Das Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD positioniert sich als kompakte Alternative zum hauseigenen 35–150 mm f/2–2,8 Di III VXD. Die Brennweitenspanne ist zwar kleiner, dafür bleibt das Zoom aber sehr lichtstark. Wir haben uns das vielseitige Zoomobjektiv im Test näher angesehen.

Tamron 35-100 mm f/2,8 Di III VXD

  • Anschluss: E-Mount
  • Optischer Aufbau: 15 Elemente in 13 Gruppen
  • Anzahl Blendenlamellen: 9
  • Autofokus: ja
  • Bildstabilisator: nein
  • Gewicht: 565 g
  • Preis: ca. 900 Euro
  • www.tamron.eu

Der Hersteller Tamron hat sein Objektiv-Portfolio für Sonys E-System um das 35–100 mm f/2,8 Di III VXD erweitert. Damit reagiert Tamron eigenen Aussagen zufolge auf das Feedback von Fotografen, die sich eine kompaktere Version des im Jahr 2021 auf den Markt gekommenen 35–150 mm f/2–2,8 Di III VXD gewünscht haben. Das für Vollformatsensoren entwickelte 35–100 mm f/2,8 Di III VXD ist mit Abmessungen von 81 x 122 Millimetern tatsächlich kleiner und mit 565 Gramm sogar nur rund halb so schwer wie das 1.170 Gramm wiegende 35–150 mm f/2–2,8 Di III VXD.

Dafür muss man sich jedoch mit Kompromissen bei der Brennweitenspanne und der Lichtstärke arrangieren. Der Zoombereich beginnt zwar bei beiden Objektiven bei 35 mm, endet beim neuen Allroundzoom aber bereits bei 100 mm. Es geht also etwas Brennweite am Teleende verloren. 

Zudem beginnt die Offenblende bei 35 mm nicht mehr bei f/2, sondern bei f/2,8, steht dafür aber über den gesamten Brennweitenbereich zur Verfügung. Damit bleibt das 35–100 mm f/2,8 Di III VXD sehr lichtstark. Das ermöglicht weiterhin Freisteller mit schönem Bokeh sowie Freihandaufnahmen bei schwachem Licht in Innenräumen oder während der Abenddämmerung. Der etwas gekürzte Brennweitenbereich bietet nach wie vor genügend Spielraum für Alltagsmotive, Streetfotografie, Urlaubsbilder und Porträts vor weichem Hintergrund. Dabei stehen Porträtfans auch typische Brennweiten von 50 mm bis hin zur klassischen Porträtbrennweite von 85 mm zur Verfügung.

Individuelle Bedienung

Das Gehäuse des Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD macht einen hochwertigen Eindruck und ist laut Hersteller wetterfest. Auf der Tamron-Homepage heißt es: „Alle kritischen Stellen verfügen über spezielle Abdichtungen.“ Dazu gehört auch ein Dichtungsring hinten am Anschluss, der dafür sorgt, dass im angesetzten Zustand an die Kamera kein Staub oder Feuchtigkeit ins Kamerainnere bis zum Sensor vordringen kann. Somit eignet sich das 35–100 mm sehr gut für die Outdoorfotografie und muss bei leichtem Regen oder in staubiger Umgebung nicht gleich wieder in die Fototasche gepackt werden.

Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD im Test Detail 01

Personalisierbare Einstellmöglichkeiten: Die Funktionstaste und die drei Positionen am „Custom“-Schalter lassen sich per Tamron-„Lens Utility“-Software flexibel einrichten. Bild: Thomas Probst

Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD im Test Detail 02

Gehäuse bleibt kompakt: Das Tamron 35–100 mm fährt im Tele nur leicht aus. Der Schwerpunkt bleicht also recht stabil. Das hilft beim Einsatz auf Video-Gimbals. Bild: Thomas Probst

Der Zoomring hat einen relativ hohen Drehwiderstand. Das hat den Vorteil, dass sich die Brennweite nicht so leicht verstellen lässt, wenn man im Eifer des Gefechts versehentlich dagegen stößt. Der Fokusring hingegen lässt sich deutlich leichter drehen. Hier kann es also etwas schneller passieren, dass man die Einstellung aus Versehen verstellt. Im manuellen Fokusbetrieb lässt sich die Schärfe über den Fokusring mithilfe der Displaylupe der Sony-Kamera gut und schnell einstellen. In Verbindung mit der kostenlosen Software „Lens Utility“ von Tamron kann der Fokusring darüber hinaus auch als Blendenring verwendet werden. Zu diesem Zweck wird das Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD über den integrierten USB-C-Anschluss mit einem PC, Mac oder Smartphone verbunden. Nachdem die Software lange nur für Android verfügbar war, gibt es inzwischen auch eine kompatible App-Version für das Apple-iOS-System.

Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD Detail 04

Nützlicher USB-C-Anschluss: Per USB-C lässt sich das Objektiv mit einem PC, Mac oder mit Smartphones verbinden und mit der „Lens Utility“-Software konfigurieren. Bild: Thomas Probst

Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD Detail 03

Gegen Staub und Feuchtigkeit: Neben dem Dichtungsring am Anschluss ist das Tamron-Zoom auch an weiteren kristischen Stellen durch Abdichtungen geschützt. Bild: Thomas Probst

Über die Software stehen eine ganze Reihe nützlicher Funktionen zur Verfügung. So ist es beispielsweise möglich, feste Fokuspunkte zu programmieren, was insbesondere für Filmaufnahmen von Interesse ist. Außerdem lassen sich Bereiche für eine Fokussierbereichsbegrenzung einstellen, um in einem zuvor festgelegten Entfernungsbereich schneller fokussieren zu können. Hinzu kommt die Option, künftige Firmware-Updates zu installieren, Fokus-Zeitraffer über die Software zu steuern und der ebenfalls am Objektiv integrierten Funktionstaste verschiedene Funktionen zuzuweisen. So lassen sich häufig verwendete Funktionen schneller erreichen. Über den „Custom“-Schalter mit drei Positionen (1, 2 und 3) können drei verschiedene Programmierungen über die Tamron „Lens Utility“-Software gespeichert und anschließend schnell wieder aufgerufen werden. Auf einen AF/MF-Schalter, wie er noch beim Tamron 35–150 mm f/2–2,8 Di III VXD zu finden war, wurde hingegen verzichtet. Die Fokusmethode wird daher entweder über die Kamera oder über die Funktionstaste eingestellt, sofern diese über die „Lens Utility“-Software mit dieser Funktion belegt wurde.

Autofokus und Naheinstellgrenze

Laut der Website des Herstellers ist das 35–100 mm f/2,8 Di III VXD mit Tamrons „schnellstem und präzisesten VXD-Linearmotor“ ausgestattet. Das wollten wir genauer wissen und haben uns die AF-Fähigkeiten sowohl im CHIP-Testlabor als auch in der Praxis angesehen. Unter Laborbedingungen fällt die Auslöseverzögerung an der Messkamera Sony Alpha 7R IV mit 0,42 Sekunden bei kürzester Brennweite und 0,52 Sekunden bei längster Brennweite einen Tick langsamer aus als beim Tamron 35–150 mm f/2–2,8 Di III VXD mit 0,37 bis 0,44 Sekunden an der gleichen Kamera. In der Praxis empfanden wir den Autofokus aber als durchaus schnell. Er könnte bei schwachem Licht zwar hin und wieder ein kleines bisschen schneller sein, dennoch waren wir insgesamt sehr zufrieden.

Bei der Autofokus-Genauigkeit kommt das 35–100 mm f/2,8 Di III VXD an der genannten Messkamera bei mehreren Neufokussierungen auf einen Mittelwert von 93 Prozent bei kürzester, 95 Prozent bei mittlerer und 99 Prozent bei längster Brennweite. Das ältere Tamron 35–150 mm f/2–2,8 Di III VXD schnitt hier mit einem Mittelwert von 97 Prozent bei 35 mm im Vergleich besser ab. Doch auch hier können wir festhalten, dass das neue Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD bei den Labormessungen zwar hinter dem 35–150 mm f/2–2,8 Di III VXD liegt, uns im Praxistest aber keine besonderen Schwankungen bei der Schärfe aufgefallen sind.

Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD im Test Praxisfoto 02

Aufgenommen mit dem Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD an einer Sony Alpha 7 IV bei 100 mm (KB), ISO 200, f/2,8 und 1/4.000 Sekunde. Bild: Thomas Probst

Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD Praxisfoto 03

Aufgenommen mit dem Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD an einer Sony Alpha 7 IV bei 68 mm (KB), ISO 200, f/4,0 und 1/320 Sekunde. Bild: Thomas Probst

Ein weiterer interessanter Aspekt ist die verbesserte Naheinstellgrenze bei kürzester Brennweite. Während man beim 35–150 mm f/2–2,8 Di III VXD bei kürzester Brennweite bis auf 33 Zentimeter an Motive herangehen kann und damit einen Abbildungsmaßstab von 1:5,7 erreicht, wurde die Nahein-stellgrenze beim 35–100 mm f/2,8 Di III VXD auf 22 Zentimeter bei einer Brennweite von 35 mm verkürzt. Dadurch ergibt sich ein Abbildungsmaßstab von 1:3,3, wodurch das neue Allround-Telezoom detailreichere Aufnahmen im Nahbereich ermöglicht.

Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD im Test Praxisfoto 01

Aufgenommen mit dem Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD an einer Sony Alpha 7 IV bei 35 mm (KB), ISO 100, f/3,5 und 1/1.250 Sekunde. Bild: Thomas Probst

 

Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD Praxisfoto 04

Aufgenommen mit dem Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD an einer Sony Alpha 7 IV bei 50 mm (KB), ISO 100, f/3,5 und 1/2.000 Sekunde. Bild: Thomas Probst

Gute Leistung im Testlabor

Die optische Konstruktion des 35–100 mm f/2,8 Di III VXD besteht aus 15 Linsenelementen in 13 Gruppen. Darunter befinden sich einige Speziallinsen, die Abbildungsfehler wie chromatische Aberrationen (Farbsäume) reduzieren. Das gelingt sehr gut, wie die Messungen im CHIP-Testlabor an der Sony A7R IV belegen. Farbsäume sind mit einer Breite von lediglich 0,3 bis 0,5 Pixeln im Grunde kein Thema. Auch die Verzeichnung wird sehr gut ausgeglichen. Lediglich bei 35 mm ließ sich eine minimale, mit dem bloßen Auge nicht zu sehende Verzeichnung von 0,1 Prozent ermitteln. Deutlich sichtbar ist hingegen die Vignettierung, also der Helligkeitsabfall vom Bildzentrum bis in die Ecken. Hier kommt es über den gesamten Brennweitenbereich bei Offenblende zu einem sichtbaren Helligkeitsabfall.

Und wie sieht es mit der Bildschärfe aus? Die besten Ergebnisse werden bei 35 mm erreicht. Hier werden, zweifach abgeblendet, an der 61-Megapixel-Vollformatkamera sehr gute 93 Prozent der möglichen Auflösung in der Bildmitte erreicht. In den Ecken sind es 82 Prozent. Beim Zoomen fällt die Auflösung etwas ab, bleibt aber auf einem guten Niveau.

Aus dem Testlabor

Vignettierung des Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD im Test

Die Vignettierung gibt an, wie stark die Helligkeit von der Bildmitte zu den Bildrändern hin abnimmt. In unseren Grafiken wird der Helligkeitsverlust in Blendenstufen farblich dargestellt. Die Legende zur Abstufung der Blendenstufen finden Sie direkt in der jeweiligen Grafik.

Vignettierung bei Offenblende:
Diese Spalte zeigt die Vignettierung bei kürzester, mittlerer und längster Brennweite bei Offenblende.

Vignettierung des Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD an einer Sony Alpha 7R IV bei kürzester Brennweite und Offenblende. Bild: CHIP Testlabor
Vignettierung des Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD an einer Sony Alpha 7R IV bei mittlerer Brennweite und Offenblende. Bild: CHIP Testlabor
Vignettierung des Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD an einer Sony Alpha 7R IV bei längster Brennweite und Offenblende. Bild: CHIP Testlabor

Vignettierung, 2-fach abgeblendet:
Vignettierung bei kürzester, mittlerer und längster Brennweite, zweifach abgeblendet.

Vignettierung des Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD an einer Sony Alpha 7R IV bei kürzester Brennweite, zweifach abgeblendet. Bild: CHIP Testlabor
Vignettierung des Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD an einer Sony Alpha 7R IV bei mittlerer Brennweite, zweifach abgeblendet. Bild: CHIP Testlabor
Vignettierung des Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD an einer Sony Alpha 7R IV bei längster Brennweite, zweifach abgeblendet. Bild: CHIP Testlabor

Unser Fazit: Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD im Test

Die Idee, eine kompaktere, leichtere und dennoch sehr lichtstarke Alternative zum schon etwas älteren 35–150 mm f/2–2,8 Di III VXD zu entwickeln, ist Tamron sehr gut gelungen. Das neue 35–100 mm f/2,8 Di III VXD hat zwar weniger Brennweite, ist aber trotz konstant hoher Lichtstärke fast um die Hälfte leichter und damit deutlich mobiler. Auch der Preis fällt mit rund 900 Euro erschwinglicher aus.

Was uns gefällt …

  • Kompakt

  • Lichtstark

  • Abgedichtet

  • Funktionstaste

  • Kompatibel zur Tamron-Software

… und was nicht so gut ist

  • Kein AF/MF-Schalter

  • Sichtbare Vignettierung bei f/2,8

  • AF-Geschwindigkeit im CHIP-Testlabor

Technische Daten: Tamron 35–100 mm f/2,8 Di III VXD

Konstruiert für Sensorgröße / BajonettKleinbild / Sony E
Brennweite an APS-C-Kamera (umgerechnet auf Kleinbild)52,5–150 mm
Maximale Lichtstärke (kürzeste Brennweite / längste Brennweite)2,8 / 2,8
Kleinste Blende22
Konstruktion: Linsen / Gruppen15 / 13
Blendenlamellen (Anzahl)9
Naheinstellgrenze0,22 m
Filtergröße67 mm
Abmessungen / Gewicht81 x 122 mm / 565 g
AF-Motor / AF/MF-Schalter● / ━
Bildstabilisator /
mit mehr als einem Modus
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Innenfokus / Innenzoom● / ━
Funktionstaste (Fn)
Steuerrungs-/Blendenring /
De-Click-Schalter
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Fokusbereichsbegrenzer
Gummidichtung am Bajonett
Streulichtblende /
Schutzbeutel/-tuch mitgeliefert
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