Die internationale Imaging-Branche zeigt sich in dieser Woche so vielfältig wie selten: In Deutschland sorgt ein Kartellamtsbeschluss gegen Amazon wegen unzulässiger Preisvorgaben für Aufsehen und Diskussionen weit über den Onlinehandel hinaus. In China verbindet ein neuer „Foto-Zug“ Fotografie und Tourismus zu einem immersiven Reiseerlebnis. Und aus Japan kommen erfreuliche Marktdaten: Die Produktion und Auslieferung von Wechselobjektiven wächst weiter – mit einer bemerkenswerten Renaissance von APS-C-Systemen.
Die wichtigsten Imaging Business News der KW 07/26 – kuratiert von Wolfgang Heinen, Herausgeber von PHOTO PRESSE, DigitalPHOTO und PhotoKlassik.
Imaging Business News KW 07/26
Preisdiktat auf Marktplatz: Amazon muß 59 Millionen Euro zahlen
Die Nachricht wird den ein oder anderen Händler erst einmal freuen: Auf Grund rechtswidriger Preisvorgaben hat das Bundeskartellamt den Online-Händler Amazon zur Zahlung von rund 59 Millionen Euro verpflichtet. Außerdem muss das Unternehmen seine Preisvorgaben einschränken, wie die Behörde in Bonn mitteilte. Seine Preismechanismen für andere Firmen, die auf der Amazon-Webseite verkaufen, darf Amazon künftig nur noch in bestimmten Ausnahmen einsetzen.
Kartellamtschef Andreas Mundt: „Amazon tritt auf seiner Plattform in den direkten Wettbewerb zu den übrigen Marktplatzhändlern. Daher ist eine Einflussnahme auf die Preisgestaltung der Wettbewerber auch in Form von Preisobergrenzen nur in absoluten Ausnahmefällen wie zum Beispiel bei Preiswucher zulässig.“ Für die Marktplatzhändler sei es nicht klar, nach welchen Grundsätzen die Preisgrenzen zustande kommen und wo diese ungefähr liegen.
Amazon weist die Vorwürfe zurück, klar. Und der vom Bundeskartellamt abgefeuerte Schuss könnte nach hinten losgehen: Möglicherweise steht das Urteil im direkten Widerspruch zu den verbraucherbezogenen Maßstäben des EU-Wettbewerbsrechts. Amazon-Deutschlandchef Rocco Bräuniger: „Infolge dieser Entscheidung wäre Amazon als einziger Einzelhändler in Deutschland gezwungen, nicht wettbewerbsfähige Preise für Kunden hervorzuheben. Das ergibt für Kunden, Verkaufspartner und den Wettbewerb keinen Sinn.“ Und wenn auch andere Händler – auch aus der Fotobranche – zu gleicher Kennzeichnung ihrer Preise gezwungen wären, wäre der Schuss nicht nur nach hinten losgegangen, sondern hätte den Schützen ins Herz getroffen.
Trend aus China: Der Foto-Zug
Fotografie und Tourismus gehören zusammen wie Yin und Yang, das haben wir schon immer gesagt. In China gibt es dazu einen neuen Trend: Der chinesische Bahnbetreiber China Railway Harbin Group hat einen Touristenzug zum Thema Fotografie eingeführt, der den Fahrgästen im Rahmen der Reise professionelle Fotoshootings anbietet. Der Zug soll Bahnreisen mit einem kuratierten Fotoerlebnis verbinden. Die Passagiere können während der Fahrt an kostenlosen Fotoshootings teilnehmen, bei denen ihnen professionelle Fotografen an Bord zur Verfügung stehen, um Bilder in verschiedenen inszenierten Kulissen aufzunehmen. Um das Thema Fotografie zu betonen, hat die China Railway Harbin Group die Waggons renoviert und die Innenräume erweitert, um mehrere Kulissen zu schaffen. Laut Zeitung China Daily gehören dazu Themen wie „Eis- und Schneelandschaften” und „Europäische Designs”. Ziel ist es, den Passagieren eine Reihe von Fotomotiven zu bieten, ohne dass sie den Zug verlassen müssen. Dazu gibt es außerdem zahlreiche Kostüme sowie einen Make-up- und Friseur-Service. Laut einem Bericht des Magazins Travel + Leisure reagiert die Einführung des Foto-Zugs auf die wachsende Nachfrage nach immersiven kulturellen Reiseerlebnissen in China. Wann steigt die Deutsche Bahn in das Thema ein? Pünktlichkeit ist bei einem Foto-Touristenzug jedenfalls nicht das wichtigste Kriterium.
https://global.chinadaily.com.cn/a/202601/26/WS69774059a310d6866eb35cd4.html
Objektive im Aufwind
Neben den Daten zu den Lieferungen von Digitalkameras im Jahr 2025, die zum ersten Mal seit fast 20 Jahren wieder in Folge gestiegen sind, hat die Camera & Imaging Products Association (CIPA) auch ihre Daten bezüglich Herstellung und Lieferung von Objektiven im Jahr 2025 veröffentlicht. Erfreulich: Sie zeigen ebenfalls ein Gesamtwachstum.
Im Jahr 2025 produzierten die japanischen Objektivhersteller 9,99 Millionen Wechselobjektive und lieferten weltweit 10,6 Millionen Objektive aus. Dies ist ein Anstieg gegenüber 9,6 Millionen produzierten Einheiten und 10,3 Millionen ausgelieferten Einheiten im Jahr 2024. Anmerkung: Die Daten der CIPA umfassen die großen japanischen Fotomarken, nicht jedoch Leica, Hasselblad und die zunehmend wichtigen chinesischen und südkoreanischen Objektivhersteller.

Balkendiagramm mit den weltweiten Objektivlieferungen von 2011 bis 2025, wobei die Lieferungen 2012 mit etwa 30 Millionen ihren Höhepunkt erreichten und dann bis 2020–2025 stetig auf etwa 8 Millionen zurückgingen.
Interessantes Detail: Seit mehr als einem Jahrzehnt nehmen Vollformatkamerasysteme einen immer größeren Anteil an der gesamten Digitalfotografie-Branche ein und erreichten 2022 einen Höhepunkt, als etwa die Hälfte aller ausgelieferten Objektive für Vollformatkameras bestimmt war. Das war durchaus nachvollziehbar, da Smartphones den Markt für Einsteigerkameras, in dem APS-C-Kameras weit verbreitet waren, überproportional stark bedrängt haben. Und dann die Kehrtwende: APS-C konnte in den letzten Jahren einen Teil des verlorenen Marktanteils zurückgewinnen. Fujifilm ist ein wichtiger Akteur im APS-C-Bereich, da sein beliebtes X-System ausschließlich aus APS-C-Kameras und -Objektiven besteht. Das Unternehmen gewinnt zweifellos jedes Jahr an Popularität und ist daher möglicherweise der Haupttreiber für den wachsenden Anteil von APS-C an den weltweiten Objektiv-Lieferungen. Auf jeden Fall ist es erfreulich, dass die Menge an produzierten Wechselobjektiven jedes Jahr steigt, unabhängig von der Größe des Sensors, für den die Objektive bestimmt sind.
https://petapixel.com/2026/02/03/japanese-companies-shipped-10-6-million-lenses-in-2025
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