Wie gut ist das lichtstarke Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro für das Sony-E-System? Wir haben uns die APS-C-Festbrennweite im Labor und in der Praxis näher angesehen.

Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro

  • Anschluss: E-Mount
  • Optischer Aufbau: 13 Elemente in 8 Gruppen
  • Anzahl Blendenlamellen: 11
  • Autofokus: ja
  • Bildstabilisator: nein
  • Gewicht: 626 g
  • Preis: ca. 600 Euro
  • www.rollei.de

Rollei hat gemeinsam mit Viltrox eine lichtstarke Festbrennweite auf den Markt gebracht, die sich gezielt an ambitionierte Fotoenthusiasten richtet. Das Viltrox 56 mm f/1,2 Pro wurde für spiegellose APS-C-Kameras entwickelt und ist sowohl für Sonys E-Mount als auch für das Fujifilm-X- und das Nikon Z-System erhältlich. An allen drei Systemen entspricht der Bildwinkel dem einer 84-mm-Brennweite im Kleinbildformat.

Mit ihrer hohen Lichtstärke von f/1,2 empfiehlt sich die Festbrennweite nicht nur für klassische Porträts, sondern auch für zahlreiche andere Motive, bei denen eine gezielte Freistellung mit weichem Bokeh gefragt ist. Gleichzeitig ermöglicht die leichte Tele-Brennweite den sogenannten „Verdichtungs“-Effekt, wie man ihn von Teleobjektiven kennt. 

Dabei wirken in der Realität größere Abstände zwischen Bildebenen deutlich kompakter, also verdichtet. Bemerkenswert ist in Anbetracht der hohen Lichtstärke vor allem der Preis: Mit rund 600 Euro (zum Zeitpunkt dieses Testberichts) bleibt das Viltrox 56 mm f/1,2 Pro auch für viele engagierte Hobbyfotografen erschwinglich. Wir haben das Objektiv im Labor- und Praxistest an einer Sony Alpha 6700 ausführlich unter die Lupe genommen.

Gehäuse und Bedienkonzept

Das Viltrox 56 mm f/1,2 Pro macht bereits beim ersten Ausprobieren einen hochwertigen Eindruck. Das aus Metall gefertigte Gehäuse mit den Abmessungen 78 x 92 Millimeter und einem Gewicht von 626 Gramm wirkt stabil und sauber verarbeitet. Laut Rollei ist das Objektiv gegen Staub und Witterungseinflüsse geschützt. Der Bajonettanschluss verfügt über eine Gummidichtung, die das Eindringen von Staub und Feuchtigkeit ins Kamerainnere und damit auf den Sensor verhindern soll. Somit eignet sich die Festbrennweite auch für den Einsatz außerhalb geschützter Umgebungen.

Der Fokusring ist vergleichsweise breit und lässt sich dadurch gut greifen. Er bietet einen recht hohen Drehwiderstand und einen auffällig langen Fokussierweg. Um den kompletten Fokusbereich von der kürzesten Einstellentfernung bis unendlich manuell zu durchfahren, mussten wir im Praxistest mehrfach neu umgreifen. Das ermöglicht eine sehr feinfühlige manuelle Scharfstellung und präzise Schärfeverlagerungen. Für Fotografen und Filmer, die regelmäßig manuell fokussieren und gerne mit geringer Schärfentiefe arbeiten, ist diese Auslegung klar von Vorteil.

Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro für Sony E im Test Detail 02

Individualisierbar: Die Taste kann über das Kameramenü mit einer häufig genutzten Funktion belegt werden, um diese beim Fotografieren schneller aufzurufen. Bild: Rollei

Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro für Sony E im Test Detail 01

Mit oder ohne Raststufen: Über den Click-Schalter kann der Blendenring von festen Raststufen auf eine stufen- und geräuschlose Bedienung umgestellt werden. Bild: Rollei

Der Wechsel zwischen Autofokus (AF) und manueller Fokussierung (MF) erfolgt über einen seitlich angebrachten AF/MF-Schalter. Direkt daneben befindet sich eine frei belegbare Funktionstaste, die sich über das Kameramenü individuell konfigurieren lässt. Im Praxistest mit der Sony A6700 haben wir diese Taste beispielsweise so programmiert, dass sich damit das Objekterkennungsziel für den Autofokus wechseln lässt. So ließ sich schnell zwischen den Optionen „Menschen“, „Tiere“ und weitere Motivtypen umschalten, ohne den Umweg über das Kameramenü gehen zu müssen.

Zur Blendensteuerung ist das Viltrox 56 mm f/1,2 Pro mit einem separaten Blendenring ausgestattet. Dieser ermöglicht eine manuelle Einstellung der Blende von f/1,2 bis f/16 in Drittelstufen. Der Blendenring kann wahlweise mit festen Rastungen oder stufenlos genutzt werden. Letzteres ist insbesondere für Videoaufnahmen relevant, da der Blendenring auf diese Weise keine störenden Geräusche auf der Tonspur verursacht. Die Umschaltung erfolgt über einen seitlich angebrachten Click-Schalter. Darüber hinaus verfügt der Blendenring über eine Automatikstellung (A), bei der die Blendenwahl an die Kamera übergeben wird. In diesem Fall wird die Blende also nicht am Objektiv, sondern zum Beispiel über das Einstellrad an der Kamera gewählt. Einen Sperrschalter zur Absicherung gegen einen versehentlichen Wechsel zwischen Automatikstellung und manueller Blendenwahl gibt es allerdings nicht. Beim Drehen des Blendenrings ist daher etwas Aufmerksamkeit gefragt.

Präziser Autofokus

Beim Autofokus setzt Viltrox auf einen Voice-Coil-Motor (VCM). Dieser arbeitet im Praxistest leise und in den meisten Aufnahmesituationen zügig. Laut dem CHIP-Testlabor stellt der Autofokus durchschnittlich in 0,49 Sekunden scharf. Es gibt zwar Objektive mit deutlich schnelleren Reaktionszeiten – für ruhige Porträt-Situationen ohne dynamische Bewegungen reicht die AF-Geschwindigkeit aber allemal aus. Gut gefällt uns die zuverlässige Unterstützung der Gesichts- und Augenerkennung, die sowohl bei Menschen als auch bei Tieren gut funktioniert.

Im kontinuierlichen Autofokusmodus (AF-C) reagierte der Autofokus im Praxistest bei Fokuswechseln von nah auf fern oder umgekehrt gelegentlich mit einer leichten Verzögerung und etwas ruckartig. Er fand das Motiv dabei jedoch zuverlässig. Bei Porträts ist dieser Umstand allerdings kaum relevant, da man in diesen Situationen üblicherweise ohnehin auf der Person bleibt und bei der Fokussierung nicht zwischen Person und Hintergrund wechselt. Im Videomodus reagierte die Schärfenachführung (AF-C) insgesamt ruhiger und überzeugte mit gleichmäßigen Fokusverlagerungen.

Wie die Messungen im CHIP-Testlabor bestätigen, arbeitet das AF-System selbst bei weit offener Blende (f/1,2) sehr präzise und erreicht nahezu die Auflösung, die bei manueller Scharfstellung mithilfe der Displaylupe erzielt wurde. Auch die Trefferkonstanz ist sehr gut: Bei mehreren aufeinanderfolgenden Neufokussierungen lag die Standardabweichung mit AF bei lediglich 28 Linienpaaren pro Bildhöhe (Lp/Bh). Das spricht für eine hohe Wiederholgenauigkeit des Autofokus, auch bei geringer Schärfentiefe.

Sehr gute Abbildungsleistung

Das optische System des Viltrox 56 mm f/1,2 Pro, das aus 13 Linsenelementen in acht Gruppen besteht, sorgt bereits bei offener Blende f/1,2 für eine überzeugende Abbildungsleistung. Im CHIP-Testlabor erreicht das Viltrox an der Sony A6700 bei Blende f/1,2 eine gemessene Auflösung von 1.802 Linienpaaren pro Bildhöhe (Lp/Bh) im Bildzentrum und 1.681 Lp/Bh in den Bildecken. Das entspricht 83 Prozent im Zentrum und 77 Prozent in den Ecken der maximal möglichen Auflösung der verwendeten Messkamera – ein sehr gutes Ergebnis für eine solch lichtstarke Festbrennweite. Durch zweifaches Abblenden lässt sich die Schärfe nochmals steigern. In dem Fall messen wir 2.063 Lp/Bh (95 Prozent) im Bildzentrum und 1.799 Lp/Bh (82 Prozent) in den Bildecken. Damit legt das Objektiv sowohl in der Mitte als auch an den Rändern sichtbar zu und erreicht eine insgesamt ausgewogene Schärfeverteilung.

Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro Praxisfoto 03

Aufgenommen mit dem Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro an einer Sony Alpha 6700 bei 84 mm (KB), ISO 100, f/1,2 und 1/1.000 Sekunde. Bild: Thomas Probst

Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro für Sony E im Test Praxisfoto 02

Aufgenommen mit dem Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro an einer Sony Alpha 6700 bei 84 mm (KB), ISO 100, f/1,2 und 1/1.250 Sekunde. Bild: Thomas Probst

Was typische Abbildungsfehler betrifft, zeigt sich das Viltrox insgesamt gut korrigiert. Die im Labor gemessenen Farbsäume erreichen eine maximale Breite von 0,6 Pixeln und fallen in der Praxis kaum störend ins Gewicht. Deutlich sichtbarer ist die Vignettierung bei Offenblende. Im CHIP-Testlabor wurde bei f/1,2 ein Helligkeitsabfall von 1,6 Blendenstufen gemessen. Zweifach abgeblendet liegt die Randabdunklung nur noch bei 0,5 Blendenstufen. Ab Blende f/8 ist die Vignettierung nahezu verschwunden.

 

Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro für Sony E im Test Praxisfoto 01

Aufgenommen mit dem Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro an einer Sony Alpha 6700 bei 84 mm (KB), ISO 100, f/2,2 und 1/320 Sekunde. Bild: Thomas Probst

Aus dem Testlabor

Vignettierung des Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro für Sony E im Test

Die Vignettierung gibt an, wie stark die Helligkeit von der Bildmitte zu den Bildrändern hin abnimmt. In unseren Grafiken wird der Helligkeitsverlust in Blendenstufen farblich dargestellt. Die Legende zur Abstufung der Blendenstufen finden Sie direkt in der jeweiligen Grafik.

Vignettierung bei Offenblende

Vignettierung des Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro an einer Sony Alpha 6700 bei offener Blende. Bild: CHIP Testlabor

Vignettierung, 2-fach abgeblendet:

Vignettierung des Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro an einer Sony Alpha 6700 zweifach abgeblendet. Bild: CHIP Testlabor

Unser Fazit: Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro für Sony E im Test

Das Viltrox 56 mm f/1,2 Pro überzeugt im Test mit einer robusten Verarbeitung, einem weichen Bokeh und einer insgesamt guten Schärfeleistung bereits bei Offenblende. Der Autofokus arbeitet leise und treffsicher, reagiert bei schnellen Fokuswechseln allerdings nicht immer sofort. Die ausgeprägte Vignettierung bei Blende f/1,2 ist für diese Lichtstärke typisch. Für kreative Freisteller bietet das Objektiv viel Leistung zu einem fairen Preis.

Was uns gefällt …

  • Große Blendenöffnung f/1,2

  • Gute Schärfe

  • Fn-Taste

  • Blendenring

  • Click-Schalter

… und was nicht so gut ist

  • Deutliche Vignettierung bei f/1,2

  • Teilweise träger Autofokus im AF-C-Modus

Technische Daten: Viltrox AF 56 mm f/1,2 Pro für Sony E

Konstruiert für Sensorgröße / BajonettAPS-C / Sony E
Brennweite an APS-C-Kamera (umgerechnet auf Kleinbild)84 mm
Maximale Lichtstärke1.2
Kleinste Blende16
Konstruktion: Linsen / Gruppen13 / 8
Blendenlamellen (Anzahl)11
Naheinstellgrenze0,5 m
Filtergröße67 mm
Abmessungen / Gewicht78 x 92 mm / 626 g
AF-Motor / AF/MF-Schalter● / ●
Bildstabilisator /
mit mehr als einem Modus
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Innenfokus
Funktionstaste (Fn)
Steuerrungs-/Blendenring /
De-Click-Schalter
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Fokusbereichsbegrenzer
Gummidichtung am Bajonett
Streulichtblende /
Schutzbeutel/-tuch mitgeliefert
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