Vollgepackt mit allerhand Funktionen für Makro-Fans liefert Sony mit dem FE 100 mm f/2,8 Macro GM OSS einen erstklassigen Nachfolger des FE 90 mm f/2,8 G OSS. Wir haben die Makro-Festbrennweite der G Master-Serie in der Praxis und im CHIP-Testlabor unter die Lupe genommen.
Sony FE 100 mm f/2,8 Macro GM OSS
- Anschluss: E-Mount
- Optischer Aufbau: 17 Elemente in 13 Gruppen
- Anzahl Blendenlamellen: 11
- Autofokus: ja
- Bildstabilisator: ja
- Gewicht: 646 g
- Preis: ca. 1.600 Euro
- www.sony.de
Bei dem Wort Makrofotografie denken viele zuerst an Pilze, Käfer und Wassertropfen auf farbigen Blütenkelchen – und das vollkommen zu Recht. Doch auch andere Bereiche der Natur, die wissenschaftliche Forschung und sogar die Werbung, hat das Abbilden der ganz kleinen Details als Faszinationsobjekt längst entdeckt. Sony hat mit dem FE 100 mm f/2,8 Macro GM OSS den Bezug wortwörtlich auf das Objektiv geschrieben.
Die G Master Festbrennweite folgt direkt auf das FE 90 mm f/2,8 G OSS und hat dabei ordentlich mehr zu bieten als eine etwas längere Brennweite. Wir haben uns die Innovationen und die technischen Merkmale des Objektivs im Testlabor vorgenommen und auch im Praxistest an der frischen Luft die Alltagstauglichkeit auf die Probe gestellt. Wie schneidet das Objektiv ab und welche technischen Eigenheiten hat Sony für sein Spezialobjektiv bereitgestellt? Vorab: Es gibt viele spannende Details.
Feinheiten im Labor
Als Teil von Sonys Luxuszweig G-Master wartet das Objektiv mit zahlreichen Features auf. Die Lichtstärke von f/2,8 kommt vielleicht bei Makroaufnahmen seltener zum Tragen, fördert aber den anderen prädestinierten Nutzen: Porträts. Die optische Konstruktion besteht aus 17 Linsenelementen in 13 Gruppen. Die Kombination aus zwei XA (Extrem Aspherical) Linsen und zwei ED-Glaselementen (Extra-low Dispersion) zaubert ein samtweiches Bokeh. Scharfgestellt wird mit vier XD-Linearmotoren (Extreme Dynamic), die im AF-S-Modus laut Sony eine 1,9-mal schnellere Fokussierung versprichen.
Besonders spannend, nicht nur für Makrofotografen, ist der Abbildungsmaßstab. Dieser ist beim Sony bis zu 1,4-fach, also 1,4:1. Falls das für Ihr Projekt nicht reicht, lassen sich, anders als beim Vorgänger, jetzt auch Sonys Telekonverter montieren, die den Vergrößerungsfaktor auf bis zu 2,8 erweitern. Für enorm detailreiche und formatfüllende Aufnahmen sorgt die Naheinstellgrenze von 26 Zentimeter ab der Sensorebene der Kamera. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass die Gesamtlänge ohne Gegenlichtblende bei 14,8 Zentimetern liegt. Damit ist es über einen Zentimeter länger, aber mit 646 Gramm merklich leichter als das vergleichbare Makro Objektiv 105 mm f/2,8 DG DN Macro (A) von Sigma, welches 710 Gramm auf die Waage bringt.
Um die feinen Motive auch entsprechend aufzunehmen, ist die Abbildungsleistung entscheidend. Auch hier hält das Sony, was G Master verspricht. Von den an unserer Messkamera, der Sony Alpha 7R IV, möglichen 3.240 Linienpaaren pro Bildhöhe (Lp/Bh) erreichte das Makroobjektiv 2.861 Lp/Bh bei Offenblende im Bildzentrum und 2.568 Lp/Bh in den Ecken. Das entspricht 88 bzw. 79 Prozent. Zweifach abgeblendet sind es im Zentrum sogar 2.976 Lp/Bh und 2.801 Lp/Bh in den Ecken. Die Standardabweichung des Autofokus beträgt ebenso nur 23 Lp/Bh – ein sehr gutes Ergebnis. Die Konstruktion und die kameraeigene Software unterbinden Verzeichnung und chromatische Aberrationen nahezu vollständig. Auch die Autofokusgeschwindigkeit hat im Test die Herstellerangaben bestätigt. Mit 0,31 Sekunden nicht der schnellste Wert, der je gemessen wurde, aber für diese Brennweite doch sehr flott.
Makrofokus
Ausgezeichnete Schärfewerte, knackige Kontraste und minimale Vignettierung sind bei allen Objektiven wünschenswert. Wenn der Anspruch aber Makrofotografie ist, verschieben sich die Prioritäten. Und um ungewolltes Verschieben zu unterdrücken, verfügt das Sony 100 mm f/2,8 über einen beeindruckenden Bildstabilisator. Dieser ist speziell auf die Bedürfnisse von Makrofotos aus der Hand ausgelegt und gleicht Bewegungen nicht nur nach links und rechts sowie nach oben und unten aus, sondern auch nach vorne und zurück, also auf der Z-Achse. Eine Funktion, die besonders wegen der filigranen Schärfeebenen äußerst durchdacht ist.
Doch das Highlight am G Master ist das Spektrum der Fokusmethoden und die damit verbundenen Bedienoptionen. Für den manuellen Fokus steht ein großer, angenehm griffiger und teilweise zu leichtgängiger Fokusring zur Verfügung. Wer mit Sorgfalt und Bedacht die größten kleinen Feinheiten herausarbeiten will, wird sich vom Fleck weg in diesen Ring verlieben. Außerdem lässt er sich verschieben. Durch Druck in Richtung Kamera wechselt man in den MF-Modus. Gleichzeitig wird dadurch der zweite Ring am Objektiv, der für den Entfernungs-/Vergrößerungsmaßstab verantwortlich ist, „huckepack“ genommen und beide Ringe werden zusammen bewegt. Ein schönes Detail: Der Ring, welcher die Maßstäbe wechselt, ist mit Zahlen in Blau und Orange beschriftet. Fans und Nutzer älterer Modelle sollte das ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern.

Maßstab mitgenommen: Der große Fokusring erlaubt präzise Steuerung der Schärfe, der bezifferte Ring stellt den Vergrößerungsmaßstab im Verhältnis zur Entfernung ein. Schiebt man den Fokusring Richtung Kamera, drehen sich beide Ringe zusammen und erlauben eine äußerst akkurate Feinjustierung in der Schärfeebene. Bild: Ben Kraus
Hier möchte ich auf zwei Bedienschalter vorgreifen: Es gibt trotz dieser Funktion einen AF/MF-Schalter am Objektiv, der unabhängig vom Abbildungsmaßstab den Fokusmodus wechselt. Ein weiterer Schalter, der Makrofotografen erfreuen wird, ist der „Full Time DMF Schalter“. Dieser erlaubt den DMF (Direct Manuell Fokus) bequem am Objektiv umzuschalten. Mit dieser Funktion lässt sich im AF-Betrieb automatisch auf ein Objekt fokussieren und händisch durch Drehen am Fokusring der Schärfepunkt korrigieren. Alle Funktionen lassen ein Rundum-sorglos-Paket für einen schnellen Ablauf in der Makrofotografie entstehen. Zur weiteren Ausstattung gehören einige Schalter und Tasten, die bei einem G Master zum guten Ton gehören: Neben dem erwähnten AF/MF-Schalter, auf gewohnter acht-Uhr-Position, befindet sich die erste von zwei belegbaren Fokushaltetasten. Die zweite ist oben auf dem Objektiv. Es folgt der Blendenring, der mit taktilem Klicken oder durch den De-Click-Schalter lautlos von Blende f/2,8 bis f/22 und anschließend in den Automatikmodus dreht – außer man sperrt den Ring mithilfe des Iris-Lock-Schalters. Darüber befindet sich die Steuerung für den Bildstabilisator und ein Fokusbereichsbegrenzer, der in „Full“, unendlich bis 0,5 Meter oder 0,7 bis 0,2 Meter rangiert.
Handling im Alltag
Der starke Fokus auf Makrofotografie macht sich auch im Handling und der restlichen Ausstattung bemerkbar. Alle Knöpfe und Schalter haben eine Silikonabdichtung um Staub und Feuchtigkeit, so gut es geht, abzuhalten. Einem Abenteuer im Wald bei Nebel oder staubiger Luft während eines Frühlingssturms steht also nichts im Weg – wasserdicht ist das Objektiv jedoch nicht. Ohne all die speziellen Features bleibt das Sony eine lichtstarke G Master-Festbrennweite. Durch die hervorragende Bokehwirkung und die schmeichelhafte Brennweite bietet sich das Sony auch für Porträts an, die von der scharfen Auflösung profitieren. Durch die Komprimierung räumlicher Abstände im Tele-Bereich gelingen auch schöne Freisteller in der Natur oder sogar in der Stadt.
Aus dem Testlabor
Vignettierung des Sony FE 100 mm f/2,8 Macro GM OSS im Test
Die Vignettierung gibt an, wie stark die Helligkeit von der Bildmitte zu den Bildrändern hin abnimmt. In unseren Grafiken wird der Helligkeitsverlust in Blendenstufen farblich dargestellt. Die Legende zur Abstufung der Blendenstufen finden Sie direkt in der jeweiligen Grafik.
Unser Fazit: Sony FE 100 mm f/2,8 Macro GM OSS im Test
Sony hat mit seinem FE 100 mm f/2,8 Macro GM OSS einen wahren Traum für Makrofotografen erfüllt. Mit einer ganzen Ladung an speziellen Funktionen und durchdachter Bedienung wird der Alltag für Detailenthusiasten deutlich erleichtert. Der Umstieg vom alten Sony 90 mm fällt ebenso leicht, wie der komplette Neueinstieg in die große kleine Welt. Der Preis liegt angesichts der Leistung im akzeptablen Rahmen für ein G-Master-Objektiv.
Was uns gefällt …
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Schneller Autofokus
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Funktionale Bedienung
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Starker Abbildungsmaßstab von 1,4:1
- Kompatibel zu Sonys Telekonvertern
- Abgedichtet
… und was nicht so gut ist
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Da der Fokusring sehr leichtgängig läuft, kann es passieren, dass man sich im MF-Betrieb schnell ungewollt den Fokus verstellt
Technische Daten: Sony FE 100 mm f/2,8 Macro GM OSS im Test
| Konstruiert für Sensorgröße / Bajonett | Kleinbild / Sony E |
| Brennweite an APS-C-Kamera (umgerechnet auf Kleinbild) | 150 mm |
| Maximale Lichtstärke | 2.8 |
| Kleinste Blende | 22 |
| Konstruktion: Linsen / Gruppen | 17 / 13 |
| Blendenlamellen (Anzahl) | 11 |
| Naheinstellgrenze | 0,26 m |
| Filtergröße | 67 mm |
| Abmessungen / Gewicht | 81 x 148 mm / 646 g |
| AF-Motor / AF/MF-Schalter | ● / ● |
| Bildstabilisator / mit mehr als einem Modus | ● / ━ |
| Innenfokus | ● |
| Funktionstaste (Fn) | ● |
| Steuerrungs-/Blendenring / De-Click-Schalter | ● / ● |
| Fokusbereichsbegrenzer | ● |
| Gummidichtung am Bajonett | ● |
| Streulichtblende / Schutzbeutel/-tuch mitgeliefert | ● / ● |







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