Mit dem AF 85 mm f/1,8 Z hat Rollei eine lichtstarke und preiswerte Festbrennweite für Nikon-Z-Fotografen auf den Markt gebracht. Im Test überzeugt uns das Debüt-Objektiv mit seiner soliden Leistung.
Rollei AF 85 mm f/1,8 Z
- Anschluss: Z-Mount
- Optischer Aufbau: 10 Elemente in 7 Gruppen
- Anzahl Blendenlamellen: 11
- Autofokus: ja
- Bildstabilisator: nein
- Gewicht: 477 g
- Preis: ca. 300 Euro
- www.rollei.de
Mit dem AF 85 mm f/1,8 präsentiert Rollei sein erstes eigenes Objektiv – entwickelt speziell für spiegellose Vollformat-Systemkameras. Neben einer Version für Sonys E-Mount ist das Rollei AF 85 mm auch für Kameras im Nikon-Z-System erhältlich. Wir schauen uns in diesem Test die Nikon-Z-Version genauer an, die am Ende des Produktnamens zur besseren Unterscheidung mit einem „Z“ endet. Für gerade mal 300 Euro avanciert das Rollei AF 85 mm f/1,8 Z zu einer spannenden Alternative gegenüber dem höherpreisigen Nikon Nikkor Z 85 mm f/1,8 S für etwa 690 Euro (zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung).
Die 85-mm-Brennweite mit Offenblende f/1,8 gilt unter Porträtfotografen als Klassiker, da sie natürliche Proportionen ohne sichtbare Verzerrung liefert und dank großer Blendenöffnung für eine geringe Schärfentiefe mit weicher Hintergrundunschärfe (Bokeh) sorgt.
Neben dem Einsatz an Vollformatkameras lässt sich das Objektiv auch an spiegellosen APS-C-Kameras des Z-Systems nutzen. In dem Fall entspricht der Bildwinkel durch den Crop-Faktor von 1,5 dem eines 127,5-mm-Kleinbildobjektivs – ideal für enge Porträtausschnitte.
Verarbeitung und Bedienung
Das Vollmetallgehäuse wirkt robust und wertig verarbeitet. Das Bajonett ist mit einer Gummidichtung versehen. Weitere Dichtungen werden von Rollei nicht angegeben. Bei leichtem Regen empfehlen wir daher, das Objektiv vorsichtshalber in die Fototasche zu packen, um kein Risiko einzugehen.
Der Fokusring läuft angenehm schwergängig, sodass sich die Einstellung nicht so leicht verstellt, wenn man versehentlich dagegen kommt. Im manuellen Fokusmodus dient der Fokusring klassisch zur Schärfeeinstellung. Wenn der Autofokusschalter auf AF für Autofokus steht, wird aus dem Fokusring ein Funktionsring, dem sich im Kameramenü verschiedene Aufgaben wie die Blenden- oder ISO-Wahl zuordnen lassen. Beim Drehen des Funktionsrings entstehen allerdings leise Geräusche, die bei Videoaufnahmen mit kamerainternem Mikrofon hörbar sind.
Während auch beim Nikkor Z 85 mm f/1,8 S der Fokusring als individuell belegbarer Einstellring verwendet werden kann, hat das Rollei AF 85 mm dem Nikkor Z 85 mm eine zusätzliche Funktionstaste voraus. Sie kann über das Kameramenü etwa mit der Tracking-Funktion oder der Einblendung von Gitterlinien belegt werden, erzeugt jedoch ein deutliches Klickgeräusch, was in sehr ruhigen Umgebungen, wie etwa bei einer Taufe oder bei einer Hochzeit stören kann.
Ein praktisches Detail ist der am Bajonett integrierte USB-C-Anschluss zur Installation von Firmware-Update. Zum Lieferumfang gehört eine Gegenlichtblende.
AF mit Stärken und Schwächen
Beim Autofokus des AF 85 mm f/1,8 Z setzt Rollei auf einen STM-Schrittmotor. Im Einzelbildmodus zeigt der Autofokus seine Stärken. Mit einer im CHIP Testlabor an einer Nikon Z7II gemessenen Auslöseverzögerung von 0,39 Sekunden arbeitet er alltagstauglich schnell. Im Labor erzielte er bei mehreren hintereinander aufgenommenen Bildern mit jeweiliger Neufokussierung eine hohe durchschnittliche Treffergenauigkeit von 97 Prozent bei einer geringen Standardabweichung von nur 41 Linienpaaren pro Bildhöhe. Damit liegt er auf Augenhöhe mit dem teureren Nikkor Z 85 mm f/1,8 S und liefert eine zuverlässig präzise Scharfstellung.

Aufgenommen mit dem Rollei AF 85 mm f/1,8 Z an einer Nikon Z6II bei 85 mm (KB), ISO 100, f/1,8 und 1/2.500 Sekunde. Bild: Thomas Probst
Der Autofokus unterstützt die Gesichts- und Augenerkennung der Nikon-Z-Kameras, auch im AF-C-Modus, also bei kontinuierlicher Schärfenachführung. Solange sich die Person vor der Kamera nur leicht bewegt, funktioniert die Schärfenachführung zuverlässig. Bei actionreicheren Motiven mit schnelleren Bewegungen kommt der AF allerdings nicht mehr ganz so gut hinterher, da er im AF-C-Modus etwas träge reagiert.
Zudem ist der AF-Antrieb hörbar und überträgt leichte Vibrationen auf das Kameragehäuse. Das fällt bei Alltagsgeräuschen – etwa neben einer belebten Straße – kaum ins Gewicht, in ruhiger Umgebung sind die Betriebsgeräusche jedoch deutlich wahrnehmbar. Aufgrund dieser hörbaren Arbeitsweise ist der AF unserer Einschätzung nach für Videoaufnahmen mit dem kamerainternen Mikrofon nur eingeschränkt geeignet.
Bildqualität im Labor und in der Praxis
Im Auflösungstest des CHIP Testlabors an der Messkamera Nikon Z7II liefert das Rollei AF 85 mm f/1,8 Z im Bildzentrum bei Offenblende f/1,8 gute 2.513 Linienpaare pro Bildhöhe (Lp/BH). Das entspricht 86 Prozent der theoretisch möglichen Auflösung der genannten Kamera. Das Nikkor Z 85 mm f/1,8 S erreicht mit 2.577 Lp/Bh nur einen minimal höheren Wert. Deutlicher fallen die Unterschiede am Bildrand aus: Hier sinkt die Auflösung des Rollei-Objektivs auf 1.883 Lp/Bh (65 Prozent), während das Nikkor mit 2.135 Lp/Bh (73 Prozent) mehr Details erfasst. Zweifach abgeblendet steigt die Auflösung der Rollei-Festbrennweite im Bildzentrum auf hervorragende 97 Prozent, während sie an den Rändern auf 63 Prozent leicht fällt – der Schärfeabfall wird somit deutlicher. Das Nikkor erreicht zweifach abgeblendet 96 Prozent im Zentrum und bleibt mit 79 Prozent am Rand klar vorn.
Bei der Vignettierung liegt das Rollei mit 0,6 Blendenstufen bei f/1,8 sowie mit 0,3 Stufen, zweifach abgeblendet, auf einem guten Niveau. Das Nikkor ist mit 0,4 bzw. 0,2 Stufen hier nur geringfügig überlegen. Deutlicher fällt der Unterschied bei der Verzeichnung aus: Während das Rollei mit 1,7 Prozent eine leichte tonnenförmige Verzerrung zeigt, bleibt das Nikkor mit 0,1 Prozent nahezu verzeichnungsfrei. Auch bei der chromatischen Aberration ist das Nikon mit einer Farbsaumbreite von nur 0,2 Pixeln gegenüber 0,9 Pixeln beim Rollei leicht im Vorteil.
In der Praxis zeigt sich: Obwohl das Rollei AF 85 mm f/1,8 Z in den Ecken und bei typischen Abbildungsfehlern nicht ganz mit dem teureren Pendant von Nikon mithalten kann, liefert es dennoch ansprechende Ergebnisse. Vor allem bei Porträtaufnahmen mit offener Blende überzeugt es mit einem weichen Bokeh und einer klaren Trennung des Motivs vom Hintergrund. Wer das vergleichsweise preiswerte Rollei-Objektiv in erster Linie für Porträts mit offener Blende nutzt, bei denen das Hauptmotiv zentral im Fokus steht, wird den Schärfeabfall in den Bildecken ohnehin kaum wahrnehmen.
Aus dem Testlabor
Vignettierung des Rollei AF 85 mm f/1,8 Z im Test
Die Vignettierung gibt an, wie stark die Helligkeit von der Bildmitte zu den Bildrändern hin abnimmt. In unseren Grafiken wird der Helligkeitsverlust in Blendenstufen farblich dargestellt. Die Legende zur Abstufung der Blendenstufen finden Sie direkt in der jeweiligen Grafik.
Unser Fazit: Rollei AF 85 mm f/1,8 Z im Test
Das Rollei AF 85 mm f/1,8 Z bietet im Nikon-Z-System ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Festbrennweite punktet mit einem Bedienkonzept mit Funktionsring und Funktionstaste, einer guten Bildqualität im Bildzentrum und einem treffsicheren Autofokus. Schwächen zeigen sich beim Randabfall der Schärfe, der Verzeichnung und beim vergleichsweise trägen AF-C. Der hörbare Autofokus-Motor ist für Videoaufnahmen weniger geeignet. Für Hobbyfotografen, die gelegentlich Porträts mit einem schönen, weichen Bokeh bei Blende f/1,8 aufnehmen möchten, aber nicht den Preisaufschlag für das Nikkor zahlen möchten, ist das Rollei AF 85 mm f/1,8 Z eine lohnenswerte Wahl.
Was uns gefällt …
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Hohe Lichtstärke zum erschwinglichen Preis
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Treffsicherer Autofokus
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Funktionstaste
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Fokusring lässt sich als Blendenring nutzen
… und was nicht so gut ist
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Recht lautes Geräusch beim Drücken der Funktionstaste
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Deutlicher Schärfeabfall in den Ecken
- Hörbarer AF-Motor bei Videoaufnahmen
Technische Daten: Rollei AF 85 mm f/1,8 Z
| Konstruiert für Sensorgröße / Bajonett | Kleinbild / Nikon Z |
| Brennweite an APS-C-Kamera (umgerechnet auf Kleinbild) | 127,5 mm |
| Maximale Lichtstärke | 1.8 |
| Kleinste Blende | 16 |
| Konstruktion: Linsen / Gruppen | 10 / 7 |
| Blendenlamellen (Anzahl) | 11 |
| Naheinstellgrenze | 0,85 m |
| Filtergröße | 62 mm |
| Abmessungen / Gewicht | 88 x 96 mm / 477 g |
| AF-Motor / AF/MF-Schalter | ● / ● |
| Bildstabilisator / mit mehr als einem Modus | ━ / ━ |
| Innenfokus | ● |
| Funktionstaste (Fn) | ● |
| Steuerrungs-/Blendenring / De-Click-Schalter | ● / ━ |
| Fokusbereichsbegrenzer | ━ |
| Gummidichtung am Bajonett | ● |
| Streulichtblende / Schutzbeutel/-tuch mitgeliefert | ● / ━ |








Danke für die Hinweise unserer Leser, dass sich beim Fazit unter “Was uns gefällt” und “Was nicht so gut ist” versehentlich Informationen aus einem Test zu einem 28-mm-Objektiv eingeschlichen haben. Das habe ich gerade korrigiert. Auch die Information im Bild zum Dichtungsring wurde korrigiert. Das Rollei AF 85 mm f/1,8 Z ist natürlich mit einer Dichtung am Anschluss ausgestattet.