Mit dem Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) hat der Hersteller für Sony-FE- und L-Mount eine lichtstarke Tele-Festbrennweite vorgestellt, die nicht nur Porträtfotografen glücklich machen wird. Wir haben sie im Labor und in der Praxis getestet.

Sigma 135 mm f/1,4 DG (A)

  • Anschluss: E- und L-Mount
  • Optischer Aufbau: 17 Elemente in 13 Gruppen
  • Anzahl Blendenlamellen: 11
  • Autofokus: ja
  • Bildstabilisator: nein
  • Gewicht: 1.430 g
  • Preis: ca. 1.900 Euro
  • www.sigma-foto.de

Mit dem Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) hat der Hersteller ein richtiges Lichtwunder für Sony-FE- und L-Mount vorgestellt. Mit 135 mm ermöglicht das Objektiv dabei durch die lange Brennweite bereits einfachere Freistellungen von Personen, aber auch jenseits von Porträts filigrane Detailaufnahmen und Weichzeichnungen. Die Tele-Festbrennweite kommt mit einer Offenblende von f/1,4, wodurch die Freistellung noch verstärkt werden kann. Gleich vorweg: Genau das hat in der Praxis richtig viel Freude bereitet.

Bereits beim Auspacken wirkt das Objektiv sehr wertig. Dieses Gefühl bleibt über den ersten Eindruck hinaus bestehen und wird durch die Ausstattung bestätigt. 

Das 135 mm f/1,4 DG (A) kommt mit einem Blenden- und einem Fokusring, hat einen AF/MF-Schalter zum Umstellen von manuellem auf automatischen Autofokus und besitzt einen De-Click-Schalter, mit dem sich der Blendenring auf eine stufenlose Bedienung (beispielsweise für Videoaufnahmen praktisch) umstellen lässt. Dazu kommen zwei Funktionstasten am Gehäuse, wobei sich je eine im Hochformat und die andere bei der Fotografie im Querformat gut erreichen lässt. Diese lassen sich über das Kameramenü mit einer individuell wählbaren Funktion belegen, die dann für beide Tasten gleichermaßen gilt.

Produktbild Sigma 135 mm f/1,4 DG (A)

Das Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) ist mit zwei Funktionstasten, einem Blendenring, einem De-Click-Schalter und einer abnehmbaren Stativschelle ausgestattet. Bild: Sigma

 

Kommen wir aber zum Elefanten im Raum: Mit 1.430 Gramm ist das Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) ein echter Brocken. Das liegt natürlich an der großen Offenblende. Damit genügend Licht für die f/1,4 einfallen kann, hat das Frontelement einen Filterdurchmesser von 105 Millimetern; entsprechend groß und schwer sind die Glaselemente. Wovon es nicht wenige gibt: beim optischen Aufbau 17 Linsen in 13 Gruppen – darunter sechs Speziallinsen. Mit der Kamera kommt man da leicht über 2.200 Gramm. Zusammen mit der Leica SL2 im Praxistest der L-Mount-Variante waren es sogar fast 2.300 Gramm. Das hohe Gewicht hat Sigma in der Konstruktion aber mit bedacht und das 135 mm f/1,4 DG (A) mit einer Arca-Swiss-kompatiblen Stativschelle versehen. Wer diese nicht braucht, kann sie zudem sogar abmontieren. In der Praxis war sie bei Porträts doch eher im Weg. Und auch wenn das Fotografieren mit dem 135 mm durch das weiche Bokeh und den intensiven Freistelleffekt viel Freude bereitet hat: Im Handgelenk spürt man das Gewicht. Die hochwertige und schwere Konstruktion hat sich jedoch gelohnt: Die Abbildungsleistung ist an beiden Bajonetten exzellent. Sigma gelingt es, scharfe Details bereits bei Offenblende abzubilden und typische Probleme wie Reflexionen bei Gegenlichtaufnahmen oder Farbsäume (chromatische Aberrationen) an harten Kontrasten nahezu abzustellen.

In der Praxis freuen wir uns zudem darüber, dass die Tele-Festbrennweite auch gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet ist. Damit spricht nichts gegen ein Outdoor-Fotoshooting bei Wind und Wetter.

Für die genauen Messwerte werfen wir einen Blick in die Einzeltests der beiden Bajonett-Varianten im CHIP-Testlabor:

Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) für L-Mount im Testlabor

Beginnen wir mit einem Blick auf das Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) für L-Mount. Auf dem Markt hat die Tele-Festbrennweite dabei eigentlich keine wirkliche Konkurrenz im L-Bajonett. Das ist heutzutage eher eine Seltenheit bei der großen Objektiv-Vielfalt in den spiegellosen Systemen.

Dazu überzeugt es mit einem sehr guten Rundumpaket bei der Abbildungsleistung, das die Konkurrenz erst einmal nachmachen müsste: An der CHIP-Testlabor-Messkamera Panasonic Lumix S1R erreicht das 135 mm f/1,4 DG (A) bei Offenblende mit 2.447 Linienpaaren pro Bildhöhe 86 Prozent der maximal möglichen Auflösung – und das sowohl in der Bildmitte als auch am Rand. Zweifach abgeblendet erhöhen sich die Werte sogar auf 2.647 Lp/Bh in der Bildmitte, was 93 Prozent entspricht, und in den Ecken auf 2.563 Lp/Bp, was 90 Prozent entspricht. Das heißt, hier gibt es schon bei der lichtstarken Offenblende von f/1,4 scharfe Details.

Auch bei Verzeichnung und den chromatischen Aberrationen gibt es nichts zu meckern. In unseren Praxisbildern finden wir optisch keine. Das CHIP-Testlabor misst eine geringe Farbsaumbreite von 0,6 Pixel. Und auch die geringe Vignette (Helligkeitsverlust in den Ecken) bei Offenblende verschwindet nahezu komplett zweifach abgeblendet., wobei diese auf den Praxisbildern auch vorher nicht auszumachen war.

Porträtfotografen können sich zudem über einen sehr treffsicheren Autofokus freuen. Mit einer Reaktionszeit von 0,49 Sekunden dürfte er gern etwas schneller sein – aber dafür sitzt der Fokus, wo er soll; und das eigentlich immer.

Mit 1.900 Euro ist die 135 mm Tele-Festbrennweite auf den ersten Blick kein Schnapper. Im preisintensiveren L-Mount-Umfeld kommt das Objektiv aber dennoch auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) im Test Praxisfoto 01

Aufgenommen mit dem Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) an einer Leica SL2 bei 135 mm (KB), ISO 800, f/1,4 und 1/250 Sekunde. Bild: Sarah A. Fechler

Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) Praxisfoto 03

Aufgenommen mit dem Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) an einer Leica SL2 bei 135 mm (KB), ISO 50, f/1,6 und 1/800 Sekunde. Bild: Sarah A. Fechler

Aus dem Testlabor

Vignettierung des Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) für L-Mount im Test

Die Vignettierung gibt an, wie stark die Helligkeit von der Bildmitte zu den Bildrändern hin abnimmt. In unseren Grafiken wird der Helligkeitsverlust in Blendenstufen farblich dargestellt. Die Legende zur Abstufung der Blendenstufen finden Sie direkt in der jeweiligen Grafik.

Vignettierung bei Offenblende

Vignettierung des Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) an einer Panasonic Lumix DC-S1R bei offener Blende. Bild: CHIP Testlabor

Vignettierung, 2-fach abgeblendet:

Vignettierung des Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) an einer Panasonic Lumix DC-S1R, zweifach abgeblendet. Bild: CHIP Testlabor

Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) für Sony FE im Testlabor

Im Sony FE-Bajonett wird es das Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) auf dem Markt etwas schwieriger haben. Hier muss es sich gegen das leistungsstarke Sony FE 135 mm f/1,8 GM behaupten, das nur geringfügig lichtschwächer ist, zum Zeitpunkt des Testberichts rund 400 Euro günstiger war und einen Fokusbereichsbegrenzer bietet, der dem Sigma fehlt.

Doch in puncto Abbildungsleistung kann das Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) auch hier glänzen. An der Sony Alpha 7R IV, der Messkamera im CHIP-Testlabor für Vollformatobjektive im E-System, erreicht es bereits bei Offenblende 2.929 Linienpaare pro Bildhöhe, was 90 Prozent der theoretisch möglichen Auflösung der Kamera entspricht. In den Ecken fällt die Auflösung bei der FE-Variante leicht auf 86 Prozent bzw. 2.775 Lp/Bh ab. Zweifach abgeblendet verschwindet diese leichte Randunschärfe, und sowohl in der Mitte als auch in den Bildecken sind 91 Prozent möglich. Der Autofokus ist erfreulich treffsicher und dürfte bei Porträts in Kombination mit dem sehr guten Augenautofokus von Sony viel Freude machen. Ein wenig schneller dürfte er aber auch hier gern sein, da er mit 0,52 Sekunde nochmal leicht träger als bei der L-Mount-Variante ist.

Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) im Test Praxisfoto 02

Aufgenommen mit dem Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) an einer Sony Alpha 7 IV bei 135 mm (KB), ISO 80, f/7,1 und 1/50 Sekunde. Bild: Thomas Probst

Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) Praxisfoto 04

Aufgenommen mit dem Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) an einer Sony Alpha 7 IV bei 135 mm (KB), ISO 400, f/5,0 und 1/2.500 Sekunde. Bild: Thomas Probst

Aus dem Testlabor

Vignettierung des Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) für Sony FE im Test

Die Vignettierung gibt an, wie stark die Helligkeit von der Bildmitte zu den Bildrändern hin abnimmt. In unseren Grafiken wird der Helligkeitsverlust in Blendenstufen farblich dargestellt. Die Legende zur Abstufung der Blendenstufen finden Sie direkt in der jeweiligen Grafik.

Vignettierung bei Offenblende

Vignettierung des Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) an einer Sony Alpha 7R IV bei offener Blende. Bild: CHIP Testlabor

Vignettierung, 2-fach abgeblendet:

Vignettierung des Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) an einer Sony Alpha 7R IV, zweifach abgeblendet. Bild: CHIP Testlabor

Unser Fazit: Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) im Test

Gerade im L-Mount haben wir eine solche Festbrennweite bisher gesucht. Mit dem Sigma 135 mm f/1,4 DG (A) werden Detailliebhaber und Porträtfotografen auf ihre Kosten kommen. Und das mit einem lichtstarken Teleobjektiv, dessen Vorzüge man bereits bei Offenblende voll auskosten kann. Man muss sich nur mit Gewicht und Preis anfreunden können.

Was uns gefällt …

  • Sehr gute Abbildungsleistung an beiden Anschlüssen

  • Weiches Bokeh

  • Toller Freistell-Effekt

  • Hochwertige Verarbeitung

… und was nicht so gut ist

  • Hohes Gewicht

Technische Daten: Sigma 135 mm f/1,4 DG (A)

Konstruiert für Sensorgröße / BajonettKleinbild / L-Mount und Sony E
Brennweite an APS-C-Kamera (umgerechnet auf Kleinbild)202,5 mm
Maximale Lichtstärke1.4
Kleinste Blende16
Konstruktion: Linsen / Gruppen17 / 13
Blendenlamellen (Anzahl)13
Naheinstellgrenze1,1 m
Filtergröße105 mm
Abmessungen / Gewicht112 x 136 mm / 1.430 g
AF-Motor / AF/MF-Schalter● / ●
Bildstabilisator /
mit mehr als einem Modus
━ / ━
Innenfokus
Funktionstaste (Fn)
Steuerrungs-/Blendenring /
De-Click-Schalter
● / ●
Fokusbereichsbegrenzer
Gummidichtung am Bajonett
Streulichtblende /
Schutzbeutel/-tuch mitgeliefert
● / ●