Im Interview beantwortet uns die Fotografin Khandie die Frage: Wie hebe ich mich von der Masse ab?
Worum geht es in Ihrer Fotografie?
Khandie: Ich bin People-Fotografin, das heißt im Grunde: Sobald Menschen im Spiel sind, möchte ich sie fotografieren. Mein Studio befindet sich in Northampton, aber ich bin häufig in ganz Großbritannien und international unterwegs. Ich bin stolze Markenbotschafterin für Lensbaby USA und Analogue Wonderland – und eine erklärte Gegnerin der Farbe Beige. Meine Arbeit dreht sich um Farbe und um die Menschen vor der Kamera. Die Farben sollen herausstechen, die Verbindung zum Motiv soll spürbar sein.
Außerdem bin ich – eher ungeplant – auch in der Lehre gelandet. Angefangen hat alles mit einem Kurs für Erwachsene mit traumatischen Hirnverletzungen, daraus entwickelte sich schließlich Unterricht für weitere Gruppen: Menschen mit Demenz, junge Erwachsene sowie Personen, die alternative Bildungswege gehen. Dieses Jahr habe ich dafür sogar Auszeichnungen erhalten.

Ihre Inspiration nimmt Khandie unter anderem von Freunden und Bekannten. Auch die Drag-Szene beeinflusst ihre Fotografie.
Ob ich nun beim Wikinger-Musikfestival im norwegischen Hinterland direkt vor der Bühne fotografiere, Porträts für eine Steuerkanzlei in Fleet aufnehme oder auf der Bühne der Photo & Video Show vor einem voll besetzten Saal stehe – was mich antreibt, ist der Kontakt zu Menschen und sie im besten Licht zu zeigen.
Warum sind Ihr Stil und Ihr Branding für Ihr Unternehmen wichtig?
Ich verfolge einen kompromisslosen Ansatz – sowohl in meiner Arbeit als auch in meiner Präsenz, online wie offline. Direktheit schreckt mich nicht ab. Fotografie ist ein Business, und Zeit ist wertvoll, also halte ich mich nicht mit Umschweifen auf. Ich behalte nichts für mich und bleibe so nah wie möglich an meiner eigenen Persönlichkeit.
Ich gebe zu: Am Anfang wollte ich dazugehören. Erst als mir eine andere Fotografin Arbeiten stahl, wurde mir klar, dass ich die „großen Mädchenhosen“ anziehen und laut werden musste. Seitdem stehe ich für mich und die Menschen ein, die mir wichtig sind – auch wenn sie nicht im Raum sind.
Gleichzeitig möchte ich einer Community etwas zurückgeben, von der ich viel gelernt habe. Mein Branding – bis hin zur Farbwahl – spiegelt genau das wider: mutig, kraftvoll und lebendig. Beim SWPP-Event bekam ich in der Print Competition ein wunderbares Feedback: Meine Arbeiten würden herausstechen. Nehme ich gern an. Ich möchte nicht in einer Flut durchschnittlicher Bilder untergehen.
Ist Ihr fotografischer Stil in ständiger Bewegung oder eher fix?
Der eigene Geschmack und Stil verändert sich mit der fotografischen Entwicklung, aber auch mit der persönlichen. Mein Branding wird sich vielleicht in Details wandeln, aber meine Offenheit und Direktheit bleiben. Wichtig ist, dass man selbst und die eigene Markenphilosophie übereinstimmen. Es darf keine Diskrepanz geben. Die Stimme, die online wahrgenommen wird, muss dieselbe sein wie die, mit der man real auftritt – nur so entsteht echte Verbindung.
Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
Ich bin von großartigen Menschen umgeben. Meine Drag-Queen-Freunde in Norwegen – allen voran Novelty Starr – inspirieren mich ständig. Auch in Großbritannien habe ich fantastische Freunde, die mich bei Konzepten unterstützen und zu nichts Nein sagen. Mein Leben außerhalb der Fotografie ist unglaublich aktiv und manchmal surreal, wodurch ich ständig Neues und Aufregendes sehe.
Ich schaue außerdem nicht nur nach vorn. Ich blicke nach oben und unten, will meine Umgebung vollständig wahrnehmen und nicht nur das, was direkt vor mir liegt. Fotografie-Challenges liebe ich ebenfalls – sie sind für mich ein kreativer Weckruf. Aktuell schreibe ich sogar ein Buch darüber.

Khandie schaut nicht nur starr nach vorn, sondern blickt auch nach oben und unten.
Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der gerade erst anfängt?
Es ist mir egal, wie viele Fotokurse jemand besucht hat. Die entscheidende Frage ist: Können Sie ein Unternehmen führen? Es geht nicht in erster Linie um Kameraeinstellungen, sondern um das Geschäft. Wenn dieser Teil sitzt, sitzt auch der Rest.
Und: Hören Sie auf, kostenlos für Marken und Unternehmen zu arbeiten. Diese nutzen Ihre Bilder für ihr Business – warum also sollten Sie Geld für deren Unternehmen verdienen, aber nicht für Ihr eigenes?

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