Die internationale Fotobranche zeigt sich 2026 vielschichtig: Während Profi-Fotografen laut Zenfolio verstärkt auf KI zur Effizienzsteigerung setzen und gleichzeitig neue kreative Geschäftsfelder erschließen, bleibt der wirtschaftliche Druck hoch. Parallel dazu präsentiert sich der US-Markt für Fotoprodukte weiterhin robust mit moderatem Wachstum. Und nicht zuletzt sorgen zahlreiche Übernahmen und strategische Zusammenschlüsse für Bewegung im Imaging-Ökosystem – von KI-Start-ups bis hin zu etablierten Fotodienstleistern.

Die wichtigsten Imaging Business News der KW 18/26 – kuratiert von Wolfgang Heinen, Herausgeber von PHOTO PRESSE, DigitalPHOTO und PhotoKlassik.

Imaging Business News KW 18/26:

Zenfolio: So ticken Profi-Fotografen aktuell

Einmal im Jahr untersucht Zenfolio die Lage der Berufsfotografen in (fast) aller Welt. Die Erkenntnisse der Befragung von 5.000 Fotoprofis aus 90 Ländern sind erhellend bis wenig überraschend:

KI unterstützt Kreativität, ersetzt sie aber nicht: Fast 50 % der Fotografen nutzen KI wöchentlich, hauptsächlich für administrative Aufgaben wie E-Mails, Bildunterschriften und Marketinginhalte. 

Fotografen verwandeln kreatives Experimentieren in neue Einnahmequellen: Fast die Hälfte der Fotografen plant, sich 2026 einem neuen Genre zu widmen, wobei sich Kunst-, Landschafts- und Dokumentarfotografie sowohl als kreative Betätigungsfelder als auch als potenzielle neue Einnahmequellen herauskristallisieren.

Empfehlungen kurbeln das Geschäft an: 85 % der Kunden kommen über Empfehlungen, was zeigt, dass Beziehungen und Mundpropaganda nach wie vor die wirksamste Wachstumsstrategie sind.

Projektmanagementsysteme werden selten genutzt: Trotz der großen Auswahl an Tools verlassen sich viele Fotografen nach wie vor auf Tabellenkalkulationen oder ihre eigene Erinnerung, was zu einem hohen Arbeitsaufwand führt und dazu, dass wichtige Geschäftsinformationen unübersichtlich und unklar bleiben.

Die diesjährigen Daten machen eines deutlich: Professionelle Fotografen agieren in einem komplexen Umfeld, das weit mehr erfordert als nur kreatives Können. Sie erschließen neue Genres, testen neue Tools, pflegen Kundenbeziehungen – und müssen dabei gleichzeitig finanziellen Druck und betriebliche Belastungen bewältigen. Die Herausforderung liegt nicht in einem Mangel an Talent oder Ehrgeiz. Es ist die Last, ein facettenreiches Unternehmen zu führen – oft ganz allein.

https://zenfolio.com/sopi/2026-april/

Rise Above Research: Der US-Markt für Fotoprodukte zeigt sich widerstandsfähig

Der US-Markt für Fotoprodukte wächst weiter, da Produkte wie Fotokarten und Fotobücher laut der „2026 US Photo Merchandise Forecast“-Prognose von Rise Above Research bei den Verbrauchern viel genutzt werden und sich hoher Beliebtheit erfreuen. Im Jahr 2026 wird gegenüber 2025 mit einem Gesamtanstieg der Verkaufszahlen um rund 1,5 % gerechnet, der durch kontinuierliche Zuwächse in fast allen Produktbereichen getrieben wird. Bis 2030 wird erwartet, dass die Verkaufszahlen eine jährliche Wachstumsrate von rund 1 % fortschreiben.

Voll im Trend: Übernahmen in der Imagingbranche

Am Rande der diesjährigen WPPI in Las Vegas veranstaltete unser US-Kollege Gary Pageau eine Konferenz der Dead Pixel Society. Einer der spannendsten Vorträge lieferte Hans Hartmann (Visual 1st) unter dem Titel „The Impact of Strategies and M&A Trends in the Photo Industry“. Wie und warum werden Unternehmen in der Foto- und Videobranche übernommen? Auf der Grundlage jahrelanger Erfahrung in der Beratung von Start-ups und Technologieunternehmen skizzierte Hartman die sich wandelnde Landschaft von Fusionen und Übernahmen. 

Hartman hob zunächst einen klaren Trend hervor: Übernahmen sind im gesamten Imaging-Ökosystem nach wie vor weit verbreitet, von Software- und KI-Start-ups bis hin zu Druckplattformen und Foto-Sharing-Diensten. Große Tech-Unternehmen und Branchenakteure übernehmen weiterhin kleinere Firmen, um Innovationen zu beschleunigen, ihre Fähigkeiten zu erweitern oder Marktanteile zu konsolidieren. Beispiele aus der gesamten Branche sind Übernahmen durch Unternehmen wie Canva, Apple und Amazon sowie Transaktionen mit Bildproduktionsspezialisten wie The Customization Group und verschiedenen Fotosoftware-Plattformen. Laut Hartman lassen sich die meisten Übernahmen im Foto- und Bildverarbeitungssektor in drei Hauptkategorien einteilen: strategische Übernahmen, finanzielle Übernahmen und App-Aggregationsgeschäfte. 

Strategische Übernahmen sind am häufigsten. In diesen Fällen möchte ein Käufer Zugang zu einer speziellen Technologie, zu den Produkten oder zum Fachwissen eines Unternehmens erhalten – insbesondere dann, wenn die interne Entwicklung zu lange dauern würde. So sind beispielsweise Unternehmen, die sich auf visuelle Intelligenz, KI-gesteuerte Bilderkennung oder Workflow-Automatisierung spezialisiert haben, zu attraktiven Übernahmezielen geworden. 

Ein weiterer Beweggrund für Übernahmen ist eine Marktexpansion. Durch die Übernahme von Unternehmen mit komplementären Produktlinien oder geografischer Reichweite können Käufer schnell in neue Segmente vordringen oder ihre Position in einem bestehenden Markt stärken. Im Fotodrucksektor haben Übernahmen einigen Unternehmen dabei geholfen, ihr Angebot um hochwertige Geschenkartikel und spezialisierte Drucktechnologien zu erweitern. Finanzinvestoren, darunter Private-Equity-Firmen, spielen ebenfalls eine Rolle in diesem Ökosystem. Diese Investoren haben oft etablierte Unternehmen mit stabilem Cashflow im Visier, insbesondere in den traditionellen Bereichen Fotodruck oder Fotofinishing. Ihr Ziel ist in der Regel die operative Verbesserung und langfristiges Wertwachstum. 

Hartman hob zudem ein neueres Phänomen hervor: App-Aggregatoren, also Unternehmen, die mobile Anwendungen erwerben mit einer starken Nutzerbasis, aber begrenzten Monetarisierungsstrategien. Diese Unternehmen sind auf Marketing, Abonnementoptimierung und Umsatzgenerierung spezialisiert und helfen dabei, Apps zu skalieren, die andernfalls Nischenprodukte bleiben würden. 

Abschließend ging Hartman auf die Bewertung ein – oft die drängendste Frage für Gründer. Während traditionelle Kennzahlen wie EBITDA und Umsatz nach wie vor wichtig sind, legen Investoren zunehmend Wert auf den jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR), insbesondere bei abonnementbasierten Plattformen und SaaS-Unternehmen.