Das Kunstforum Ingelheim widmet sich dem Werk von James McNeill Whistler und Hiroyuki Masuyama. Die Ausstellung stellt historische Druckgrafik aktuellen fotografischen Arbeiten gegenüber. Im Fokus stehen Ansichten von London und Venedig.
Mit der Ausstellung „Von London nach Venedig: Whistler & Masuyama“ soll ein umfassender Blick auf das Schaffen des US-amerikanischen Künstlers James McNeill Whistler ermöglicht werden. Im Zentrum stehen Radierungen und Lithografien, die Stadtansichten aus London und Venedig zeigen.
Mit Hiroyuki Masuyama schlägt die Ausstellung den Bogen in die Gegenwart. Der japanische Künstler hat eigens neue Arbeiten entwickelt, für die er nach London und Venedig reiste. Dort fotografierte er die gleichen Orte, die bereits Whistler als Motive dienten.
Die daraus entstandenen Werke kombinieren historische Grafiken mit aktuellen Fotografien. Diese Montagen sollen Veränderungen über einen Zeitraum von rund 150 Jahren sichtbar machen. Während sich das Londoner Stadtbild deutlich gewandelt habe, zeige sich Venedig vergleichsweise konstant.
Ein weiterer Ausstellungsbereich widmet sich älteren Arbeiten Masuyamas. Installationen, Lichtkästen und Papierarbeiten greifen sein zentrales Thema auf: die Veränderung von Räumen im Laufe der Zeit. Diese Werke stehen inhaltlich neben den Arbeiten Whistlers und sollen deren Ansatz erweitern.
Die Ausstellung läuft vom 26. April bis 5. Juli 2026 im Kunstforum Ingelheim.
Bild: Hiroyuki Masuyama after Whistler, Long Venice 1879/80, 2025, 2025 Digitalfotografie auf Papier, courtesy Hiroyuki Masuyama © Hiroyuki Masuyama
Pressemitteilung Internationale Tage Ingelheim:
Internationale Tage Ingelheim
Von London nach Venedig: Whistler & Masuyama
26. April bis 5. Juli 2026
James McNeill Whistler (1834–1903) revolutionierte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Radierungen und Lithografien die künstlerische Grafik. Die Ausstellung im Kunstforum Ingelheim beleuchtet nach über 25 Jahren erstmals wieder in Deutschland ebenjenes faszinierende, ausgefeilte und innovative Schaffen des US-Amerikaners. Im Rest der Welt berühmt, gilt es hierzulande, Whistler wiederzuentdecken.
Im Fokus stehen Whistlers Radierungen und Lithografien mit den Ansichten von London und Venedig. Personendarstellungen aus seinem persönlichen Umfeld zeigen als weiteren Themenbereich die einfühlsame Seite des als exzentrisch geltenden Künstlers. Die ausgestellte Motivvielfalt offenbart die Meisterschaft seiner ungewöhnlichen Techniken.
Whistlers Leben war geprägt von zahlreichen Reisen, die ihm immer wieder neue Motive boten und in grafischen Arbeiten direkt vor Ort festgehalten wurden. Nach seiner Übersiedelung als 21-Jähriger von der Ostküste der USA nach Paris ließ er sich 1859 in London nieder. Über seine Kunst erkundete er die Stadt an der Themse und schuf bis Ende der 1890er Jahre zahlreiche Grafiken, die vor allem verschiedene Ansichten des Flusses, seiner Uferzonen und Brücken, Schiffe und Hafenszenen sowie Menschen in ihrem Alltag zeigen.
Reisefreudig bis ein Jahr vor seinem Tod 1903, hielt sich Whistler immer wieder länger in verschiedenen europäischen Städten auf und war deshalb ein gut vernetzter Künstler. So lebte und arbeitete er 1879/80 über ein Jahr lang in Venedig. Oftmals von der Wasserseite aus gesehen, schuf er Radierungen von prächtigen Palästen, typischen venezianischen Brücken und besonders mit Motiven von Höfen oder Werkstätten jenseits der touristischen Attraktionen.
Zur kunsthistorischen Kontextualisierung sind Whistlers Arbeiten außerdem ausgewählte Grafiken einiger britischer, französischer und US-amerikanischer Weggefährten zur Seite gestellt: Die Blätter von Seymour Haden, Frank Short, Édouard Manet, Camille Pissarro, Marcellin Desboutin oder Joseph Pennell, lassen die wechselseitigen stilistischen Einflussnahmen nachvollziehen.
Wie andere Künstler:innen des Impressionismus sammelte auch Whistler japanische Holzschnitte. Seine intensive Beschäftigung damit wird im Bildaufbau seiner eigenen Werke erkennbar. Ausgesuchte Beispiele namhafter japanische Holzschnittkünstler wie Utagawa Hiroshige, Katsushika Hokusai oder Kitagawa Utamaro flankieren daher einzelne seiner Grafiken in allen drei Themenräumen.
Hiroyuki Masuyama (*1968) spannt wiederum den Bogen zur Gegenwart. Er wurde beauftragt, eigens für diese Ausstellung neue Arbeiten zu schaffen. Im vergangenen Jahr reiste der japanische Künstler deshalb nach Venedig und London. An identischen Stellen, an denen Whistler seine Grafiken radierte, nahm er Farbfotografien der gegenwärtigen Situationen auf: mit heutigen Bauten, Fahrzeugen, Schiffen oder Menschen. Die aus diesem Material neu entstandenen schwarz-weißen Arbeiten sind Montagen, in denen die aktuelle Ansicht jener Orte von Masuyama über die historischen Grafiken von James McNeill Whistler gelegt und eingepasst sind. Sie offenbaren, wie erheblich sich etwa das ThemseUfer in den rund 150 vergangenen Jahren entwickelt hat, und wie geringfügig sich dagegen die Veränderung der italienischen Lagunenstadt ausnimmt. In diesen neuen Arbeiten visualisiert Masuyama die jüngste Version seines Hauptthemas, das sich seit 1997 durch sein künstlerisches Schaffen zieht: die Verbindung von Raum, Zeit und Veränderung. Diese aktuellen Arbeiten hängen zwischen Whistlers Grafiken aus London und Venedig.
Zum tieferen Verständnis seines Kunstschaffens bildet eine Gruppe älterer Werke das vierte Kapitel mit teils begehbaren Installationen, großformatigen Lichtkästen oder filigranen Arbeiten aus Papier. Sie verbinden zwar kein konkretes Motiv mit Whistler, aber sie eint die Idee, dass sich jeder Raum – ob klein wie ein Rasenstück oder groß wie die Metropole London – mit dem Lauf der Zeit kontinuierlich, wenngleich unterschiedlich intensiv verändert.
Die Arbeiten beider Künstler sind die Einladung zu einer »Reise«, in der sich Vergangenheit und Gegenwart immer wieder berühren, durchblenden, ergänzen und zu bedeutenden Zeitdokumenten verbinden.
Von London nach Venedig: Whistler & Masuyama
26. April bis 5. Juli 2026
Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus
François-Lachenal-Platz 1, 55218 Ingelheim am Rhein
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