Ab dem 5. Juni 2026 zeigt die Helmut Newton Foundation die Ausstellung „Rooms / Stages“, die sich mit der Bedeutung von Räumen und Bühnen in der Fotografie beschäftigt. Die Schau knüpft an die Ausstellung „Body Performance“ aus dem Jahr 2019 an und verlagert den Blick von den dargestellten Personen auf die Räume selbst.
Zu sehen sind Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern wie Viktoria Binschtok, Götz Diergarten, Anna Lehmann-Brauns, Jana Sophia Nolle, Julia Peirone, Robert Polidori, Friederike von Rauch, Ricarda Roggan, Georges Rousse, Gregor Schneider, Karen Stuke und Paolo Ventura. Die gezeigten Werkgruppen setzen sich auf unterschiedliche Weise mit Innenräumen, Bühnenbildern und inszenierten Umgebungen auseinander.
Die Ausstellung umfasst sowohl Porträts mit bewusst einbezogenen Raumkonzepten als auch Fotografien, in denen Menschen durch Langzeitbelichtungen nahezu verschwinden. Daneben werden menschenleere Ateliers, Museen und andere Innenräume gezeigt, die Raum für eigene Interpretationen lassen.
Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich Arbeiten von Helmut Newton. Der Fotograf verwandelte unterschiedlichste Orte in fotografische Bühnen – von Hotelinterieurs in Metropolen wie Paris, Mailand oder New York bis hin zu Außenaufnahmen in Monte Carlo. Im hinteren Ausstellungsbereich präsentiert die Stiftung erstmals in Berlin „Helmut Newton’s One-off Album“. Dabei handelt es sich um ein von Newton im Jahr 1999 für den Sammler Gert Elfering zusammengestelltes Unikat, das heute zur Nicola Erni Collection gehört.
Die Ausstellung wird am 4. Juni 2026 eröffnet und läuft bis zum 15. November 2026.
Bild: Jana Sophia Nolle – Living Room # 1, Berlin 2020-22 © Jana Sophia Nolle / VG Bildkunst Bonn 2026
Pressemitteilung Newton Foundation:
Rooms / Stages
Mit Werken von Helmut Newton, Viktoria Binschtok, Götz Diergarten, Anna Lehmann- Brauns, Jana Sophia Nolle, Julia Peirone, Robert Polidori, Friederike von Rauch, Ricarda Roggan, Georges Rousse, Gregor Schneider, Karen Stuke, Paolo Ventura
Helmut Newton‘s One-off Album
Eröffnung 4. Juni 2026, 19.00 Uhr
Laufzeit 5. Juni – 15. November 2026
Am 4. Juni 2026 eröffnet die Berliner Helmut Newton Foundation zwei neue Ausstellungen: „Rooms / Stages“ und „Helmut Newton‘s One-off Album“. In den vorderen Räumen finden sich die Werke von einem Dutzend KünstlerInnen zum Thema Raum und Bühne, der Hauptraum wird zum gleichen Thema mit riesigen Motiven von Helmut Newton bespielt. Dieser Teil der Gruppenausstellung „Rooms / Stages“ leitet über zum hinteren Ausstellungsraum, wo ein einzigartiges Fotoalbum von Newton erstmals in Berlin präsentiert wird. Auch in dieser Auswahl finden sich Aufnahmen, die die Transformation eines Raumes in eine Bühne visualisieren.
Rooms / Stages
Für Kinofilme werden im Vorfeld eines Drehs sogenannte „location scouts“ losgeschickt, um nach konkreten Orten zu suchen, die für bestimmte Szenen geeignet sind. Im fertigen Film liegt das Hauptaugenmerk unserer Wahrnehmung schließlich weniger auf den Bühnenräumen, als vielmehr auf den SchauspielerInnen und der Darstellung ihrer Rollen sowie auf der Komplexität des Filmgeschehens insgesamt. Im Medium Fotografie nehmen wir in den meisten Fällen einen Raum als Bildmotiv ebenfalls kaum wahr, es sei denn, der Raum selbst wird von den FotografInnen zum Hauptmotiv erklärt. Nach der großen Ausstellung „Body Performance“, die 2019 in der Helmut Newton Foundation zu sehen war, findet nun die daran anknüpfende Ausstellung „Rooms / Stages“ statt – mit einer bewussten Verschiebung unserer Aufmerksamkeit vom performativen Akt auf den Raum selbst.
Die Künstler und Künstlerinnen der aktuellen Gruppenausstellung werden mit jeweils einer Werkgruppe vorgestellt. Sie beziehen den Raum bewusst in ihre inszenierten Porträts ein, lassen die Menschen oder TänzerInnen über Langzeitaufnahmen auch wieder daraus verschwinden; oder sie thematisieren ganz pur menschenleere Innenräume, etwa das eigene Atelier mit wechselndem, verschobenem Mobiliar oder Museen wie in Versailles oder Dresden, in die wir unweigerlich ein bestimmtes Geschehen imaginieren können. Neben gerahmten Fotografien werden manche Raumkompartimente der Ausstellungsräume durch Wandtapeten mit großformatigen Bildmotiven visuell pointiert. Wir sehen aufwendige räumliche Interventionen, die nur für eine Fotografie entstanden sind, unwirtliche und zugleich perfekt gestaltete U-Bahn-Gänge in Berlin und London sowie Tanz- und Theaterbilder.
Helmut Newton, dessen Werk durch die wechselnden Präsentationen in seiner Berliner Stiftung immer wieder neu kontextualisiert wird, hat die verschiedensten Orte in Bühnen verwandelt, wie im zweiten Teil der Gruppenausstellung zu sehen ist. Dazu gehören luxuriöse Hotelzimmer und -lobbys in Paris, Mailand oder New York auf seinen Modefotografien der 1960er, 70er- und 80er-Jahre oder – wie in einer 180-Grad-Wendung – schroffe Außenraum-Situationen in Monte Carlo oder gar seine dortige Garage. Auf diese Weise hat er in den 1990er-Jahren, dem damaligen Zeitgeist entsprechend, die exklusivsten Modeentwürfe hart kontrastiert. Newton arbeitete wie ein Filmregisseur und Set-Designer in Personalunion auf den von ihm geschaffenen Bühnen. In der aktuellen Ausstellung werden die modebasierten Interieurs sowie manche seiner Bühnenfotografien gezeigt, die beispielsweise 1983 in Wuppertal bei Pina Bausch im Auftrag des Magazins „The New Yorker“ oder ab Mitte der 1980er-Jahren für die Programmhefte des Balletts von Monte Carlo entstanden sind. All das begegnet uns motivisch in Form riesiger Wandtapeten sowie einer Fülle von Polaroids in den Vitrinen davor.
Helmut Newton‘s One-off Album
Der dritte Teil der Sommerausstellung ist einem Album von Helmut Newton gewidmet, das der Fotograf 1999 für den Sammler Gert Elfering zusammengestellt hat und inzwischen in die Nicola Erni Collection gelangt ist. Die Sammlerin zeigt das Unikat außerhalb ihrer Schweizer Ausstellungsräume nun zum ersten Mal in Berlin. Es handelt sich um 112 kleinformatige Originalabzüge in Schwarz-Weiß und Farbe sowie unterschiedlichen Bildformaten, die von Newton und Elfering ausgewählt, auf einem Trägerkarton geklebt und handschriftlich mit einem Titel oder einer ergänzenden Geschichte zum jeweiligen Bildmotiv versehen wurden. Die montierten Fotografien wurden damals nicht gebunden, sind inzwischen einzeln gerahmt und können nun, Seite an Seite, betrachtet werden. Es handelt sich um ikonische Modefotografien ebenso wie bislang noch nie gezeigte Arbeitsfotos, die am Rande seiner Modeshootings entstanden, um Polaroids und Werbeaufnahmen.
Anlässlich der Ausstellung erschien im Februar 2026 das Buch „Helmut Newton: One-off“ im Phaidon Verlag, mit Texten von Philippe Garner, Gert Elfering, Matthias Harder und Nicola Erni; ISBN: 978 183729 151 9
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