Die Ricoh GR IV tritt in die Fußstapfen der beliebten GR III – mit neuem APS-C-Sensor, besserer Bildstabilisierung und rasantem Autofokus. Dennoch muss man auch Abstriche machen. Im Test schauen wir uns die Ricoh GR IV im Praxiseinsatz und im CHIP-Testlabor genauer an.

Ricoh GR IV

  • Sensor: 25,6 MP APS-C, CMOS
  • Brennweite (Objektiv): 28 mm (KB)
  • ISO-Bereich: 100 – 204.800
  • Kürzeste Verschlusszeit: 1/4.000 s
  • Bildstabilisierung: ja
  • Video: Full HD/60p
  • Display: 3,0 Zoll, 1.037.000 Bildpunkte
  • Sucher: nein
  • Speichermedien: Interner Speicher (ca. 53 GB), 1x microSDHC/SDXC (UHS-I)
  • Gewicht: 262 g
  • Preis: ca. 1.350 Euro
  • https://ricohgr.eu

Mit der Ricoh GR IV präsentiert der japanische Hersteller das Nachfolgemodell GR III. Die GR-Serie zeichnet sich durch ihre kleinen und leichten Schnappschuss-Kompaktkameras mit großem APS-C-Sensor aus. Sie richtet sich in erster Linie an Reisefotografen sowie Fans der Straßen- und Reportagefotografie. Während der langen Wartezeit zwischen beiden Modellen brachte Ricoh mit der GR III Street Edition und dem GR III Diary Edition Special Limited Kit verschiedene Spezialeditionen auf den Markt.

Mit der Ricoh GR IV ging nun das neueste Modell der Serie an den Start. Auch wenn die GR IV der GR III äußerlich sehr ähnlich scheint, wurden wichtige Komponenten überarbeitet. So wurden das Objektiv und der Sensor neu entwickelt. Hinzu kommen ein Bildprozessor der neuesten Generation, eine weiterentwickelte, sensorbasierte Bildstabilisierung (IBIS) sowie ein laut Hersteller verbesserter Autofokus. Wir haben uns die neue Edel-Kompaktkamera Ricoh GR IV im Test genauer angesehen.

Viele Verbesserungen zur GR III

Bei der näheren Betrachtung der Ausstattung der Ricoh GR IV sind wir hin- und hergerissen. Beginnen wir unsere Analyse zunächst mit den positiven Aspekten. Die Ricoh GR IV arbeitet mit einem neu entwickelten, rückseitig belichteten Sensor im APS-C-Format mit effektiven 25,7 Megapixeln. Damit löst sie leicht höher auf als die GR III mit 24,2 Megapixeln. Der neue Bildwandler wird vom ebenfalls neu entwickelten Bildverarbeitungsprozessor GR Engine 7 flankiert. Diese Kombination erweitert den möglichen ISO-Bereich von ursprünglich maximal ISO 102.400 auf jetzt sogar ISO 204.800. Das ist praktisch, wenn in Umgebungen mit sehr schwacher Beleuchtung fotografiert wird. Zudem soll die neue Sensor-Prozessor-Kombination rausch­ärmere Bilder ermöglichen. Ein Punkt, der an dieser Stelle schon bestätigt werden kann und den wir im späteren Verlauf des Tests näher beleuchten werden.

Ricoh GR IV im Test Praxisfoto 02

Aufgenommen mit der Ricoh GR IV bei 28 mm (KB), ISO 800, f/2,8 und 1/200 Sekunde. Bild: Thomas Probst

 

Auch die am Sensor integrierte Bildstabilisierung (IBIS) wurde merklich überarbeitet. Die Vorgängerin GR III bot noch eine 3-Achsen-Bildstabilisierung mit einer Kompensation von bis zu vier Blendenstufen. Die neue Ricoh GR IV arbeitet mit einer zeitgemäßen 5-Achsen-Bildstabilisierung, die längere Belichtungszeiten um bis zu sechs Blendenstufen im Bildzentrum und bis zu vier Blendenstufen in den Ecken ermöglicht. Der IBIS arbeitet erfreulich gut. Im Praxistest haben wir bei fortgeschrittener Dämmerung mit einer langen Belichtungszeit von zwei Sekunden noch scharfe Bilder aus der Hand fotografieren können. Somit können wir die vom Hersteller beworbenen sechs Blendenstufen aus der Praxis bestätigen.

Ricoh GR IV im Test Praxisfoto 01

Aufgenommen mit der Ricoh GR IV bei 28 mm (KB), ISO 100, f/5,0 und 0,4 Sekunden. Bild: Thomas Probst

Ricoh GR IV Praxisfoto 04

Aufgenommen mit der Ricoh GR IV bei 28 mm (KB), ISO 100, f/13 und 1,3 Sekunden. Bild: Thomas Probst

Eine weitere Optimierung zeigt sich beim Objektiv. Ricoh setzt wie bei der GR III auf eine Festbrennweite mit einem Bildwinkel, der dem eines 28-mm-Kleinbildobjektivs entspricht. Die optische Konstruktion wurde jedoch überarbeitet. Im Praxistest haben uns die 28 mm (KB) der Ricoh GR IV bei einer Straßenfotografie-Tour durch die Kölner Innenstadt sehr viel Freude gemacht. Der große Bildwinkel bietet genügend Spielraum für Architekturaufnahmen. Dank der kurzen Naheinstelldistanz von zehn Zentimetern im normalen Modus und sogar nur sechs Zentimetern im Makro-Modus ermöglicht das Objektiv aber auch interessante Nah- und Detailaufnahmen. Der Wechsel in den Makro-Modus und zurück gelingt mit einem einzigen Tastendruck auf die Makro-Taste. Hier wird bereits deutlich, warum sich die GR-Serie bei Schnappschuss- und Straßenfotografen großer Beliebtheit erfreut. Mit der GR IV kann man sehr schnell auf spontane Motive reagieren.

Wie schnell ist die GR IV?

Neben dem sehr kompakten und leichten Gehäuse gehört die Geschwindigkeit der GR-Kameras zu den wichtigsten Kauf­argumenten im Hinblick auf die anvisierte Zielgruppe. Das beginnt schon bei der Einschaltzeit. Laut Hersteller ist die Ricoh GR IV in nur 0,6 Sekunden einsatzbereit. Im CHIP-Testlabor kamen wir zwar „nur“ auf 0,84 Sekunden – in der Praxis wird man den geringen Unterschied jedoch kaum bemerken. Unterwegs empfanden wir die Einschaltzeit der Ricoh GR IV auf jeden Fall als sehr schnell. Hier kann man wirklich einschalten und direkt loslegen. Zum Vergleich: Die Fujifilm X100VI benötigt 1,07 Sekunden und die Sony RX1R III sogar 1,48 Sekunden, bis sie startbereit sind. Das Phasenautofokussystem der Ricoh GR IV ermöglicht sehr kurze Auslöseverzögerungen von rund 0,3 Sekunden. Damit reagiert der AF etwas schneller als beim Vorgängermodell mit 0,38 Sekunden. Darüber hinaus ist es Ricoh gelungen, die Zeit zwischen zwei Bildern von 0,7 Sekunden bei der GR III auf jetzt nur noch 0,36 Sekunden zu verkürzen.

Ricoh GR IV im Test Rückansicht

Für Aufnahmen von Personen ist die Ricoh GR IV mit einer Gesichtserkennung für den Autofokus ausgestattet. Bild: Thomas Probst

Ricoh GR IV im Test Menübild

Mit der Funktion “Bild bei Durchdrücken” lässt sich der Autofokus zwischenzeitlich aushebeln, wenn der Auslöser ganz durchgedrückt wird. Die Kamera stellt dann ab einer vorher im Menü definierten Entfernung scharf. Menübild: Thomas Probst

Wer besonders schnell auf spontane Motive reagieren möchte, kann den Autofokus „aushebeln“ und den Auslöser sofort durchdrücken, sofern diese Funktion im Kameramenü aktiviert ist. In diesem Fall arbeitet die Kamera mit einer sogenannten „Fixfokus-Entfernung“, die zuvor im Menü der GR IV eingestellt werden kann. Mögliche Werte sind beispielsweise 0,3 Meter, 2,5 Meter, fünf Meter oder unendlich. Anschließend stellt die Kamera bei durchgedrücktem Auslöser auf die eingestellte Entfernung scharf, was das Fotografieren zusätzlich beschleunigt. Abstriche muss man hingegen bei der Serienbildgeschwindigkeit hinnehmen. Hier schafft die Ricoh GR IV nach wie vor nur rund vier Bilder pro Sekunde. Da ist die Konkurrenz schneller unterwegs.

Ricoh GR IV im Test Praxisfoto 03

Aufgenommen mit der Ricoh GR IV bei 28 mm (KB) im Makro-Modus, ISO 4.000, f/2,8 und 1/200 Sekunde. Bild: Thomas Probst

Aus dem Testlabor

Ricoh GR IV Praxisfoto 05

Aufgenommen mit der Ricoh GR IV bei 28 mm (KB), ISO 640, f/2,8 und 1/200 Sekunde. Bild: Thomas Probst

Ricoh hat bei der GR IV einen neu entwickelten, rückseitig belichteten APS-C-Sensor verbaut und die Auflösung leicht von 24 Megapixeln bei der Vorgängerin GR III auf jetzt 25,7 Megapixel in der GR IV gesteigert. Entsprechend überrascht waren wir auf den ersten Blick, dass die im CHUP-Testlabor gemessene Auflösung (Kantenschärfe) des höher auflösenden Modells leicht unter der des Vorgängermodells liegt. So erreicht die GR IV bei kleinster ISO-Empfindlichkeit beispielsweise maximal 1.965 Linienpaare pro Bildhöhe (Lp/Bh) im Bildzentrum und 1.733 Lp/Bh in den Ecken, während die GR III mit 24 Megapixeln bei kleinster ISO etwas höhere 2.034 Lp/Bh im Zentrum und 1.803 Lp/Bh in den Ecken erzielt. Der Grund dafür wird höchstwahrscheinlich mit der deutlich intensiveren Rauschunterdrückung bei der GR IV zusammenhängen. So bleiben die VN1-Werte der GR IV, die darüber Aufschluss geben, ab welchen ISO-Werten bei einer 100-prozentigen Vergrößerung eines Bildes am Monitor Bildrauschen sichtbar wird, bis einschließlich ISO 1.600 unter der kritischen Grenze von VN = 2. Bei der GR III setzt dagegen bereits bei ISO 400 erstes sichtbares Bildrauschen ein. Die Detailtreue der Ricoh GR IV beträgt sehr gute 95 Prozent bei ISO min. und sinkt dann auf gute 82 Prozent bei ISO 1.600.

Testlabor-Foto, aufgenommen mit der Ricoh GR IV bei ISO min. Bild: CHIP Testlabor

Aufgenommen mit ISO min.

Testlabor-Foto, aufgenommen mit der Ricoh GR IV bei ISO 1.600. Bild: CHIP Testlabor

Aufgenommen mit ISO 1.600.

Testlabor-Foto, aufgenommen mit der Ricoh GR IV bei ISO 6.400. Bild: CHIP Testlabor

Aufgenommen mit ISO 6.400.

Testlabor-Foto, aufgenommen mit der Ricoh GR IV bei ISO 800. Bild: CHIP Testlabor

Aufgenommen mit ISO 800.

Testlabor-Foto, aufgenommen mit der Ricoh GR IV bei ISO 3.200. Bild: CHIP Testlabor

Aufgenommen mit ISO 3.200.

Testlabor-Foto, aufgenommen mit der Ricoh GR IV bei ISO 25.600. Bild: CHIP Testlabor

Aufgenommen mit ISO 25.600.

Ist der hohe Preis gerechtfertigt?

Wenn wir uns mit der oben gestellten Frage beschäftigen, müssen wir neben den vielen Verbesserungen gegenüber der Vorgängerin GR III auch in Betracht ziehen, wie zeitgemäß die Ausstattung tatsächlich ist. Immerhin ist der Preis von 1.350 Euro kein Schnäppchen. An dieser Stelle vermissen wir beispielsweise ein bewegliches Display, das vor allem in der Straßenfotografie kreative Perspektiven ermöglichen würde. Auch die Auflösung des 3,0-Zoll-Displays bleibt mit 1.037.000 Bildpunkten nur durchschnittlich und entspricht der der älteren Vorgängerin. Darüber hinaus verzichtet Ricoh weiterhin auf einen internen Sucher, um die Kamera möglichst kompakt zu halten. Dennoch würden wir uns bei Aufnahmen im grellen Sonnenlicht einen Sucher als Alternative zum spiegelnden Display wünschen. Auch bei der kürzesten Verschlusszeit von 1/4.000 Sekunde schaffen andere Kameras bereits 1/8.000 Sekunde oder kürzer. 

Ricoh GR IV Detail microSD

Die MicroSD-Karte sitzt neben dem Akku. Der reicht laut CHIP-Testlabor für bis zu 150 Bilder. Wird die GR IV auf einem Stativ genutzt, muss man die Platte für den Akku- oder Speicherkartenwechsel vorher abnehmen. Bild: Thomas Probst

Ricoh GR IV Detail Videotaste

Durch kurzes Drücken der Taste wechselt die Kamera zwischen Foto- und Videomodus. Bei längerem Drücken wechselt sie zwischen internem Speicher und MicroSD-Karte. Bild: Thomas Probst

Der Videomodus ist gar nicht zeitgemäß: Die Ricoh GR IV ermöglicht lediglich Full-HD-Videos mit 60p, und das auch nur mit einer Belichtung im Programm-Modus „P“. Verschlusszeit und Blende lassen sich also nicht manuell wählen. Positiv zu bewerten sind der interne 53-GB-Speicher und die Smartphone-Anbindung per Bluetooth zur Fernsteuerung und Bildübertragung. Dennoch empfinden wir den Preis für die GR IV als etwas zu hoch.

Unser Fazit: Ricoh GR IV im Test

Wer eine kleine, schnelle Kamera für Schnappschüsse in der Straßenfotografie oder im Alltag sucht, wird mit der Ricoh GR IV glücklich. Die Edel-Kompakte liefert dank großem APS-C-Sensor eine sehr gute Bildqualität mit geringem Bildrauschen und ermöglicht durch ihre effektive Bildstabilisierung Freihandaufnahmen mit einer Belichtungszeit von bis zu zwei Sekunden. Leider ist das Display nicht beweglich. Zudem ist der Videomodus nicht mehr zeitgemäß. 

Was uns gefällt …

  • Sehr schnell

  • Mit Fixfokus

  • Guter IBIS

  • Eingebauter ND-Filter

  • Geringes Rauschen

  • Interner 53-GB-Speicher

… und was nicht so gut ist

  • Kein bewegliches Display

  • Kein Sucher

  • Nur Full-HD-Video im P-Modus

  • Nur ca. 4 B/s

Technische Daten: Ricoh GR IV

Maximale Auflösung6.192 x 4.128 Pixel
Effektive Pixel25,6 Millionen
Sensor (Typ / Größe)CMOS / APS-C
BildstabilisatorObjektiv
Sucher /
Blitz / Blitzschuh
━ / ━ / ●
Display (Größe /
Auflösung)
3,0 Zoll /
1.037.000 Subpixel
Touchscreen / beweglich● / ━
Optisches Zoom
Brennweite (Kleinbild)28 mm
Lichtstärke Objektivf/2,8
Belichtungsmodi P/A/S/M● / ● / ● / ●
Verschlusszeit / Bulb30 - 1/4000 s / ●
ISO-Bereich (ohne / mit Erweiterung)100 - 204.800 / 100 - 204.800
BildformateRAW+JPEG
Video-Auflösung1.080/60p
Video: manuelle Blende / ISO /
AF-Punkt wählbar / AF-C / Zoom
━ / ━ /
● / ━ / ━
WLAN / NFC / GPS / Bluetooth● (b/g/n/ax) / ━ / ━ / ●
Speichermediuminterner Speicher (ca. 53 GB), microSDXC
USB / HDMITyp-C / ━
Via USB laden
Mikrofon- / Kopfhörer-Klinke● (3.5mm) / ●
Akku-Typ / Preis (ca.)DB-110 / 50 Euro
Abgedichtet / wasserdicht━ / ━
Abmessungen / Gewicht109 x 61 x 33 mm / 262 g