Der BGW-Fotowettbewerb 2026 ist bereits in vollem Gange – und wer noch teilnehmen möchte, hat dazu noch bis zum 1. Februar 2026 Gelegenheit. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) lädt Fotobegeisterte ein, sich fotografisch mit dem Thema „Mensch – Arbeit – Alter” auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt stehen die Pflege älterer Menschen und diejenigen, die diese anspruchsvolle Arbeit Tag für Tag leisten.

Gesucht werden Fotografien, die den Alltag älterer Menschen und die Arbeit mit ihnen dokumentarisch, erzählerisch, künstlerisch oder kritisch beleuchten. Die Motive dürfen sowohl Nähe, Fürsorge und Herausforderungen zeigen als auch Missstände sichtbar machen. Gefragt sind ehrliche, respektvolle und authentische Einblicke, die die Bedeutung der Altenpflege sichtbar machen.

Die Teilnahme steht allen Fotografinnen und Fotografen offen, die mindestens 18 Jahre alt sind. Eingereicht werden können Einzelbilder oder Serien mit maximal fünf Motiven. Einsendeschluss ist der 1. Februar 2026. Die Teilnahme erfolgt ausschließlich online über die Website der BGW.

Die besten Arbeiten werden von einer Fachjury ausgewählt und mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 29.000 Euro prämiert. Die feierliche Preisverleihung findet im Herbst 2026 im Rahmen des Deutschen Pflegetags in Berlin statt. Die prämierten Serien und Einzelbilder werden anschließend in einem Katalog veröffentlicht und im Rahmen einer bundesweiten Wanderausstellung gezeigt – eine besondere Gelegenheit, die eigene Arbeit einem großen Publikum zu präsentieren.

Livia Kappler: Nähe und Würde in der Altenpflege

Ein eindrucksvolles Beispiel für die thematische Tiefe des Wettbewerbs liefert die Fotografin Livia Kappler, die 2019 den zweiten Platz belegte. Ihre Serie „Badezimmerbegegnungen“ zeigt Szenen aus der ambulanten Altenpflege – entstanden während ihrer eigenen Arbeit als Hauspflegehelferin bei der Caritas.

In den Bildern dokumentiert Kappler Momente des Vertrauens, der Fürsorge und des Alterns. Sie zeigt Pflegende und Gepflegte in alltäglichen, oft intimen Situationen – stets mit großem Respekt und feinem Gespür für Menschlichkeit. „Die Erfahrungen in dieser Zeit lehrten mich, worum es letztlich geht: um Menschlichkeit“, schreibt sie über ihr Projekt, das sie als „Hommage an den Beruf der Altenpflege“ versteht.

Drei Fragen an Livia Kappler

(Preisträgerin des BGW-Fotowettbewerbs 2019)

Frau Kappler, Ihre Fotoreportage über die Arbeit in der Altenpflege berührt durch ihre große Nähe und Menschlichkeit. Was hat Sie damals dazu bewegt, sich diesem intimen und selten sichtbaren Alltag der Pflege zu widmen?

Während meines Fotografiestudiums an der FH Dortmund habe ich in den Semesterferien regelmäßig in der ambulanten Altenpflege gearbeitet, um Geld zu verdienen. Meine Mutter ist Krankenschwester und arbeitet schon sehr lange in der häuslichen Pflege. Daher hatte ich schon immer eine Verbindung zu diesem Berufsfeld. Der Ferienjob hat mir auf Anhieb Spaß gemacht und es fiel mir erstaunlich leicht, mit den Menschen, die geduscht, gebadet und versorgt werden mussten, in Kontakt zu treten. Berührungsängste hatte ich so gut wie keine. Ich habe als Fotografin einen sehr fotografischen/visuellen Blick. Daher ließen diese Szenen im Bad mein fotografisches Herz aufgehen. Es war etwas Besonderes, so intime Momente mit Menschen zu teilen und vor allem in diesen Momenten gebraucht zu werden. Das hat mir so viel gegeben, dass ich diese Erfahrung unbedingt teilen und sichtbar machen wollte.

Beim Fotografieren im Badezimmer, einem der privatesten Orte überhaupt, ist großes Vertrauen nötig. Was war für Sie die größte Herausforderung bei der Umsetzung Ihrer Fotoreportage und wie haben Sie es geschafft, die Würde der Menschen im Bild zu bewahren?

Bei jeder Fotoreportage sieht man, wie sehr der Fotograf bzw. die Fotografin in das Projekt involviert ist. So auch hier. Der Grundstein für diese Reportage war, dass ich nicht nur Beobachterin und Fotografin, sondern auch Pflegerin war. Ich hatte bereits eine Beziehung zu diesen Menschen aufgebaut, in der sie mich anders kennengelernt haben. Anders wären diese Fotos nicht entstanden. Es hätte sich für mich auch überhaupt nicht richtig angefühlt, einfach so als Fotografin mit in ein Bade- oder Schlafzimmer zu laufen und drauflos zu fotografieren. Ich hatte unglaublichen Respekt vor dem Moment, als ich nach Wochen meiner Pflegetätigkeit das erste Mal als Fotografin und damit als dritte Person neben dem Pflegepersonal in die Pflegesituation hineinging. Ich glaube, durch meine „Vorarbeit“ ist mir genau das gelungen: Die Würde der Patientinnen und Patienten in diesen sehr intimen Momenten zu bewahren.

Ihre Fotoreportage ist eine Hommage an den Beruf der Altenpflege. Warum ist es Ihrer Meinung nach auch heute, viele Jahre später, noch immer so wichtig, dass wir uns im Wettbewerb der BGW erneut mit dem Thema „Mensch – Arbeit – Alter” auseinandersetzen?

Kleiner Disclaimer: Ich bin mittlerweile auch examinierte Pflegefachfrau. Nach meinem Fotografiestudium habe ich mich noch einmal durch eine dreijährige Ausbildung (an der Charité in Berlin) „gekämpft“, weil ich einen sicheren Job wollte. Seither arbeite ich zwar nicht in der Altenpflege, sondern auf einer Akutstation der Psychiatrie, aber ich kann mir durchaus vorstellen, irgendwann in die häusliche Pflege zu wechseln. Das Thema Altenpflege war auch in der Ausbildung sehr präsent. Mit der generalistischen Pflegeausbildung hofft man, die entstehenden Lücken in der Altenpflege zu schließen (ob das wirklich eine gute Taktik ist, sei mal dahingestellt). Die Babyboomer-Generation wird langsam pflegebedürftig – da kommt einiges auf Deutschland (und Europa im Allgemeinen) zu. Deshalb ist dieses Thema ein Dauerbrenner und braucht so viel Aufmerksamkeit wie möglich – heute und in den nächsten Jahren. Es müssen neue Ideen her, was Wohnen und Leben im Alter angeht, damit auch junge Menschen Lust auf das Thema bekommen und neugierig werden. Aber ich habe das Gefühl, dass Deutschland da leider nicht sonderlich innovativ ist. Die Themen Einsamkeit (bei Jung und Alt), Pflegenotstand und Wohnungsnot hängen doch miteinander zusammen! Warum nicht mal mutig sein und Projekte fördern, die an kreativen Lösungen arbeiten?

Weitere Informationen zum BGW-Wettbewerb 2026

Alle Informationen zur Teilnahme, zu den Preisen sowie zu den Teilnahmebedingungen finden sich auf der Website der BGW:

www.bgw-online.de/fotowettbewerb-2026

Einsendeschluss ist der 1. Februar 2026.

 

Über die BGW:

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, kurz BGW, ist die gesetzliche Unfallversicherung für nicht staatliche Einrichtungen im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege.

www.bgw-online.de