Ein preisgünstiges All-in-one-Objektiv ist immer ein Kompromiss? Das wollen wir mal sehen. Wir haben das Sigma 16–300 mm f/3,5–6,7 DC OS (C) für Sonys E-Mount im Test genauer unter die Lupe genommen.
Sigma 16–300 mm f/3,5–6,7 DC OS (C)
- Anschluss: E-Mount
- Optischer Aufbau: 20 Elemente in 14 Gruppen
- Anzahl Blendenlamellen: 9
- Autofokus: ja
- Bildstabilisator: ja
- Gewicht: 615 g
- Preis: ca. 700 Euro
- www.sigma-foto.de
Wenn die letzten Jahre der technischen Entwicklung eines gezeigt haben, dann dass weder das Interesse an APS-C-Kameras noch an Multifunktionsobjektiven gesunken ist. Einsteiger wie Profis nutzen die leistungs- und abbildungsstarken Sensoren teilweise wegen des Crop-Faktors ganz bewusst. So wird auch der Objektivfuhrpark stetig erweitert. Das in diesem Test vorgestellte Sigma 16–300 mm f/3,5–6,7 DC OS aus der Contemporary-Serie ist zum Beispiel seit April 2025 für Sonys E-Mount und den L-Mount und seit Mai 2025 für Canon R und den X-Mount von Fujifilm verfügbar.
Ein großes Vorurteil, mit dem sich Komplettlösungen schon immer herumschlagen müssen, ist die Meinung: „zu viel auf einmal wollen und nichts davon richtig können“. Bei einem All-in-one-Objektiv wird eine enorm große Brennweite abgedeckt – das stellt Hersteller vor Herausforderungen, keine Frage.
Abbildungsleistung, Lichtstärke und Gewicht müssen mit Preis und Funktionen in Einklang gebracht werden. Wie Sigma das bei der Objektiv-Version für Sonys E-Mount gelungen ist, haben wir uns im Testlabor und in der Praxis einmal genau angesehen.
Eines für alle(s)
Mit einer Brennweite von 16–300 mm deckt das Sigma einen sehr großen Brennweitenbereich ab. Konvertiert in Kleinbild ist das eine Spanne von 24–450 mm. Damit bewegt sich die Optik im klassischen Weitwinkelbereich, der für Landschaftsaufnahmen und Architekturfotografie nötig ist, und nimmt auf seinem Weg zum Telebereich wirklich alle Genres mit. Für Tierfotografie oder spektakuläre Mondbilder stellt der maximale Zoom sehr viel kreativen Spielraum zur Verfügung. Es ist ein klares Signal von Sigma, dieses Model fast zeitgleich für fast alle Systeme auf den Markt zu bringen – Sony E, Canon RF, APS-C-Liebling Fujifilm XF und den L-Mount. Direkte Konkurrenz bleibt auf den ersten Blick aus. Das Tamron 18–300 mm f/3,5–6,3 Di III-A VXD ist bis auf zwei Millimeter Brennweite die einzige Alternative, die nahezu deckungsgleiche Werte und Daten in Brennweite und Lichtstärke aufweist. Selbst wenn das Tamron in puncto Preis und bei der Auflösung besser abschneidet, bleibt es eine Kompatibilität mit L- und RF-Mount schuldig. Aus dem Hause Sony ist es nur möglich, diesen Brennweitenbereich mit zwei Objektiven abzudecken: dem Sony E 18–200 mm f/3,5–6,3 OSS LE und dem Sony E 70–350 mm f/4,5–6,3 G OSS.
Der eine Kompromiss
Die Konstruktion einer solchen Optik erfordert einige Kniffe. Das Sigma besteht aus 20 Linsen, die in 14 Gruppen gegliedert sind. Dabei hat es im eingefahrenen Zustand eine Länge von 123 und einen Durchmesser von 74 Millimetern. Das Filtergewinde hat einen Durchmesser von 67 Millimeter – eine gefällige Größe. Das Gewicht beträgt angenehme 615 Gramm. Hier ist das Sigma im Vergleich zum Tamron 18–300 mm f/3,5–6,3 Di III-A VXD bei allen Werten im Vorteil. Komplett ausgefahren misst das Gesamtpaket aus Sigma 16–300 mm und angesetzter Kamera 30 Zentimeter. Durch die geringe Größe unserer Testkamera, der Sony Alpha 6700, entsteht eine Einheit, die sich noch mit einer Hand halten lässt. Auch auf dem Stativ macht das Duo eine gute Figur. Lediglich wer sehr häufig im Supertele fotografiert, wird sich früher oder später eine Stativschelle wünschen. Bei kürzester Brennweite ist die Kombination mit angesetzter Kamera und Gegenlichtblende insgesamt 21 Zentimeter lang. Im klassischen Porträtbrennweitenbereich bei 70 mm (105 mm KB-Äquivalent) schon 26 Zentimeter.
Abbildungsleistung im CHIP Testlabor
Im Weitwinkel bietet das Zoom eine Offenblende von f/3,5 – und zeigt dabei einen erfreulich geringen Helligkeitsabfall (Vignettierung) von lediglich 0,7 Blendenstufen, wie die Messungen im CHIP-Testlabor ergaben. Auch die gemessene Auflösung hinterließ bei kürzester Brennweite und offener Blende einen guten Eindruck. Hier wurden im Labor an der Messkamera Sony Alpha 6700 gute 1.872 Linienpaare pro Bildhöhe (Lp(Bh) im Bildzentrum erreicht. Das entspricht 83 Prozent der möglichen Auflösung an der Messkamera. In den Ecken sinkt die Auflösung auf 1.586 Lp/Bh (73 Prozent). Zweifaches Abblenden verbessert das Ergebnis. In dem Fall steigt die gemessene Auflösung bei kürzester Brennweite auf 91 Prozent im Zentrum und auf 75 Prozent in den Ecken. Auch die Vignettierung sinkt von 0,7 auf nur noch 0,4 Blendenstufen.
Einen merklichen Ausreißer ermittelte das Testlabor bei mittlerer Brennweite und Offenblende. Hier fällt die gemessene Auflösung im Bildzentrum von den zuvor genannten 1.872 Lp/Bh bei kürzester Brennweite auf nur noch 1.641 Lp/Bh bei mittlerer Brennweite – und damit auf nur noch 75 Prozent der möglichen Auflösung an der Messkamera ab. In den Ecken werden bei mittlerer Brennweite und Offenblende sogar nur noch 57 Prozent erreicht. Zweifaches Abblenden verbessert die Schärfe bei mittlerer Brennweite vor allem in den Ecken deutlich von 57 auf 76 Prozent. Bei längste Brennweite liefert das Sigma-Zoom eine insgesamt gute und recht ausgeglichene gemessene Auflösung über das Bild verteilt.
Werfen wir außerdem einen Blick auf den Autofokus. Der erreicht im CHIP-Testlabor sehr gute Werte bei der Genauigkeit. Bei zehn Neufokussierungen liegt durchschnittliche Genauigkeit bei 99 Prozent bei kürzester Brennweite, bei 95 Prozent bei mittlerer Brennweite und bei 98 Prozent bei längster Brennweite. Dabei fällt auch die Standardabweichung im AF-Betrieb mit nur 10–49 Lp/Bh über den gesamten Zoombereich sehr gering aus. Die Geschwindigkeit des HLA-Motors (High-Response Linear Actuator) passt ebenfalls gut zur vielseitigen Einsatzmöglichkeit des Sigmas. Von 0,44 Sekunden im Weitwinkel bis 0,54 Sekunden im Tele hat man ein konstantes und gleichmäßiges Fokussieren und kann sich über alle Brennweiten darauf einstellen. Im Test ist der Motor als angenehm ruhig aufgefallen; Focus Breathing ist uns nicht aufgefallen. Insgesamt macht das Sigma 16–300 mm f/3,5–6,7 DC OS (C) im Testlabor einen guten Eindruck.
Wertvoller Begleiter
Im Praxistest ging es in die bunte Natur. Dort stellten wir die Werte am lebenden Objekt auf die Probe. Die Naheinstellgrenze von lediglich 17 Zentimetern im Weitwinkel ermöglicht Aufnahmen mit faszinierenden Details. Den größten Abbildungsmaßstab von 1:2 hat das Sigma 18–300 bei 70 mm. Das ist noch kein Makro, ermöglicht aber Nahaufnahmen und kann Feinheiten gut darstellen. Ebenso funktioniert es mit dem Freistellen von Motiven im Telebereich. Hier kommt der ausgezeichnete Bildstabilisator in seine Wohlfühlzone. Bis zu 4,5 Blendenstufen sind damit möglich. Das führt zu verwacklungsfreien Bildern aus der Hand, selbst bei schlechteren Lichtverhältnissen oder wenn sich das Motiv etwas schneller bewegt – wie die Schmetterlinge in unserem Praxistest. Wer sich neben Sport- und Wildtierfotografie und abseits weiter Landschaften lieber Personen widmet, kann ebenfalls – mit leichten Abstrichen – zum Sigma greifen. So ist es für Einsätze in der Streetfotografie, wo man gerne eher unauffällig unterwegs ist, fast schon zu groß. Und eine Offenblende von f/5,6 bei 50 mm (75 mm im KB) erzeugt kein so schönes Bokeh, wie es mit einer f/1,8 möglich wäre.
Die Vorurteile gegenüber Reisezooms kann diese Multifunktionsoptik getrost an sich vorüberziehen lassen. Mit dem Sigma 16–300 mm f/3,5–6,7 DC OS (C) investiert man in Spaß beim Fotografieren. Die Werte aus dem Labor und die Erfahrungen in der Praxis haben uns ein unaufgeregtes, aber versatiles Objektiv gezeigt, das für nahezu alle fotografischen Aufgaben gewappnet ist. Dabei liefert es einen weiteren Brennweitenbereich als viele klassische Reisezooms und ist für (fast) alle Anschlüsse zu haben. Die Bedienung geht Hand in Hand mit den kreativen Möglichkeiten, die an einer APS-C Kamera gegeben sind.
Sigma hat mit dem Sigma 16–300 mm f/3,5–6,7 DC OS (C) eine rundum spannende und dennoch preiswerte Linse geliefert, die im neuen hochwertigen wie nachhaltigem Verpackungsdesign kommt.
Aus dem Testlabor
Vignettierung des Sigma 16–300 mm f/3,5–6,7 DC OS (C) für E-Mount im Test
Die Vignettierung gibt an, wie stark die Helligkeit von der Bildmitte zu den Bildrändern hin abnimmt. In unseren Grafiken wird der Helligkeitsverlust in Blendenstufen farblich dargestellt. Die Legende zur Abstufung der Blendenstufen finden Sie direkt in der jeweiligen Grafik.
Unser Fazit: Sigma 16–300 mm f/3,5–6,7 DC OS (C) für E-Mount im Test
Sigma liefert eine rundum gelungene Komplettlösung zum fairen Preis. Das Objektiv liegt gut in der Hand am kleineren Body der APS-C-Kamera und eröffnet über die gesamte Brennweite kreative Möglichkeiten. Dazu kommt das handliche Packmaß, das die Optik zum treuen Begleiter macht.
Was uns gefällt …
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Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
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Leicht und handlich zu transportieren
- Großer Brennweitenbereich
- Optischer Bildstabilisator
… und was nicht so gut ist
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Deutlich sinkende gemessene Auflösung bei mittlerer Brennweite und Offenblende
- Recht weit ausfahrender Objektivtubus im Tele
Technische Daten: Sigma 16–300 mm f/3,5–6,7 DC OS (C) für E-Mount
| Konstruiert für Sensorgröße / Bajonett | APS-C / Sony E |
| Brennweite an APS-C-Kamera (umgerechnet auf Kleinbild) | 24–450 mm |
| Maximale Lichtstärke (kürzeste Brennweite / längste Brennweite) | 3,5 / 6,7 |
| Kleinste Blende | 22 |
| Konstruktion: Linsen / Gruppen | 20 / 14 |
| Blendenlamellen (Anzahl) | 9 |
| Naheinstellgrenze | 0,17 m |
| Filtergröße | 67 mm |
| Abmessungen / Gewicht | 74 x 123 mm / 615 g |
| AF-Motor / AF/MF-Schalter | ● / ━ |
| Bildstabilisator / mit mehr als einem Modus | ● / ━ |
| Innenfokus / Innenzoom | ● / ━ |
| Funktionstaste (Fn) | ━ |
| Steuerrungs-/Blendenring / De-Click-Schalter | ━ / ━ |
| Fokusbereichsbegrenzer | ━ |
| Gummidichtung am Bajonett | ● |
| Streulichtblende / Schutzbeutel/-tuch mitgeliefert | ● / ● |












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