Panasonic hat mit der Lumix DC-S1IIE eine Vollformat‑DSLM vorgestellt, die sich an anspruchsvolle Foto‑Enthusiasten richtet: identische Haptik und Bedienlogik wie bei der S1II und S1RII, dazu ein 24,2‑Megapixel‑Sensor auf S5II‑Niveau – und das rund 1.000 Euro günstiger als die S1II (zum Zeitpunkt dieses Testberichts). Im Test klären wir, für wen sich der Kauf lohnt.
Panasonic Lumix DC-S1IIE
- Sensor: 24,2 MP Vollformat, CMOS
- ISO-Bereich: 50–204.800
- Kürzeste Verschlusszeit: 1/8.000 s
- Bildstabilisierung: ja
- Video: 6K/30p
- Display: 3,0 Zoll, 1.840.000 Bildpunkte
- Sucher: ja, elektronisch
- Speichermedien: 1x CFexpress – Typ B / 1x SDXC (UHS II)
- Gewicht: 795 g
- Preis: ca. 2.200 Euro
- www.panasonic.com/de
Panasonic hat die Lumix DC-S1IIE zusammen mit dem Schwestermodell DC-S1II vorgestellt. Während sich die S1II mit ihrer umfassenderen Ausstattung zum Preis von rund 3.200 Euro an professionelle Fotografen und Filmer richtet, will Panasonic mit der vergleichsweise günstiger positionierten S1IIE (ca. 2.200 Euro) zusätzlich all jene Foto-Enthusiasten ansprechen, die in die Vollformatklasse einsteigen möchten und sich gleichzeitig die Bedienung und Anmutung der Lumix-Profimodelle wünschen. Zu diesem Zweck kombiniert Panasonic bei der S1IIE das Gehäusedesign und die Benutzerführung der Schwestermodelle S1II und S1RII mit einem 24,2-Megapixel-Vollformatsensor, dessen Leistung sich laut Hersteller an der des Lumix-Mittelklassemodells S5II orientiert. Im folgenden Test betrachten wir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur höherpreisigen S1II und prüfen, wie sich die S1IIE sowohl in der Praxis als auch bei unseren Messungen im Testlabor schlägt.
Bedienung der Profiklasse
Werfen wir zunächst einen Blick auf das Gehäuse der Lumix S1II: Es orientiert sich klar an der höchsten Lumix-Vollformatklasse und vermittelt bereits beim Anfassen ein Gefühl von Stabilität und Wertigkeit. Mit Abmessungen von rund 134 x 102 x 92 Millimetern wirkt das Gehäuse, wie man es von vielen anderen Lumix-S-Kameras gewohnt ist, insgesamt recht groß. Das hat in der Praxis jedoch auch Vorteile: Selbst mit großen und schweren Objektiven liegt die Kamera dank des ausgeprägten Griffs sehr sicher in der rechten Hand.
Für die Belichtungssteuerung stehen drei Einstellräder zur Verfügung: zwei oben und eines am Tastenkreuz auf der Rückseite. Dadurch lassen sich entscheidende Parameter schnell anpassen. Häufig benötigte Einstellungen wie der Weißabgleich, die ISO-Empfindlichkeit und die Belichtungskorrektur sind über eigene Tasten neben dem Auslöser direkt mit dem Zeigefinger erreichbar. Die ISO-Taste ist sogar mit zwei kleinen Erhebungen versehen, sodass sie sich auch dann schnell ertasten lässt, wenn das Auge am Sucher ist. Der praktische Joystick auf der Rückseite hilft beim Positionieren des Fokusfeldes. Direkt daneben lassen sich der Fokusmodus (Einzel-AF, kontinuierlich oder manuell) sowie die Größe und Art des Messfeldes einstellen. So hat man alle Fokuseinstellungen direkt beisammen.
Auf dem Modusrad befinden sich gleich fünf Custom-Positionen (C1-C5). Darüber können individuelle Belichtungseinstellungen für verschiedene Aufnahmesituationen vorab gespeichert und später ohne Umweg über das Menü aufgerufen werden. Das kann beispielsweise hilfreich sein, wenn man eine Hochzeit fotografiert und schnell zwischen Aufnahmen in den Räumlichkeiten des Standesamtes und dem Empfang durch die Hochzeitsgesellschaft draußen vor dem Gebäude wechseln muss. In diesem Fall lassen sich die nötigen Belichtungseinstellungen für beide Szenarien bereits vorab testen und in den Custom-Modi speichern.
Für die verschiedenen Betriebsarten – darunter Serienbilder, der hochauflösende Modus, Zeitrafferaufnahmen und der Selbstauslöser – gibt es ein eigenes Einstellrad oben links am Gehäuse. Mit einem darunterliegenden Schalter kann zwischen den Modi Foto, Video und Zeitlupe gewechselt werden. Filmer und Content Creator profitieren von zwei Videoauslösern in Form von roten Tasten – einer oben und einer vorne am Gehäuse. Letzterer ist vor allem für Vlogger gedacht, die sich selbst filmen und so die Aufnahme schneller starten können.
Da die Kamera viele Tasten und Räder bietet, kann es im Eifer des Gefechts passieren, dass man versehentlich gegen Bedienelemente stößt und dadurch Einstellungen verändert. Genau hier hilft der Lock-Schalter: Im Kameramenü lässt sich individuell festlegen, welche Bedienelemente bei dessen Aktivierung gesperrt sein sollen.
Sucher, Display und IBIS
Wenn man bedenkt, dass die Lumix S1IIE rund 1.000 Euro günstiger ist als das auf Profis ausgerichtete Modell S1II, ist es erfreulich, dass Fotoenthusiasten im Hinblick auf den elektronischen Sucher, das Display und die am Sensor verbaute Bildstabilisierung (IBIS) keinerlei Abstriche machen müssen. Wie die S1II (und auch die S1RII) ist die Lumix S1IIE mit einem elektronischen OLED-Sucher mit einer hohen Auflösung von 5,76 Millionen Bildpunkten ausgestattet, der ein sehr scharfes Sucherbild liefert. Das 3-Zoll große Display auf der Rückseite löst mit 1,84 Millionen Bildpunkten auf, ermöglicht eine Touchsteuerung und bietet eine hohe Flexibilität: Es lässt sich sowohl zur Seite schwenken und neigen als auch nur neigen, ohne es gleichzeitig zur Seite klappen zu müssen . Damit ist die Kamera für alle Blickwinkel und Perspektiven, sowohl im Foto- als auch im Videobereich, bestens aufgestellt.

Flexible Winkel: Das 3,0-Zoll-Display lässt sich ein Stück weit nach vorne ziehen, sowie kippen und schwenken – damit lässt sich so ziemlich jede Aufnahmeperspektive umsetzen. Bild: Thomas Probst
Auch bei der Bildstabilisierung können sich Fotoenthusiasten über die hohe Effektivität der sensorbasierten 5-Achsen-Bildstabilisierung der höherpreisigen Lumix S1II freuen. Laut Hersteller ermöglicht der IBIS der S1IIE in Kombination mit dem Lumix S 20–60 mm f/3,5–5,6 um bis zu acht Blendenstufen längere Verschlusszeiten als ohne Stabilisierung. In Verbindung mit einem optisch stabilisierten Objektiv werden im Dual-I.S.-Modus bis zu sieben Blendenstufen erreicht (laut Hersteller gemessen mit dem Lumix S 24–105 mm f/4,0 OIS). Darüber hinaus ermöglicht die bewegliche Sensorlagerung einen hochauflösenden Modus, bei dem mehrere 24-Megapixel-Einzelbilder mit jeweils leicht versetzter Sensorposition zu einem 96-Megapixel-Ergebnis zusammengesetzt werden – auch diese Funktion übernimmt die S1IIE von der S1II.
Menü-Features, die wir gut finden
Unterschiede zur teureren S1II
Die wichtigste Unterscheidung zwischen der Lumix DC-S1IIE und der rund 1.000 Euro teureren S1II liegt im Sensor: Die S1II nutzt einen neu entwickelten, teilweise gestapelten 24,1-Megapixel-Vollformatsensor mit hoher Auslesegeschwindigkeit. Die S1IIE arbeitet dagegen mit einem vergleichsweise langsameren 24,2-Megapixel-Vollformatsensor auf dem Leistungsniveau des Mittelklasse-Modells S5II. Einzelheiten zur sehr guten Bildqualität des S1IIE-Sensors mit einer konstant hohen Kantenschärfe und einer sehr guten Detailtreue bis einschließlich ISO 6.400 finden Sie im Kasten zur Bildqualität.
Schauen wir uns an dieser Stelle die Auswirkungen der langsameren Auslesegeschwindigkeit des S1IIE-Sensors etwas genauer an. So beträgt die kürzeste Zeit mit elektronischem Verschluss bei der S1IIE 1/8.000 Sekunde, während die S1II elektronisch bis 1/16.000 Sekunde auslöst. Auch beim Serienbildtempo hat die S1II die Nase vorn: Mit dem schnelleren Sensor und einem Bildprozessor der neuesten Generation erreicht sie bis zu 70 Bilder pro Sekunde mit kontinuierlicher Schärfenachführung. Die S1IIE kommt mit AF-C auf bis zu 30 Bilder pro Sekunde. Dabei ist die Serie kameraseitig auf eine Bildfolge von 180 JPEGs oder 180 RAWs begrenzt, was in vielen Fällen aber durchaus ausreichen wird. Beide Modelle verfügen über das gleiche Phasen-Hybrid-Autofokussystem mit verbesserter Augen-/Gesichtserkennung sowie der neuen „Urban Sports“-Erkennung für dynamische Szenen mit schnellen Bewegungen.
6K-Video und interner Lüfter
Die Lumix S1IIE unterstützt 6K/30p-10-Bit-Aufnahmen im 3:2-Open-Gate-Format. „Open Gate“ bedeutet, dass zunächst auf der vollen Sensorfläche im Seitenverhältnis 3:2 aufgezeichnet wird. Das endgültige, für das Videoprojekt benötigte Seitenverhältnis kann dann später in der Postproduktion gewählt werden. Das gibt Filmern reichlich Spielraum für verschiedene Anforderungen. Per Maskenfunktion können bei Bedarf verschiedene Seitenverhältnisse mit Rahmen im Display oder Sucher eingeblendet werden. So können Anwender schon bei der Aufnahme kontrollieren, dass sich alle wichtigen Bildinformationen innerhalb des Rahmens befinden, auf den später in der Nachbearbeitung zugeschnitten werden soll. Die höherpreisige S1II bietet im Vergleich zur S1IIE neben 6K/30p Open Gate zusätzlich 5,1K/60p 10-Bit (3:2) Open Gate sowie 5,9K/60p (16:9). Auf diese Optionen muss man bei der günstigeren S1IIE verzichten. 5,9 K sind bei der S1IIE mit 30 p im Seitenverhältnis 16:9 möglich, außerdem stehen 4K/30p-10-Bit (16:9) und Cs4K/60p-10 Bit (17:9) zur Verfügung.
Ein internes Belüftungssystem soll verhindern, dass die S1IIE bei hohen Videoauflösungen zu schnell überhitzt. Im Praxistest mit 6K/30p bei normaler Raumtemperatur wurde die Aufzeichnung nach rund 15 Minuten automatisch wegen Überhitzung beendet.
Aus dem Testlabor

Aufgenommen mit der Panasonic Lumix DC-S1IIE und dem Lumix S 24-60mm F2.8 bei 35 mm (KB), ISO 100, f/2,8 und 1/2.000 Sekunde. Bild: Thomas Probst
Wie Panasonic verlauten lässt, orientiert sich die Leistung des rückseitig belichteten 24,2-Megapixel-Vollformatsensors der S1IIE an der des Mittelklasse-Schwestermodells S5II. Das bestätigt auch der CHIP Labortest. Beide Modelle liegen bei der gemessenen Auflösung praktisch auf Augenhöhe. Die S1IIE erreicht bei ISO min sehr gute 1.889 Linienpaare pro Bildhöhe (Lp/Bh) und liegt damit hauchdünn vor der S5II mit 1.861 Lp/Bh – diesen Mini-Vorsprung hält sie bis einschließlich ISO 12.800. Dabei bleibt die Kantenschärfe erfreulich konstant: Erst bei ISO 6.400 fällt die Auflösung der S1IIE erstmals unter 1.800 Lp/Bh, konkret auf 1.778 Lp/Bh. Beim Bildrauschen zeigt sich, dass Panasonic bei der S1IIE, wie schon bei der S5II, auf eine eher zurückhaltende Rauschreduzierung setzt. Sichtbares Rauschen tritt am Monitor erstmals bereits ab ISO 1.600 auf (VN1=2,1) und steigt bei ISO 3.200 nochmal auf VN1=2,7. Die dezente Entrauschung bringt dafür Vorteile bei den Details: Die Detailtreue bleibt mit 94 bis 96 Prozent bis einschließlich ISO 12.800 auf sehr hohem Niveau – und damit auf dem Top-Niveau der S5II.
Unser Fazit: Panasonic Lumix DC-S1IIE im Test
Das Gehäuse der S1IIE ist zwar recht wuchtig, liegt aber gut in der Hand. Im Test überzeugt die Kamera mit einer hochwertigen Ausstattung, zu der unter anderem ein effektiver IBIS und ein flexibles Display gehören. Die Bildqualität überzeugt durch eine konstant hohe Kantenschärfe und erstklassige Detailtreue. Panasonic gelingt eine sehenswerte Kombination aus Profi- und Mittelklasse.
Was uns gefällt …
- 5-Achsen-Bildstabilisierung
- Durchdachtes Bedienkonzept
- Sehr gute Bildqualität
… und was nicht so gut ist
-
Recht groß und schwer
-
Nur 1/8.000 Sekunde mit elektronischem Verschluss
Technische Daten: Panasonic Lumix DC-S1IIE
| Maximale Auflösung | 6.000 x 4.000 Pixel |
| Effektive Pixel | 24,0 Millionen |
| Sensor (Typ / Größe) | CMOS / 35,8 x 23,8 mm |
| Bajonett / Crop-Faktor | Leica L / 1-fach |
| Bildstabilisator / Kompensation | ● / 8,0 EV |
| Sucher (Art) | elektronisch |
| Bildfeld-Abdeckung / Vergrößerung (auf KB) | 100 Prozent / 0,78-fach |
| Display (Größe / Auflösung) | 3,0 Zoll / 1.840.000 Subpixel |
| Touchscreen / beweglich | ● / ● |
| Verschlusszeiten / Bulb | 1/8.000–60 s / ● |
| Kürzeste Blitzsynchronisation | 1/250 s |
| ISO-Bereich (ohne / mit Erweiterung) | 100–51.200 / 50–204.800 |
| Bildformate | JPEG, RAW, RAW+JPEG, HEIF |
| Serienbildgeschwindigkeit (max. / mit AF-C / mit AF-S) | 30 / 30 / 30 Bilder pro Sekunde |
| Maximale Video-Auflösung / Zeitlupen | 3.968 (30p) / 1.080 (120 fps) |
| Video: manuelle Blende / ISO / Fokuspunkt wählbar / AF-C | ● / ● / ● / ● |
| Video: RAW / flaches Bildprofil / Bildstabilisierung | ● / V-Log, HLG, 709, 2100 / am Sensor |
| Blitzschuh / Blitzsynchron-Anschluss | ● / ━ |
| WLAN / Bluetooth / GPS | ● (b/g/n/ac) / ● / ━ |
| Speichermedium (Schacht 1 / 2) | Cfexpress - Typ B / SDXC (UHS II) |
| USB / HDMI-Ausgang | 3.1 / HDMI |
| Mikrofon- / Kopfhörerklinke | ● / ● |
| Akkutyp / Energie | DMW-BLK22 / 15,8 Wh |
| Gehäuse abgedichtet | ● |
| Abmessungen (B x H x T) | 134 x 102 x 92 mm |
| Gewicht Body | 795 g |



















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