Die Fotobranche bewegt sich in dieser Woche zwischen digitaler Alltagsrealität, stabilen Marktstrukturen und grundlegenden Zukunftsfragen: Während eine internationale Popsa-Studie zeigt, dass selbst die „fotografischste Generation“ der Geschichte ihre Bilder oft weder ordnet noch nachhaltig sichert, setzt Ringfoto mit neuen digitalen Tools, Eigenmarken, Marketplace, automatisierter Logistik und der Imaging World wichtige Impulse für den Fachhandel. Zugleich rückt der BVPA den verantwortungsvollen Umgang mit KI-generierten und manipulierten Bildern in Presse und Medien in den Fokus – und damit die Frage, wie Vertrauen, Transparenz und Verifikation in der visuellen Kommunikation künftig gesichert werden können.

Die wichtigsten Imaging Business News der KW 27/26 – kuratiert von Wolfgang Heinen, Herausgeber von PHOTO PRESSE, DigitalPHOTO und PhotoKlassik.

Imaging Business News KW 27/26:

7 von 10 Fotos schaut keiner mehr an

Laut einer Studie von Popsa aus dem Februar diesen Jahres (durchgeführt in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland) werden sieben von zehn unserer Fotos nach der Aufnahme nie wieder angesehen. Die Hälfte aller Befragten empfindet Stress aufgrund einer unübersichtlichen Fotosammlung. Und 77 Prozent haben keine Vorkehrungen getroffen, was mit ihren Fotos nach ihrem Tod geschehen soll. Derzeit lebt die “fotografischste Generation” der Geschichte – und zugleich haben wir so wenig Kontrolle über unsere visuellen Erinnerungen wie nie zuvor.

Das Problem ist nicht nur praktisch, sondern auch emotional. Fast die Hälfte der Befragten meidet bewusst Fotos aus bestimmten Lebensphasen. Jüngere Generationen versinken regelrecht in ihren eigenen Archiven: Sie machen fast dreimal so viele Fotos wie Menschen über 55 – und fühlen sich gleichzeitig am stärksten mit ihrer Bildermenge überfordert. Immer mehr Menschen beschreiben die Funktion ihrer Kamera nicht als einen Ort von Erinnerungen, sondern als Ablage. Es beruhigt, dass alles da ist. Doch was damit passieren soll, bleibt unklar.

Die Studie, die einem zu denken gibt, gibt es hier zum Download: https://popsa.com/de-de/perspektiven/memory-economy-2026-fototrendsbericht/

Ringfoto 2025: Stabil und innovativ

Verwaltungsrat und Geschäftsführung der Ringfoto

Drei mal ein kleines Minus in der Bilanz: Der Umsatz der Ringfoto GmbH & Co. KG wurde im vergangenen Jahr 2025 mit 466,8 Mio. € gegenüber dem Vorjahr mit einem Umsatzrückgang von 26,1 Mio. € bzw. -5,29 % abgeschlossen. Der Lagerumsatz liegt mit 369,7 Mio. € um 21,1 Mio. € unter dem Wert des Vorjahres (- 5,4%). Die deutlichsten Umsatzrückgänge wurden im Sortimentsbereich der Systemkameras (- 11,7 %) verzeichnet. Das alles ist durchaus marktkonform.

Die von der Ringfoto-Zentrale für 2025 an alle Mitglieder ausgeschütteten Boni belaufen sich auf 16,5 Mio. € (2024: 18,4 Mio. €). Die Gesamtausschüttung (Jahresüberschuss und Boni) betrugen somit im Jahr 2025 18.158 T€ (Vorjahr: 20.333 T€). Berücksichtigt man die von der Zentrale durchgereichten Boni der Lieferanten, so sind den Mitgliedern im Jahr 2025 insgesamt 24.768 T€ zugeflossen (Vorjahr: 27.575 T€). Diese Boni und Rückvergütungen sind ein wichtiger Beitrag zum Ergebnis der Mitgliederbetriebe.

Und was kommt Neues aus Fürth? Viel. Geschäftsführer Thilo Röhrig: “Mit der neuen Academy App erreichen wir täglich unsere Händler und deren Verkaufspersonal mit wichtigen Informationen und unterhaltsam gestalteten Trainingsinhalten. Auch unser alfo.essentials Eigenmarken Zubehör Lineup kann ab Juni von unseren Partnern bestellt werden. Ein weiteres Highlight ist der alfo.marketplace, den wir am 17.Juni.2026 live geschaltet und damit ein neues Kapitel für den Online-Fotofachhandel in Deutschland aufgeschlagen haben. Eines der größten Projekte der Ringfoto Gruppe ist die Automatisierung des Logistikzentrums: Nach fast zwei Jahren Planungszeit kann das neue System am 1. Juli 2026 starten.” Und, nicht zu vergessen: Die Imaging World vom 2. bis 4. Oktober wird diesmal noch größer und attraktiver. 

BVPA: Positionspapier zum Umgang mit KI

Künstliche Intelligenz wirft für die Bildbranche eine Vielzahl neuer rechtlicher, technischer und wirtschaftlicher Fragen auf. Dazu gehören unter anderem die Erstellung und Nutzung von Datensätzen für das Training von KI-Systemen, urheberrechtliche Fragestellungen, Vergütungsmodelle, Transparenz- und Kennzeichnungspflichten sowie die praktische Anwendung KI-gestützter Tools in der Erstellung, Bearbeitung und Verbreitung visueller Inhalte. Der Bundesverband professioneller Bildanbieter e.V. (BVPA) wird sich in unterschiedlichen Formaten, Arbeitsgruppen und Gesprächen mit den vielfältigen Auswirkungen auseinandersetzen. Ziel ist es, die Interessen professioneller Bildanbieter zu vertreten, Orientierung zu schaffen und die Diskussion mit Politik, Wirtschaft und Medien konstruktiv mitzugestalten. 

Ein erstes Positionspapier konzentriert sich auf einen Teilbereich dieser Debatte: das Verhältnis zwischen professionellen Bildanbietern und ihren Kunden aus dem Presse- und Medienbereich. Auslöser waren die Diskussionen um KI-generierte bzw. manipulierte Bilder, die in einzelnen Fällen ihren Weg in die redaktionelle Berichterstattung gefunden haben, sowie die daraus entstandenen Fragen zur Qualitätssicherung, Verifikation und Verantwortung entlang der publizistischen Liefer- und Veröffentlichungskette. Das Dokument soll eine gemeinsame Grundlage für die Positionierung der Branche schaffen und als Orientierung für geplante Gespräche mit Bildredaktionen und weiteren Bildkunden dienen. 

Das Positionspapier steht hier zum Download bereit: https://bvpa.org/wp-c0nt3nt5/up10ad5/2026/06/Positionspapier_KI_Manipulierte_Bilder_in_Presse_2026-06-24-1.pdf