Was macht ein Bild heute noch wertvoll, wenn jeder die Werkzeuge hat? Diese Frage stand über dem gesamten Tag, den die OMR x Imaging 2026 am 4. Mai auf dem Hamburger Messegelände verbracht hat – und drei sehr unterschiedliche Gruppen von Menschen haben drei sehr unterschiedliche Antworten gegeben. Wer alle drei gehört hat, verstand am Ende des Tages vielleicht, warum keine davon allein ausreicht.
Attention, please! – Strategie trifft Handwerk trifft Feed
Den Auftakt machte die Masterclass „Attention, please! Warum Differenzierung im Imaging zur stärksten Form von Wirkung wird”. Max Schöngen, Global CCO der Mediaplus/Serviceplan Group, eröffnete mit einem Vortrag, der schnell klar machte: Es geht nicht ums Briefing, nicht ums Budget, nicht um die nächste Kreativtechnik. Es geht darum, ob eine Marke überhaupt eine Haltung hat – bevor sie ein Bild macht.
Was folgte, war ein Gespräch zwischen drei Welten, die im Alltag kaum miteinander reden: der Stratege, der Handwerker, die Creatorin.
Sacha Höchstetter – Fotograf für Vogue, BMW, Cartier, Nike, heute Co-Founder von Hot.Studio – sprach darüber, was ein Bild außergewöhnlich macht in einer Zeit, in der technisch perfekt keine Währung mehr ist. Die provokanteste Frage des Tages stellte Moderator Ben Lorenz an ihn: Wenn morgen jede KI seinen Stil perfekt imitieren kann – was bleibt dann das Alleinstellungsmerkmal? Höchstetters Antwort überzeugte und traf auf Zustimmung: Das kreative Miteinander, was keine Maschine in einem kreativen Entstehungsprozess ersetzen kann.
Julia Römmelt – 1,6 Millionen Follower auf Instagram, TikTok, YouTube und OnlyFans – brachte die Perspektive, die im Publikum aus Marketing und Agentur alle kennen, aber viele unterschätzen. Ihre Beobachtungen über den Scroll-Reflex (was entscheidet in 0,3 Sekunden?) und über das, was Marken beim Creator-Marketing systematisch falsch machen, waren die direktesten Aussagen des Vormittags.
Das Panel mit allen drei machte die Reibung sichtbar, auf die das Format angelegt war: Bauchgefühl vs. Strategie, Kampagnen-Logik vs. Feed-Realität, Jahrzehnte Handwerk vs. zwei Wochen Reichweite mit dem Smartphone. Schöngen, Höchstetter und Römmelt waren sich am Ende in mehr einig, als das Setting vermuten ließ – was die Diskussion nicht weniger interessant machte.
Sony – Geschwindigkeit als Teil des Bildes
Nach der Pause übernahmen Stefan Voitl und Mike Suminski, beide Sony Ambassadors. Voitl, Red-Bull-Fotograf aus Österreich, zeigte seinen Workflow von einem Cliff-Diving-Shooting in Saudi-Arabien: Sony Alpha 9 III, Global Shutter, PDT-FP1 Portable Data Transmitter. Bilder entstehen, werden automatisch übertragen, sind beim Kunden, bevor der Athlet wieder aus dem Wasser kommt.
Was den Vortrag aus dem Produktpräsentations-Modus herausholte: Voitl sprach auch über die Momente, in denen der Workflow versagte. Über Situationen unter Extrembedingungen, in denen Geschwindigkeit und Bildqualität in Konflikt geraten. Über die Frage, was von einem Bild bleibt, wenn es primär wegen seiner Lieferzeit existiert.
Suminski, Berliner Videograf und Fotograf mit Kunden wie Sony Pictures Entertainment und Google, ergänzte die Produktionsperspektive: Konsistenz über eine ganze Geschichte ist heute oft die größere Herausforderung als der eine perfekte Schuss. Beides zusammen ergab ein ehrlicheres Bild des Arbeitsalltags, als es reine Technik-Showcases normalerweise liefern.
Leica – Wenn Bildkultur ins Telefon geht
Der dritte Block gehörte Leica. Julian Burczyk (Head of Product Management Mobile) und Nico Köhler (Head of Product Experience) sprachen über das Leitzphone powered by Xiaomi, die App Leica LUX, Leica FOTOS und die Frage, die hinter allem steckt: Was schützt den Markenkern einer Premiummarke, die sich ins Smartphone bewegt?
Die ehrlichste Aussage des Blocks kam auf die Frage, wo Leica in der Partnerschaft mit Xiaomi aufgehört hat, Kompromisse zu machen. Die Antwort ließ keinen Zweifel daran, dass es solche Punkte gab – und dass sie durchgesetzt wurden. Ob das reicht, um „Leica im Smartphone” als echte Leica-Erfahrung zu vermitteln, blieb bewusst offen. Moderator Lorenz ließ diese Spannung stehen: Premium trifft Demokratisierung, Exklusivität trifft Skalierung. Das ist kein Problem, das sich mit einer Folie löst.
Um 16 Uhr standen alle sieben Speaker gemeinsam auf der Bühne: Max Schöngen, Sacha Höchstetter, Julia Römmelt, Julian Burczyk, Nico Köhler, Stefan Voitl, Mike Suminski. Dreißig Minuten, in denen sichtbar wurde, was der Tag im Kern war: drei sehr unterschiedliche Welten, die auf dieselbe Frage zulaufen.
Ob Strategie, Handwerk, Creator-Realität, Markenerlebnis oder Echtzeit-Workflow – alle sieben sprachen letztlich darüber, wie Bilder heute Wirkung entfalten. Sacha Höchstetter und Stefan Voitl etwa nähern sich dem von entgegengesetzten Seiten: der eine mit Tagen für ein durchkomponiertes Kampagnenbild, der andere mit Minuten vom Auslöser zur Veröffentlichung. Und doch zielten beide auf dasselbe – den Moment, in dem ein Bild beim Menschen ankommt und etwas auslöst.
Das Closing brachte es auf den Punkt: Differenzierung, Erlebnis, Geschwindigkeit – drei Antworten auf eine Frage, und alle drei stimmen. Wer heute glaubt, mit nur einer davon durchzukommen, wird in fünf Jahren von jemandem überholt, der alle drei beherrscht.
Fazit
Die OMR x Imaging Masterclass 2026 war kein Showcase und kein Produktevent. Sie war ein Format für Menschen, die mit Bildern arbeiten und bereit sind, sich fragen zu lassen, ob sie das gut machen. Die Kombination aus Strategie-Stimme, Handwerk, Creator-Realität, Hersteller-Strategie und Produktionspraxis ergab einen Tagesrahmen, der breiter war als ein einzelnes Thema – und dadurch relevanter für ein Publikum, das selbst sehr unterschiedlich zusammengesetzt war.
Man darf gespannt sein, was aus diesem Format im nächsten Jahr wird.
Die Veranstaltung wurde von Five Monkeys Group in Kooperation mit dem OMR Festival organisiert. Premium-Partner: Leica und Sony.
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