Canon richtet den Blick strategisch auf KI, Industriedruck, medizinische Bildgebung und Halbleitertechnologien – ein Signal dafür, dass professionelle und industrielle Imaging-Märkte weiter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig stehen Phase One und Capture One offenbar vor einem Eigentümerwechsel, während aktuelle Marktdaten von Futuresource zeigen, dass gerade jüngere Zielgruppen physische Fotos, Sofortdruck, Fotobücher und personalisierte Printprodukte wieder stärker nachfragen.

Die wichtigsten Imaging Business News der KW 23/26 – kuratiert von Wolfgang Heinen, Herausgeber von PHOTO PRESSE, DigitalPHOTO und PhotoKlassik.

Imaging Business News KW 23/26:

Canon setzt auf KI, Industriedruck, medizinische Bildgebung und Halbleiter

Canon Inc. hat einen spartenübergreifenden Bericht veröffentlicht, der Einblicke in die Richtung gibt, die das Unternehmen in den nächsten fünf Jahren einschlagen will. Der Report soll Investoren und anderen Stakeholdern helfen, ein besseres Verständnis für die Management-Richtlinien von Canon und die Hintergründe seines langfristigen Wertschöpfungsprozesses zu erlangen, heißt es in der Ankündigung. Für die Foto- und Bildverarbeitungsbranche deutet Canons Roadmap darauf hin, dass sich das Unternehmen zunehmend auf industrielle und professionelle Märkte konzentriert und dabei sowohl KI als auch fortschrittliche Fertigungstechnologien einsetzt, um das langsamere Wachstum in den traditionellen Consumer-Imaging-Segmenten auszugleichen.

Phase One und Capture One sollen verkauft werden

Diversen Berichten zufolge arbeitet die nordische Private-Equity-Gesellschaft Axcel daran, Capture One im Rahmen einer Auktion zu verkaufen. Nachdem Axcel im Jahr 2019 Phase One, zu dem auch Capture One gehörte, erworben hatte, teilte die Private-Equity-Gesellschaft die beiden Unternehmen in separate Einheiten auf. Axcel möchte zuerst Phase One (Hardware) und dann Capture One (Software) verkaufen.

Es ist nicht schwer zu erkennen, warum Axcel sich von Phase One und Capture One trennen möchte. Axcel erwarb Phase One und Capture One im Jahr 2019 für etwa 233,8 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2024 meldete Phase One A/S einen deutlich geringeren Umsatz als im Vorjahr, nämlich etwa 48 Millionen US-Dollar. Dies war ein Rückgang gegenüber über 70 Millionen US-Dollar im Jahr 2023. Der Verlust von Phase One belief sich 2024 auf über 3,6 Millionen US-Dollar. Axcel gibt an, dass Capture One einen Jahresumsatz von etwa 27,9 Millionen US-Dollar erzielt. Softwareunternehmen in Europa werden im Durchschnitt mit dem 15,8-fachen ihres EBITDA bewertet. Im Fall von Capture One wären das dann rund 167,5 Millionen US-Dollar. Immerhin. Was aber nichts daran ändern wird, dass der Deal von 2019 sich für Axcel nicht gelohnt hat.

Futuresource: Z- und A-Millenials wollen haptische Fotos

Im Rahmen der Imaging CONNECT Konferenz im Frühjahr in Las Vegas stellte Jeremy Wills, Principal Analyst bei Futuresource Consulting (www.futuresource-consulting.com), die aktuellen  Entwicklungen im Fotobereich vor. Er betonte, dass bei Millennials der Generation Z und der Generation A ein enormes Interesse an physischen Medien bestehe, was sich am anhaltenden Erfolg von Sofortbildkameras, Smartphone-zu-Mobil-Fotodruckern und Printkiosken im Einzelhandel zeige. In Europa nutzen mittlerweile die meisten Druckdienstleister (PSPs) Printsysteme wie die Inline-Tintenstrahlsysteme von Canon und Kyocera; möglicherweise aus Umweltgründen, aber auch aus Kostengründen, da der Preis für Silberhalogenidpapier weiter steigt.

Ob diese Fotodrucke genauso lange halten wie Silberhalogenid, ohne zu verblassen, ist noch nicht bekannt. Sie ermöglichen es kleinen Fotohändlern jedoch, ihr Angebot über den Fotodruck für Endverbraucher hinaus auf die B2B-Produktion auszuweiten. Das Printgeschäft verschmilzt mit dem generellen Trend der Personalisierung. Die Abbildung zeigt den Gesamtumsatz im Privatkundenbereich (ohne Schul-, Serien- und sonstige professionelle Fotografie) in Westeuropa (Benelux, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien – die sechs größten westeuropäischen Märkte machen 85 % des westeuropäischen Fotoumsatzes aus). Blau steht für den Anteil von Fotobüchern, Gelb für Fotoprodukte (Kalender, Karten, Wanddekoration und Fotogeschenke) und Grün für Fotoabzüge. Da sich die jüngere Generation zunehmend für die Analogfotografie interessiert, machen Abzüge immer noch 40–45 % des Gesamtvolumens aus.  

In Deutschland und den südeuropäischen Märkten wie Spanien und Italien besteht nach wie vor Interesse an „Web-to-Retail“. Das Geschäft mit Sofortdruck-Kiosken im Laden ist in Deutschland, Frankreich und Großbritannien nach wie vor stark und wird voraussichtlich weiter wachsen. Futurespurce geht nicht davon aus, dass die installierte Basis massiv weiterwachsen wird, aber die Nutzung (Abzüge/Tag) nimmt an vielen Standorten zu, angetrieben besonders von jungen Verbrauchern. Das marketinggetriebene „Konzept“ des kostenlosen Druckens nimmt kontinuierlich ab –  es fallen Versandkosten an.