Mit der Leica M EV1 geht die Kameramanufaktur aus Wetzlar einen überraschend modernen Weg für das Klassikersystem M und bringt die M11 mit elektronischem Sucher und modernen Features noch einmal heraus. Wir haben uns die Kamera im Test auf einer Reise nach Malta genauer angesehen.
Leica M EV1
- Sensor: 60,3 MP Kleinbild, CMOS
- ISO-Bereich: ohne und mit Erweiterung: 64–50.000 / 64–50.000
- Kürzeste Verschlusszeit: 1/4.000 s (mechanisch), 1/16.000 s (elektronisch)
- Bildstabilisierung: nein
- Video: kein Video
- Display: 2,95 Zoll, 2.332.800 Bildpunkte
- Sucher: ja, elektronisch
- Speichermedien: 1x SDHC/SDXC (UHS-II), interner Speicher mit 64 GB
- Gewicht: 496 g
- Preis: ca. 7.050 Euro
- https://leica-camera.com
Mit der M-Serie hat sich die deutsche Kamera-Manufaktur in Wetzlar weltweit einen Namen gemacht. Die renommierten Messsucher-Kameras erfreuen sich bei Reportage- und Dokumentarfotografen, aber auch bei Sammlern großer Beliebtheit. Leica weiß mit Design, viel Handarbeit und auch dem Image hinter dem roten Punkt zu überzeugen. Dabei richten sich die Kameras aber vor allem an Fotografen, die nicht ihr Augenmerk auf Geschwindigkeit und Feature-Umfang legen, sondern eher auf Bildqualität und bedachte Fotografie.
Mit der Leica M EV1 kommt dabei ein weiteres Modell auf den Markt, das technisch auf der Leica M11 basiert. So hat auch die M EV1 den aus der M11 bekannten Vollformat-BSI-CMOS-Sensor mit Triple-Resolution-Technologie, mit dem sich wahlweise DNG- oder JPEG-Aufnahmen mit einer Auflösung von 60, 36 und 18 Megapixel erstellen lassen.
Auch der Maestro-III-Prozessor ist uns bereits aus eben diesem Modell bekannt. Und damit kommen wir gleich zur großen Neuheit der M EV1: Sie kommt mit einem integrierten elektronischen Sucher (EVF) statt dem im M-System klassischen Messsucher, bei dem beim Fokussieren sich die Bilder in der Mitte überlappen müssen.
Bekanntes und Neues
Richtig neu ist neben dem elektronischen Sucher in der Leica M EV1 per se nichts. Doch ist die M EV1 ebenso wie die M11-P und die displaylose M11-D mit der Content-Credentials-Technologie ausgestattet. Mit dieser können Bilder mit einer digitalen Signatur versehen werden, die dessen Herkunft sowie alle nachträglichen Änderungen fälschungssicher nachweist.
Zudem haben einige moderne Features und Fokussierhilfen Einzug gehalten, die wir schon von anderen Leica-Systemen wie dem SL-System kennen: Mit Focus Peaking kann man sich im Sucher und auf dem Display Schärfekanten farbig anzeigen lassen. Der Fokus-Zoom erleichtert das Scharfstellen und kann entweder durch Drehen am Fokusring oder über einen Funktionsknopf aktiviert werden. Und auch der Hebel auf der Vorderseite, der bei den Messsucher-Kameras zur Vorschau des Leuchtrahmens dient, wird bei der M EV1 etwas umfunktioniert: Hierauf lassen sich beispielsweise die Fokus-Assistenten oder der digitale Zoom legen. Dazu hat die M EV1 ebenfalls den 64 GB großen internen Speicher, der den ein oder anderen Fotoausflug mit vergessener Speicherkarte retten kann. Tatsächlich hätten wir auch pro Tag nicht mehr als eine 64 GB Speicherkarte gebraucht.
Unterwegs mit der Leica M EV1
Wir – mein Model Julia und ich – hatten die Leica M EV1 auf unserer Reise quer durch Malta mit dabei. Zwischen den schroffen Steilklippen, den Salzpfannen und den zahlreichen historischen Bauten passte die M EV1 fantastisch. Wir waren auf Entdeckungstour, und die kurzen Pausen, die man ganz ohne Autofokus zum Fotografieren einlegen muss, fügten sich gut in den Reiseverlauf. Da man mehr Zeit für die Bilder braucht, überlegt man bewusster, wann man die Kamera in die Hand nimmt und was genau man einfangen möchte. Dazu kommt der Mythos, den eine M-Kamera immer mit sich bringt. Die Kamera fühlt sich allein durch das Ganzmetall-Gehäuse aus Magnesium und Aluminium hochwertig an und liegt dabei fantastisch in der Hand. Mit 484 Gramm inklusive Akku bleibt sie leicht genug, das sie selbst bei langen Fototouren weder im Handgelenk noch auf der Schulter auffällt. Auch alle Bedienelemente ließen sich immer gut erreichen. Für alle, die trotzdem mehr Halt wollen, bietet Leica einen separat erhältlichen Handgriff (ca. 400 Euro) an. Dazu ist die Kamera nicht mit Knöpfen überladen, sondern folgt ganz Leica-typisch dem Motto „Form follows Function“. Das Kameramenü ist übersichtlich und lässt alle wichtigen Funktionen wie beispielsweise den Selbstauslöser schnell über das Schnellmenü finden.

Aufgenommen mit der Leica M EV1 und dem Summilux-M 1:1.4/50 ASPH. bei 50 mm (KB), ISO 100, f/3,4 und 1/180 Sekunde. Bild: Sarah A. Fechler
Neben Landschaften und Porträts ist Malta auch ein guter Ort für Architektur- und Streetfotografie. Die engen Gassen Mdinas oder die belebten Straßen Valettas bieten vielfältige Fotooptionen. Bewegte Motive lassen sich mit der M EV1 mit bis zu 4,5 Bildern pro Sekunde einfangen – das reicht für schwungvolle Drehungen vom Model oder Momentaufnahmen auf der Straße; ohne dass sich gleich Unmengen an „Datenmüll“ auf der Speicherkarte ansammeln. Sicher, ins Sportstadion würde ich mit der M EV1 – und auch einer M11 – nicht gehen, aber mir ist jetzt auch kein 400-mm-Objektiv für das Leica-M-System bekannt. In allem passen der klassische Look und die bedachte Art der Fotografie gut zusammen – und mit dem elektronischen Sucher macht die M EV1 den Einstieg in das M-System einfacher. Mit 7.950 Euro liegt die M EV1 sogar knapp 1.000 Euro unter den Schwestermodellen M11 (8.750 Euro) und M11-P (8.950 Euro). Fast schon ein Preiskracher, zumindest für das M-System.
Unser Fazit: Leica M EV1 im Test
Leica richtet sich mit der M EV1 ganz gezielt an jene potenziellen Kunden, die gern zum M-System greifen würden, aber sich mit dem Messsucher nicht anfreunden können. Allein deshalb wird die Kamera ihre Käufer finden. Die modernen Ansätze mit Focus Peaking und Content Credentials weisen zudem in eine Richtung, die wir auch gern bei einer M12 sehen würden.
Was uns gefällt …
- Elektronischer Sucher
- Focus Peaking
- Content Credentials
… und was nicht so gut ist
-
Hochpreisig
-
Nur manueller Fokus
-
Keine Videofeatures
Technische Daten: Leica M EV1
| Maximale Auflösung | 9.528 x 6.328 Pixel |
| Effektive Pixel | 60,3 Millionen |
| Sensor (Typ / Größe) | CMOS / Kleinbild |
| Bajonett / Crop-Faktor | Leica M / 1-fach |
| Bildstabilisator / Kompensation | ━ / ━ |
| Sucher (Art) | elektronisch |
| Bildfeld-Abdeckung / Vergrößerung (auf KB) | 100 Prozent / 0,76-fach |
| Display (Größe / Auflösung) | 2,95Zoll / 2.332.800 Subpixel |
| Touchscreen / beweglich | ● / ━ |
| Verschlusszeiten / Bulb | mechanisch 1/4.000 bis 60 min; elektronisch: 1/16.000–60 s / ● |
| Kürzeste Blitzsynchronisation | 1/180 s |
| ISO-Bereich (ohne / mit Erweiterung) | 64–50.000 / 64–50.000 |
| Bildformate | JPEG, DNG, DNG+JPEG |
| Serienbildgeschwindigkeit (max. / mit AF-C / mit AF-S) | 4,5 Bilder pro Sekunde / ━ (nur MF) / ━ (nur MF) |
| Maximale Video-Auflösung | ━ (kein Video-Modus) |
| Blitzschuh / Blitzsynchron-Anschluss | ● / ━ |
| WLAN / Bluetooth / GPS | ● (a/b/g/n/ac) / ● / ━ |
| Speichermedium / interner Speicher | SDXC / 64 GB |
| USB / HDMI-Ausgang | ● / ━ |
| Akkutyp | Leica BP-SCL7 |
| Gehäuse abgedichtet | ━ |
| Abmessungen (B x H x T) | 147 x 80 x 38 mm |
| Gewicht Body | 495 g |





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