Künstliche Intelligenz zeigt sich einmal mehr als Technologie mit zwei Gesichtern: Während Anthropics neues Sicherheitsmodell großes Potenzial zur Erkennung kritischer Schwachstellen birgt, wächst zugleich die Sorge vor seinem Missbrauch. Parallel dazu macht eine aktuelle UK-Studie deutlich, wie stark KI-Tools inzwischen in den Alltag vordringen, während soziale Medien an aktiver Bedeutung verlieren. Und auch die Fotobranche blickt auf ihre Wurzeln: Die DGPh feiert 2026 ihr 75-jähriges Bestehen zwischen Traditionspflege, kulturellem Anspruch und der Frage nach neuer Relevanz.

Die wichtigsten Imaging Business News der KW 16/26 – kuratiert von Wolfgang Heinen, Herausgeber von PHOTO PRESSE, DigitalPHOTO und PhotoKlassik.

 

Imaging Business News KW 16/26:

Gefahrlose KI? Nur ein Mythos

Anthropic hat ein neues KI-Modell für Cybersicherheit vorgestellt und kündigte die Gründung der Initiative „Project Glasswing“ zusammen an, gemeinsam mit Unternehmen wie Amazon, Apple, Microsoft, Cisco und weiteren Partnern. Die beteiligten Firmen erhalten Zugriff auf ein neues Modell von Anthropic namens Claude Mythos Preview – kurz Mythos, das dabei helfen soll, Schwachstellen in ihren Produkten zu identifizieren und die Erkenntnisse mit anderen Unternehmen der Branche zu teilen.

Aber: Das KI-Modell ist anscheinend so perfekt darin, unentdeckte Software-Schwachstellen zu finden, dass es in den falschen Händen zu einer verheerenden Cyberwaffe werden könnte. Die Software könne Schwachstellen deutlich besser erkennen als Menschen, zugleich aber auch Möglichkeiten aufzeigen, diese auszunutzen – was potenziellen Angreifern in die Hände spielen könnte. Daher habe das Unternehmen noch keine Pläne, Mythos der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sondern werde die Ergebnisse von „Project Glasswing“ nutzen, um Leitlinien für die Technologie festzulegen. Klar ist jedenfalls: Solange wir Menschen noch erkennen und handeln können, wenn von KI Gefahr ausgeht, haben wir noch eine Chance zur Vermeidung von gigantischen Katastrophen. Das muss aber nicht so bleiben.

https://www.manager-magazin.de/unternehmen/tech/anthropic-neue-ki-mythos-zu-gefaehrlich-fuer-die-oeffentlichkeit-a-a3ac6df3-fe2b-4f63-9483-b7de12f49a37

K-Studie: Mehr Zurückhaltung bei Social Media, mehr KI

Eine heute von Ofcom veröffentlichte neue Studie zeigt, wie die Menschen im Vereinigten Königreich die Medien und Online-Dienste, mit denen sie in ihrem Alltag interagieren, nutzen, verstehen und wie sie dazu stehen. Die Studie zeigt unter anderem eine zurückhaltende Beziehung zu sozialen Medien, eine rasche Verbreitung von KI-Tools, eine anhaltende Online-Unternehmertätigkeit sowie gemischte Ansichten, was das Vertrauen in Nachrichtenquellen angeht.

Hier ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Trends dieses Jahres: Erwachsene sind weniger aktiv in sozialen Medien. Etwa die Hälfte der erwachsenen Social-Media-Nutzer (49 %) postet, teilt oder kommentiert derzeit aktiv – ein Rückgang gegenüber 61 % im Jahr 2024 –, während der Anteil derjenigen, die neue Websites erkunden, im gleichen Zeitraum von 70 % auf 56 % sank.

Die Nutzung von KI nimmt zu: Mehr als die Hälfte (54 %) der Erwachsenen im Vereinigten Königreich nutzt mittlerweile KI-Tools wie ChatGPT, Copilot oder Gemini, was insbesondere auf die Akzeptanz bei jüngeren Erwachsenen zurückzuführen ist (79 % der 16- bis 24-Jährigen und 74 % der 25- bis 34-Jährigen). Etwa jeder achte (12 %) KI-Nutzer gab an, diese Tools für Konversationszwecke zu nutzen; bei den 25- bis 34-Jährigen steigt dieser Anteil auf etwa jeden Fünften (19 %).

Etliche Teilnehmer der Studie interagieren mit KI, als wäre sie eine Person, oft unbewusst. In einigen Fällen berichten sie, dass sie KI nutzen, um Rat bei Trennungen zu suchen oder um sich beim Arbeiten von zu Hause aus Gesellschaft zu leisten. KI wird auch für kreative Aufgaben genutzt, darunter die Planung von Wohnräumen, das Verfassen von Hochzeitsreden oder die Erstellung von Kunstwerken.

https://www.ofcom.org.uk/media-use-and-attitudes/media-habits-adults/passive-social-media-use-ai-companionship-and-online-side-hustles-uk-adults-media-and-online-lives-revealed

DGPh feiert den 75sten

Die Deutsche Gesellschaft für Photographie, kurz DGPh, wird heuer 75 Jahre alt und man sieht es ihr an. Entstanden im Zuge der damals neuen photokina, organisiert von der Kölnmesse und der Industrie, gab L. Fritz Gruber als Kurator der großen Fotoausstellungen der Weltmesse eine kulturelle Dimension. “Aus diesem Geist heraus entstand die DGPh. Die Verbindung von Messeplattform, Industrie und künstlerisch-wissenschaftlichem Anspruch, die er für die photokina geprägt hatte, wurde so zum Gründungsprinzip der Gesellschaft”, so schreibt es die DGPh in ihrem Jubiläums-Pressetext. Und heute? Die photokina ist weg, die Industrie hat längst andere Prioritäten und Treffpunkte – bleibt die künstlerisch-wissenschaftliche Seite. Diesbezüglich vergibt die DGPh jedes Jahr diverse Preise, bemüht sich um Anerkennung auch außerhalb der Fotobranche und beschäftigt sich generell eher mit der Vergangenheit, am liebsten aber mit sich selbst.

Aber vielleicht bekommt die DGPh im höheren Alter ja noch mal frische Energie und neuen Tatendrang – das Jubiläumsprogramm 2026 verspricht jedenfalls den ein oder anderen Höhepunkt wie die Verleihung der DGPh Photography Awards 2026 sowie die Eröffnung der Jubiläumsausstellung „75 Jahre DGPh“ im MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln (25. Oktober 2026 – 14. Februar 2027).

dgph.de