Künstliche Intelligenz bleibt einer der prägenden Taktgeber der Imaging-Branche: Während Nothing-CEO Carl Pei das Ende des klassischen App-Zeitalters ausruft und KI-Agenten als nächste Smartphone-Revolution positioniert, feiern britische Kreative einen wichtigen Etappensieg im Streit um die Nutzung urheberrechtlich geschützter Trainingsdaten. Gleichzeitig meldet Kodak die stärkste Bilanz seit Jahren und unterstreicht damit, dass auch traditionsreiche Imaging-Unternehmen von neuen Marktimpulsen profitieren können.

Die wichtigsten Imaging Business News der KW 13/26 – kuratiert von Wolfgang Heinen, Herausgeber von PHOTO PRESSE, DigitalPHOTO und PhotoKlassik.

Imaging Business News KW 13/26

Smartphones: Ersetzen KI-Agenten in Kürze unsere Apps?

Nothing-CEO Carl Pei meint, dass sich das Smartphone, das wir heute nutzen, kaum von den Palm-Pilots und PDAs unterscheidet, die wir vor zwei Jahrzehnten verwendet haben. Es sind dieselben Sperrbildschirme, Startbildschirme, App-Stores und Vollbild-Apps. Laut Pei liegt das daran, dass sich die Branche in den letzten 20 Jahren nicht wirklich weiterentwickelt hat und er ist überzeugt, dass KI die Sache besser machen wird. Bei seiner Rede auf der SXSW in Texas prognostizierte Pei, dass das App-Zeitalter dem Ende entgegen geht.

Werden also Apps in Zukunft überflüssig sein? Peis Argumentation beginnt mit einem einfachen, anschaulichen Beispiel. Angenommen, Sie wollen mit einem Freund einen Kaffee trinken gehen. Für diese eine Absicht benötigen Sie eine Messaging-App, Karten, Uber und Ihren Kalender. Vier Apps, mehrere Schritte – alles für eine Tasse Kaffee.

Seine Vision für die Zukunft ist ein Gerät, das all das überflüssig macht. „Ich kenne dich sehr gut, und wenn ich deine Absicht kenne, erledige ich es einfach für dich“, so beschreibt er das ideale Smartphone der Zukunft. Carl Pei unterteilt die Entwicklung der KI in Phasen. Zunächst kommt eine KI, die Befehle in deinem Namen ausführen kann, wie zum Beispiel die Buchung eines Fluges. Das ähnelt dem, was Google und Samsung mit ihren Smartphones mittels Gemini-Integration versuchen. Er bezeichnete diese Phase als „super langweilig“.

Die nächste Phase ist interessanter. Eine KI, die deine langfristigen Ziele versteht und dich im Laufe der Zeit in diese Richtung lenkt, fast wie ein proaktiver Lebensassistent statt eines reaktiven Tools. Die leistungsstärkste Phase ist, wenn das System Ideen hervorbringt, nach denen man noch nicht einmal gefragt hat. „Wenn das System uns so gut kennt, wird es Dinge vorschlagen, von denen wir nicht einmal wussten, dass wir sie wollen“, erklärte Pei. Damit dies funktioniert, muss sich die Benutzeroberfläche selbst ändern. Sprache soll dabei zur Haupteingabe werden, das Display jedoch die Hauptausgabe bleiben.

https://www.digitaltrends.com/phones/nothing-ceo-carl-pei-says-ai-agents-will-replace-your-apps-in-near-future/

Britische Kreative: Sieg gegen KI-Unternehmen im Streit um Trainingsdaten

So geht’s auch: Die britische Regierung hat sich von den vorgeschlagenen Urheberrechtsreformen distanziert, die es KI-Unternehmen erlaubt hätten, urheberrechtlich geschütztes Material ohne Genehmigung zu nutzen – ein fulminanter Kurswechsel nach heftigem Widerstand seitens der britischen Kreativbranche. Regierungsseite wurde bestätigt, dass das Opt-out-Modell „nicht mehr der bevorzugte Weg der Regierung ist“. Der bisherige Ansatz – bei dem Rechteinhaber ihre Werke aktiv hätten ausschließen müssen – war auf Kritik von Fotografenverbänden und prominenten britischen Künstlern gestoßen, darunter Sir Elton John und Sir Paul McCartney, die ihn als „Legalisierung von Diebstahl“ bezeichneten.

„Wir haben zugehört. Wir haben uns intensiv mit Kreativen, KI-Unternehmen, Branchenverbänden, Gewerkschaften, Wissenschaftlern und KI-Anwendern ausgetauscht, und dieser Austausch hat unseren Ansatz geprägt. Deshalb können wir heute bestätigen, dass die Regierung keine bevorzugte Option mehr hat“, sagt Technologie-Ministerin Liz Kendall.

Allerdings: Während die Entscheidung dieser Woche als gute Nachricht für Urheber angesehen wird, besteht weiterhin die Möglichkeit einer „Ausnahme für Wissenschaft und Forschung“, von der einige befürchten, dass sie es KI-Entwicklern erlauben könnte, Systeme anhand geschützter Werke zu trainieren, bevor zu einem späteren Zeitpunkt über Lizenzen verhandelt wird. Kritiker argumentieren, dies würde die Position der Urheber in jeglichen Verhandlungen schwächen.

Die Regierung erklärt, sie versuche, konkurrierende Prioritäten in Einklang zu bringen. Sie erkennt den Kreativsektor als „weltweit führendes nationales Gut“ an, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die KI-Branche rasch wächst. Kendall sagt, Reformen würden nicht vorangetrieben, „bis wir sicher sind, dass sie unseren Zielen für die Wirtschaft und die britischen Bürger entsprechen“.

Kodak mit stärkster Bilanz seit Jahren

Kodak hat seine Finanzergebnisse für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 veröffentlicht und dabei ein solides Umsatzwachstum sowie einen Jahresend-Nettoverlust ausgewiesen, der größtenteils auf einmalige finanzielle Auswirkungen zurückzuführen ist.

Das traditionsreiche Unternehmen erzielte im vierten Quartal einen konsolidierten Umsatz von 290 Millionen US-Dollar, gegenüber 266 Millionen US-Dollar im gleichen Zeitraum des Jahres 2024. Dies entspricht einem Anstieg von 9 Prozent und signalisiert eine anhaltende Dynamik in mehreren seiner wichtigsten Geschäftsbereiche.

Ein erheblicher Teil dieses Wachstums stammte aus Kodaks Geschäftsbereich Advanced Materials & Chemicals (AM&C), der in Q4 einen Umsatz von 85 Millionen US-Dollar erzielte – ein Anstieg um 25 Prozent gegenüber 68 Millionen US-Dollar im vierten Quartal 2024.

Eastman Kodak bringt immer mehr Filme auf den Markt. Wird die analoge Fotografie bald wieder zum Mainstream? Vielleicht. Auf jeden Fall hat Kodak die meistverkaufte Kompaktkamera des Jahres im Portfolio – und das erklärt alles über das Jahr 2025. Auch der Druckbereich des Unternehmens erwirtschaftete Zuwächse und erzielte einen Quartalsumsatz von 195 Millionen US-Dollar, gegenüber 187 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Der Bruttogewinn stieg im vierten Quartal auf 67 Millionen US-Dollar, verglichen mit 51 Millionen US-Dollar im gleichen Zeitraum des Jahres 2024, wodurch sich die Bruttogewinnmarge des Unternehmens von 19 Prozent auf 23 Prozent erhöhte.

Trotz dieser Verbesserungen meldete Kodak im vierten Quartal einen GAAP-Nettoverlust von 108 Millionen US-Dollar, verglichen mit einem Nettogewinn von 26 Millionen US-Dollar im vierten Quartal 2024. Das operative EBITDA stieg jedoch deutlich auf 22 Millionen US-Dollar, gegenüber 9 Millionen US-Dollar im Vorjahr – ein Anstieg um 144 Prozent, der die verbesserte operative Effizienz im gesamten Unternehmen unterstreicht. Für das Gesamtjahr meldete Kodak einen Gesamtumsatz von 1,069 Milliarden US-Dollar, was einem moderaten Anstieg von 26 Millionen US-Dollar oder 2 Prozent gegenüber 2024 entspricht.