokusatmen) nutzen kann. Ebenfalls neu ist, dass der Autofokus jetzt auch während des Zoomens genutzt werden kann.
Bildqualität im CHIP-Testlabor
Bei der Auflösung erreicht das FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II im CHIP-Testlabor gute Werte. Bei Offenblende erreicht das Objektiv über den ganzen Brennweitenbereich über 81 bis 84 Prozent der theoretisch möglichen Auflösung der Messkamera Sony Alpha 7R IV. Zweifach abgeblendet erreichen wir in der Bildmitte im Weitwinkel sogar 91 Prozent der möglichen Auflösung, was ein sehr guter Wert ist. In der Mittelstellung und im Telebereich gibt hier es im Grunde keinen Unterschied zur Offenblende. Was aber auch heißt, dass man die volle Bildqualität schon bereits bei der Offenblende hat und dafür nicht erst zweifach abblenden muss. Das ist im weniger lichtstarken Telebereich sehr praktisch.
Die Bildecken sind im Weitwinkel etwas geringer aufgelöst bei 60 Prozent, was aber für diese Brennweite nicht unüblich ist, zweifach abgeblendet erreichen wir dann aber sogar 72 Prozent. In der Mittelstellung und im Telebereich fallen die Bildecken mit 72 bis 74 Prozent bei Offenblende etwas schärfer aus, zweifach abgeblendet sind sie auf dem Niveau der Bildmitte.
Etwaige Randabschattungen (Vignetten) sind auch nur im Weitwinkel vorhanden und selbst da kaum sichtbar. Wir empfehlen, hierzu auch einen Blick in den passenden Kasten zu den Vignetten-Bildern zu werfen. Chromatische Aberrationen halten sich im Labortest auch im Rahmen und fielen uns bei den Praxisbildern nicht wirklich auf. Rundum bietet das FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II also eine gute Abbildungsleistung.
Kompakt und preiswert
Mit dem FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II richtet sich Sony natürlich vor allem an Käufer der Sony Alpha 7 V, die passend zur Kamera ein preisgünstiges und flexibles Objektiv kaufen wollen. Die meisten davon werden sich dieses Objektiv wohl im Set zur Kamera kaufen und nicht einzeln. Allerdings dürfte das FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II mit seinen gerade einmal 293 Gramm auch für alle interessant sein, die nach einem leichten wie auch kompakten Reiseobjektiv Ausschau halten, das unterwegs nicht zu schwer auf den Schultern liegt und zugleich auch nicht viel Platz in der Kameratasche braucht. Denn mit 73 x 83 Millimeter ist das Objektiv auch nicht zu groß. In Kombination mit der Sony Alpha 7 V (696 Gramm) kommt das Set auf ein Gesamtgewicht von gerade einmal 989 Gramm. Mit knapp unter einem Kilogramm ist das sehr leicht für ein Vollformatsystem. Für die gerade einmal 480 Euro, die das FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II kostet, erhält man einen guten Rundumschlag, der eben alles ein bisschen kann. Aber nach gut 13 Jahren seit der Einführung der Vorgängerversion hätte es gern noch die ein oder andere Neuerung geben dürfen.
Aus dem Testlabor
Vignettierung des Sony FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II im Test
Die Vignettierung gibt an, wie stark die Helligkeit von der Bildmitte zu den Bildrändern hin abnimmt. In unseren Grafiken wird der Helligkeitsverlust in Blendenstufen farblich dargestellt. Die Legende zur Abstufung der Blendenstufen finden Sie direkt in der jeweiligen Grafik.
Unser Fazit: Sony FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II im Test
Sony bringt mit dem FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II ein kleines Update zur Vorgängerversion heraus, das vor allem den neuen Serienbildgeschwindigkeiten gerecht werden soll. Dabei hätten wir bei der Neuauflage so eines Klassikers gern etwas mehr gesehen – und wenn es nur der Dichtungsring am Bajonett gewesen wäre.
Was uns gefällt …
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Gute Bildqualität
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Geringes Gewicht
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Niedriger Preis
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Mehr Serienbilder möglich
… und was nicht so gut ist
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Dichtungsring am Bajonett wäre wünschenswert
Technische Daten: Sony FE 28–70 mm f/3,5–5,6 OSS II
| Konstruiert für Sensorgröße / Bajonett | Kleinbild / Sony E |
| Brennweite an APS-C-Kamera (umgerechnet auf Kleinbild) | 42–105 mm |
| Maximale Lichtstärke (kürzeste Brennweite / längste Brennweite) | 3,5 / 5,6 |
| Kleinste Blende | 22 |
| Konstruktion: Linsen / Gruppen | 9 / 8 |
| Blendenlamellen (Anzahl) | 7 |
| Naheinstellgrenze | 0,3 m |
| Filtergröße | 55 mm |
| Abmessungen / Gewicht | 73 x 83 mm / 293 g |
| AF-Motor / AF/MF-Schalter | ● / ━ |
| Bildstabilisator / mit mehr als einem Modus | ● / ━ |
| Innenfokus / Innenzoom | ● / ━ |
| Funktionstaste (Fn) | ━ |
| Steuerrungs-/Blendenring / De-Click-Schalter | ━ / ━ |
| Fokusbereichsbegrenzer | ━ |
| Gummidichtung am Bajonett | ━ |
| Streulichtblende / Schutzbeutel/-tuch mitgeliefert | ● / ━ |








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