Mit And They Laughed at Me veröffentlicht die iranische Fotografin Newsha Tavakolian ein neues Fotobuch. Der Band versammelt Arbeiten aus mehreren Schaffensphasen zwischen den 1990er-Jahren und der Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen persönliche Erinnerungen sowie politische Erfahrungen im Iran.

Die iranische Fotografin und Magnum-Photos-Mitglied Newsha Tavakolian legt mit And They Laughed at Me eine neue Publikation vor. Der Band vereint Fotografien aus den Jahren 1995 bis 2001 sowie aus der Zeit zwischen 2017 und 2019. Damit spannt das Buch laut Verlag einen Bogen über mehr als zwei Jahrzehnte fotografischer Arbeit.

Für das Projekt kehrt Tavakolian in ihr eigenes Archiv zurück. Dabei wendet sie sich bewusst auch jenen Bildern zu, die sie früher als misslungen betrachtet habe.

Nach Angaben der Fotografin dient die Rückschau auch der Auseinandersetzung mit politischen und persönlichen Erfahrungen. Die frühen Fotografien seien in einer Phase entstanden, die von Reformhoffnungen, aber auch von Enttäuschungen geprägt gewesen sei.

Der Band kombiniert frühe journalistische Arbeiten mit späteren, stärker konzeptuell angelegten Porträts. Motive wie Straßenszenen, Kleidungsstile der 1990er-Jahre, Protestgesten oder Theaterinszenierungen sollen laut Verlag ein vielschichtiges Bild des postrevolutionären Iran zeichnen.

Das Projekt erhält zusätzliche Aktualität durch jüngere politische Entwicklungen im Land. Tavakolian verweist in diesem Zusammenhang auf die Proteste im Iran und die Forderungen vieler Menschen nach gesellschaftlicher Veränderung.

Das Fotobuch umfasst 240 Seiten mit 144 Farbabbildungen und erscheint in englischer Sprache.

Der Band And They Laughed at Me kostet 48 Euro. Weitere Informationen unter: www.kehrerverlag.com

 

Pressemitteilung Kehrer Verlag:

Neuerscheinung 2026: Newsha Tavakolian – And They Laughed at Me

Iranische Magnum-Fotografin blickt in ihr Archiv: Zwischen Erinnerung, Politik, Hoffnung und Trauma

Newsha Tavakolians neueste Publikation versammelt Arbeiten aus den Jahren 1995–2001 und 2017–2019 und umfasst damit mehr als zwei Jahrzehnte fotografischer Praxis. Sie kehrt in ihr Archiv zurück und legt jene Bilder frei, die sie als »Schandflecken« bezeichnet – frühe, unvollkommene Fotografien aus der Zeit, als sie mit sechzehn Jahren als Fotojournalistin in Teheran begann.

Im bewussten Blick auf das vermeintliche Scheitern reflektiert Tavakolian über Erinnerung, Politik und persönlicher Entwicklung. Kontaktbögen, beschädigte Negative und übersehene Schnappschüsse verweisen dabei nicht nur auf ihre künstlerischen Anfänge, sondern auf die Erfahrungen einer ganzen Generation zwischen Reformhoffnung, politischer Repression und wiederholter Ernüchterung.

»Following the early death of my father I was unable to take pictures for almost two years. I was angry. I went back to my archive, to my negatives. In fact, I went back to a time that also continued to make me angry, a time of hope shattered, teenage dreams destroyed by reality. Instead of searching for the ‘perfect’ images among my negatives, I looked for my failed work, crooked, out of focus snapshots that I had long ago mentally thrown away—perhaps because I had come to understand that truths are always made up of perceptions, and we tend to pick the most extreme ones. One image I found, from 2001, made me particularly mad. An iconic image of a girl smelling a rose during a political rally, it had turned into a symbol of hope and innocence. I wanted to kill that image. I wanted to kill it because we had been lied to in such a blatant manner, and I was upset over just how naive my generation had been. (…)«—Newsha Tavakolian

Das Buch bewegt sich zwischen frühen journalistischen Arbeiten und späteren, formal verdichteten konzeptuellen Porträts. So entsteht eine visuelle Passage vom jugendlichen Idealismus durch die Desillusionierung hindurch – und darüber hinaus. Autos auf den Straßen, Hidschab-Stile der 1990er-Jahre, Gesten des Protests, Theaterszenen – verdichten sich hier zu einem vielschichtigen historischen Dokument des postrevolutionären Iran und der nachfolgenden Generationen. Das Projekt gewinnt zusätzliche Dringlichkeit vor dem Hintergrund jüngerer Ereignisse, darunter die tödlichen Proteste im Januar 2026, bei denen Tausende Iranerinnen und Iraner im Streben nach Veränderung ihr Leben verloren.

»What started like drops hollowing out a stone, went from waves into a tsunami. Like the girl smelling a rose, we want to live.« —Newsha Tavakolian

And They Laughed At Me ist weit mehr als eine Rückschau auf eine fotografische Karriere. Es ist ein Zeugnis von Ausdauer – und das Porträt einer Generation, die sich trotz allem immer wieder für die Hoffnung entscheidet.

Newsha Tavakolian (geb. 1981 in Teheran) ist Mitglied von Magnum Photos, iranische Fotografin und bildende Künstlerin. In ihrer Arbeit untersucht sie die menschliche Existenz, die Situation von Frauen im Iran und weltweit sowie die Nachwirkungen von Konflikten. Ihre vielfach ausgezeichneten Werke befinden sich in bedeutenden internationalen Museumssammlungen, darunter das Los Angeles County Museum of Art, das British Museum sowie die Smithsonian Institution

Infos zum Buch

Texte von Newsha Tavakolian
Gestaltet von Kehrer Design (Laura Pecoroni)
Festeinband mit amerikanischen Schutzumschlag
19 x 24,5 cm
240 Seiten
144 Farbabbildungen
Englisch
ISBN 978-3-96900-213-1
Euro 48,00 / US$ 58.00